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Die Wahrheit · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 11. Nach Erledigung von Personalien und Steuersachen, sowie einer größeren Anzahl von Stiftungs-Angelegenheiten wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen. * * In der am 3. März 1907 stattgehabten Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurden das bisher geltende Rang- und Gehaltsklassen-Schema für die Verwaltungsbeamten der Kultusgemeinde, sowie die Bestimmungen hiezu im Sinne der Anträge des Vertreterkollegiums abgeändert. In dem zu' dieser Vorlage erstatteten Berichte des Vertreterkollegiums wird hervorgehoben, daß zu der beantragten Aenderung hauptsächlich der Umstand Anlaß gab, daß seit der im Jahre 1897 vorgenommenen ersten Regulierung der Beamtengehalte die Teuerung auf sämtlichen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens in ungewöhnlicher Weise zugenommen hat, eine Tatsache, welcher sowohl der Staat, als auch die meisten größeren Korporationen durch eine Regulierung, beziehungsweise Erhöhung der Gehaltsbezüge ihrer Angestellten Rechnung getragen hat. Zu einer solchen Regulierung lag aber insbesondere hinsichtlich der Knltusgemeindebeamten ein besonderer Grund vor, weil die Anfangsziffer des Gehaltschemas für dieselben weit hinter der aller anderwärtigen Gehalts-Systeme zurückbleibt, ein Umstand, der naturgemäß auch auf die Bezüge der höheren Rangklassen rückwirken mußte. In diesem Sinne wurde das Gehaltsschema zunächst nach der Richtung geändert, daß der Gehalts-Ansatz in der untersten Rangstufe von K 1560 auf K 1800 erhöht und die Vorrückungsbeträge, welche bisher in den 4 unteren Rangklassen (das Schema umfaßt insgesamt 7 Rangklassen) K 260 betrugen, in den 3 unteren Rangklassen auf K 300, in der IV. Rangklasse aus K 400 erhöht und in den Rangklassen I, H und III gegenüber der bisherigen Systemisierung etwas herabgemindert wurden. Die Rangklassen VII und VI sind durch ein sogenanntes Zeitavancement miteinander verbunden, so daß jeder in diese Rangklassen eingereihte definitive Beamter nach Ablauf einer bestimmten Zeit einen Gehaltsbezug von K 3400 erreicht. Eine Aenderung des Gehaltsklassen-Schemas wurde auch nach der Richtung durchgeführt, daß an Stelle des mit jeder Gehaltsstufe steigenden, mit 30% des Grundgehaltes bemessenen Quartiergeldes für jede Rangklässe ein einheitliches Quartiergeld festgesetzt wurde, welches ungefähr 250/0 des Grundgehaltes beträgt. Hierdurch erfährt der für die Pension anrechenbare Grundgehalt ein Erhöhung. Die Abänderungsanträge des Vertreterkollegiums werden einhellig angenommen und sohin die einzelnen Beamten auf Grund des neuen Gehaltsschemas eingereiht, wodurch deren Gehaltsbezüge eine angemessene Erhöhung erfahren. Aus der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Wie unsere Leser bereits wissen, hat der Gemeindevorstand zur Besetzung des vakant gewordenen Rabbinerpostens an der Rombachsynagoge vier Rabbiner, und zwar Dr. Elias Adler (O-Buda), Dr. Michael H 0 f f e r (Veszpröm), Ludwig H. Feigl (Gyöngyös) und Dr. Jakob Steinherz (Szekessehsrvür) zur Abhaltung von Probevorträgen eingeladen. Da Dr. H 0 f s e r ohne Absolvierung seiner Probevorträge nachhause gefahren ist, beschäftigte sich eine unter dem Vorsitze des Gemeindepräsidenten Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n jüngst abgehaltene und aus Vertretern des Rabbinates, sowie aus Tempel- und Synagogenvorstehern bestehende Konferenz mit der Frage, ob man an seiner Stelle einen anderen Rabbiner zum Probevortrage einladen solle, und gelangte zu dem Beschlüsse, von weiteren Berufungen abzusehen. Die Rabbinerwahl dürfte somit in Kürze vollzogen werden, und zwar wies der Vorstand, der auf sein Vorschlagsrecht verzichtete, die Wahl sofort an den Repräsentantenkörper, den er-zu einer außerordentlichen, jedenfalls der ordentlichen Jahresversammlung vorangehenden Generalversammlung einberufen wird. In der Gemeinde bildeten sich zwei Parteien: eine Adler- und eine Steinherz-Partei. Die erstere sammelt Unterschriften für ihren Kandidaten, dem Hosrat Bertold Wei sz, Berthold Goldberger de Buda, Direktor Arnold K 0 h n, Dr. JzorGlaß u. A. zur Seite stehen. Die S t e i n h e r z-Partei, welcher Universitätsdozent Dr. Max Schächter, Polytechnikumsprosessor Dr. Moriz R 6 t h y u. A. angehöreu, hielt unter Vorsitz des Sanitäts- Oberinspektors Dr. Edmund Blum eine Beratung ab, in welcher beschlössen wurde, den Gemeindevorstand zu ersuchen, die Liste der Kandidaten für die erledigte Rabbinerstelle derart zu ergänzen, damit noch andere hervorragende Rabbiner auf dieselbe konkurrieren können. Dieser Beschluß wurde der Vorstehung durch eine Deputation zur Kenntnis gebracht. Der Vorstand hielt nun in dieser Angelegenheit eine Sitzung ab, an welcher Präsident Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n, Vizepräsident Magnatenhausmitglied Sigmund Kornfeld, kön. Rat Sigmund L. B r e i t n e r, Josef H a t v a n-D e u t s ch de H a t v a n und Dr. Wilhelm Grauer, sowie als Schriftführer Generalsekretär Dr. Julius W e i s z b u r g teilnahmen, und akzeptierte nach eingehender Beratung den Beschluß der oben erwähnten Konferenz. Somit hat der Beschluß der S t e i n h er z-Partei keine Berücksichtigung gefunden. Das für die Franzens- und Josessstädter Israeliten bestandene Bethans wurde, wie wir bereits berichtet haben, behördlich gesperrt, weil die im ersten Stocke angebrachte Frauengallerie einzustürzen drohte. Die Pester Großgemeinde entfernte die baufällige Etage gänzlich, schaffte im Parterre Raum für die Frauen und ließ das Bethaus, das noch immer ein provisorisches genannt werden muß, weil es durch einen Neubau ersetzt werden wird, gänzlich renovieren und mit elektrischer Beleuchtung versehen. Letzten Freitag, am Sabbateingange, wurde dasselbe seiner alten Bestimmung übergeben und für diesen Zweck feierlich geweiht. Unter den erschienenen Persönlichkeiten bemerkte man den Gemeindepräsidenten Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n, Gemeindevorsteher Dr. Wilhelm Grauer, Tempelvorsteher Moriz R 0 s e n b e r g, der Präsidenten des Franzens- und Josefsstädter Tempelvereines Jakob W e i s z k 0 p f, Generalkassier Ludwig Burger, Abteilungsches Joses Blücher u. A. Nachdem die Einsegnung des Sabbats beendet war, betrat Rabbiner Dr. Simon Hevesi die Kanzel und hielt die Weih - rede in gewohnt meisterlicher Form. Namens der Pester israel. Religionsgemeinde übergab er das neuhergestellte Gotteshaus seiner heiligen Bestimmung und erflehte den Segen Gottes für die Gemeinde und speziell für die Besucher dieser Andachtsstätte. Kantor Israel Licht versah die kantoralen Funktionen in zufriedenstellender Weise. Unter Vorsitz des Sanitäts-Oberinspektors Dr. Edmund B l u m hielt der Schulstuhl des fünften Bezirkes im Gemeinde- Hause eine Sitzung ab, zu welcher Rabbiner Dr. Julius Fischer, Publizist Dr. Adolf A g a i, Universitätsdozent Dr. Jonas. B ä, r 0 n, Schulinspektor Dr. Bernhard Munkä. csi u. a. erschienen waren. Die Debatte beschäftigte sich mit der ungenügenden Zahl der jüdischen Schulen, demzufolge der Religionsunterricht ungenügend und mangelhaft ist. Dr. Fischer mußte die äußerst traurigen Zustände zugeben, für die leider nicht so., leicht und nicht so bald Remedur geschaffen werden kann. Ingenieur Mozes Szokely schilderte lebendig und eindringlich die geradezu trostlosen Zustände auf religiösem Gebiete, welche im Extravillan herrschen, wo sich schon die private Selbsthilfe regt, die aber seitens der Gemeinde durch eine entsprechende Subvention unterstützt werden sollte. Dr. Moriz Bauer. Dr. Adolf A g a i, Prof. JoMrs B ü r 0 n u. a. sprechen zum gleichen Gegenstände, und allgemein ging die Ansicht dabin, daß wir zu wenig Schulen und Tempel haben. Die Gemeinde besitzt Wohltätigkeitsanstalten aller Art, für alles ist Geld vorhanden, nur die Schule ist das Stiefkind in der Gemeinde! Unsere edelherzigen Männer und Frauen sollten auch zu diesem eminent nötigen Zweck Spenden und Legate machen. Schulinspektor Dr. Bernhard Munkücsi billigte die Ansichten und Vorschläge der Redner und meinte, es müßten einige für die hehre Sache beseelte Männer diese Angelegenheit in die Hand nehmen, teils selbst Schulen errichten, teils deren Gründung durch Privatunternehmer veranlassen, und die Gemeinde werde diese Bewegung gerne sehen und sie — soweit es ihr möglich UMHWiiHUI il>' "l'IHIff a—gmaBCTgBaBBWar' «sss

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