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Die Wahrheit · 1907-03-01 · Heft 9 (1.3.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrhell. Seite 5. anlehnend an den allgemeinen Gymnasialschulplan (was nebenbei bemerkt das Rebbe- oder Gütejüdemum in gewaltige Aufregung und Antagonismus brachte), einzusetzen. Vom ersten galizischjüdischen Gemeindetag im Jahre 1878 angefangen bis in die neueste Zeit wurde bei allen gegebenen Anlässen die Forderung ausgesprochen, dem Juden seine hebräische Sprache, sein Seelenorgan wiederzugeben, da ohne dieses national-geistiges Gut kein Volkstum denkbar ist. Das Memorandum dieses Vereines an den galizischen Landesschulrat hat folgenden Wortlaut: „Hoher k. k. Landesschulrat! Das Projekt der Reorganisation des Religionsunterrichtes für die jüdischen Mittelschulen Galiziens hat einen Sturm der Entrüstung in den Gemütern des galizischen Israel hervorgerufen, welcher in Protesten von Gemeinden und Korporationen an den hohen k. k. Landesschulrat ihren sichtbaren Ausdruck fand. So aber diese Kundgebungen den Charakter der momentanen Aufwallung der jüdischen Psyche tragen, glauben wir ergebenstgefertigten Vertreter des politischen Vereines „Schomer Israel", daß unser Schritt nicht als solcher aufgefaßt werden kann, da wir bereits 40 Jahre in der von uns inaugurierten nationalen Bewegung stehen und die hervorragendsten Glaubensgenossen zu den Mitarbeitern der national-religiösen Erziehung unserer Jugend zählen. Vierzig Jahre führen wir den erbittertste:! Kampf gegen jene unselige, volksverderbende Richtung ignoranter Assimilanten und moderner falscher Propheten, gegen eine Strömung, die bei keinem Volksstamme vorkommt und welche alle Regungen des jüdischen Volksstammes zum Erlöschen brachte. Unserem Kampfe gegen jenes Kastratentum ist es zumeist zu danken, daß wieder ein Uebergang geschaffen wurde zum jüdisch-nationalen Wiedererwachen unserer Jugend im Sinne der Selbsterkenntnis und Liebe zur Beschäftigung mit den Heiligtümern der Sprache und Geschichte Israels. Wir rufen als untrügliche Zeugen die Blätter unserer 35jährigen Vereinschronik an. Unter den zahlreichen Arbeiten in dieser Richtung ragt besonders der Antrag des Komitees für den ersten Gemeindetag in Galizien hervor, dahin lautend: Der erste jüdisch-galizische Gemeindetag beschließt die Errichtung eines Proseminars, eventuell eines achtklassigen Gymnasiums mit hebräisch-talmudischen Lehrgegenständen auf eigene jüdische Kosten. Aber auch die hohe k. k. Schulbehörde nahm sich der jüdischen Religion in den Achtzigerjahren in anerkennenswerter Weise an. So erließ der k. k. Landesschulrat ein Communiquö an die Lemberger jüdische Kultusgemeinde, in welchem der Scheinreligionsunterricht getadelt wurde, mit der Aufforderung, entweder den Religionsunterricht ernstlich zu betreiben, oder ihn ganz aufzuheben. Leider wurde diese Stimme vom assimilatorischen Vorstand überhört und wurden keine Maßnahmen gegen die Entwertung des Judentums ergriffen. Hoher k. k. Schulrat! Ihr tiefernstes nationales und religiöses Empfinden für Ihr eigenes polnisches Volkselement möge auch in diesem kritischen Moment, in welchem das galizische Israel von einem in Judaicis nicht gut unterrichteten Stammesgenossen in seinen heiligsten Gefühlen und Postulaten verletzt wird, in einem Momente, in welchem die Zukunft der jüdischen Intelligenz womöglich gründlich in Frage gestellt wird, bei Beurteilung der Frage der jüdischen Erziehung der Mittelschüler in national-religisöem Geiste leiten. Ist ja die hebräische Sprache, der Urboden des Neuen Testamentes, Gemeingut der christlichen Intelligenz von Weltruf. Es sei hier auch erwähnt, daß die Wiener israelitische Kultusgemeinde ein seinerzeit vorgeschlagenes Projekt, die deutsche Bibellektüre statt der hebräischen einzuführen (über Anregung des freigeistigen Religions-Inspektors Simon S z a n t o). fallen ließ und daß ferner neben den hebräischen Freischulen das Hebräische im Lehrplane des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen ausgenommen ist. Schließlich haben sich die galizisch-jüdischen Religionsprofessoren in ihren Tagungen für das Hebräische als den integrierenden Teil des Religionsunterrichtes erklärt. Nur die unwissenden Lehrer stimmten dagegen. Hoher k. k. Schulrat! Ihrer hohen Einsicht stellen wir es vertrauensvoll anheim, zu beurteilen, welcher Richtung zu folgen sei, ob jener unheilvollen, negativen, welche Ströme kostbaren Ahnenblutes gekostet, zur Abwendung der frevelnden Heidenhand von unserem national-religiösen geistigen Gute der heiligen Lehre in ihrer ureigenen hebräischen Gewandung, oder derjenigen, die unserem Volke Licht und Lebenswärme Jahrtausende verleiht! Gerade die polnische Nation hat Ursache, uns ganz zu verstehen und sich vor jedem Stiche in das jüdisch-religiösnationale Empfinden zu enthalten. Einem Volke, wie das jüdische, mit einer Weltdiaspora, darf das einzige Verband- und Kommunikationsmittel, diese Sprachmünze, nicht genommen werden, selbst gegen den Willen eines jüdischen Universitälsprofefsors und seines kleinen Anhanges. Der Vorsitzende: Dr. Rüben Vierer. W o s ch i tz, Schriftführer." Das Akrobatenstückchen, welches der jüdische Landesschulrat Prof. Dr. S t e r n b a ch ad captandam benevolentiam ausgeführt hat. scheint aber nicht auf feine Rechnung gekommen zu fein. Die einbernfene Enquete versagte, und der christliche Vizepräsident der hohen Statthalterei, Tr. B l a z e!, hatte vor etwa drei Jahren, gelegentlich der Abhaltung eines galizischen Religionslehrertages, dank der damaligen ausgezeichneten Referate des Dr. H a u s n e r, Dr. S ch o r r, Dr. W e i ß b e r g :c., die Ueberzeugung von der Dringlichkeit des hebräischen Unterrichtes für den jüdischen Religionsunterricht gewonnen. Wie wir nun erfahren, fand die Enquete unter dem Vorsitze des Einbernfers, Herrn Pros. S t e r n b a ch, statt, wobei, wie allseitig berichtet wird, sein Vor- und Anschlag das Schicksal einer ähnlichen historischen Begebenheit im Monate Adar teilte. Vorläufig bleibt der Status quo aufrecht, und das galizische Israel wird also davor bewahrt werden, daß die nächste Generation ihre Gebete in der Landessprache dem Gotte Israels vortrage. Mögen wir aber davor bewahrt werden, derlei falsche Propheten zu unseren Führern zu besitzen! Vor und neben dieser Abwehrbewegung darf aber eine andere, ebenfalls höchst wichtige, nicht verschwiegen werden, die mit der Reorganisation des Gymnasialstudiums im allgemeinen zusanimenhängt. Auf das ganze, größere Freiheit heischende Programm, mit welchem die Mittelschuljugend zur jüdischen Frage Stellung genommen, können wir nicht näher eingehen — aber auf die seitens unserer national-jüdischen Jugend erhobenen Forderungen wollen wir hier zurückkommen. Diese verlangt: Anerkennung der jüdischen Nationalität und obligater Unterricht im Hebräischen und jüdischer Geschichte. Bei der allgemeinen Versammlung der Gymnasialjugend aller drei Nationalitäten trugen die national-jüdischen Studenten in sehr markiger Weise ihre Postulate vor diesem Forum vor, wobei die Ruthenen allen aufgestellten Forderungen das lebhafteste Interesse entgegenbrachten und mit den jüdischen Kollegen stimmten. Dagegen stimmten die polnischen und pseudopolnischen Gymnasialschüler. Bei der im Vereine ^Vionssir am 16. Februar neuerlich abgehaltenen Beratung gab wohl der polnische Vertreter aus Krakau die Forderung betreffs der jüdischen Nationalität zu, lehnte aber die zwei anderen Postulate. Pflege der hebräischen Sprache und Geschichte ab. Die Ruthenen stimmten geeint mit den Zionisteu. So sehen wir die junge Generation ihre eigenen politischen Wege wandeln, ihre politischen Freunde frühzeitig bestellen um ihren nationalen Aspirationen Raum unter ihren Mitbürgern zu schaffen, während ihre assimilatorischen jüdischen Kollegen, die Goldmany-Polen mosaischer Konfession, schwere Opfer bringen, um als Leibdiener der Allpolen vor deren Wagen sich spannen zu lassen und selbst die unter den Tisch gefallenen Brosamen aufzulesen. Indessen geben wir noch die Hoffnung nicht aus, auch diesen extrem polnisch-jüdischen Bruchteil nach einer Reihe von bitteren Enttäuschungen zu seinen Konnationalen zurückkehren zu sehen. Sanmelsolm. JUi« der Wiener Knltnsgemeinde. (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 24. Februar 1907 unter dem Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags.) Im Einlaufe befinden sich: Eine Mitteilung, daß Herr Moriz Edler von Kusfner anläßlich der Barmizwah seiner Söhne Johann und Stefan der israel. Kultusgemeinde Wien eine Schenkung im Betrage

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