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Die Wahrheit · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Die Wahrheit Nr. 9. K 4.111-56, im Mai und Juni K 11.966 30, im Juli K 9.249 34, im August 10.860-53, im September K 24.282*49, im Oktober bis Dezember K 33.456 87, zusammen K 98.553-27. Die Ziffern der letzten 4 Monate des Berichtsjahres bedürfen einer Erklärung. Das kolossale Anwachsen der Spitzensendungen aus Galizien traf den k. k. Zentral-Spitzenkurs sozusagen völlig unvorbereitet. Sein Absatz stand bis dahin im Verhälttlis zu den sertiggeftellten Waren; nunmehr bekam er Waren in solcher Menge, daß er sich genötigt sah, hiefür erst besondere Absatzwege zu suchen, und, um unterdessen die Anhäufung von Waren zu verhindern, mußte er sich entschließen, seine Bestellungen an irischen Spitzen einzuschränken. Er gab daher in den letzten 3 Monaten nach Galizien bloß Bestellungen im Betrage von je 11.000. — , während, wie der September gezeigt hatte, die galizischen Arbeiterinnen bedeutend mehr Waren Herstellen können. Wir sahen uns daher veranlaßt, einerseits ihm bei der Aufsuchung neuer Absatzwege behilflich zu sein, anderseits zu trachten, sein Lager an Spitzen zu verringern. In dieser letzteren Absicht veranstalteten wir in der Zeit vom 6. bis 10. Dezember 1906 in den Räumen der Wiener B'nai B'rith-Veremigungen eine A u s st e l l u n g von Spitzen des Zentral- Spitzenknrses zum Zwecke des Verkaufes. Der Erfolg dieser Unternehmung übertraf alle Erwartungen; es wurden an diesen 5 Tagen Spitzen im Werte von rund K 30.000.— verkauft. Dieses Ergebnis veranlaßte uns, bei unseren Freunden in anderen Städten Oesterreichs und Deutschlands die Veranstaltung solcher Ausstellungen auzuregen, und es scheint Aussicht vorhanden zu sein, daß in der einen oder anderen Stadt ein derartiger Versuch gemacht werden wird. Die Wirkung, die der gute Verdienst in der Spitzenhäkelei in Galizien ausübte, zeigte sich darin, daß eine große Anzahl One an uns mit der Bitte herantrat, auch bei ihnen diese Industrie einzuführen. Wichtiger aber erscheint uns die Tatsache, daß der geregelte Verdienst auf die Arbeiterinnen einen sittigenden Einfluß ausübte und insbesondere, wie wir erst jüngst vernahmen, arme Frauen, die bisher auf Unterstützungen angewiesen waren, der Bettelei entriß und einem geordneten Erwerbsleben zuführte." Weniger erfreulich, aber allerdings auch nicht entmutigend sind die Erfolge mit den anderen vom Hilfsvereine geförderten Industrien, wie Spitzenklöppelei, Kleiderkonfektion, Haarnetzerei, Fezquasten-Erzeugung, Wäschekonfektion und Weißstickerei re. und ist auch hier auf Grund der gewonnenen Erfahrungen eine allmälige Besserung in Aussicht. Ueber die in den vom Hilfsvereine in Galizien eingeführten und zu Ende 1906 noch im Bett'iebe stehenden Industrien beschäftigten Arbeitskräfte und deren Jahresverdienste während des Betriebsjahres gibt nachfolgende Zusammenstellung Aufschluß: Es waren beschäftigt: Arbeitskräfte in der Spitzenhükelei „ „ Spitzenklöppelei „ „ Kleiderkonfektion „ „ .Haarnetzerei „ „ Fezquasten-Erzeugung 1200—1500 120— 150 60— 70 600 40— 42 niiteinem Jahresverdienste von Kronen 98.553 1.927 43.108 120.000 978 2020—2362 264.566 Unter diesen Arbeitskräften gab es ungefähr 50 männliche. Außerdem waren in der Weißstickerei 40—45 Mädchen durch fast 4 Monate beschäftigt, die zur Aneiferung Prämien im Betrage von K 1114 erhielten. Faßt man noch die weitere Tätigkeit des Hilfsvereines ins Auge, die der Lehrlingsfürsorge, der Förderung der Landwirtschaft unter den galizischen Juden, der Errichtung von Analphabetenschulen 2C. zugewendet war, so muß man bekennen, daß dieselben geeignet ist, nicht nur das materielle, sondern auch das kulturelle Niveau der Juden in Galizien zu heben, und darum die Unterstützung und Förderung der weitesten Kreise des Judentums verdient. Galftische Schul-Gnqnete der „Israelitischen Allianz." Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" hat in Erwägung, daß sich die wirtschaftliche Lage unserer Glaubensgenossen in Galizien nicht zum wenigsten durch die Hebung des Kultnrniveaus der breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung gedeihlicher gestalten könnte, sich seit längerer Zeit mit der Frage der Förderung des jüdischen .Schulwesens in diesem Lande unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse der konservativen jüdischen Kreise befaßt. Auf Grund verschiedener Berichte und Anregungen hat der Vorstand in der Plenarsitzung vom 30. Jänner d. I. im Prinzips beschlossen, solche Schulen, die in vollem Maße das Vertrauen der religiös gesinnten jüdischen Bevölkerung genießen, zugleich aber den modernen Anforderungen entsprechen, nach Möglichkeit zu unterstützen, und den Vereinssekretär, Herrn Rabbiner Dr. Armand Kaminka, ermächtigt, sich mit konservativen Rabbinern und Vertretern der in Betracht kommenden jüdischen Gemeinden in Galizien in Verbindung zu setzen, um in einer gemeinsamen Besprechung die Linie festzustellen, auf welcher sich die intendirte Aktion der „Israelitischen Alianz" unter voller Zustimmung und ersprießlicher Mitwirkung der konservativen Bevölkerung bewegen könnte. Am 12. Februar fand zu diesem Zwecke eine Enquete in Lemberg im Saale des dortigen Knltusrates statt. Es fanden sich aus religiös konservativen Kreisen die Herren Rabbiner B r a u d e aus Lemberg, Oberrabbiner Abraham S ch n u r r aus Tarnow, Rabbiner Natan Lew in aus Rzeszow, Rabbiner Aron L e w i n aus Sambor, M. S ch m e l k e s aus Krakau, ferner die Rabbiner Dr. Caro und Dr. Guttmann aus Lemberg, Dr. M a r g u l i e s aus Drohöbycz und zahlreiche Vertreter galizischer Gemeinden ein. Die Versammlung wurde durch Herrn Emil v. Mises als Obmann-Stellvertreter der Filiale der ..Israelitischen Allianz" in Lemberg eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Lazar Bloch, Kultusvorsteher und Obmann der Allianz-Filiale in Brody, zum Schriftführer Herr Rabbiner Dr. Margulies aus Drohobycz ernannt. Herr Rabbiner Dr. K a m i n k a legte in einem eingehenden Expose die Bestrebungen der „Israelitischen Allianz" dar und hob besonders hervor, daß es dem Verein gänzlich fern liege, in die religiöse Sphäre einzugreifen, und es' sich hauptsächlich darum handle, in denjenigen weiten Kreisen Galiziens, wo außerordentliche Not und Armut herrschen, unter Gewährung aller für die Religiosität erforderlichen Garantien die moder neSch ulbildung als wichtigesMittel für den Kampf ums Dasein zu propagieren. Es sei auch nicht die Absicht der Allianz, selbständige Schulen zu begründen, sondern die an vielen Orten, auch in orthodoxen Kreisen sich zeigenden Bestrebungen, profanes Wissen zu erwerben, den hebräischen Unterricht zu modernisieren und in ein System zu bringen, durch praktische Fächer zu ergänzen, Handwerk und Gewerbe zu fördern u. s. w., ihrerseits zu ermutigen und nach Tunlichkeit zu unterstützen. Der Vertreter der Kultusgemeinde Krakau, Herr Doktor F i s ch l o w i tz, richtete an die Konferenz eine schriftliche Eingabe, in welcher über die Gegenstände der Beratung (planmäßige Gestaltung des hebräischen Unterrichtes, Angliederung eines profanen Unterrichtes, wo es an einem solchen fehlt, Schaffung einer Organisation, um nur approbierte, pädagogisch vorgebildetete hebräische Lehrer und hygienisch zulässrge Räumlichkeiten für die Cheders zuznlassen), ausführlich gesprochen wird. Im Eingänge der Zuschrift heißt es: „Daß das hebräische Unterrichtswesen in den konservativen jüdischen Kreisen Galiziens, wie es gegenwärtig gestaltet ist, nach einer durchgreifenden Reform ruft, daß der Unterricht des hebräischen und der damit in Verbindung stehenden Fächer, wie es einem großen Teile unserer Jugend gegenwärtig geboten wird, allen rationellen Anforderungen geradezu Hohn spricht, daß das „Cheder" physisch und geistig verderblich wirkt, unterliegt keinem Zweifel. — Und doch kann

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