Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 8. Die Wahrheit. hoch wie in Palästina. Mit der Regelung der Emigration wird die „Jto" ihrer hohen Aufgabe gerecht werden. Die „Jto" steht aus realem Boden, und ihrer großen Arbeit wird der Erfolg werden. Sie will die Juden aus einem dumpfen Golusleben zu einem besseren, freien Leben erwecken. Uns allen aber, die wir das Wohl des jüdischen Volkes fehnlichst wünschen, erwächst die Pflicht, durch tätige Mithilfe die großen und realisierbaren Ziele der „Jto" zu fördern. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 22. Februar, Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. (K o n f i r m a n d e n - U n te r ri ch t.) Der Vorstand der israelitischen Knltnsgemeinde bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in in den Gemeindetempeln stattfindenden Konfirmation der israelitischen Mädchen ein Konfirmanden-Unterricht vorausgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte steht solchen Mädchen frei, welche das 14. Lebensjahr bereits erreicht haben, oder dasselbe bis September 1907 erreichen. Die 3?. T. Eltern oder Vormünder werden demgemäß eingeladen, ihre Töchter, bezw. Mündel, zn veranlaßen, sich bei ihrem betreffenden Religionslehrer wegen Teilnahme am Konfirmanden-Unterrichte zu melden. Mädchen, die keinen öffentlichen Unterricht genießen und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konfirmiert werden sollen, sind im Sekretariate der israelitischen Knltnsgemeinde bis spätestens 10. März d. I. anzumelden. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XL., Othmargaffe 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um '/,8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. Samuely, I,. Fischerstiege 6, gelangen lassen. Wochenprogramm: Freitag, den 22.'Februar: Bibelvortrag. Religionslehrer H. Löw-Vogel. Samstag, den 23. Februar: Konzert. Arrangement Herr Alfred König. Sonntag, den 24. Februar: „Ueber Seide." (Mit Skroptikon.) Herr Siegfried Schneck. Montag, den 25. Februar: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." Pros. Dr. Wilhelm Jerusalem. Dienstag, den 26. Februar: „Das Krimiualverfahren einst und jetzt." Dr. Karl Lifischitz. Mittwoch, den 27. Februar: „Bilder aus der Volkswirtschaft." Schriftsteller Leopold Spitzer. Donnerstag, den 28. Februar: „Moris Rosenfeld." (Mit Rezitation.) .Herr Samuel Strauß. Freitag, den 1. März: Bibelvortrag. Religionslehrer Isidor O e h l e r., Samstag, den 2. März: Konzert. Sonntag, den 3. März: Literarischer Abend. Rabbiner Dr. D. Feuchtwang. Wien. Knapp vor Schluß des Blattes erhalten wir die telegraphische Mitteilung, daß Rabbiner- Dr. Mühsam in Graz Mittwoch den 20. d. M. 11 Uhr nachts gestorben ist. Wien. Am 14. Februar ist hier der bisherige Reichsrats- und Landtagsabgeordneie Dr. Arnold Rapoport de Porada im 67. Lebensjahre gestorben. Seit dem Jahre 1879 vertrat er im Abgeordnetenhause und im galizischen Landtage die Krakauer Handels- und Gewerbekammer und widmete sich mit großem Eifer der Hebung von Industrie und Handel in Galizien. Er war auch ein wohlwollender Förderer künstlerischer und humanitärer Bestrebungen und ein Mann, der trotz seiner hohen sozialen Stellung sein gutes jüdisches Herz niemals verleugnete. Dr. Rapoport, der seit einem Jahre Witwer war, hinterläßt einen Sohn und drei Töchter, von welchen eine mit dem Bankier Altatini in London, die zweite mit dem Großindustriellen Fries und die dritte mit Baron S ch e y vermählt ist. Wien. (Zur Wahlbewegung.)'Ueber Veranlassüng des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Josef Winternitz und des kais. Rates Med. Dr. S. Krüger ist ein Vertrauensmännerkomitee jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im H. Wiener Bezirke zusammengetreten, mit der Aufgabe, deu ehemaligen Reichsratsabgeordneten Dr. Josef S. Bloch, Schriftsteller in Wien, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis zu kandidieren. Das Komitee hat für den 18. Februar im großen Saale des Hotel Guth, II., Stephaniestraße 14, eine Wählerversammlung ausgeschrieben, welche überaus zahlreich besucht, war. Nach einer mit stürmischem Beifall aufgenommenen Programmrede des Kandidaten wurde nachstehende Resolution zum Beschluß erhoben: „In der ernsten und sicheren Voraussicht, daß in dem neuen Abgeordnetenhause des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes mehr als je vorher für die österreichische Judenheit die Notwendigkeit sich Herausstellen wird, wenigstens einen einzigen Abgeordneten im Parlamente zu besitzen, welcher mit deu Fachkenntnissen und dem historischen Wissen auch ein hinreichendes Talent und den energischen Willen verbindet, Angriffe auf das Judentum, auf unsere Religion, auf unser Schrifttum, auf unseren Namen und unsere Ehle überzeugend zurückzuweisen, hat eine am 18. Februar im großen Saale des Hotel Guth, II., Stephaniesttaße 14, tagende Versammlung jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im II. Wiener Bezirke, obgleich sie sonst verschiedenen politischen Parteilagern angehören, in dem Entschlüsse sich geeinigt, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Dr. I o s e f S. Bloch, Schriftsteller in Wien, welcher seinerzeit der Einzige unter allen den Mut hatte, den Kampf mit Rohling aufzunehmen und hiedurch den Juden der gesamten Welt einen moralisch unschätzbaren Dienst erwiesen, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis zu kandidieren. Die Versammlung gibt der Zuversicht Ausdruck, daß alle diejenigen Wähler dieses Wahlkreises, welche bei ihren politischen Entschließungen auch die elementaren Interessen des jüdischen Volkes in Erwägung ziehen, sich einmütig um die Fahne dieser .Kandidatur scharen werden." Wien. In einer Mittwoch, den 20. d. M. abgehaltenen Vertrauensmänner - Versammlung der jüdischen Demokraten Wiens, wurde der Obmann der zionistischen Organisation, Med. Dr. I. S ch a l i t, einstimmig als Kandidat für den Wahlkreis Leopoldstadt I aufgestellt. Die Nominirung eines Kandidaten für das Quaiviertel wurde einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten. Wien. Herr Markus Fein feierte jüngst im Kreise seiner Familie mit seiner Gattin, Frau Henriette geb. P i n k a s, das Fest der goldenen Hochzeit in vollster Rüstigkeit. Das Jubelpaar erfreut sich in weitesten Kreisen hoher Wertschätzung, und auch von Seite der Kultusgemeinde und von verschiedenen Vereinen liefen Gratulationen ein. Wien. Die Generalversammlung des Vereines „E i n h e i t" hat Sonntag, den 17. d. M., stattgefunden. Ausführlicher Bericht in nächster Nummer. Wien. (Konzert Moses M i r s k y.) Montag, den 18. d. M., fand das Konzert des kleinen Wundersängers Moses M i r s k y statt, das eine wahrhafte Sensation bildete. Dieser kleine Künstler hat, gleich den großen und größten, eine Gesangskunst gezeigt, die zum größten Teil in diesem Alter nicht erlernt werden kann, sondern angeboren sein muß. Er ist auf dem Gebiet edler Gesangskunst ein Phänomen. Moses M i r s k y, der Dreizehnjährige, bringtNnancen und dynamischeVortragskünste, für welche gereiste Künstler jahrelange Studien machen müssen, mit einer derart verblüffenden Art zu Gehör, daß er mit Recht als ein Wunder der Natur bezeichnet werden muß. Dieses Piano, diese Auffassung, diese Tongebung, diese Wärme sind einzig in ihrer Art. — Das reichhaltige Programm zeigte die Mannigfaltigkeit seiner Kunst. Das „Frühlingsgefühl" und „Afra" von Rubinstein waren glänzende Leistungen, das „My Songs“ von Reinaldo Hahn eine bisher nicht gehörte Kunstleistung. Von den Tempelgesängen, die Moses M i r s k y vortrug, waren das traditionelle „Kol nidre“ und „Umipne chatoenu“ wahrhaft herzerquickende und sensationell wirkende Konzert-, respektive Kabinettstückchen. Die zahlreich anwesenden Fachmänner waren einstimmig über den auserlesenen Genuß, den diese zwei vollendeten, bis in die Seele greifenden Piecen durch diesen kleinen großen Künstler boten. Nach einigen wirkungsvollen Konzertpiecen des jungen Violionvirtuosen Ignaz Gans, welcher mit dem Vortrag des „Konzert in Ö-Noll" und „Mazurka" von Winiawsky und der „Träumerei" von Schumann großen Erfolg erwirkte, sang Moses M i r s k y noch zum Schluffe „Adelaide" von Beethoven und „An Clos" von Mozart. Beide Lieder, die große Anforderungen an das Können eines Künstlers stellen, wurden vom Kouzertgeber mst bewunderungswürdiger Meisterschaft gesungen. Das überaus zahlreiche Publikum schenkte den einzelnen Aufführungen tosenden, zum Schluffe nicht endenwollenben Beifall. Boskowitz. Samstag, den 16. Februar, 5 Uhr nachmittags, fand im hiesigen Tempel zu Mincha ein Genesungsgottesdienst statt, dem außer den im Juli vorigen Jahres schwerverwundeten und nunmehr geheilten Feuerwehrmännern, die gesamte freiwillige jüdische Feuerwehr von Boskowitz und die. hiesigen Honoratioren beiwohnten. Herr Landesräbbiner- Stellvertreter Dr. S. Funk hielt eine tiefergreifende Rede, worauf Herr Oberkantor I. L. Robinowicz nach dem „Leinen" einen zu diesem Anlässe verfaßten Mischeberach ausgezeichnet vortrug und der verstärkte Chor das „Hallelujah" von Josef Drechsler sang. Die Feuerwehr war unter Führung ihres Kommandanten Herrn M. Zeißl, der selbst bei der Katastrophe schwer verwundet wurde und noch bis vor einiger Zeit im Hospital zu Brünn lag. Um 8 Uhr abends veranstaltete die Feuerwehr in den Saallokalitäten des Gastwirtes B. D e u t s ch ein Genesungsfest, zu welchem der Bezirkshauptmann, der Bürgermeister der Judenstadt, I. W e i ß, Herr Kultusvorsteher Dr. S. W e i ß, ferner Rabbiner und Kantor, die Gemeindevertretung der Christenstadt, mehrere Feuerwehrüerbände aus Brünn und Umgebung und viele private Gäste erschienen waren. Sieben jüdische Feuerwehrmänner wurden voui Bezirkshauptmann zu ihrem 25jährigen Jubiläum mit Jubiläums-Medaillen dekoriert. Hierauf wechselten Reden mit Vorträgen ab. Unter letzteren verdient der Vortrag des Fräulein Irma Skutezky besondere Erwähnung, der bei allen Anwesenden Beifall und auch seitens des Bezirkshauptmannes Anerkennung fand. Zu Ehren des bei der Katastrophe verunglückten Feuerwehrmannes, Herrn Gemeindesekretär Adolf Weiß, der seinen Wunden erlag, erhoben sich die An-! wesenden von ihren Sitzen. Z. Innsbruck. Unter überaus großer Beteiligung aller Kreise ist der im Alter von 33 Jahren verstorbene Herr Emil Dann haus er, Sohn des verdienstvollen und hochgeachteten Vorstehers der hiesigen Gemeinde,