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Die Wahrheit · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I> t. jaSNlS&Si&KiüSSZxs- - Oesterr.-ungar. Kantoren -Zeitung. Aus dem »sterr.-ungar. Kantoren- P er eine. In der Dienstag, den 19. d. M. 7 Uhr abends unter 'dem Vorsitze des Vizepräsidenten I. Bauer und in Anwesenheit der Vorstandsmitglieder PH. Baßl, S. Dünmann, B. G u t t m a n n, S. I n r b e r g e r, I. L ö w i t, I. S ch l e i f e r, I. Schlesinger, M. Schorr und I. Smotritzty statt- .gehabten Vorstandssitzung, welche sich mit der durch diverse Veröffentlichungen in den Wiener jüdischen Blättern sattsam bekannten Angelegenheit der Trauung Wertheim st ei n-R oths ch i l d im Tempel VIH., Neudeggergasse beschäftigte, wurde folgender einstimmiger Beschluß gefaßt : „Unter schärfster Mißbilligung und Zurückweisung der anläßlich der Trauung im Tempel VIII., Neudeggergasse gegen den Präses des österr.-ungar. Kantoren-Vereines, Herrn Obertantor Josef Singer, in der Wiener jüdischen „National- Zeitung" veröffentlichten, vollkommen ungerechtfertigten und höchst bedauerlichen Angriffe und Anwürfe, sieht sich der Vorstand nach genauester Prüfung der Sachlage zu der Erklärung veranlaßt, daß Herr Oberkautor Josef Singer vollkommen -korrekt und einwandfrei vorgegangen ist rrnd auch als Präses des Kantoren-Vereines nach keiner Richtung hin die gebührende 'Rücksicht auf die Wahrnehmung der Standesintereffen außer -acht gelassen hat. Auf Grund dieser Ueberzeugung fühlt sich der Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Vereines verpflichtet, dem Herrn Oberkantor Josef Singer als Kollegen und Präsidenten des Vereines durch diese öffentliche Kundgebung sein vollstes Vertrauen auszudrücken." Der wegen Unwohlseins in der Sitzung nicht anwesende Rereinsprüses wurde von dem gefaßten Beschlüsse sofort verständigt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gelangten allgemeine Standesfragen zur Beratung und wurde hiebei eine Anregung -gemacht, bei dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde, sowie bei den Vorständen der Tempelvereine eine Aktion einznleiten, um im Einvernehmen mit den betreffenden Kantoren bestimmte 'Normen betreffs Zuteilung und Abgrenzung der Funktionen in und außerhalb der Synagoge festzulegen. Die Detailberatung und Beschlußfassung in dieser Angelegenheit wurde wegen vorgerückter Stunde einer demnächst einzuberufenden Sitzung Vorbehalten. Moritz Pereles, Moritz Mallerstei«. Ern kantorales Bild von B. Singer, Jungbunzlau. (Schluß.) Und welchen Kreis von Gönnern und Freunden in vornehmsten Stellungen hatte nicht W a l l e r st e i n! Das in diesem und in anderen Blättern geschilderte Leichenbegängnis vereinigte die besten Namen von.Männern, die Prag aufzuweisen hat. Ueber die Grenzen Prags hinaus erwarb sich W a l l e r st e i n Anerkennung als Leiter eines Stimmbildungsinstitutes, das sich aus kleinen Anfängen heraus zu einer der ersten Gesangsfchulen Prags entwickelte. Eme seiner besten Schülerinnen war seine Tochter Laura selbst, die als Lotte W e st e n eine geschätzte Koloratursängerin am landesfürstlichen Theater in Graz war; aber auch andere ganz bedeutende Kräfte hat er für das Theater- und Lonzertfach ansgebildet, darunter keinen geringeren als Karl Burian, den Heldentenor der Dresdner Hofoper. Auch als Verfasser theoretischer Werke ist Wallerstein ^lufs vorteilhafteste hervorgetreten. Sein „Gesangs-Repertorium", in dem er die wichtigsten Uebungen zum Zwecke der Gehör-, Stimm- und Tonbildung, zur Förderung der Treffsicherheit und deutlichen Anssprache zusammengestellt, war in kurzer Zeit populär, und für seine 24 instruktiven, progressiv geordneten ..Original Solfeggien", die sich durch ihre originelle Melodik und Harmonik von den meisten ähnlichen Arbeiten äußerst günstig unterscheiden, wurde er von der königl. italien. Bellinigesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt und durch Verleihung der goldenen Benemcrenti-Medaille ausgezeichnet. Das Vertrauen und die Wertschätzung, die Wallerstein als Pädagog genoß, waren so groß, daß Sänger und Sängerinnen beider Landesbühnen beim Studium neuer Partieen den Rat und die Hilfe des Meisters in Anspruch nahmen. Diese von ihm gegründete, renommierte Gesangschule wird jetzt von seinem Sohne, Herrn Kapellmeister Konrad Wallerstein, weitergeführt, und da derselbe schon während der Krankheit "seines seligen Vaters derselben Vorstand, so hat er auch dessen Methode rrnd den Geist seiner Schule ganz in sich ausgenommen. Wir haben schon früher erwähnt, daß Moritz Pereles als Dirigent des Mäunergesangvereines ..Arion" ebenfalls den weltlichen Gesang pflegte; aber sein allzustrenges Regime bei einer aus freiem Willen zusammengesetzten Körperschaft löste das Unternehmen bald auf, denn es fehlte ihm die wichtigste Eigenschaft eines Lehrers: die Geduld. Ja, auch die armen Chorknaben wußten neben dem religiösen auch ein anderes Lied von der Strenge ihres Kantors zu singen, der nicht nur zum Taktieren sondern auch zum Traktieren seine Rechte schwang. Wenn etwas nicht nach seinem Willen gieng, wandte sich sein Unmut, namentlich beim Gottesdienst, nicht nur gegen die kleine Sängerschaar sondern auch gegen das große Publikum, und sein gewöhnlich den Damen auf der Gallerte geltendes „Pst" sagte jedem, daß er mit der Ruhe im Hause nicht zufrieden sei. Und rümpften auch die Herren Vorstände die Nasen über einen solchen von einem Angestellten allsgeübten Absolutismus, der einer Einschränkung ihres Wirkungskreises gleichkam, was war dem unersetzbaren daher unabsetzbaren und gleichzeitig reichen, unabhängigen Mann daran gelegen? Als Beweis des fortdauernden rühmlichen Andenkens ist noch heute im Ankleidezimmer des israel. Tempels in der Geistgasse neben dem Bilde Sulzers das von Pereles zu sehen. Bei dieser Gelegenheit sei dem Schreiber dieser Zeilen als Anhang zlir Schilderung obiger Männer gestattet, seiner Freude darüber Ausdruck zu leihen, daß es ihm bei dem zwar traurigen Anlasse am 9. November wieder einmal gegönnt war, seine lieben Kollegen in völliger Gemeinschaft vertreten zu sehen und zu sprechen, eine Gelegenheit, die sich ja so selten darbietet, um sich ein wenig vom Herzen zu sprechen über das Wohl und Wehe unseres Standes. Aber auch da hat sich ein Wermutstropfen eingeschlichen, der merken ließ, daß nicht volle Harmonie in diesem Körper waltet, was jedoch auf private Verhältnisse zurückzuführen ist. Auf kantoralem Gebiete, und zwar auf dem Gebiete der Einheitlichkeit des Gottesdienstes, ist jedoch eine angenehme Wahrnehmung zu machen, daß nämlich in den hervorragendsten Gotteshäusern in der Geift-und Jerusalemsgaffe neben modernen Gesangspiecen die Sulzerischen Responsorieren beibehalten wurden, was nur dem Wunsche sämtlicher Fachgenossen nachkommt und wofür sich unser hochverehrter Kollege Oberkantor Singer in Wien seinerzeit wärnntens einsetzte. Möge diese Einheitlichkeit im Innern unserer Wirksamkeit zu jener Einheit nach Außen führen, deren wir ja so dringend bedürfen. Jeder Einzelne muß eine feste Säule bilden in dem Gebäude, welches sich nennt das jüdische Kantorat. Die geehrten Herren Kantoren werden höstichst und dringend ersucht, die restlichen Abonnementsbeträgr unrgrhend einrusenden, damit wir der Einhebung durch Postaufträgr, welche Geld und Mühe kostet, enthoben werden. Die Administration.

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