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Die Wahrheit · 1907-03-01 · Heft 9 (1.3.1907) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 9. deuten der hauptstädtischen Bezirks-Propagandenkomitees einstimmig gewählt: L, II., HU. Bezirk Dr. Isidor Szabolcsi, Präsident der Ofner Jsraelitengemeinde, IV. Bezirk Dr. Salomon Eulenberg, V. Bezirk Rabbiner Dr. Julius Fischer, VI. Bezirk Rabbiner Dr. Simon H e v e s i, VII. Bezirk Dr. Wilhelm Schwarz, VHI. Bezirk Gemeindevorsteher Dr. Wilhelm Grauer, U Bezirk Dr. Jzor Glaß, dann für Köbanya (Steinbruch) Ingenieur Armin S z a b 6, endlich für Ujpest (Neupest) Oberrabbiner Dr. Ludwig Venetianer. D. H. S. Hamburg. (Hamburg-Amerika Sinie.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Paffagierdampfern finden statt: Nach N e w y o r k: Die Postdampfer: Patricia 2./3., Amerika 7./3., Pennsylvania 9./3., Graf Waldersee 16./3., Batavia 23./3., Kaiserin Auguste Victoria 30./3., Pretoria 6./4., Amerika 11./4., Patricia 13./4. Nach Boston: Die Postdampfer: Bethania 2/3., Andalusia 14./3. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Acilia 22.12., Andalusia 14./3. Nach Philadelphia: Die Postdampfer: Bosnia 2./3.. Pallanza 13./3. Nach Neworleans: Postdampfer Rapallo 15./3. Nach W e st i n d i e n: Die Postdampfer: Calabria 1./3., Croatia 8./3., Mecklenburg 9./3. Nach Mexiko: Die Postdampfer: Bavaria 27./2., Helvetia 2./3., Albingia 28./3. Nach O st a s i e n: Die Postdampfer: Senegambia 25./2., Segovia 10./3., Teo Pao 15./3., Hohenstaufen 20./3., C. Ferd. Laeisz 25./B. Nach Tsingtau, Takn und W l a d i w o st o k: Postdampfer Sithonia 28./2. Nach Wladiwostok und Nicolasewsk a. Amur: Ellen Rickmers 23./3. Ara bis ch- Persischer D i e n st: Die Postdampfer: Teutonia 23./2., Canadia 28.,3. Die Wose von Saron. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) Einem leichlsinnigen Menschen ist nichts so unbequem, als eine kluge Frau. Ihrem scharfen, durchdringenden Blick gegenüber, mußte ich immer die Augen zu Boden senken. Dafür entschädigte ich mich mit kleinen Bosheiten, Teufeleien, sage ich Ihnen, die ich noch heute bereue. Meine Frau lvieder verachtete mich meines geringen Bildungsgrades wegen. Schauen Sie mich nicht so verwundert und ungläubig an, lieber Freund, ich erzähle ein Faktum! — Später begann sie mich zu hassen, meines fortgesetzten Leichtsinnes und eben jener Bosheiten wegen. Denn ich war als Ehemann nicht solider geworden, und meine jedes äußeren Reizes entbehrende Frau war danach, mich auf eine andere Bahn zu lenken. So wurde uns das Leben zur Qual. Einigemal war ich nahe daran, ihr den Vorschlag einer'Scheidung zu machen, doch unterließ ich es, wohl missend, daß sie niemals in eine solche einwilligen würde, erstens der Kinder wegen, und zweitens durch das Urteil der Welt, aus welches sie immer einen hohen Wert gelegt hatte. Ich glaube, daß sie dos einzig und allein bestimmt hatte, mir ihre Hand zu geben, denn geliebt hatte sie mich niemals, nicht einmal als Braut, das hatte sie einst in ihrer rücksichtslosen Offenheit eingestanden. Ein glücklicher Zufall kam unser beider Wünschen entgegen. Ich bekam eine vorzügliche Stellung in Triest, wohin ich auch ging, aber allein. Meine Familie war in der Heimat zurückgeblieben. Ich schickte die Hälfte meines Gehaltes nach Hause und fast alle Tantiemen, die ich bezog. Wie ich mich der wiedergewonnen Freiheit freute, Freund! Nicht mehr diese scharfen, durchdringlichen Augen auf mich gerichtet zu fühlen, wenn ich aus Freundeskreise nach Hause kam. Diese Augen waren ja das Schönste an ihr, oder vielmehr das einzig Schöne, aber ich hätte sie aus dem häßlichen Gesichte herauskratzen mögen, wenn sie mich so fragend — nein, so allwissend anblickten. Heute, nach Jahren ernsten'Denkens und bei gereister Lebensanschauung fühle ich noch immer einen Schimmer jenes Wonnegefühles in mir erwachen, wenn ich mich jenes damaligen törichten Freiheitsrausches erinnere. Die Tage verbrachte ich im Geschäfte, dem ich Vorstand, den Abend unter Freunden gleichen Kalibers wie ich, die Nächte, unter uns gesagt, gar oft unter leichtsinnigen Weibern. Einst, nach einem, selbst für das dortige Klima ungewöhnlich heißen Tage unternahm ich mit zwei Freunden eine Kahnfahrt an den Rand der Adria, wie ich es hie und da zu tun pflegte. Ein geübter, verläßlicher Ruderer lenkte das Fahrzeug. Es erhob sich ein Sturm, wir wurden gegen ein größeres Boot geschleudert — mehr weiß ich nichts. Als ich unter den unablässigen Bemühungen eines Arztes und mehrerer Männer zum Bewußtsein erwachte, befand ich mich an Bord eines großen Dampfschiffes auf hoher See. Das Boot, welches an unserem Unfälle Schuld trug, hatte mich Bewußtlosen aufgefischt und ans Dampfschiff, zu dem es gehörte, abgeliefert. Was aus meinen Freunden und dem Ruderer geworden, habe ich fahre-- lang nicht erfahren. Als ich mich erholt hatte, machte mir der Kapitän des Schiffes den Vorschlag, mich auf der nächstew Station anzusetzen, und da in meiner wohlverschlossenen Brieftasche eine größere Barschaft gefunden wurde, auf einem ändernder aulegenden Schiffe die Rückreise nach Triest bewerkstelligen zu können. Mich aber hat eine Abenteuerlust ergriffen, ein wahnsinniger Freiheitsdrang erfaßt. Bevor wir zur bewußten Station ankamen, das war nach ungefähr drei Tagen, hatte ich den Plan gefaßt, die Weltreise mit dem Dampfer, auf dem ich mich befand, mitzumachen. Um dies als Passagier zu tun, dazu reichte meine Barschaft denn doch nicht aus, so nahm ich denn auf dem. Schiffe selbst Dienste, und zwar trat ich gleich an Stelle eines eben erkrankten Küchenjungen ein. Gleich am ersten Tage meiner Reise legte ich ein Tagebuch an. Wenn wir Feierabend hatten und das Meer ruhig war, pflegte ich meine Kameraden um michzu versammeln, und ihnen Einzelnes daraus vorzulesen, hauptsächlich Bemerkungen über die See unserer Fahrt, sowie satyrische, doch harmlose Beschreibungen der Mannschaft und Passagiereunseres Schiffes. In der Eintönigkeit des Seelebens war diese Vorlesung eine wünschenswerte Abwechselung, wofür mir diese Leute recht dankbar waren. Einmal war der Kapitän ungesehener Zeuge einer solchen Vorlesung gewesen. Andern Tages ließ er mich zu sich rufen,, und sagte mir, daß es schade für mein Talent wäre, wenn ich es in meiner Eigenschaft als gewöhnlicher Arbeiter vernachlässigte. Er gab mir den Auftrag, für ihn eine ausführliche Beschreibung^ unserer Reise sowohl, als der Verhältnisse von Land und Leuten der Plätze, wo wir anlegen wurden, auszuarbeiten. (Forts, folgt.v Kundmachung. Die s e ch s u n d z w a n z i g st e ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank findet Dienstag, den 26. März d. I., 6 Uhr abends, im Anstaltsgebäude (I., Hohenstaufengasse Nr. 3, statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Zensoren über die Gejchäftsgebarung im Jahre 1906. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes des Jahres 1906. 4. Beschlußfassung auf Erhöhung des Aktienkapitals um 30 Millionen Kronen. 5. Beschlußsafiung bezüglich der durch die Kapitalsvermehrung bedingten Statutenänderungen. 6. Wahlen in den Verwaltungsrat (§§ 21, 22 und 24). 7. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1907 (§38), sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarkcn für dieselben (§ 40). Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 42, 43), welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien spätestens am 12. März d. I. zu deponieren, und zwar: in Wien bei der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank; in Prag bei der Filiale der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank; in Berlin bei der Deutschen Bank und Dresdener Bank; in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank; in Paris bei der Banque Imp. Roy. Privilegiee des Pays Autrichiens Succursale de Paris, 12, rue du quatre Septembre, und bei der Societö Generale pour favoriser le developpement du Commerce et de l’Industrie en Prance, 54, rue de Provence; in Lyon bei der Societe Lyonnaise de Depots de Comptes Courrants et de Cr4dit Industrie!. Die Aktien sind Arithmetisch geordnet, in Wien mittelst einer einfachen, bei den anderen Erlagstellen mittelst doppelter Konsignation einzureichen, und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung außgefolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien rückgestellt werden. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte ausznstellen und eigenhändig zu unterschreiben (§ 45). Ausnahmsweise können jedoch Minderjährige durch ihren Vormund, Kuranden durch ihren Kurator, Frauen durch einen Bevollmächtigten, Handelsgesellschaften durch einen ihrer Firmaführer, Gesellschaften überhaupt durch ein hiezu bevollmächtigtes Mitglied, Körperschaften, Institute u. dgl. durch einen ihrer Vorstände vertreten werden, wenn auch diese Vertreter nicht selbst Aktionäre sind.' Die große Teuerung wird gemildert durch die Einführung des „Ceres" Speise-Fett, das halb so billig ist als anderes Fett. „C>eres" Speise-Fett ist kein Surrogat, sondern das reine Fett von Kokosnüssen, die frisch an der Sonne getrocknet, nach Aussig a. d. Elbe verschifft werden. Dort werden sie in den Nährmittelwerken „Ceres" der Schicht-Aktiengesellschaft gepreßt und zu Speise-Fett verarbeitet. Dadurch unterscheidet sich „Ceres" Speise-Fett von den anderen Pflanzen-Fetten. Die mit „Ceres" Speise-Fett zubereiteten Speisen sind billiger und schmackhafter als die mit irgend einem anderen Fett hergestellten. —Krapfen, mit „Ceres" Speise-Fett zubereitet, sind wohlschmeckender undleichter verdaulich als alle anderen.

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