Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Die Wahrheit Seite 7. .Herrn Wilhelm Dannhauser, zur ewigen Ruhe bestattet worden. Rabbiner Sagher hielt einen tiefempfundenen Nachruf und schilderte die Tugenden und Vorzüge des Dahingeschiedenen, sowie das gemeinnützige und verdienstvolle Wirken des Vaters und der Familie Dann Hauser. Budapest. Se. Majestät hat dem Buchdruckerei-Eigenthümer Hugo Wodianer von Vä-sürhely in Anerkennung seiner auf dem Gebiete des Buchdruckereigewerbes und des öffentlichen Dienstes erworbenen Verdienste den Titel eines königlich ungarischen H o fr ats verliehen. Der neue Hofrat ist der Inhaber einer der ältesten Budapester Offizinen, die demnächst ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern wird. Dieses ist wohl der unmittelbare Anlaß zur Auszeichnung des Herrn v. Wodianer, der sich um das Buchdruckereigewerbe Verdienste erworben. Seine Auszeichnung wird allenthalben, besonders aber in den Berufskreisen, sympathisch, ausgenommen werden. .Hofrat Wodianer ist ein Neffe des kais. Rates Moriz W a i z n e r in Wien. Budapest. (Der erste jüdische Offizier.) In Pöcz (Fünfkirchen) wurde unter großer Teilnahme der pensionierte Major Rudolf Deutsch, der erste jüdische Offizier der gemeinsamen Armee, zu Grabe getragen. Dem Leichenbegängnis wohnte u. a. eine von dem Obersten Nikolaus Fekele geführte Offfiziers-Deputation des in der Hauptstadt stationierten Infanterie- Regiments Nr. 52, welchem der Verstorbene angehörte, bei. Aus der interessanten Lebensgeschichte des Verblichenen wollen wir einiges mitteilen: Deutsch, dessen Vater Fleischhauer in Asiatin im Bacser Komitat war, trat im Jahre 1849 als Freiwilliger in das 52. Infanterie-Regiment ein und nahm an der Niederwerfung des italienischen Aufstandes teil. Hier zeichnete er sich bei der Verteidigung eines Gebäudes derart aus, daß ihm die silberne Tapferkeitsmedaille verliehen wurde. Bei Solferino hielt er mit einer kleinen Schar Soldaten einer kolossalen französischen Uebermacht tapfer Stand. Er gab seinen Posten nicht eher auf, als bis ihm eine Kartätsche das rechte Bein zerschmettert hatte. Im Görzer Spital wurde dem tapferen Soldaten, der damals bereits Feldwebel war, die goldene Tapferkeitsmedaille an die Brust geheftet. Damals stattete gerade König Franz Joseph dem Spital einen Besuch ab. Dem Monarchen fielen die Heiden oberhalb des Bettes, aufgehängten Medaillen auf und er trat zudem Kranken und sprach lange mit ihm. Plötzlich fragte der König, wieso es komme, daß Deutsch noch kein Offizier sei. „Das ist ausgeschlossen, Majestät." erwiderte der Kranke, „denn ich bin Jude." „Das ist kein -Hindernis", fiel der Herrscher ein, und Deutsch erhielt noch am selben Tage den Lieutenantsrang. Deutsch nahm später noch an den Schlachten bei Königgrätz und an der Okkupation Bosniens und der Herzegowina teil. Nach der Einnahme von Serajewo wurde er mit dem mit den Kriegsdekorationen geschmückten Militärverdienstkreuz ausgezeichnet. Außerdem war er Besitzer des russischen St. Georg-Ordens V. Klasse und der bairischen goldenen Tapferkeitsmedaille. 1883 wurde er mit Hauptmannsrang in den Ruhestand versetzt. Zu Beginn des Vorjahres erhielt er auf Intervention des Barons Geza Fejervary, der gleichfalls bei den 52ern diente, den Rang eines Titularmajors. Budapest. Am Rüsttage des Adar-Neumondes feierte die Pester Chewra-Kadischa, wie alljährlich so auch Heuer, ihr Stiftungsfest. Diesmal wurde die Feier im großen Tempel in der Tabakgasse abgehalten, welcher Festschmuck angelegt hatte. Der Gesamtvorstand der Pester israel. Religionsgemeinde mit dem Präsidenten Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n, der Gesamtvorstand der Chewra-Kadischa mit dem Präsidenten Jacob B o s ch a n, die Tempel- und Synagogenvorsteher, Oberst Hers ch. Konsul Birnbaum, Generalsekretär Dr. Julius W e i s z b u r g, Sekretär und Anwalt Dr. Franz M e z e y, Rabbiner Dr. Julius Fischer, Rabbiner Moses F e l d mann, Oberkantor Israel T k als u. a. waren erschienen. Oberkantor Professor Adolf Lazarus begann die Feier mildem Absingen des Ma-towu, dann bestieg Rabbiner Dr. Simon H e v e s i die Kanzel und hielt die Festrede in deutscher Sprache, der das Schriftwort zu Grunde lag: ..Wer Herzensweisheit besitzt, der bestrebt sich die menschlichen Pflichten zu erfüllen." Das tut auch die einziggeartete Chewra- Kadischa. Dr. Hevesi gedachte des unsterblichen Lehrers und Meisters Moses, mit dem der Friede Gottes sei, und entrollte ein meisterliches Lebensbild des göttlichen Mannes von der Aussetzung des Kindes auf den schwankenden Wogen des Nils, bis zu dem Aufstieg Hes greisen Mannes auf dem Berge Nebo, allwo er unseren Blicken und dieser Welt entrückt wurde. Der Hinweis, wie Moses, während die Israeliten nach Gold und Silber suchten, sich um die Gebeine des Erzvaters Josef kümmerte und diese aus Egypten mitgenommen hat, bildete einen Uebergang zur Chewra-Kadischa, und Redner rühmte, nun das eminente, echt jüdische Wirken dieses wahrhaft heiligen Vereines, der sich die größtmöglichsten Sympathien zu erwerben weiß. Dr. Hevesi erflehte Gottes reichsten Segen für das fernere Erblühen und Erstarken dieses Mustervereines, sowie für das Wohlergehen der Vereinsleitung und sämtlicher Mitglieder. Mit dem Jaum kippur kotann-G ottesdienste, den Oberkantor Lazarus künstlerisch zelebrierte, schloß die erhebende Feier. D. H. 8. Budapest. Als zweiter Probeprediger erschien, einem Rufe der Pester israel. Religionsgemeinde folgend, der Oberrabbiner von Gyöngyös Dr. L. H. F e i g l. Freitag abends hielt er einen deutschen und am Sabbat vormittags einen ungarischen Kanzelvortrag. Wir können konstatieren, daß beide Reden ungeteilten Beifall fanden. In pietätvoller Weise eröffnete der Oberrabbiner seine gottesdienstlichen Vorträge mit einer Erzählung aus dem Midrasch und benützte diese, um des Mannes zu gedenken, welcher eben in der Rombachsynagoge als Rabbiner das Wort Gottes seit dem Bestände dieses Gotteshauses so meisterlich verkündete. Es ist dies der unvergeßliche Rabbi Eliezer Pollak, sein Andenken bleibe gesegnet! .... Zum Texte wählte sich Dr. Feig! das Wort ans der laufenden Perikope: „Sie sollen mir ein Heiligtum in ihren Herzen errichten und ich werde darinnen wohnen". Die Abendpredigt war ein wenig zu kurz und glich eher einer Exhorte, doch Dr. Felgl dürfte dabei den Ausspruch des größten der Prediger aller Zeiten sich vor Augen gehalten haben: „Vieles Predigen ermüdet den Leib." (Kohelet 12, 14.) Der Gesamtvorstand der Gemeinde, die Tempel- und die Lynagogenvorsteher, der Gesamtvorstand der Chewra-Kadischa waren anwesend, und die erschienenen Gemeiudemitglieder füllten alle Räume der herrlichen Synagoge. Dr. F e i g l ist aus der Preßburger Rabbinerschule hervorgegangen, er besitzt talmudisches und weltliches Wiffen und ist ein moderner Mensch mit konservativer Gesinnung. Er übt sein heiliges Amt in seiner Gemeinde schon seit zehn Jahren mustergiltig aus, hat auch hier in Ehren bestanden und wäre würdig, Pester Rabbiner zu werden. Ob er's aber werden wird, ist noch nicht so gewiß, das wird sich jedoch bald zeigen.^ v. H. 8. Preßburg. Das Nationalsondkomitee der hiesigen Zionisten veranstaltete am 2. d. M. einen überaus gelungenen „Gemütlichen Abend", der geeignet ist, ein jüdisch-gesellschaftliches Leben zu schaffen und den Verkehr der jüd. Intelligenz intensiver zu gestalten. Das Hauvtverdienst ist dem Präses des Nationalfondkomitees Herrn S. K o m l o s s i zuzuerkennen, der sich um das Gelingen desselben redlich bemühte und mit dem Bortrage einiger humoristischer Kouplets die Heiterkeit seiner Zuhörer erregte. Den schönen Abend eröffnete der prachtvoll vorgetragene Gesang der unter der Leitung des Herrn Kantor K i e w s k y stehende Männerchor „Schir Chodosch". Dem folgten das Violinsolo des Herrn G e i r i n g e r, einige jüdische Lieder und humoristische Kouplets. Hieraus sprach Rabbinatskandidat Herr Aladar Pollak und mit begeisterten Worten unter nicht endenwollenden Beifallsstürme schilderte er die Bedeutung und edle Tendenz des Abends. Nach ihm sprach der Präses des „Ahawath Zion"- Vereines, Herr Samuel B e t t e l h e i m, der in schönen Beispielen die Stellung der ungarischen Juden und den Zionismus im allgemeinen den geistigen Augen seiner Zuhörer vorführte. Daraus folgte das in schwungvollen Worten vorgetragene geistreiche m’gidausz des Herrn Freuder. Zum Sckluffe trug der Rabbinatskandidat Herr Lazar L ö w y gefühlvolle Jargonlieder vor. Hamburg. (Hamburg-Amerika Linie.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach N e wyork: Die Postdampser: Pretoria 23./2., Patricia 2./J., Amerika 7./3., Pennsylvania 9./3., Gras Waldersee 16./3.. Batavia 23./3., Kaiserin Auguste Victoria 30./3., Pretoria 6./4., Amerika 11./4. Nach Boston: Die Postdampfer : Bethania 2./3., Rapallo 14./3. Nach Baltimore: dampser: Acilia 22./2., Rapallo 14./3. Nach P h i l a d e l pD^r/'Postdampser Bosnia 2./3. Nach Neworleans: Postdamnser Alexandria 15./3. Nach W e st i n d i e n : Die Postdampfer : Kirchberg^22./2.. Altenburg 23./2. Nach Mexico: Die Postdampfer: Bavaria 21.ß., Allemannia 14./3., St. Thomas 18./3. Nach C st asieu: Die Postdampser: Senegambia 25.,/2., Segovia 10. 3., Teo Pao 15./3., Hohenstaufen 20./3., C. Ferd. Laeisz 25./3. Nach Tsingtau. Taku und W l a d i w o st o k: Postdampser Sithonia 23./2. Nach Wladiwostok und N i k o l a j e w's k a. A m u r: Postdampser Ellen Rickmers 23./3. Arabisch-Persischer Dienst: Die Postdampser: Teutonia 23 /2., Canadia 28.-3. Pie Wose von Sarorr. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) ..Mein Freund hatte ja fo oft von ihnen gesprochen, wie sollte ich deren Namen vergessen haben? Ich kenne sogar genau ihr Atter. Nicht wahr, gnädige Frau, Fräulein Klara wird am nächsten Purimtage 18 und Karl am darauffolgenden Erew Pefsach 15 Jahre alt?"