Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 9. Er hat die Haustrauungen geregelt und dadurch der Gemeinde ein hübsches Einkommen verschafft. Ludwig Adler ist Mitglied des großen Ausschusses unserer herrlichen Chewra Kadischa, er. ist Vizepräsident des ungarisch-israelitischen Handwerks- und. Ackerbauvereines und hat in fast allen gemeinnützigen Institutionen der Gemeinde Ehrenstellen, denen er mit seltener Lust und Liebe seine eminente Tätigkeit widmet. Bisher sprachen wir davon, was Ludwig Adler als treuer Sohn Israels geleistet, betrachten wir ihn nun als Bürger. Bis vor wenigen Monaten noch war er als Virilist in dem Stadtrat der Haupt- und Residenstadt an drei Dezennien für das allgemeine Interesse Budapests tätig. Auch im kaufmännischen Leben finden wir ihn an ersten Stellen. Noch heute gehört er dem Direktionsrate der Vereinigten Hauptstädtischen Sparkassa, der zweitgrößten des Landes, sowie der „Victoria"-Dampfmühleii- Gesellschast an. Und von seiner großherzigen Wohltätigkeit können die vielen Familien berichten, welche von Ludwig Adler teils erhalten, teils aufrecht erhalten werden und denen er ein zweiter Vater, ein Ernährer, ein Tröster und ein Berater ist. Trotzdem der gefeierte Mann jeder offiziellen Ehrung in sorgfältiger Weife aus dem Wege ging und selbst die Huldigungen seiner Angehörigen sich verbeten hatte, ließen sichs feine zahlreichen Verehrer dennoch nicht nehmen, einzeln und deputariv in feiner Wohnung zu erscheinen, um den geliebten Jubilar herzlichst zu beglückwünschen. Er wollte nach Nizza zu feiner Erholung reisen, mußte die Reise jedoch um einige Tage verschieben, da drei Tage hindurch eine wahre Wallfahrt nach der Behausung Adlers sich vollzog. Es kamen die Gemeindevorsteher einzeln, daun die Vorsteher des Tabaktempels Jakob Deutsch, Präsident der isr. Knabenwaisenhänser, Börsenrat Berthold H e r z m a n n, Konsul Emerich B i r n b a u m, Moriz R o s e n b e r g und Samuel Eisler. Präsident Deutsch hielt die Ansprache. Es kamen die Vorsteher der Synagoge: Direktor Arnold K o h n, Abraham Nagler, Alexander F l e i s ch m a n n und Alexander T o n k. Direktor K o h n hielt die Ansprache. Weiters kam eine große Deputation des Handwerks¬ und Ackerbauvereines unter Führung seines Präsidenten Doktor Armin N e u m a n n, welcher die Ansprache hielt. Allen dankte voll tiefer Rührung der Jubilar für die unerwartete Auszeichnung und gelobte, so Gott ihm das Leben schenken und die Kraft erhalten werde, seine bescheidene Tätigkeit auf dem heiligen Gebiete der werktätigen Menschenliebe fortznsetzen. Möge ihm das noch lange gelingen! Budapest. Letzten Dienstag hielt die ungarische isr. literarische Gesellschaft im Prunksaale der Gemeinde ihren letzten Vorleseabend in dieser Saison, den Oberrabbiner Dr. Elias Adler sasv ganz allein bestritt. Der gelehrte Oberrabbiner las vor einem, äußerst distinguierten Auditorium zu Ehren des Rabbi Meir Rothenburg, dessen 600. Todesrag begangen wurde, einige Episoden aus dem inhaltsreichen Leben dieses großen Mannes, dessen Andenken gesegnet bleibt in Israels Mitte. Dr. Adler erntete großen Beifall. Nach ihm las Dr. Henrich L e n k e i ein für diesen Abend bestimmtes höchst stimmungsvolles Gedicht: „Zwei Gräber", vor und heimste dafür reichen Beifall ein. Das Schlußwort hatte der Vorsitzende Dr. Adolf Ag ai. Auf der Estrade bemerkten wir den Präsidenten Jofef Hatvan q-Deut sch de Hatvan, den Schriftführer Profesior Dr. Josef Bä. nöczy, Rabbiner Dr. Simon H e v e s i und Profeffor Dr. Wilhelm Bacher._S. Die Hlose von Saron. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) Ich, Talent besitzen! Ich hätte dem Mann um den Hals fallen mögen! Und sie, meine Frau, hatte mich meiner angeblichen Talentlosigkeit wegen so mißachtet. Wenn je etwas imstande war, die Skrupel, welche ich mir meines Verschwindens wegen machte, zu zerstreuen, so war es dieses Wort des Kapitäns. Sie war einfach meiner nicht würdig, sagte ich mir. Nicht etwa deshalb, weil sie häßlich war, nein! Darüber hatte ich mich schon weggesetzt, aber darum, weil sie mich nicht verstand, meinen wahren Wert nicht erkannte, welchen erst der fremde Kapitän heraussinden mußte, mich nicht nach meiner wahren Bedeutung behandelte. Wohlverstanden, Herr Sommer, so dachte ich damals, so suchte ich damals nach Art aller leichtsinnigen Menschen meine schnöde Tat zu beschönigen. Heute als vom Schicksale gereifter Mann denke ich anders und suhle so ganz, wie unwürdig, wie schlecht ich an meiner Familie gehandelt habe. Da durchzogen wir alle jenen Länder und Meere, deren Beschreibung mein Reisewerk enthält. Damit will ich mich und Sie nicht mehr aufhalten. Da die Erde, wie bewiesen, kugelrund, so näherten wir uns nach mehreren Jahren wieder von einer anderen Richtung, als der wir ausgezogen, der Heimat- In Genua mußten wir einige Zeit verweilen, weil eine Ausbesserung des Schiffes notwendig geworden war. Ich hatte inzwischen eine bevorzugte Stellung auf demselben erlangt, bir mir nicht nur ein befriedigendes Auskommen verschaffte, sondern auch Zeit genug ließ, an meinem Werke zu arbeiten. Die Zeit der unfreiwilligen Muße in Genua wollte ich dazu verwenden, Erkundigungen über meine Familie anzustellen und ihr ans irgend einem Wege meine Ersparnisse zukommen zu lassen, ohne mein Inkognito zu gefährden, welches ich um keinen Preis dev Welt aufgeben wollte. Eines Tages schleuderte ich ziellos in dev altertümlichen Dogenstadt umher, welche für mich , als dem Schauplatz der Verschwörung Fieskos Bedeutung gewonnen hatte; da gewahrte ich in dem Auslagekasten einer Buchhandlung deutsche Bücher und Zeitschriften ausgestellt. Ich trat in den Laden und kaufte mehrere Bücher neueren Datums und einige Zeitungen. Dabei fiel nur unter anderen auch ein Buch in die Hand, dessen Titel mich gar seltsam anmutete. Den Ausdruck Rose von Saron hatte ich in meiner Jugend hie und da nennen hören, mib das war der Titelrand der Bücher, die ich soeben erstanden hatte. Unter den Veranden meines Kaffeehauses, wohin ich mir eine Eislimonade bringen ließ, zog ich dieses Buch hervor und begann es zu lesen. Eingekleidet in ein antikes Gewand, verklärt von einer wunderbaren Phantasie, waren mir die Gestalten dieses Romanes sehr bekannt. Die Charakterschilderung, der ganze Gedankengang, sowie einzelne Ansdrücke muteten mich aut so sonderbare Weise an, daß ich nicht anders dachte, als daß mich ein lebhafter Traum zurück in meine Heimat führte, in das Haus, in welchem ich eine so traurige Ehe verlebt hatte. Und die Mädchenknospe, aus welcher sich die anmutige S aronsrose entwickeln sollte, das kleine kluge Kind, welches unter dem Unfrieden, der zwischen ihren Eltern herrschte, und später zu deren Trennung führte, solch namenlose Seelenpein gelitten — das war ja Klara gewesen. So wie sie da geschildert wurde, so lebte sie in meiner Erinnerung fort. So war mein Kind gewesen, als ich es verließ, so ungefähr mochte es gedacht und gefühlt haben. Dort in dem Schatten der hohen Zypressenbäume hatte mich mit einemmale das Heimweh mit aller Macht gepackt, die unbezwingliche Sehnsucht nach Weib und Kind erfaßt. Zurück wollte ich zu ihnen, um mir ein Glück an ihrer Seite zu suchen, das ich vor Jahren mit frevelnder Hand von mir gestoßen habe. Wie aber das bewerkstelligen? In Triest erfuhr ich, daß ich als tot erklärt wurde, und daß meine Frau, nachdem sie in der Heimat gänzlich zugrunde ging, sich hier in Wien durchschlägt. Sommer unterbrach den Erzähler: „Sie heißen nicht Binder, Sie sind Bräuer, der Gatte von der Verfasserin der S aronsrose?" „So ist es!" „Was gedenken Sie jetzt zu tun? Doch nicht, sich Ihrer Frau als Gatte vorzustellen, nachdem Sie selbe so schmählich, verlassen, und ihr die Last aufgebürdet haben, allein für sich' selber und die Kinder sorgen zu müssen?" (Fortsetzung folgt). Ein Kochbuch umsonst. Jede Hausfrau, die sich an der „Ceres"- Preiskonkurrenz für moderne Mehlspeisen und Kochrezepte beteiligt, kann ein -prachtvolles Kochbuch umsonst bekommen. Alle einlangenden Rezepte, die brauchbar sind, werden nämlich zu einem Kochbuche vereinigt, welches jeder Einsenderin als Preis gebührt, deren Rezept in das Kochbuch ausgenommen wurde. Man kann jede Speise vorteilhaft mit „Ceres" anstatt mit Butter oder Schmalz zubereiten und man braucht nur diese Aenderung auszuschreiben. Das genügt für die Preiskonkurrenz, bei der bekanntlich Preise bis zu 15.000 K bar zur Auszahlung gelangen. Man versuche, alle Mehlspeisen mit „Ceres"-Speisesett herzustellen. — Krapfen mit „Ceres"-Speisesett zubereitet, sind wohlschmeckender und leichter verdaulich als alle anderen.