Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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'Jh\ 9. Die Wahrheit Lette 9. -mit der Bitte an dieselben, auch weiterhin die Vereinszwecke zu fördern. 'Die Generalversammlung ermächtigt den neu zu wählenden Vorstand, die Rechnungen pro 1906 zu prüfen und dem austretenden Vorstände das Äbsolutorium zu erteilen. Ein Antrag der Vorsitzenden, für Studenten eine besondere Abteilung zu errichten, wird dem Vorstände zur Ausführung -empfohlen. In den Vorstand wurden mit Akklamation berufen: Obmann Salomon Meisel. I. Stellvertreter, Bernhard Hofbauer. II. Stellvertreter Moritz Felsen bürg, Kassier vacat, Stellvertreter Isidor Prommer, Schriftführer Wolf Pappen heim. Dr. Dagobert Rybacs^wski, Mitglieder Inda G r o ß b a r t, H. K a r n i k e l, A. K t e i n, S. K o m e t, Dr. S. K r e u b e r g e r, H. K u n e r, B. M i e s e s, M. S ch r e i b e r. .Zu Revisoren einstimmig gewählt: Herren Fr. Fischer, M. Kamm, E. T o r c z y n e r. Der große Aufschwung, den die Restauration genommen hat, in der die besseren minder bemittelten Kreise verkehren, bietet den .leitenden Komitees, unter denen sich'Frauen und Mädchen der besten Kreise betätigen, große Genugtuung. Die Erhaltung dieser Anstalt erfordert bedeutende Geldmittel, zu deren Aufbringung alle Woltäter gebeten werden, beizutragen. Spenden werden erbeten an die Firma Adolf u. B. Hof- Lauer, I. Tuchlauben 20. Wien. (Wiener S y n a g o g e n s ä n g e r - B e r e i n.) Dieser rührige künstlerisch-humanitäre Verein hielt kürzlich in Herlingers Saal „zum goloenen Widder" seine erste ordentliche Generalversammlung ab, an der fast sämtliche Wiener Tempelsänger teilnahmen. Der Obmann, Herr S. L e m b e r g e r, konnte in seinem Rechenschaftsberichte mit Befriedigung von der gedeihlichen Entwicklung des Vereines Mitteilung machen, welche insbesondere durch die in jeder Beziehung äußerst gelungene Chanuka-Veranstaltung im „Bayrischen Hof" gefördert wurde. Für ihre moralische und werktätige Unterstützung der Bestrebungen des Wiener Synvgogensänger-Vere'.nes gebühre dem allverehrten I. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Gustav K o h n, und dem I. Sekretär, Herrn kais. Rat Dr. Lieben, der innigste Dank der Vereinsleitung. Aber auch gegenüber dem Chordirektor Prof. Josef S u l z e r, welcher sich in selbstloser, aufopferungsvoller Weise in den Dienst der künstlerischen Ziele des Vereines gestellt habe, wolle die Leitung seine Dankesschuld ab- .zahlen, indem sie ihn zum Ehrenmitgliede des Vereines ernenne. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden sodann in die Vereinsleitung gewählt; Herr S. L e m b e r g e r als Obmann, die Herren M. Striks und H. T h i e m a n n als Obmannstellvertreter, Herr I. Kreisler als Schriftführer, Herr A. G o l d e n b e r g als Kassier, die Herren Doktor L e m p o r t und S. Redlich als Revisoren und, nachdem Herr Grodsensky auf seine Wiederwahl verzichtete, die Herren Hirsch, .H i r s ch m a n n, I. M e st l e r, M. Reich, S ch o r r, Schwager und W o d a k als Vorstandsmitglieder. Kremsier. Der vor kurzem Heimgegangene Rabbiner der Nürnberger Gemeinde, Dr. Ziemlich Pinkus Bernhard, war ein geborener Oesterreicher. Er stammte aus Rocketnitz (geb. 1850), einem Dorfe unweit von Ungarisch-Brod, wo er unter der Leitung des Rabbi Roth seine Kindheit verlebte. Im Jahre 1869 bezog er das Seminar zu Breslau und wurde nach Absolvierung desselben 1877 als Prediger und Religionslehrer in München und 1881 als Rabbiner in Nürnberg ausgenommen. Dr. Ziemlich veröffentlichte mehrere Aufsätze: Die Inden in Daniel Deronda. Ein Responsum Hai's. Berliner „Magazin" 1878. Abraham den Chija und Jehuda Halewi. Handschriftliches aus München. Göthe und das alte Testament. Das Machsor Nürnberg. Ans der Schule de Lagardes. Einer, der nicht Liturgiker sein will, Antwort an Herrn Professor de Lagarde (gegen dessen Angriffe er Zunz Verteidigtei. Vorwort zu den Predigten aus dem Nachlaß von Dr. M. Joel, 1892. Vorwort zur zweiten Auflage des Nürnberger Gebetbuches, 1898. Die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg. Gedenkschrift 1900. Wie soll das jüdische Herz in unserer Zeit sich bewähren? Anlage des (lack hachasaka Maimunis. Eine Bücherkonfiskation zu Fürth im Jahre 1702. Der Kampf um die Bibel und ihren Gottesbegriff. Drei Festreden, Nürnberg 1903. Bei seinem Schwiegervater Dr. M. Joel in Breslau und im Hause des sel. Dr. Zach. Frankel, wo er wohnte und den er stets begleitete, lernte er die Normen des Rabbinats nicht blos theoretisch, sondern auch praktisch. Seine wissenschaftlichen Leistungen und Vorträge fanden allgemeine Anerkennung. Durch.sein gefälliges und freundliches Wesen erwarb er sich hohe Achtung bei seinen Kollegen. F. G. Graz. Unter außergewöhnlich zahlreicher Beteiligung fand Sonntag, den 24. d. M., nachmittags, das Leichenbegängnis des Rabbiners Doktor Samuel Mühsam statt. Im Trauergemache, wo Rabbiner Dr. Grunwald aus Wien am Sarge ein kurzes Gebet verrichtete, hatten sich eingefunden: Statthalter Graf Clary und Ald rin gen, Landeshauptmann Graf Attems, Herrenhausmitglied Dr. Jznaz Graf Ättems, die Hofrüte Dr. König und Pokorny, Bürgermeister Dr. Graf als Obmann des Stadtschulrates mit Stadtrat Linner und mehreren Beamten des Stadtschulrates, Oberstaatsanwalt Amschl, Polizeidirektor Regiernngsrat Ritter von Weyda, Polizeirat Papez, die Direktoren der drei Staatsgymnasien Regierungsrat Dr. Steinwenter, Dr. Adamek und Nagler, Ehrendomherr Professor Dr. Stary, Gymnasialprofessor Günter, Landtagsabgeordneter. Bürgermeister Daniel von Eggenberg, Oberst i. R. Zupan, die Advokaten Dr. Holzinger und Dr. R. v. Gabriel, Amtsdirektor i. R. Schmelzer, kais. Rat Selbacher, Arzt Troll, Postmeister Spediteur Freiheim, Hoftischlermeister Jrschick, der altkatholische Pfarrer Ferk. Papierhändler Braun, Vertreter des Grazer Bürgerkorps, der Präses der israelitischen Kultusgemeinde Biller mit sämtlichen Kultusräten, Ausschußmitgliedern und Kultusbeamten, Vertretungen des Vereines „Chewra Kadischa". des israelitischen Fcauenvereines. des Vereines für Armenbeteilung, Abordnungen des Lehrervereines „Milde," des Lehrerprivatpensionsinstitutes, des akademischen Vereines „Charitas," des Vereines „Zion" und des Turnvereines und noch viele andere Trauer- -r;äste. Den Leichenzug eröffueten die Schuljugend und die Mitglieder des Turnvereines. Neben dem Leichenwagen schritten Mitglieder des akademischen Vereines „Charitas." Im Tempel erwarteten Rabbiner Ehrlich aus Körmend, der aus Baden bei Wien erschienene Vertreter der dortigen Kultusgemeinde Rosner, sowie die aus Leoben, Judenburg, Knittelfeld, Klagenfurt, Marburg, Cilli. Radkersburg anwesenden Abordnungen und viele Damen den Leichenzug. Die in dem Tempel angebrachten Gaslaternen waren umflort und brannten. Im Schulgebäude hatte die Rettungsabteilung eine Ambulanz errichtet, die jedoch nicht in Anspruch genommen wurde. Bor dem Tempel war Feuerbereitschaft. Nachdem Oberkantor Horn mit dem Chore in überaus wirkungsvoller Weise einen Trauerpsalm vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. Grunwald aus Wien eine tiefempfundene Ansprache. In derselben verwies er auf das verdienstvolle 30jähriqe Wirken des Heimgegangenen und pries dessen Tugenden als Seelenhirt seiner nun verwaisten Gemeinde. Dann trat Rabbiner Doktor Brettholz aus Triest an die Bahre und widmete dem Verstorbenen in seinem und im Namen seiner Gemeinde einen ehrenden Nachruf. Mit Trauergesängen wurde die Feierlichkeir im Tempel beschlossen und nun wurde die Leiche zur Beisetzung nach dem israelitischen Friedhofe überführt. Am Grabe sprachen noch die Präsidenten der Kultusgemeinde und „Chewra Kadischa" Biller und O r o w a n und der Schulleiter, Sekretär Ungar. Am Vormittag fand im Sitzungssaale-der israelitischen Kultusgemeinde eine Trauerkundgebung statt, bei welcher der Präses Herr Biller eine Gedenkrede auf Dr. Mühsam hielt. — Der trauernden Familie wurden zahlreiche Beileidskundgevungen zugesendet. Troppa». Die hiesige Chewra Kadischa feierte am 21. Februar ('1 "HK) ihren 25jährigeu Bestand. Aus diesem Anlasse wurde am Nachmittage, um 5 Uhr. im hiesigen Tempel ein Festgortesdienst abgehalten, an welchem Delegierte auswärtiger Vereine teilnahmen. Herr Rabbiner Dr. Blüh hielt die Jnbilänmsrede und Herr Oberkantor S i n g e r m a u n zelebrierte den Gottesdienst. Anschließend an diesen! Gottesdienst fand eine Festversammlung statt, bei der der Vereinsarzt, Herr Dr. Buchbinder, die Festrede hielt. Abends fand in den großen „Hahnen"-Sälen ein gemütlicher Abend statt, an dem fast sämtliche Angehörige unserer Kultusgemeiude, sowie eine große Anzahl auswärtiger Glaubensgenossen teilnahmen. Die Unterhaltung, die bis in die Morgenstunde die Teilnehmer in sehr animierter Stimmung zusammenhielt, nahm einen glänzenden Verlauf und herrschte nur Eine Stimme über das nach jeder Richtung hin äußerst gelungene Fest. 8. Budapest. Der Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde hat vier Rabbiner zur Abhaltung von Probepredigren eingeladen. Zwei davon, Dr. Elias Adler, Oberrabbiner von O-Bnda und Dr. H. L. F e i g l, Oberrabbiner von Gyöngyös, sind aus der Rabbinerschule zu Pozsony. und zwei von ihnen, Dr. Armin H o f f e r, Oberrabbiner von Veszprsm und Dr. Jakob S t e i n h e r z, Oberrabbiner von Szskesfehärvar, aus der kön. ung. Landes-Rabbinerschule von Budapest hervorgegangen. Letzten Freitag Abend hielt Oberrabbiner Dr. Stein Herz eine deutsche und am Sabbat eine ungarische Kanzelrede und erzielte — wie wir gleich im vorhinein bekennen müssen — einen beispiellosen Erfolg. Dem Dr. Stein herz ging wohl als Talmudgelehrter und als gewandter Kanzelredner ein bedeutender Ruf voran, aber der gelehrte Oberrabbiner hat demselben voll und ganz enrsprochen und durch seine Prachtlerstungen dem Rabbinerseminar, sowie seiner ehrwürdigen Gemeinde Ehre gemacht, wovon sich die Abordnungen beider Institutionen zu überzeugen Gelegenheit hatten. Denn ln der zum Erdrücken vollen Rombach-Synagoge sahen wir eine Abordnung des Rabbiner-Seminars unter Führung des Professors Dr. Wilhelm Bacher undeine Deputation der Szskesfehsrvürer Jsraelitengemeinde unter Führung ihres Präsidenten Dr. Max Perl; auch der Distriktspräsident Armin Wertheim war gekommen, um Zeuge zu sein des ungeteilten Beifalls, den das hauptstädtifche Publikum seinem Oberrabbiner spendete. Neben Dr. S t e i n h e r z nahm der Präsident der Pester Großgemeinde, Hofrat Dr. Philipp Weinmann. Platz. Es waren noch zugegen: die Gemeindevorsteher Josef Hatvany-Deutsch de Hatvan, welcher auch Präsident der Landes-Oberrabbinerschule ist und Dr. Wilhelm Grauer, die Vorsteher der Chewra-Kadischa mit dem Präsidenten Jakob B o s ch a n, Pros. Dr. Ludwig Blau, die Tempel- und die Sqnagogenvorsteher, Konsul Emerich Birnbaum, die Sekretäre Dr. Julius Weißburg und Dr. Franz Mezey, Dr. Emil Farkas u. a. Dr. Steinherz hielt seine beiden sehr gelungenen gottesdienstlichen Borträge unter lautloser Stille des andächtigen Auditoriums, das mit gespanntester Aufmerksamkeit den Worten des Redners folgte. Zum Schlüsse wurde der gelehrte Oberrabbiner allseitig beglückwünscht. — Jetzt hat die Entscheidung zn fallen. Nachdem H o f f e r vor Abhaltung seiner Probepredigten zurückgetreten ist, dürfte der Vorstand die übrigen drei Herren dem Repräsentantenkörper vorlegen, welcher Einen zu wählen haben wird, den aber dann die ganze Gemeinde akzeptieren oder auch ablehnen kann. Wie wir die Stimmung der Urwähler kennen, dürfte es zwischen Dr. Adler und Dr. Stein herz einen gewaltigen Kampf geben und gar bald wird es sich zeigen, ob Pozsony oder Pest den Sieg davontragen wird. Es sind gleichwertige Kämpen, die sich gegenüberstehen. 1). Fl. 8. Budapest. Unter dem Doppelvorsitze des Präsidenten Josef Hatvan Y-Deut sch und des Mitpräsidenten Prof. Dr. Wilhelm Bacher hielt das Propagandenkomitee der Ungarisch-israelitischen Literaturgesellschaft im Prunkiaale der Gemeinde eine stark besuchte Sitzung. Es sprachen: Präsident von Hatvany-Deutsch. welcher in dieser Eigenschaft zum erstenmale fungierte, der Redakteur Max Szabolcsi und Börserat Josef Steiner, deffen Ausführungen einen wahren Beifallssturm entfesselten. Um die Anwerbung neuer Mitglieder machten sich besonders verdient: Philipp Goldschmied, Dr. Jzor G l a ß und der Szolnoker Oberrabbiner Dr. Kornsl H e v e s, denen Dank votiert wurde. Über Vorschlag des Schriftführers Prof. Dr. Josef Bänöczy wurden zu Präsi-