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Die Wahrheit · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Administiation: Wien, II/, Novaragasse R. Telephon 8ir. der Druckerei! I53VL. j Unfturate Die viermal gespaltene j Nonpareille-Zeile 25 Heller, j rtvonucmenlS- 11. Jiliertions. n betrage und iil Wien zahlbar^ und klagbar. _ll Anabhängige Aeitschrifi für jnöischs Jniere/fen. Erscheint jeden Kreitng. Motto I „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ jj Kerug»pr;ets: jl Äanzjätzrig ... ft 14.— l! Halbjährig . ft. 7.— I; Fi'lr Cultnsbeamte:! ^„„zjätirig . . ft. 10.— Für Wu»lrtiib: <»ailziät>rig ...» Mark 6 Rubel oder 10 jjcS Ar. 10 Wien, 8. Ohm 1007 Inhalt : Galizischer Hilfsverein. — Galizische Schulenquete der „Israelitischen Allianz." — Jüdische Territorial-Organisalion. — Auswanderersürsorge in der Schweiz. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Rose von Saron. Gallischer Hilfsverein. Es ist eine im modernen Wirtschaftsleben vielfach bestätigte Tatsache, daß einzelne Familien und noch mehr große Volksmassen nicht durch Gewährung von Almosen, sondern nur durch Zuführung zu Arbeit und Erwerb aus Not und Elend in günstigere Lebeusbedingungen gebracht werden können, und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, hat der „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" (Wien, IX.. Berggasse 4) seit einer Reihe von Jahren sein Bestreben dahin gerichtet, durch Schaffung und Förderung von Hausindustrien die traurige materielle Lage der Juden in Galizien zu heben. Allerdings sind die diesbezüglichen Versuche nicht immer auf den ersten Wurf geglückt, bei den mannigfachen örtlichen, individuellen und kommerziellen Schwierigkeiten mußte man bei manchen Unternehmungen anfangs auch auf Mißerfolge gefaßt sein, aber im allgemeinen hat sich die Tätigkeit des Hilfsvereines als eine wahrhaft segensreiche erwiesen, und besonders auf dem Gebiete der weiblichen Arbeitsförderung, in erster Reihe durch Einführung der S p i tz e n h ä k e l e i, wurden höchst beachtenswerte Erfolge erzielt, über welche der soeben ausgegebene erste Teil des Jahresberichtes pro 1906 folgende überaus erfreuliche Aufschlüsse gibt: „Wie wir im Vorjahre mitzuteilen das Vergnügen hatten, haben wir diese Industrie, die Erzeugung irischer Spitzen, im März 1905 in Galizien einzuführen begonnen. Es ist uns nun gelungen, damit einen geradezu außerordentlichen Erfolg zu erzielen. Wir lassen, wie Sie wissen, in der Erzeugung dieser Spitzen Unterricht erteilen, während der k. k. Zentral-Spitzenkurs in Wien als Unternehmer fungiert. Diese Anstalt hat die Spitzenhäkelei nach Oesterreich gebracht und läßt in verschiedenen Kronländern irische Spitzen Herstellen, die sie an größere Händler und Exporteure verkauft. Da sie uicht darauf ausgeht, einen geschäftlichen Nutzen zu erzielen, so ist sie in der Lage, den Arbeiterinnen höhere Löhne zu zahlen, als es ein Privatunternehmer vermag. Der Zentral-Spitzenkurs gibt nun nach Galizien Bestellungen, übernimmt die dort fertiggestellten Waren und übersendet dorthin die hiefür entfallenden Arbeitslöhne. Er stellt uns auch die für die Einführung dieser Industrie erforderlichen Lehrkräfte zur Verfügung. Im Jahre 1905 waren bereits an 6 Orten, und zwar in Sambor, Drohobycz, Neusandez, Gorlice, Neumarkt und Bolechow, die Spitzenhäkelei eingeführt, im Jahre 1906 sind die Orte Tlumacz, Nadworna, Gliniany, Wygoda, Stryj, Dolina, Dukla, Zolkiew, Magierow, Kulikow, Rawa ruska, Olpiny und Grybow dazugekommen, so daß im ganzen von uns 19 Orte industrialisiert rvurden. An einem 20. Orte, Tnchow. entstand diese Industrie dadurch, daß ein Mädchen in Gorliee den Unterricht erhielt und nun in ihrer Heimat andere Arbeiterinnen unterrichtete. In diesen 20 Orten — es wird übrigens auch in der Umgebung dieser Orte gearbeitet — sind derzeit 1200 bis 1500 Arbeiterinnen tätig. Die Waren, die aus Galizien einlangen, entsprechen im großen und ganzen den höchsten Anforderungen. Obwohl wir den Zentral-Spitzenkurs ersucht halten, bei der Uebernahme i er Spitzen, um die Arbeiterinnen an die Herstellung marktfähiger Waren zu gewöhnen, so streng als möglich vorzngehen und schlechte Waren entweder abzulehnen oder geringer zu bewerten, ist es bisher nicht vorgekommen, daß Spitzen überhaupt nicht übernommen wurden, und die Abzüge, die der Zentral-Spitzenknrs hie und da machte, sind ganz unbedeutend. Wir haben übrigens eine unserer Lehrerinnen, von der im ganzen 15 Orte industrialisiert wurden, während die zweite Lehrerin bloß an 4 Orten Unterricht erteilte, durch die von ihr industrialisierten Orte eine Rundreise zu dem Zwecke machen lassen, damit sie durch ihren persönlicheil Einfluß und dort, wo es nötig ist, durch Nachunterricht die Herstellung tadelloser Ware erziele. Die Arbeiterinnen sind mit den Löhnen, die sie sich erwerben, außerordentlich zufrieden. „Fleißige und geschickte Mädchen" — schrieb uns am 12. Oktober d. I. unsere erste Lehrerin von ihrer Rundreise — „verdienen sich K 10.— wöchentlich, können aber auch, wenn sie besser bezahlte Figuren arbeiten und dabei flink sind, auf X 16.— kommen. Einzelne Arbeiterinnen, die besondere Fähigkeiten besitzen und auch noch Nachtstunden zur Hilfe nehmen, haben sogar höheren Verdienst." Die Löhne, die im Jahre 1905 in der Spitzenhäkelei in Galizien verdient worden waren, hatten X 2364-92 betragen. Im Jahre 1906 wurde ein reiner Lohn, das ist nach Abzug des Wertes der Materialien, von rund X 98.500.— erzielt. Es muß jedoch bemerkt werden, daß es irrig wäre, den Gesamtarbeitslohn durch die Anzahl der Arbeiterinnen zu teilen, um daraus den Betrag, der auf eine Arbeiterin entfällt, zu entnehmen. Es wäre damit bloß eine mechanische Rechnungsoperation vollzogen, das Ergebnis würde jedoch einen Einblick in die wirklichen Verhältnisse deshalb nicht gestatten, weil die Arbeiterinnen der im Berichtsjahre industrialisierten Orte erst allmählich in die Reihe der Verdienenden eintraten. Es zeigt sich dies klar und deutlich, wenn die Nettolöhne der einzelnen Monate in Betracht gezogen werden. Es wurden ins Verdienen gebracht im Jahre 1906 Nettolöhne, und zwar: im Jänner und Feber X 1.951-21, im März X 2.674-97, im April

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