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Die Wahrheit · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10. Die Wahrheit. Seite 5. und darf es nicht geleugnet werden, daß der weitaus größte Teil unseres konservativen Judentums hier zu Laude einer Reform auf diesem Gebiete noch immer mißtrauisch und feindlich begegnet. Bei Lösung dieser heiklen Frage muß daher mit besonderer Vorsicht und Geduld vorgegangen werden, aber gehandelt sollte werden, denn aussichtslos wäre nach meiner Ansicht diese Aktion nicht, und der hehre Zweck, um den es sich handelt, soll zu Versuchen anspornen." Herr Dr. Munk (Lemberg) befürwortete eingehend die geplante Aktion. Herr M. S ch m e l k e s, Krakau, beantragte, daß die Konferenz sich besonders mit der Verbesserung der Mädchenerziehung befasse. Herr Oberrabbiner Schnur erklärte namens der anwesenden orthodoxen Rabbiner, daß sie für die von der Allianz ergriffene Initiative sehr dankbar wären und bereit sind, an der Lösung der sehr schwierigen Probleme mitznwirken. Sie seien aber in dieser Versammlung in zu geringer Anzahl, um bezüglich der einzelnen vorgelegten Fragen Beschlüsse fassen zu können. Herr Professor Dr. Herze!, Brody, beantragt, daß ein Fragebogen an jene Gemeinden in Galizien gesandt .werde, in welchen keine geregelten Schulen bestehen, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Umfange ein profaner Unterricht dort eingeführt werden könnte; die Herren Rabbiner Dr. M a r g u l i e s (Drohobycz) und Dr. Bau (Tarnow) erklärten, daß die Anregung der Allianz in ihren Gemeinden besonders fruchtbaren Boden finde, da dort Schulorganisationen, wie sie von der Allianz vorgeschlagen wurden, bereits in Bildung begriffen sind. Das Werk würde ganz sicher gelingen, wenn es mit Geduld und Energie angefaßt wird. Es wurde nun folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die versammelten Gemeinderabbiner und die Vertreter der israelitischen Gemeinden nehmen dankend das Bestreben der „Israelitischen Allianz" entgegen, die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung durch Hebung des Schulwesens unter Berücksichtigung konservativer Ansichten in der Weise zu bessern, daß die dahin zielenden Bestrebungen zur Selbsthilfe durch Unterstützung gefördert werden, und erklären es für wünschenswert, im Einverständnisse mit noch anderen maß-! gebenden orthodoxen Rabbinern bei einer neuerlichen Enquete ' Mitte! und Wege zu suchen, um die humanen und dem Judentums nützlichen Bestrebungen der Allianz zu verwirklichen. Die „Israelitische Allianz" wird höflichst ersucht, die Aktion fortzusetzen und eine neuerliche informative Versammlung einzuberufen." Herr Dr. K a m i n k a dankt der Versammlung namens des Vorstandes der „Israelitischen Allianz" und erklärt, daß, wenn seitens der Herren Rabbiner und Vertreter der Gemeinden Galiziens konkrete Anträge gestellt werden sollten, auf welche Weise die der Allianz wohl bekannten Schwierigkeiten überwunden werden könnten, die Vorschläge jederzeit wohlwollendste Beachtung und soweit als möglich Unterstützung finden würden. Von den nicht persönlich erschienenen orthodoxen Rabbinern haben ihr warmes Interesse für den Gegenstand schriftlich Herr Rabbiner Gedalje S ch m e l k e s aus Przemysl und I. Weber, Magid in Stanislau ausgedrückt; ferner hat sich der in Galizien allgemein verehrte chassidische Rabbi Uri Zolles in Sambor Herrn Dr. K a m i n k a gegenüber persönlich mit der Aktion der Allianz einverstanden erklärt. Jüdische Territorial-Organisation. Anläßlich der kürzlich in Kiew abgehaltenen Jto-Konferenz wurde der geographischen „Jto"-Kommission ein Dankes- und Vertrauensvotum gewidmet. Bei derselben Konferenz wurde Herr Hillel Z e i t l i n in das Zentral-Komitee gewählt und wird von nun an die seit dem Tode des Herrn Chazan unbesetzt gebliebene Stelle bekleiden. Ingenieur Lev tritt an die Spitze des Jto-Distriktes von. Kiew. Es wurde auch ein Veröffentlichungs- Komitee gebildet, dessen Aufgabe es sein wird, Flugschriften in russischer und jüdischer (Jargon) Sprache herauszugeben, für welchen Zweck die Summe von 1000 Rubel votiert wurde. Das Komitee besteht ans den Herren M. Gepstein, L. Pap er in und N. Finke l st ein. Im Laufe des Jahres hat das russische Jto-Zentralkomitee folgende Publikationen herausgegeben: 1. Eine russische und eine jüdische Uebersetzung von Zangwills „Der Territorialismus und seine Gegner"; 2. „Konstitution und Territorialismus", von Chazan ins Jüdische übertragen; 3. „Liberia", von P ap e rin (russisch); 4. „Zionismus- Territorialismus", von Dr. Mandelstamm (russisch); 5. „Zionismus", von Litvakov (jüdisch) und 6. „Territorialismus", von Zug (jüdisch). * * Am 6. Februar hielt Herr Jacques Jäger einen Vortrag mit Ansichten über „Auswanderung und Kolonisation" vor den Wiener Territorialiften. Diesem Vortrage folgte eine Ansprache von Dr. Samuely, welcher allen Anwesenden das traurige Problem der Auswanderung ans Herz legte und damit schloß, daß die Betrachtung desselben zu der Ueberzeugung führen müsse, daß jede jüdische Bewegung moralisch gezwungen fei, die Lösung dieses Problems sofort in Angriff zu nehmen. Herr G. G u r e w i t s ch. der dänische Konsul in Kiew, wurde zum Mitglied des Jto-Auswanderur.gs-Regelungsbnreau ernannt, welches in dieser Stadt gegründet wurde. Am 23. Februar wurde im Diamant-Klub zu Antwerpen die jährliche Generalversammlung des Antwerpener Zweiges der Jto abgehalten. Die Agenden begriffen: 1. Bericht über die finanzielle Lage; 2. Bestätigung der Konstituierung; 3. Wahl des Komitees (12 Mitglieder); 4. Verschiedene Vorschläge. Die Versammlung telegraphierte an Herrn Z a n g w i l l. daß sie ihm in dankbarer Anerkennung seiner aufopfernden, selbstlosen Tätigkeit für seine unterdrückten Brüder ihre aufrichtige und achtnngsvolle Würdigung seiner Verdienste ausznsprechen wünsche. In der ersten Jahresversammlung des Zweigvereines von Newcastle en Pyne am 3. Februar wurde beschlossen: „Daß diese Versammlung Herrn Z a n g w i l l, dem Führer der Bewegung, ihr Vertrauen anssprechen solle und ihr Einverständnis mit dem von ihm ins Werk gesetzten Plan, die jüdische Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu regeln." 5 Am 21. Februar wurde in New Court, St. Swithins Lane, nachmittags, ein Meeting abgehalten mit dem Zwecke, die bisher in einer informellen Weise dnrchgesührten Arbeiten des Auswanderungs-Regelungs-Departements der Jto in eine feste Form zu bringen. Da es sich, wie gesagt, hauptsächlich um eme Formsache, handelte, waren die kontinentalen Mitglieder nicht erschienen, und war tagsznvor von Herrn O. E. d'Avigdor G 0 l d s m i d, der eben nach Canada abgereist war, eine Entschuldigung eingetroffen. Anwesend waren die Herren: H. M. Kisch, Leopold v. R 0 t h s ch i l d, Clement I. S a l a m a n, Karl S t e t t a u e r, A. I. W a l e y, Lucien W 0 l f, I. Z a n g w i l l. Ueber Antrag des Herrn W a l e y, der von Herrn Wolf unterstützt wurde, ward beschlossen, daß der volle, offizielle Titel des Departements „Answanderungs-Regulierungs-Departement der Jto" lauten solle. Infolge der Aufforderung des Herrn H. M. Kisch, dem Herr Leopold von Rothschild sekundierte, wurde Herr I. Z a n g w i l l einstimmig zum Präsidenten dieses Departements der Jto gewühlt. Herr Leopold v. Rothschild und Herr- Clement I. S a l a m a n wurden als Schatzmeister und Ehrensekretär gewählt. Die in Amerika und Kiew getroffenen Verfügungen wurden provisorisch bestätigt, zugleich mit der Klausel, daß das Komitee die Auswanderung weder anregen, noch beftirworten dürfe. Verschiedene Maßregeln wurden festgesetzt, um der bestehenden Auswanderung die neue Richtung zu geben. Es wurde ein aus den Herren H. M. Kisch, C. I. Salaman und L. Wolf bestehendes Komitee gebildet, um detaillierte Statuten über die Beziehungen des Komitees zu England, Amerika, Deutschland und Rußland festzustellen.

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