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Die Wahrheit · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. Die Wahrheit Seite 7. ichen Kolonisationsvereines in Druck erscheinen wird, ausführlich zurückzukommen. Namens des Präsidiums des Jüdischen Kolonisationsvereines sprach der Präsident Herr k. k. Baurat Stiaßny dem Vortragenden den Dank und die Anerkennung der Versammlung für die geistvollen Ausführungen aus. Zu Ehren des Gastes fand im Anschluß an die Versammlung ein gemeinsames Abendessen statt, an dem die hervorragendsten Persönlichkeiten mit ihren Damen teilnahmen. Wien. Anläßlich des ersten Jahrzeitstages des so früh dahingeschiedenen zweiten Vizepräsidenten Moriz Blatt besuchte der Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Vereines, bestehend ans den Herren Bauer, D ü n m a ii n, Gntlman n, Jurberger, L ö w i t, Regner und Smotritzky, am letzten Sonntag das Grab des Verewigten. In Vertretung des durch Funktionen verhinderten Präsidenten Oberkailtor Singer hielt Vizepräsident Oberkantor Bauer eine kurze Gedenkrede, ivorauf von Oberkantor G u t t m a n n das „El mole rachamim“ ergreifend rezitiert wurde. Vom Vorstände der Kultusgemeinde ist dem verewigten, verdienstvollen Beamten ein prachtvolles Grabdenkmal errichtet worden. Wien. Sonntag, den 10. März, 12 Uhr mittags, findet im Tempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung des Fräulein Fritzl 38 o l s. Tochter des bekannten Industriellen, Herrn Julius Wolf, mitHerrn.Dicky P o r g e s statt. Wien. Die am 24. Februar stactgefundene Wohltüngkeits-Akademie des hnmamtären Vereines der Mattersdorfer hatte einen in jeder Hinsicht durchschlagenden Erfolg und ist dieser umso höher anzuschlagen, als dies das Debüt des Vereines war. Der Saal des „Bayrischen Hos" war überfüllt und hielt die animierte Stimmung bis zum Morgen an. Der Verein kann nun vor Peßach den an ihn gestellten Anforderungen voll entsprechen. Man sieht, daß das Gefühl der hier weilenden Mattersdorfer für ihre Heimatsgemeinde, von der einst das Sprichwort ging, daß es Klein Erez Israel sei, nicht erstorben ist und daß diese gerne bereit sind, ihren armen, auf die Wohltätigkeit angewiesenen Gemeindemitgliedern hilfreich beizuspringen. Daß die Akademie so überaus gelungen, ist nur der unermüdlichen Tätigkeit des Exekutivkomitee, und zwar Herrn Moriz Leitner, Obmann, Herrn Jenö Zöllner, artistischer Leiter, Herrn Moritz Rosenberger und Herrn Richard Hessel zu danken, welchen Herren, wie auch dem gesamten Vergnügungskomitee die Vereinsleitung hiermit ihren besten Dank ausspricht. Die Bereinsleitung erhofft sich, daß durch diese so gelungene Akademie die noch außerhalb des Vereines stehenden Mattersdorfer nunmehr dem Vereine beitreten werden, und ergeht an dieselben die diesbezügliche Bitte der Vereinsleitung. Geneigte Anmeldungen werden an den Sitz des Vereines, II., Lilienbrunngasse 9, erbeten. Atzgersdorf. Am Sabbat Parschat Sochor beging der hoffnungsvolle Gymnasiast Robert, einziger Sohn des Direktors der Gustav Pollak'schen Lederfabrik, Herrn F: Franke nbu s ch, seine Barmizwah im hiesigen Tempel und rezitierte den mit Verständnis aufgefaßten Text des „Mastir" mit seltener Exaktheit und ausdrucksvoller Betonung. Herr Kantor und Relichonslehrer Allenberg hielt an den Konfirmanden eine sinnvolle Ansprache und prägte ihm als Barmizwah-Andenken den Vers em: „Wodurch zeigt sich der Jüngling wert und würdig? Nur durch Beobachtung Deiner Gebote!" Durch zahlreiche Festteilnehmer kam die Sympathie für Herrn Direktor Frankenbusch' und dessen Gattin, die im Tempel und außerhalb desselben vornehme Freudenopfer darbrachten, zum Ausdruck. Allgemeine Freude rief die Anwesenheit des hochverehrten und verdienstreichen Ehrenmitgliedes des Tempelvereiues, Herrn Fabrikanten Gustav P o l l a k, hervor, der durch seine großmütige Munifizenz seinerzeit den Untergrund zu unserem Kaiserjubiläums-Tempel legte und anläßlich der Barmizwah zum erstenmale seit der Einweihung in unserem Gotteshause erschien, um seinen Direktor zu ehren und dessen Sohn an heiliger Stätte persönlich zu gratulieren. Bei diesem Anlasse wurden von ihm die diversen Institutionen gewohnheitsgemäß reichlich bedacht. Boskowitz. Donnnerstag, den 14. März, findet im hiesigen israel. Tempel anläßlich des 100. Sterbetages des weltberühmten Gelehrten Rabbi Samuel L ö w sel. And., des Verfassers des halachischen Werkes „Machazith haschekel*1, ein Tranergottesdienst statt. Innsbruck. (Die 3tene des Apostateit.) Vor kurzem ereignete sich in unserer Stadt ein Vorfall, welcher, ob seiner aktuellen Bedeutung für das heutige Judentum, der weiteren Oeffentlichkeit übergeben zu werden verdient. Ist er ja geeignet, den Kamps zwischen Vernunft und Gewissen in der aufgeregten Seele des Getauften wiederzuspiegeln und gewährt er uns zugleich einen Einblick in die tiefsten Geheimnisse der Seele und deren Empfindungen, intensiver als unzählige Bände langathmiger Abhandlungen. Für so Manchen wäre es von Heil, wenn ihm vor dem unseligen, leichten Entschlüße dieser entsetzliche Seelenkamps eines Verirrten in den letzten Tagen seines Erdenwallens von berufener Seite im Geiste vorgeführt würde. Leider nimmt das Judentum, respektive seine Vertreter nach dieser Richtung eine verhängnisvolle passive Haltung ein und überläßt es jedem Einzelnen, mit sich selbst und mit seinem Verstände sich abzufinden, nach dem Grundsätze, Jeden nach seiner Facon selig werden zu lassen, ohne zu bedenken, daß gerade in solchen Momenten dem Schwankenden und Irrenden eine bewährte und stützende Hand von nöten ist. Eines Tages kommt zum Obmann unserer Chewra Kadischa, dem wegen seiner eminenten Opferfreudigkeit in Chewradienste allbeliebten Fabrikanten Michael Brüll, eine Frau katholischen Glaubens, mit dem Ersuchen, ihren Mann, der schwer krank darniederliegt, besuchen zu wollen, da der Kranke es dringend wünsche. Im ersten Momente von dem sonderbaren Wunsche eines ihm flüchtig bekannten Katholiken überrascht, bemerkte der Obmann, er wäre doch kein Arzt, um zu Kranken geholt zu werden; als ihm jedoch die Frau sagte, daß auch sie es nicht begreifen kann, warum der Kranke gerade den Herrn Brüll so dringend wünsche, so folgte ihr dieser edle Menschenfreund zum Krankenlager ihres Mannes. Als die Ankommenden das Zimmer des Kranken in Begleitung eines Sohnes, der sich ihnen mittlerweile angeschlossen, betraten, winkte der Kranke den Seinigen, das Zimmer zu verlaßen. Als der Obmann allein geblieben und sich dem Krankenbette näherte, umklammerte ihn der Sterbenskranke mit seinen Armen, preßte ihn an seine Brust mit einer übermenschlichen Kraftanwendüng und sagte mit gepreßter Stimme: „Herr Brüll, sagen Sie mit mir * Schema jisroel, ich bin ein Jude!" Ein Tränenstrom und tiefes Schluchzen hinderten an weiterem Sprechen, und kaum das „Schema jisroel“ beendet war, gab er auch schon den Geist ans und verickued in den Armen des Obmannes, welcher, wie gewohnt, auch dem Verblichenen die letzten Liebesdienste erwies. Als Herr Brüll zu den Hinterbliebenen ins Nebenzimmer trat und ihnen sein Beileid ausdrückce, erregte es bei denselben große Bestürzung, daß der Verblichene ohne Entgegennahme der Sterbesakramente verschieden sei und statt deren dem Juden gebeichtet habe. Nachträglich erst erfuhr man, daß der Verichiedene ein aus Böhmen eingewauderter jüdischer Schauspieler war, der erst am Sterbebette seinen unüberlegten Schritt bereute. 8. Czernowitz. Für den hiesigen Tempel wurde der Chord,rigent Herr Joses Rosen st e ch, Absolvent des Wiener Konservatoriums, vom Kultusvorstaude einstimmig akzeptiert und hat derselbe seine Amtstätigkeit bereits begonnen. Budapest. Herr Ludwig Adle r, der verdienstreiche Kultusches der Pester isr. Religiousgemeinde, feierte in aller Stille die Vollendung seines siebzigsten Lebensjahres. Selbst seine nächsten Angehörigen wurden von der Kunde überrascht, daß ihr teures und verehrtes Faniilienoberhanpt nach der biblischen Auffassung an der Grenze des menschlichen Alters angelangt sei. Doch werden die Gerechten nach der sinnigen Weise der alten Lehrer den Palmen verglichen, deren Altersgrenze sich den hundert Jahren nähert und die selbst im hohen Alter noch blühen und köstliche Früchte zeitigen. Ludwig Adler ist ein solcher Gerechter und wir erhoffen und erflehen für ihn das denkbar höchste Alter in blühender Frische des-Geistes und des Körpers! Ludwig Adle r erblickte zu Wartberg als erstgeborener Sohn eines ehrsamen Gewerbetreibenden im Monate Adar 1837 das Licht der Welt.' Der aufgeweckte Knabe bildete den Stolz und die Freude seiner Eltern. Besonders war er der Liebling seiner frommen Mutter, die ihm eine sorgfältige Erziehung angedeihen ließ. Als Student kam er nach Wien, absolvierte daselbst das Gymnasium und erwarb sich ein Reifezeugnis erster Klasse. Er gab das fernere Studium aus, eignete sich die Handelswissenschaften an und trat dan in das Pester Großhandlungshaus des allgemein geehrten und hochgeachteten Adam A'd l e r ein, wo er durch eisernen Fleiß, durch ungewöhnliche Tüchtigkeit, durch treueste Hingabe für die Interessen seines Chefs, wie nicht minder durch seine Verläßlichkeit und Verwendbarkeit nicht nur eine erste Stelle im Hause erlangte, sondern auch die Hand der Enkelin Adam Adle r's, das elternlose Fräulein H e r m i n e L i ch t e n st e r n, Tochter des ehemaligen kön. priv. Großhändlers Julius L i ch t e n st e r n, erhielt. Mit dem Ableben Adam Adle r's schied Ludwig Adle r aus dem Hanse, um sich selbständig zu etablieren. Anfangs war er Frnchthändler, dann Dampfmühlenbesitzer, dann Eskompteur, was er noch heute ist. Gottes Segen begleitete ihn sichtbar aus allen seinen Wegen. Seine Firma. Ludwig Adler & Sohn, zählt heute nicht nur zu den allerersten der Haupt-und Residenzstadt Ungarns, sondern rangirt auch zu den allerersten des Landes und hat Verbindungen mit vielen Staaten Europa'». So viel über den Privatmann. Betrachten wir nun das öffentliche Wirken dieses edlen Mannes. Mehr als 35 Jahre — die Hälfte seines Lebens - - nimmt er als Vorsteher eine hohe Ehrenstelle bei der Peiter Großgemeinde ein. 30 Jahre lang mar er Vorsteher der Wohltätigkeitssektion, die er neu organisiert und gänzlich nmgestaltet hat. Wenn er einerseits die Gemeindekasse zu grinsten der Hilfsbedürftigen mehr in Anspruch genommen, als prätiminiert gewesen, wußte er andererseits durch unvorhergesehene Einnahmsquellen, die er erschlossen, die mehr entnommenen Beträge nicht nur zu kompensieren, sondern noch zu überbieten. Seil 5 Jahren ist er Kultusvorsteher und hat er sich auch in dieser Stellung außerordentlich bewährt. Unter seinem Regime haben wir zwei neue Rabbiner. Dr. Julius Fische r und Dr. Simon H ev esi, bekommen, welche sich Beide vollkommen bewähren. In der Rombachsynagoge erhielten wir als Oberkantor den stimmgewaltigen Israel T k a t s. Er hat ferner den Unfug der Notbethüuser > möglichst eingedümmt und 9 Gemeinde-Filialbethänser erri chler

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