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Die Wahrheit · 1907-03-01 · Heft 9 (1.3.1907) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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dklkrt.-nnpr. Kantoren-Zeitung. Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes Werden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, die rückständigen Abonnementsbeträge umgehend zu begleichen. Die Administration. David Kohn. Overkantsr in Arad. Lu seinem fünfzigjährigen Amts-Jubiläum. Als wir vor 25 Jahren diesem wahren mwa jna anläßlich des zur selben Zeit gefeierten Jubiläums unsere Gratulation darbrachten, drückten wir unseren Wunsch in folgenden Worten aus: „Sie haben von Ihrem angestammten Prädikate jna heute das 2 und n — 25 — in Ihrem, heiligen Amte erreicht. Möge der Allgütlge es'Jhnen gönnen, auch das j. — 50. zu erreichen"'. Am kommenden 1. Pessachtage, erreicht'/ nun diese anerkannte Koriphäe das j, das 50. Jahr seiuer-ffrommen Wirksamkeit in der zweitgrößten Gemeinde Ungarns, in Arad. David K o h n, als Sohn des berühmten Chonele Chasen, man könnte sagen, im Synagogengesange geboren, ist eine jener Größen, die zielbewußt, vornehmlich deshalb, weil ihre Entwickelung im alten Synagogengesange wurzelt, dem Strome der Zeit folgend, Altes und Neues, Herkömmlichesund Modernes, oder in reinerem Stile beten und singen, so zu verbinden verstehen, daß sie mit Recht die Schöpfer des neueren jüdischen Tempelgesanges genannt zu werden verdienen. „Ich bin Chasen!" ist seine Devise. Aber sein halbes Jahrhundert in einer der fortschrittlichsten Gemeinden, die schon zu Anfang des vorigen Jahrhundertes unter dem seligen Banner eines C h o r i n Reformen in Synagoge, Schule und Gemeinde angestrebt und auch frühzeitig ausgeführt, deklariert ihn auch als Kantor ersten Ranges. Sein lyrischer hoher Bariton, die natürliche Koloratur — nicht näselnde Gurgeltöne — der reine ungezwungene Triller, das Brustpiano — nicht Kopfstimme — der deutliche Vortrag stempeln ihn auch als allgemein gefeierten Kunstsänger. Eine Riesenkraft, von der Natur mit schönen äußeren Zügen gesegnet, steht er heute noch da in voller Stärke, ausdauernd, vom Alter ungebeugt, ohne Gesangshindernisse, verrichtet seine Funktionen und fesselt wie ehedem die große Schar seiner Zuhörer. Die Großgemeinde Arad wird wohl diesen ihren vorzüglichsten, stets charaktervoll, moralisch und sittlich lebenden und populär geliebten Beamten zu würdigen wissen. Der Kollegenstand, Rabbinen und Gemeinden werden in Anbetracht dieses würdevollen, im Amte ergrauten Amtsbruders am Jubiläumstage ihre Huldigungen aus vollem Herzen darbringen. Wir aber rufen ihm heute schon zu: -nj? irrns' nnxre 'n rraa ""KT ,7I2'2'2 p-ir Gr. . . . Weder die einheitliche Gestaltung des Gottesdienstes. H. In meinem vorigen. Aufsatze verwies ich auf die Notwendigkeit einer konformen Gestaltung des Gottesdienstes und eines einheitlichen Wirkens der Kantoren, und heute soll es j meine Aufgabe sein, zn beweisen, von welch großer Wichtigkeit eine diesbezügliche Vereinigung selbst für die Stellung des Kantors im allgemeinen ist. Werfen wir einen Blick auf die Musikverhältnisse der Synagogen in Deutschland, so müssen wir gestehen, daß die synagogale Musik dort, inbezug auf Einheit, in der Tat über die der Synagogen in Rußland und Oesterreich-Ungarn triumphiert. Diese Tatsache nimmt uns Wunder, wenn wir des jüdischen Gebetbuches gedenken, welches merkwürdigerweise in Deutschland, wie noch in keinem Lande, bereits drei Alterationen erlitten hat. Bald wurden dem Sidur viele Gebete unbarmherzig entrissen. bald wurden sie wieder teilweise rehabilitiert, jede der Alterationen hat an zahlreichen Synagogen ihre Anhänger gefunden, und doch hat die textliche Verschiedenheit keinen Einfluß auf die gottesdienstliche Musik gewonnen; fast in allen Synagogen liegt den Gebeten ein und dieselbe Musik zugrunde, namentlich dominieren vorwiegend die Lewandowskischen Gesänge, an welchen sich die ganze Gemeinde, wie ein Körper mit einer Seele, beteiligt. Und trotz aller Mängel, die ein echt jüdischer Chasan auch bei den Werken L e w a n d o m s k i s nicht übersehen kann, haben sie in den deutschen Synagogen tiefe Wurzel geschlagen. Es würde uns auf ein anderes, von unserer Absicht ferngelegenes Gebiet führen, wollten wir hier die Mängel in den Werken Lewandowskis beleuchten. Wir müssen inLewand o w s k i den genialen Komponisten verehren, der bestrebt war, den Reformationswünschen und dem Haschen der Berliner Gemeinde nach dem modernen deutschen Liede in so hohem Maße Genüge zu tun. Umsomehr achten wir die jüdische Gemeinde, welche das Nichtvorhandensein einer festgestellten Musik in der Synagoge empfunden und Lewandowski beauftragt hat, für die Synagoge eine Musik festzulegen. Ein solcher Schritt gereicht der Gemeinde nur zur Ehre. Wir Kantoren jedoch müssen uns durch diesen indirekten Auftrag der Gemeinde bis in die Seele getroffen fühlen und uns selbst fragen, warum i wir eigentlich für die uns anvertrauten liturgischen Gesänge bis dahin keine Sorge getragen haben? Warum ließen wir solange eine Mißwirtschaft in der Synagoge, daß ein Einschreiten der Gemeinde unumgänglich wurde, und warum sollten wir denn die Initiative zu diesem heiligen Bau nicht selbst ergreifen? Die jüdische Gemeinde konnte sich natürlich mit ihrem diesbezüglichen Aufträge nicht an die Kantoren direkt wenden, da sie wohl wußte, daß kaum zwei unter ihnen einer Meinung sind, daß selten Einer sich mit den Kompositionen seines Kollegen befriedigt und daß jeder der Kantoren für seine Synagoge am liebsten selbst Musik macht. So konnte sie nichts anders tun, als dem Komponisten Lewandowski diese heilige Arbeit anzuvertrauen. Und siehe, da hat sich die Uneinigkeit der Kantoren an ihnen selbst gerächt; sie haben dadurch die bitterste Rüge j bekommen und noch heute büßen sie ihre begangenen Fehler. Lewandowski, der zwar viel Gutes und Schönes geschaffen hat, ist im Bereiche der Synagoge als Monokrat aufgetreten, obgleich er von der Akademie der Tonkunst ans kein gründliches Wissen der hebräischen Sprache und des echten traditionellen Chasonuth mttbrachte. Die Kantoren wurden gezwungen, sich Lewandowski zu unterwerfen, ohne einmal zu Rate gezogen zu werden. Lewandowski frug selbst seine Berliner Kantoren niemals um Rat; er befahl einfach, und so mußte es bleiben. (Schluß folgt.)_ Offert. I Eine Anzahl Bücher im besten Zustande, hebräisch j wissenschaftlichen Inhaltes, sowie auch solche von pädagogischem W^rte sind preiswürdig zu verkaufen. Zuschriften an 8. Popper, Wien, VII., Westbahnstrasse 60. rav w rm’OT Sabbat-Gesänge 20 Piecen für den Sabbatgottesdienst, Kantor-Rezitative mit Orgelbegleitung. Komponiert und herausgegegen von Josef Weissmann Oberkantor der israel. Kultusgemeinde Pofcega (Slavonien). - in- > Preis 5 K (exkl. Porto). - Das Werk ist von den Oberkantoren Singer-Wien, Kiraehner- München, Prof. Grünzweig-Arad Goldstein-Steinamanger vorzüglich begutachtet.

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