Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063367-3063378--04755-3071621
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 11. Die Wahrheit Seite 7. ist — kräftigst unterstützen. D. H. Spitze r beantragte hierauf die Gründung eines jüdischen Schulvereines. Dr. jur. Adolf Fuchs propagiert diesen Antrag und wurde hierauf beschlossen, das Exekutivkomitee sämtlicher Schulstühle, dem das Gesamtrabbinat und einige hervorragende Pädagogen beigezogen werden sollen, zu einer diesbezüglichen Besprechung einzuladen. Präsident Dr. Blum schloß dann die wichtige Sitzung. Zu bemerken ist noch, daß es schon einige Privatvereine mit ähnlichen Zielen gibt, so bildete sich vor ungefähr einem Jahre ein neuer kultureller Verein im hauptstädtischen V. Bezirk unter dem Titel „Leopoldstädter Talmud-Thora und Bethausverein", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern der Elementar- und Mittelschulen unentgeltlich einen erweiterten hebräischen Unterricht zu erteilen und sie so mehr in jüdischem Geiste zu erziehen. Außerdem hält der Verein im Hause Leopoldring Nr. 23 ein ständiges Bethaus aufrecht, wo zweimal täglich Gottesdienst gehalten wird, und versieht arme Schulkinder mit warmen Winterkleidern. Josefssohn. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Verband der israelitischen Reliqionsl e h r e r a n d e n ö st e r r e i ch i s ch e n M i t r e l s ch u l e n). Ain Donnerstag, den 7. März erschien in Verhinderung des Obmannes Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang eine Deputation, bestehend aus den Herren Professor Weiß, Prof. Kanitz und Rabbiner Dr. Rosenmann bei dem Herrn Unterrichtsminister Dr. March et und überreichte ein Promemoria in Betreff der Remuneration und der Quinqnennien für die nicht definitiven Religionslehrer. Der Minister erklärte, daß zwar die Durchsetzung der Forderung nicht von ihm allein abhänge, er also auch nichts versprechen tönne, oaß er jedoch versuchen wolle,, damit durchzndringen. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um VaS Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 tlhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. S a m u e l y, I., Fischerstiege 6, gelangen lassen. Wochenprogramm: Freitag, den 15. März: Bibelvortrag. Religionslehrer Max Deutsch. Samstag den 16. März: Konzert. Sonntag, den 17. März: „Sitten und Gebräuche der Eingeborenen von Niederländisch- Jndien." Dr. Richard P i ck. Montag, den 18'. März: „Ethik." (Schluß des Zyklus.) Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem. Dienstag, den 19. März: „Arbeiterversicherung." Herr Benno Kahane. Mittwoch, den 20. März: „Peßach." (Mit Skioptikon.) Religionslehrer Wilhelm Breuer. Donnerstag. den 21. März: Literarischer Abend. Freitag, den 22. März: Bibelvortrag. Religionslehrer H. Löw-Bogel. Samstag, den 23. März: „Rußland." Schriftsteller John Redlich. Sonntag, den 24. Mürz: Schluß-Konzert. — Ein besonders gelungener Konzertabend war den Besuchern der Toynbee-Halle am Samstag, den 9. d. M., geboten. Pianist Roderich Baß spielte mit der ihm eigenen Meisterschaft unter dem Jubel der Zuhörer. Mit feiner Pointierung brachte Sekretär F u ch s g e l b heitere Dichtungen zum Vortrage. Stürmischen Beifall erntete der Tenorist Herr Michael Striks, der mit seiner herrlichen, trefflich geschulten Stimme die große Arie aus der „Jüdin" und den „Bajazzo" sang. Der klangvolle, umfangreiche Baß des Herrn E. K ü s ch n e r erzielte beim Vortrage einer russischen Romanze große Wirkung. Den Abschluß des Abends bildete das Duett aus dem I. Akte „Faust" (Faust und Mephisto), welches von Roderich Baß wundervoll begleitet, von den Herren S t r i f § und Küschner stimmlich wie musikalisch in meisterhafter Weise vorgetragen wurde. Reicher, wohlverdienter Beifall lohnte die Mitwirkenden, welche durch ihre Bereitwilligkeit 300 armen Leuten einen genußreichen Abend verschafft hatten. — (Konzert zugunsten der „Jüdischen Toynbee- H a l l e.") Samstag, den 33. März d. I., präzise 8 Uhr abends, findet im „Hotel Continental" das große Konzert zugunsten der Toynbee-Halle statt, bei welchem ausschließlich von jüdischen K ü n st l e r n Werke jüdischer Meister zum Vortrage kommen. Das überaus reichhaltige Programm wird gewiß viel Interesse erwecken. Es wirken mit die Damen: Frl. Vicki Baum (Harfenvirtuosin), Frl. Wallentin (Rezitationen); die Herren: Roderich Baß (Klaviervirtuose), Pros. Jgn. B r ü l l, Erster Kantor Don Fuchs, Oberkantor Bela Guttmann, der zwölfjährige Wundersänger Moses M i r s k y, Max Pallenberg vom Theater in der Josefstadt (Humoristisches), Hofmusiker Prof. Josef Sulz er (Cello) und der Männerchor des Synagogensänger-Vereines. — Was die Toynbee- Halle leistet, ist mit wenigen Ziffern zum Ausdrucke gebracht. Im Jahre 1906 waren deren frei zugängliche populär-wissenschaftliche Vorträge von rund 31.000 Personen besucht, mehr als 3000 arme Kinder haben sich an den Sonntag-Nachmittagen an Sang, Spiel und Bewiriung erfreut, -250 Schüler der Unterrichtskurse (Deutsch, Englisch, Stenographie) dankeu dem Vereine gesteigerte Erwerbssähigkeit. Es ist aufrichtig zu wünschen, daß der Veranstaltung ein recht günstiger finanzieller Erfolg beschieden sei, schon deshalb, weil deren Programm einen Beweis erbringen wird, welch hervorragende Leistungen jüdische Künstler zu bieten vermögen. — Sitze k K 5.—, 4.— und 3 — sind täglich zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags im Komitee-Lokale, IX., Universitätsstraße 4, Mezzanin, erhältlich. Wien. (Hilfs verein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien.) Sonntag, den 24. März, genau um 10 Uhr vormittags, findet in den Räumlichkeiten des Jsr. Humanitätsvereines „Wien" B'nai B'rith, IX., Universitätsstraße 4. die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Wien. (Erstes israelitisches Rekonvaleszenten- Heim für arme jüdische Frauen und Kinder). Sonntag, den 17. März, 10V2 Uhr vormittags, findet in der Borhalle des Tempels, VIII.. Neudeggergasse Nr. 12. die X. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht pro 1906. 2. Kassabericht pro 1906. 3. Erteilung des Absolutoriums. 4. Neuwahl des Gesamt-Borstandes. 5. Wahl der Revisoren. 6. Statutenänderung. 7. Anträge und Interpellationen. Gäste willkommen! Wien. In dem in reichem Blumenschmuck prangenden Seitenstettentempel, dessen räumliche Uiizulänglichkeck bei besonderen Anlässen wieder einmal ad oculos demonstriert wurde, fand Sonntag, den 10. d. M.. 12 Uhr mittags, die Trauung des Fräuleins Fritzi Wolf mit Herrn Dicky P o r g e s statt. Der Brautvater, Herr Julius Wolf, gehört wohl zu den beliebtesten» liebenswürdigsten und achtenswertesten Persönlichkeiten unserer Gemeinde, und die große Popularität und Wertschätzung, deren er sich in allen Wiener Gesellschaftskreisen erfreut, kam in der ungewöhnlich großen Zahl der Hochzeitsgäste zum Ausdruck. Der Tempel war in allen Räumen geradezu zum Erdrücken voll und auch im Vestibül und Borhause drängten sich Gäste von Distinktion. Den Trauunsakr vollzogen Oberkantor Singer und Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, welch' letzterer in seiner Ansprache an das Brautpaar das vornehme und echt jüdische Wirken und Walten im Elternhause der Braut mit treffenden Worten würdigte. Wien. Herr Albert L ö w, ein Mann, dessen Leben und Wirken stets dem Guten und Edlen, insbesondere den Interessen des Judentums zugewendet ist. und der keine Gelegenheit unbenützt läßt, fürs echte und wahre Judentum einzutreten, erreicht am 23. d. M. (Schabos Hagadol) sein siebzigstes Lebensjahr. Die humanitären Institutionen, die er geschaffen, sowie seine vieljührige schriftstellerische Tätigkeit sind in den weitesten Kreisen bekannt und auch die Leser dieses Blattes haben sich oft an seinen Essay's erquickc. Herr Alberr L ö w ist zu Holleschau in Mähren geboren und entstammt einer sehr alten vornehmen ans Markbreit bei Würzburg nach Oesterreich gelangten Patrizierfamilie. Der Jubilar erfreut sich der besonderen Liebe seiner Vaterstadt, deren Ehrenbürger er ist und der auch er mit allen Fasern seines Herzens anhängt. Herr Albert L ö w gründete dort eine muftergiltige Gemeinde-Bibliorhek, welche mehr als 2500 Bands jüdischer und deutscher Literatur zählt. Seine gediegene Abhandlung „Tierschutz im Jndentume" machte seinen Namen auch im Auslande bekannt und brachte ihm seinerzeit vielfache Anerkennung, besonders aus Deutschland und England. Möge es dem Jubilar gegönnt sein, sein gemeinnütziges Wirken noch viele Jahre zu betätigen. vr. 0. II. Wien. Montag, den 10. ü. M.. ist Frau Franziska P o l l a k, die Gattin des Vizepräsidenten des Mariahilfer Tempelvereines, Herrn Friedrich Pollak, gestorben. Die Verblichene war eine selten edle und überaus wohltätige Dame, die sowohl als Bizepräsidentin des israelitischen Frauen- Bereines für den VI. und VII. Bezirk, als auch privat viel Gutes wirkte und schaffte. Das Leichenbegängnis fand am 13. d. M. unter ungewöhnlich großer Beteiligung statt. Nach Vortrag der üblichen Trauergesänge durch Oberkantor D ü n m a n n würdigte Rabbiner Dr. T a g l i ch t die hohen Tugenden und den gottgefälligen Lebensgang der Verblichenen. Wien. Jäh und unerwartet ist ein seelenguter, braver und wackerer Mann, der im 2. Bezirke von Jung und Alt gekannte und verehrte Armenrat Josef Pollak, vom Tode ereilt worden. In einer Wähler- Versammlung, an welcher er Montag abends im Restaurant Hauswirth teilnahm, ist er. kurz nachdem er sich zur Kandidatenfrage geäußert hatte, plötzlich zusammengebrochen und in den, Armen seiner ihn umgebenden Freunde und Gesinnungsgenossen infolge eines Herzschlages gestorben. Armenrat Pollak war der Typus eines im Dienste der Humanität rastlos und unermüdlich wirkenden Mannes, und in Erkenntnis des großen Elends, das im zweiten Bezirke besonders in den unteren jüdischen Schichten herrscht, hat er die Gründung mannigfacher Vereine wie „Rudolsbund". „Montefiore" re. angeregt. Er war es auch, der schon vor mehr als 2 Dezennien einen modernen Zug in die humanitäre Bewegung im zweiten Bezirke brachte, und wenn auch besonders in letzter Zeit seine Bestrebungen mannigfache Anfechtungen erfuhren, so bleiben doch seine hohen Verdienste um die Förderung des Bolkswohles unbestritten. Die Beteiligung am Leichenbegängniye, das Mittwoch, den 13. d. M. vom Trauerhause II., Novaragasse 38 stattsand, war sowohl von Seiten der Juden, als auch der Christen eine geradezu imposante und waren die Mitglieder sämtlicher Bezirksvertretungen, sowie Deputationen zahlreicher Vereine erschienen. Nach Vortrag der Trauergesänge durch Oberkantor Guttmann hielt Oberrabbiner Dr. Schmied! dem Verblichenen einen warmen, wohlverdienten Nachruf und weiters sprachen der Rabbiner des Bethausvereines „Montefiore", Gemeinderat Klebinder, Dr. Brady, Leopold Weinwurm und Tobias P ö ck tiefempfundene Abschiedsworte. Wien. (Israelitischer Religionslehrer -Verein „E s r a".) Samstag, den 16. d. M.. abends präzise 7 Uhr. findet im Lokale der Religionsschnle, I., Seitenstettengasse 2, EL Stock, ein Bortrag des Herrn Rabbiners Dr. D. Feuchtwang statt. Thema: „Interpretation von Genesis Kap. 24." Wien. (I ü d i s ch-a k a d e m i s ch e B e r b i n d u n g ,,Unita s".) Das Ergebnis der Chargenwahlen für das S. S. 1907 ist folgendes: eand. jur. Bernhard Markus X, cand. med. Max Platschet XX, JF x, cand. med. Moritz Tischler XXX Wien. Schon in der vorjährigen Generalversammlung hatte der Vorstand des Kranken-Unterstützungsvereines „M o n t e f i o r e" gegen eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.