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Die Wahrheit · 1907-03-01 · Heft 9 (1.3.1907) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 9. Reichspost", darüber auf. daß jetzt drei Israeliten in der württembergischen Abgeordnetenkammer sitzen (Hermann, Maier-Ulm und Dr. Elsas), und wirft der sozialdemokratischen Partei vor, daß sie „den ersten Vertreter einer .fremden Rasse' in den seither judenreinen Landtag sandte". Die „D. Rchsp." irrt. Schon zu einer Zeit, als es noch nicht viel Sozialdemokraten in Württemberg gab — Ende der sechziger Jahre — war ein Israelit Mitglied der württembergischen Abgeordnetenkammer, und zwar gewählt von der „guten Stadt" Ulm. die nun wieder einen Israeliten in den württembergischen Landtag schickt. Jener erste jüdische Abgeordnete war der in ganz Württemberg wohlbekannte Geh. Hofrat Dr. Ed. von Pfeiffer, der bekanntlich in sozialer Fürsorge praktisch schon mehr geleistet hat als alle ..Reichspostmänner" miteinander. Inmitten der betrübenden Erscheinungen konfessioneller und gesellschaftlicher Hetze, die im letzten Wahlkampfe in Deutschland so zahlreiche, häßliche Blüten getrieben hat, ist es geradezu erquickend, wenn einmal, besonders von hoher kirchlicher Seite, Worte vernommen werden, die nicht nur vom Geiste religiöser und nationaler Duldsamkeit erfüllt sind, sondern eine solch anerkennende Wertschätzung Andersgläubiger bekunden, wie dies im nachfolgenden Falle zu Tage trat: Unter den Deputationen, welche nach der Inthronisation des neuen Bischofs von Regensburg, Dr. Antonius von Heule, zur Begrüßung und Beglückwünschung im bischöflichen Palais erschienen, befand sich auch eine israelitische, bestehend aus den Herren Distriktsrabbiner Dr. Meyer und Religionslehrer Max Behr, welche dem Herrn Bischof die Gratulation der israelitischen Kultusgemeinde und des Rabbinatsbezirkes Regensburg überbrachten. Auf die Begrüßungsansprache des Dr. Meyer erwiderte der B i s ch o f v. H e n l e etwa folgendes: „Die Worte, welche Sie, ehrwürdiger Herr, an mich gerichtet haben, ehren Sie und die Gemeinden, welche Sie vertreten. Ihre Begrüßung erfreut mich und rührt mich. Ihre Worte sind mir umso sympathischer, als sie mich an die Gedanken Ihrer Propheten erinnern, welche ich seit vielen Jahren und noch jetzt mit Vorliebe lese. Keine Nation hat eine so tiefe Poesie wie die Ihrige. Ich erwähne nur die Psalmen, welche mir schon viel Trost und Aufrichtung gewährt haben. Wir ehren Ihre Nation, der wir viel verdanken. Den Friedensgruß, welchen Sie mir gebracht haben, erwidere ich von ganzem Herzen. Sagen Sie Ihren Gemeinden, daß ich die Begrüßung mit Freude entgegengenommen habe, und sprechen Sie Ihnen meinen Dank aus." Nach einer Kabelmeldungaus Am erika bereitet Staatssekretär Root ein Amendement zur Einwanderungsbill vor, nach welchem der Präsident Ausländern, welche ihre Zulassung auf das kontinentale Gebiet der Vereinigten Staaten auf Grund von Pässen nachsuchen, die auf irgend ein anderes Land als die Vereinigten Staaten oder deren insulare Besitzungen oder die Zone des Panamakanals lauten, diese Zulassung verweigern kann, wenn er überzeugt ist. daß die Pässe in einer Art benutzt werden, die den Interessen der amerikanischen Arbeiter schädlich ist. Dieses Amendement wird vielfachen Widerstand Hervorrufen. Daß es die Bestrebungen der verschiedenen Kolonisationsgesellschaften für jüdische Auswanderer vielfach durchkreuzen würde, läßt sich leicht denken. Indes ist die Annahme der Bestimmungen noch keineswegs gesichert. Die Großen und Kleinen für und gegen das nationale Judentum in Galixirn. Noch, regt uud bewegt ffich's im Hause Israel, trotz der Bleigewichter, welche seitens der allpolnisch-klerikalen Herren Regenten in Oesterreich, resp. in Galizien an die Fersen Jakobs geheftet werden, und trotz der ..Schechitazettel", welche dem jüdischen Intelligenzler seitens der römischen Kirche hingehalten .werden, so jemand aus unserer Mitte nach einer höheren Stellung Verlangen trägt. Israel, der Uralte, lebt und wird leben, denn es vollzieht sich das Wunderbare, daß seine Enkel um ihn, den Unsichtbaren, sich scharen, um sein heiliges Vermächtnis, seine geistigen Güter, wie sein Volkstum in sich aufzunehmen und vor gefräßigen Größen und Verderbern zu bewahren und zu verteidigen. Zu den letzteren müssen wir leider auch den jüdischen Landesschulrat Universitätsprofessor Dr. Sternbach rechnen. Bekanntlich war im galizischen Landesschulrate, entgegen den Bestimmungen des Gesetzes, von einem Vertreter der Juden lange Jahre keine Rede, bis endlich, vielleicht über Initiative des seligen Dr. Emil Byk, das Wunder geschah, daß der Landesschulrat sich über die Kinder Israels erbarmte und ihnen einen aus ihrer Mitte hervorgegangenen Vertreter im hohen Rate der Völkerschaften Galiziens konzedierte. Allerdings scheint er es mit der Wahl eines wahren und wirklich jüdischen Vertreters nicht sehr ernst gemeint zu haben, sonst wäre der Vorschlag den jüdischen Gemeinderepräsentanten überlassen worden, die sicherlich den Intentionen unseres Volkes und der .Wichtigkeit und Würdigkeit dieses Gegenstandes entsprochen hätten. Allein diese vom religiösen und nationalen Standpunkte für unsere 900.000 Juden in Galizien so hochwichtige Angelegenheit war nur als politisch klingende Maßnahme gedacht, und so verfiel man behördlicherseits auf einen Philologen, den Herrn Universitäts-Professor Dr. S t e r n b a ch. Freilich hätte man gegen diesen Mann nichts einzuwenden, wenn er auch Fachmann auf dem Gebiete der hebräischen Sprache und Geschichte wäre, oder selbst bei minderer Vertrautheit mit diesen Disziplinen der religionsnationalen Sache näher stände, als es wirklich der Fall ist. Leider aber entpuppte sich unser Herr Religionsvertreter im Landesschulrate als das, was Schulung' und Beruf aus ihm gemacht haben, als ein Assimilator ärgster Sorte. Zunächst wirbelte er die Frage des Religionsunterrichtes auf, dann setzte er die jüdische Welt in Staunen, indem er die hebräische Sprache aus dem Religionsunterrichte (wegen Ueberhäufung mit Schulgegenständen) auszuschließen wagte, schließlich wollte er, ad captandam benevolentiam der allpolnischen Schulräte, polnisch en Religionsunterricht einführen und das Hebräische als freien Gegenstand einmal wöchentlich für alle (auch christliche) Schüler von einem Sprachkenner vortragen lassen. Wenn einerseits dieses geradezu judenfresserische Gebaren eines repräsentativen Auchjuden den positiven Gedanken zur Grundlage hat, das galizische Judentum mit Stumpf und Stiel aus dem Herzen der kommenden Generationen zu reißen, so bewies andererseits der christliche Landesschulrat viel mehr Takt bei Behandlung dieser eminent wichtigen jüdischen Frage, indem er den Antrag des jüdischen Landesschulrates, welchen man versuchsweise schon halb dekretiert hatte, dank der Standhaftigkeit der hiesigen Religionsprofessoren Dr. Hausner, Dr. S chorr und Anderer in 8nsp6N80 ließ. Soweit die Großen, wenden wir uns nun zu den Jungen. Zur Ehre und zum Lobe unserer nationaljüdischen Jugend sei konstatiert, daß sie mit richtigem nationalem Empfinden in der Sternbachschen Schülerfreundlichkeit einen harten, ja vernichtenden Schlag gegen das Judentum erblickte und eine Versammlung im Vereinslokal des ..Schomer Israel" einberief, um ihr Verhalten in dieser Frage zu bestimmen. Geleitet von der kleinen aber trefflichen Schar akademischer Bürger, beschlossen sie, gegen diese run rrpu zu protestieren und verlangten im Gegenteil, zweistündigen wöchentlichen hebräischen Sprachunterricht neben dem Unterrichte in Religion und jüdischer Geschichte. Als Vorkämpferin in dieser heiligen Sache erscheint der 'Wschod, zu dessen Mitarbeitern ein Stab der hervorragendsten jungen Männer in Galizien, wie Prediger Dr. Brande, Rabbinatskandidat Dr. Rapaport, Stand und viele Andere gehören. Gleichzeitig wurden Proteste von verschiedenen Gemeinden und Korporationen an die hohe Statthalterei gegen die Sternbachsche Heils- resp. Unheilslehre gerichtet. Aber auch der Verein „Schomer Israel" blieb nicht hinter dieser Aktion zurück! Ist es ja zumeist sein Verdienst, seit vierzig Jahren sich für die Pflege der hebräischen Sprache, wie für die Errichtung mindestens einer hebräisch-talmudischen Lehranstalt, -i r-r- ^r-rwi n mmtrrrrmnr itüT" 'Oschm.».-.» «war.-

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