Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063367-3063374--04710-3071572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Leite 8. Die Wahrheit Nr. 7. Präsidenten des Herrn , Rabbiner Dr. Alad. Deutsch eine - auffallend lebhafte Tätigkeit entwickelt und mit den von ihm veranstalteten Vorträgen ganz bedeutende Erfolge erzielt. Besonderem Interesse begegnete der letzte Bortrag eines heimischen Gelehrten, des Herrn Rabbiners Prof. Dr. N. G r ü n. Der Vortragende hat in überaus anziehender, hie und da durch kernige und doch fem pointirte, ironische Bemerkungen gewürzter Weise eine Auslese ebenso intereffanter, wie lehreicher Reminiszenzen an die alte Prager Ghettogemeinde geboten. Die Erörterung der Bedeutung des damaligen Oberrabbiners Oppenheimer und seiner weltberühmten Bibliothek, welche ihr literarisches Denkmal in dem großen Werke des jüngstverstorbenen Berliner Gelehrten Steinschneider gefunden hat, gab der versammelten Zuhörerschaft Veranlaffung, den Manen dieses großen Gelehrten unserer Zeit eine spontane Ehrung durch Erheben von den Sitzen darzubringen. Wir wollen hoffen, daß der Verein Afike Jehuda auch weiterhin seinen Zwecken mit gleichem Eifer Nachkommen wird, wozu ihm die bisherigen Erfolge seiner Veranstaltungen reichlich Ansporn zu geben geeignet sind. M Prag. (Vom jüdischen Schulvereiu für Böhmen.) Hoch erfreulich ist das Jntereffe. welches sich für den jüdischen Schulverein, deffen Gründung in Prag beschloffeu worden ist, allenthalben kund gibt. Als Beweis dafür, daß diese Idee auch weit über die Grenzen Böhmens hinaus vollem Verständnis und den lebhaftesten Sympathien begegnet, registrieren wir die Tatsache, daß Herr Professor Arnold W. Braun aus Meran — ein im 90. Lebensjahr stehender Gelehrter — dem jüdischen Schulvereiu J£ 10.— als Mitgliedsbeitrag zukommen ließ. Das bei der gründenden Versammlung gewählte Exekutivkomitee arbeitet bereits an den Statuten des Schulvereines, welche wohl gegen Ende d. M. zur Einreichung gelangen dürften, so daß der jüdische Schulverein mit Anfang April seine Tätigkeit wird beginnen können. Wir werden an dieser Stelle über den weiteren Fortgang der Arbeiten regelmäßig berichten. Budapest. Nachdem der Repräseutantenkörper der Pester israel. Religionsgemeinde ordnungsgemäß für Freitag, den 18. d. M. und für Samstag, den 9. d. M. zu den Probepredigten des sich des besten Rufes erfteuenden Oberrabbiuers Tr. Armin H o f f e r in der Rombachsynagoge offiziell eingeladen wurde, erhielt derselbe am Freitag — sozusagen in der letzten Stunde — die Verständigung, daß die beiden Probepredigten „wegen dazwischen getretener Hindernisse" nicht abgehalten werden. Was mag da vorgefallen sein? Darüber weiß keiner Bescheid, oder aber ist und bleibt das Vorgefallene — Amtsgeheimnis. So viel steht jedoch fest, daß Dr. H o f f e r Mittwoch, den 6. d. M. hier angekommen ist und am Südbahnhof von zwei Herren namens des Gemeindevorstandes begrüßt und ins Grandhotel Hungaria geleitet wurde, allwo die Gemeinde dem Oberrabbiner zwei Zimmer zur Verfügung stellte, die er auch bezog. Außerdem stellte die Gemeinde einen ihrer Angestellten zur permanenten Disposition des Dr. H o f f e r während seines Hierseins. Mittwoch und Donnerstag besuchte der Oberrabbiner die maßgebendsten und.einflußreichsten Herren der Pester Großgemeinde und mußte er bei dieser Gelegenheit zwei Wahrnehmungen machen. Die Besucher der Rombachsynagoge bilden den konservativen Teil unserer Gemeinde und wollen vor allem die Gewähr haben, daß ihr Rabbiner, wenn auch dieser der modernen Zeitrichtung Rechnung tragend, sich weltliches Wißen angeeignet hat, dennoch im konserativen Sinne ftommgläubig. d. h. rechtgläubig sein müsse. Dr. Ho ffer wird zwar als ein frommer Rabbiner bezeichnet, nachdem er aber im Tempel zu Veszprim, demnach an seinem Amtssitze, Damenchor fungieren läßt, wurden hier viele Balbatim sehr verscheucht, und sagen: Mit seiner Frömmigkeit ists nicht weit her. Dann konnte sich Oberrabbnier Dr. Hoffer persönlich die Ueberzeugung verschaffen, daß Oberrabbiner Dr. Elias Adler hier überaus gut gefallen hat, daß seine Persönlichkeit, vermöge seiner Frömmigkeit, seines talmudischen und profanen Wissens, wie nicht minder seines lauteren Charakters wegen, sich hier großer Sympathie erfreut. Die Begeisterung nach den gehörten Probepredigten war eine solch' intensive, daß wenn man damals staute xecke zu wählen gehabt hätte, wäre Dr. Adler, wenn auch nicht mit Stimmeneinhelligkeit, so doch mit erdrückender Majorität zum Pester Rabbiner gewählt worden. Dr. Hoffer verließ nun Freitag morgens das Hotel und begab sich mit dem Eilzuge nachhause. Doch vorher richtete er noch einen Schreibebrief an den Generalsekretär der Gemeinde Dr. Julius Weiszbur g, deffen Inhalt ebenfalls — ein Amtsgeheimnis ist! . . . v. BL S. O-Buda Eine Patriarchengestalt des HI. hauptstädtischen Bezirkes, sowie der Altofner Jsraelitengemeinde ist von hinnen gegangen. Hochbetagt, an Jahren und an Verdiensten reich, ist I s r a e l G a t t e i n im 98. Lebensjahre von dem Morgenglanze der Ewigkeit durchleuchtet worden. Seine unbestechliche Wahrhaftigkeit im staatlichen und Gemeindeleben, seine Hingabe und Opferfreudigkeit seinem echt jüdischen Familienkreise gegenüber, seine schlichte Herzensfrömmigkeit und sein eminentes Wirken im heiligen Dienste des Vaterlandes und der gottgeoffenbarten Religion sichern ihm ein langdauerndes, ehrenvolles Gedenken. Seine halbhundertjährige Tätigkeit für das allgemeine Wohl der Humanität, der werkätigen Menschenliebe und des Patriotismus haben unverwischliche Spuren zurückgelassen. Er, der „Jude" G a t t e i n, war in dem damaligen judenfeindlich gesinnten Krongute Altofen der erste jüdische Geschworene und wurde als solcher dreimal gewählt, so daß er diese Ehrenstelle durch drei Jahrzehnte bekleidere. Er war Vizepräsident der Altofner Jsraelitengemeinde, Obervorsteher der Altofner Chewra Kadischa, Präsident des Seelenvereines Menucho Nechauna, Begründer des Witwen- und Waisenvereines re. Nicht weniger als sechzig Jahre hat er seiner Gemeinde in selbstloser Weise gedient und nahm er an deren Angelegenheiten stets regen Anteil. Er war einer der Erbauer des alten Judentempels in Altofen, der auch noch heute existirt. Um ihn trauern seine beiden Töchter — mehr Kinder hatte er nicht — sein Schwiegersohn und sechzig Enkel und Urenkel, sowie die ganze Gemeinde und alle, die ihn kannten. Die Leichenfeier dieses lebenssatten Greises gestaltete sich — trotz der vom Heimgegangenen befohlenes allergrößten Einfachheit — besonders imposant. Trotz der rauhen Winterszeit war der geräumige Hof des Trauerhauses von Leidtragenden überfüllt. Die Gesamtvorstehung der Altofner Jsraelitengemeinde und der Chewra Kadischa unter Führung des Präsidenten Samuel Ehrlich- und des Oberrabbiners Dr. E l i a s A d l e r, der Debreziner Rabbiner, der Rabbiner des Menucho Nechauna-Bereines, viele Herren und Damen aus Pest und Ofen waren erschienen. Tiefergriffen und erschüttert trab Dr. M. R a k o n i tz, ein talmndisch und wissenschaftlich hervorragender Privatgelehrter, vor den einfachen Brettersarg und hielt seinem Schwiegervater, der ihm ein wahrer Vater gewesen war, einen tiefempfundenen Nachruf. Dr. Rakonitz, ein guter und ein gediegener Redner, begannr »Ich ging durch die ganze Stadt, durchstreifte alle ihre Gassen und Straßen, ich suchte den, den meine Seele liebt, aber ach, ich finde ihn nicht!" Er schilderte sodann die Bürgertugenden des Vollendeten und meinte: Fast ein Jahrhundert sei eingeschlossen in diesem Sarge und welch' wechselvolle Zeiten hatte dieses Jahrhundert aufzuweisen! . . . Gatt ein hat dies alles erlebt und tätig durchlebt. In der Sturm- und Drangperiode der 1848/9 Jahre nahm er tätigen Anteil an dem ungarischen Freiheitskampse und wurde dasür auf längere Zeit eingekerkert. Das aber bildete seinen Stolz und mit freudiger Genugtuung dachte er stets an diese seine Martyriumszeit zurück. Mit einem Gebete für das Seelenheil des Verklärten endete der würdevolle Nachruf. Die dankbare Chewra Kadischa stellte ehrenhalber einen Kondukt erster Klasse bei und ließ die Zeremonienhalle auf der Begräbnisstätte schwarz dekoriren. Israel Gattein erhielt ein Ehreugrab, möge er daselbst in Frieden ruhen! 8 Siklos. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr Samuel- R i k o w, bisher in Debrezin, als Oberkantor einstimmig gewählt. Hamburg. Die Hamburg-Amcrika-Linie meldet: Nordamerika: D. A c i l i a, von Philadelphia kommend, 10. Februar 12 Uhr 20 Min. mittags St. Catherines Point passiert. D. A r m e n i a, nach Philadelphia, 11 Uhr 20 Min. morgens Lizard passiert. D. Artemisia, 8. Februar von Key West nach Neworlcans. D. B a d e n i a, 10. Februar 8 Uhr morgens in Newyork. D. Batavia, nach Newyork, 10. Februar 11 Uhr 30 Min mittags Cuxhaven passiert. Schnelldampfer Deutschland, von Newyork nach Neapel und Genua, 10. Februar 8 Uhr abends von Gibraltar. D. Ilmenau, nach Neworleans, 10. Februar 4 Uhr 50 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. P e n n s y l v a n i a, 9. Februar 4 Uhr nachm, von Newyork über Plymouth nach Hamburg. D. Prinz Sigismund, nach Newyork, 9. Februar 10 Uhr 10 Min. morgens Scilly passiert. W e st i n d i e n, Mexico, S ü d a m e r i k a : D. A l l e m a n i a. 9. Februar in Havana. D. B u l g a r i a, 9. Februar von Montevideo nach Genua. D. C h e r u s k i a, von Westindien kommend, 9. Februar 6 Uhr nachm, auf der Elbe. D. Constantia, nach Westindien, 10. Febr. 4 Uhr 85 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. H i s p a n i a, nach Westindien, 9. Februar 2 Uhr nachm, in Grimsby. D. König Friedrich August, 9. Februar von Buenos Aires und am 10. FeLruar von Montevideo weiter gegangen. D. La Plata, von Nordbrasilien kommend, 10. Februar 10 Ühr 40 Min. morgens auf der Elbe. D. P r i n z O s k a r, 9. Februar 12 Uhr mittags in Buenos Aires. D. R h a e t i a, von Mittelbrasilien kommend, 10. Februar 10 Uhr abends von Lissabon. D. R u g i a, nach Mittelbrasilien, 9. Februar Ouessant Creach passierte D. S c o t i a, 9. Februar in Barranqmlla. D. Sevilla, von Mittelbrasilien kommend, 9. Februar 5 Uhr 30 Min. nachm, von Havre nach Hamburg. Kundmachung. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der Niederösterreichischerr Eskompte-Gesellschaft werden hiemit zu der am Montag, den 4. März, d. I., um 5 Uhr Abends, im Gebäude der Gesellschaft, Freiung Nr. 8. stattfind enden vierundfünfzigsten ordentlichen General-Vers am mlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden. 1. Vortrag des Rechenschafts-Berichtes des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Abschlusses pro 1906. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschuffes über den Rechnungs-Abschluß des Jahres l906. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1906. 4. Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrates. 5. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisions-Ausschuß zur Prüfung der Rechnungs-Abschlüsse des Jahres 1907. (§ 52 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versammlung in den Aktienbüchern der Gesellschaft eingetragen waren und an der General-Versammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien vom 7. Februar l. I. angefangen bis längstens 18. Februar, 4 Uhr Nachmittags, bei der Liguidatur der Niederösterreichischen Eskompte- Gesellschaft zn erlegen. Die Aktien sind arithmetisch geordnet, mittelst einer einfachen Konsignation einzureichen, und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener General- Versammlung die Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Wien, am 7. Februar 1907. Der Verwaltungsrat..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.