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Die Wahrheit · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 8. „Ihr Gedächtnis ist bewundernswürdig," sagte Hanna mit bebender Stimme. „So viele Jahre ist mein Gatte tot, tausende sremder Namen und Zahlen sind seither an Ihr Ohr geschallt und Sie haben die Namen und Daten von damals nicht vergessen. Das mache ich Ihnen wirklich nicht nach!" „Dafür bin ich auch Schriftsteller, gnädige Frau! Wir Leute von der Feder haben einen sechsten Sinn — eine besondere Gedächtnisgabe. Wie könnten wir denn sonst schreiben? Schade, daß Sie nicht auch auch zu dieser Gilde gehören. Sie sind doch nach der Schilderung meines Freundes so geistreich. Sie sprechen in so gewählten Ausdrücken, Sie würden wirklich Gutes schaffen." Bei diesen Worten Binders rückte Hanna auf ihrem Sitze unruhig hin und her. Sie wußte jetzt nicht, war der Fremde hinter ihr sorgfältig gehütetes Geheimnis gekommen, hatte der Verleger trotz ihres strengen Verbotes geplauscht, oder war es nur ein Zufall, daß der fremde Mann derart zu ihr sprach? „Ich möchte Ihre Kinder gerne sehen, gnädige Frau!" fuhr Binder in seinem Gespräche fort, ..gestatten Sie mir dies?" „Gerne, aber heute ist es mir unmöglich. Ich habe sie selber, und nicht ohne Absicht weggeschickt. Ich fürchtete, Sie könnten über die Person und Lebensweise meines seligen Gatten vielleicht eine nachteilige Aeußerung machen, und das wollte ich in Gegenwart der Kinder nicht zulassen. Ich habe sie derart erzogen, daß ihnen der vorangegangene Vater als eine hehre Lichtgestalt vorschwebe, an welche sie. nur mit kindlicher Liebe und Ehrfurcht denken sollen. Kein Schatten möge auf das Bild fallen, das sie sich von ihm entworfen haben, so lange ich es verhindern kann." Jetzt war es an dem Gaste, gerührt zu werden. Unfähig, der sich auf ihn eindringenden Gefühle zu erwehren, nahm Binder einen kurzen Abschied von der erstaunt drein blickenden Frau und entfernte sich.^- Wieder saßen die beiden Herren im Arbeitszimmer des Buchhändlers Sommer einander gegenüber. Ein Geschäft war es, welches die beiden das erstemal zusammenführte, doch bald hatten sie Gefallen an einander gefunden, und ein aufrichtiges Freundschaftsgefühl hatte im Verkehre zwischen ihnen platzgegriffen. Die geschäftliche Angelegenheit hatte sich ganz glatt abgewickelt, und die Herren verbrachten gerne ein Stündchen im traulichen Gespräche. Wie es in der Natur der Sache liegt, bildeten -meistenteils literarische Ereignisse den Gesprächsstoff von feiten des Verlegers, Reiseerlebnisse nnd Eindrücke von seiten Binders. Letzterer sagte: Sie haben jüngst einen von mir gemachten Vorschlag romanhaft genannt; was würden Sie erst dazu sagen, wenn ich Ihnen meine ganze Lebensgeschichte erzählte? Ich glaube, Sie würden sie für die Quintessenz des Romanhaften erklären, ja für eine Münchhausiade halten, und doch drängt es mich, sie Ihnen frei und offen zu erzählen und auch Ihren erfahrenen Rat zu erbitten, auf welche Weise ich die sonderbare und auf die Dauer unhaltbare Situation klären kann, in der ich mich befinde, und die, je läüger, desto verworrener wird. Haben Sie heute Zeit und Geduld, meine lange Geschichte anzuhören, gut, so will ich beginnen; wenn aber nicht, so will ich die Erzählung zu einer gelegenen Zeit aufschieben. „O, bitte, nichts kann mir heute wünschenswerter sein, als Ihre Lebensgeschichte anzuhören, besonders, da mich die EinleitUW dazu auf etwas Besonderes, nicht Alltägliches vorbereitete. Seien Sie versichert, daß ich Ihnen meinen Rat, soweit ich ihn zu erteilen imstande bin, nicht vorenthalten werde." „Ja, etwas Ungewöhnliches ist es, lieber Freund, da haben Sie ganz recht."- „Wie ich Ihnen schon gesagt habe, bin ich ein geborener Böhme. Das von meinem Vater ererbte Vermögen habe ich bald durchgebracht. Ich bin ein einziger Sohn und von Haus aus ein Leichtfuß gewesen, der nicht zu rechnen verstanden. Als ich kein Geld mehr hatte, machte ich Schulden. Ein reicher Schwiegervater sollte dereinst alles bezahlen. Ich war der Leiter eines Mühlen-Aktienunternehmens. Als mir das Wasser nicht nur an die Mühlräder, sondern auch an den Hals ging, sah ich mich nach einer reichen Partie um. Der.Heiratsvermittler, an den ich mich um Vermittlung gewendet habe, der hatte somanche reiche Braut am Lager. Dreißig-, vierzig-, ja fünfzigtausend Gulden schwere. Aber die Väter dieser Damen — Sie wissen ja, wie es bei uns Juden zugeht — nahmen Anstandau meiner flotten Lebensweise, und ich mußte meine Ansprüche etwas herunterschrauben, und nehmen, was sich bot, sofern nur bares Geld da war, um. meine dringenden Wechselschulden zu. decken. Es war dies ein junges Mädchen, das mich mit äugen-- scheinlicher Freude zum Manne nahm. Nun, sie war keine Venus, meine Auserwählte, aber klug, sage ich Ihnen, schrecklich klug. Wir waren anfangs beide von dem besten Willen beseelt, uns den. Worten der heiligen Schrift zu fügen: Bindet Euch unter einander. Aber es ging nicht, bei dem besten Willen nicht! (Fortsetzung folgt)., Ü. Jt prio. rreidiifAe ffredit-Jlnlltift für JSmiclef und fcpecüe. Die einuudfüufzigste ordentliche General-Versammlung der Aktionäre der St K. priv. Österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe findet Freitag, den 6. April d. I., Abends um halb 6 Uhr. im großen Fest - Saale des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Nereiues (1. Bez. Eschenbachgasse 9) statt. Gegenstand der Verha n d l u n g sind: 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates. 2. Bericht des Revisions-Ausschusses über den Rechnungs-Abschluß des Jahres 1906 und Beschlußfassung über denselben. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des- Jahres 1906. 4. Beschlußfassung über den Beitrag der Anstalt zum Pensionsfond fürihre Angestellten. 5. Änderung der §§ 21, 35, 43 und 58 der Statuten. 6. Ersatzwahlen und eventuell Neuwahlen in den Verwaltungsrat. 7. Wahl des Revisions-Ausschusses für das Jahr 1907. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der General- Versammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre- Aktien samt Coupons oder die deren Stelle vertretenden Depotscheine der Anstalt sp ätestens am 8. März d. I. als dem statutenmäßigen Endtermine zu deponiren, und zwar: in W i e n bei der L i q u i d a t u r d e r A n st a l t (1. Bez., Anr Hof 6) an Wochentagen von 9—12 Uhr,. „ Bozen, Brünn, Feldkirch, Gablonz, Görz,. Innsbruck, Karlsbad, Lemberg, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Pola, Prag, Reiche nberg, Teplitz, T r i e st und T r o p p a u bei den Filialen der A n st a l t,. „ Budapest bei der U n g a r i s ch e n A l l g e m e i n e n Creditbank, „ Berlin bei der Direktion der D i s c o n t o - Gesellschaft oder bei der Bank f ü r H a n d e l und Industrie oder bei S. Bleichröder oder beiMendelssohnLC o., „ Breslau bei dem Schlesischen Bankverein, „ Dresden bei der Allgemeinen Deuts ch en C redi t-. An st alt, Abteilung Dresden, „ Frankfurt a. M. bei der Direktion der Disconto- Gesellschaft oder bei der Filiale d e r B a n k für Handel und Industrie, „Hamburg bei L. Behrens & Söhne oder M. M. Marburg & C o. oder bei der N o r d d e u t s ch e n B a n k i u H a m b u r g, „ Köln bei S a l. Opp en h ei m j r. & Co., „ Leipzig bei der Al lg. D euts ch en Cr edit-Anstalt, „München bei der Bayrischen Hypotheken- und W e ch s e l b a n k oder bei Merck, F i n ck & C o., „ Paris bei De Rothschild Freres. Die Aktien oder Depotscheine sind arithmetisch geordnet bei der unterzeichneteu Anstalt mittels einer einfachen, bei den auswärtigen Deponierungsstellen mittels doppelter Konsignation einzureichen und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien oder Depotscheine rückgestellt werden. Je fünfundzwanzig Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Mehrere Besitzer von weniger als fünfundzwanzig Aktien können aus ihrer Mitte einen gemeinschaftlichen Bevollmächtigten ernennen, der an der Generalversammlung teilnehmen kann, wenn die Zahl der von ihm vertretenen Aktien wenigstens fünfundzwanzig beträgt. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Äktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen und. eigenhändig zu unterschreiben. Diejenigen Herren Aktionäre, welche hienach in den Besitz von durch Vollmacht übertragenen Stimmen gelangen, haben die an sie übertragenen Legitimationskarten (Vollmachts-Urkunden) spätestens einen Tag vor der Generalversammlung der Direktion einzuhändigen. Es werden demzufolge dieselben eingeladen, die m ihren Händen befindlichen eigenen und an sie übertragenen Legitimationskarten vom 27. März bis inklusive 4. April d. I. in der Liquidätur der Anstalt zu. den oben erwähnten Amtsstunden, abzugeben, wogegen ihnen eine die Gesamtzahl der von ihnen zu führenden Stimmen ausweisende Legitimatiyns» karte ausgefolgt werden wird'.

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