Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 7 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. V Dre Wahrheil.' .. ' .' . Nr. 7. Men. ZungeLeme aus der. Provinz, dir einen englischen Namen haben, ziehest sie jungen Leuten vor, die in Boston geboren, ... aber von fremdssr Abstammungsind, wenn diese auch die /Stadt lieben und für sie arbeiten wollen. Boston ist' dereinzige Platz im Lande", vielleicht die einzige Stadt in der Welt, wo die . Inden. nicht die vollste Gelegenheit hatten zur Entfaltung.ihrer; - großen uaturlicheu Gaben. Die Atmosphäre ist.zu kalt, zu rauh. : Die mächtige Geschäftsorganisation in der^Stadt, die etwa tausend Mitglieder hat, weist nur ein Dutzend, vielleicht zwanzig irische Namen und ganze zwei Juden aus. Ist das ein richtiges Verhältnis in einem großen amerikanischen Geschäftszentrum? . Ich weiß sehr wohl, was man zur Begründung dieses Standes der Dinge sagt. Wir wollen die Juden nicht hineinlassen, denn sie werden die Amerikaner verdrängen und sich gewisser Geschäftszweige ganz bemächtigen. Aber ist nicht der amerikanische Jude ein guter Amerikaner? Und ist er nicht so gut ein Bürger wie jeder andere Bürger? Und was ist die Folge, wenn man sie fernhält? Sehen Sie, was Boston an New-Iork verloren hat. Die ganze Konfektion. Ist das gut für Boston? .Ist es gut, industrielle und kommerzielle Möglichkeiten sich entschlüpfen zu lassen? Sollen, wir . uns dabei beruhigen und uns entschädigt halten mit dem exklusiven echten Amerikanertum?" Das sollten sich gar viele in Deutschland, die mit ihrem Deutschtum renommieren, gesagt sein lassen. Dabei sollte eigentlich gerade Boston die jüdische Einwanderung eher begünstigen. Dennein anderes Bostoner Blatt, der „Boston Transcript", betont ausdrücklich, daß in den von russischen Juden bewohnten ärmlichen Straßen des New Iorker Ostens m e h r. K u l tw r v o r h a n d e n i st als i n der Fünften Avenue, die, wie bekannt, die von den amerikanischen Milliardären bevorzugte Straße Mw Dorks und vielleicht die reichste Straße in der Welt ist. Man gehe nur, sagt der Gewährsmann etwa, in ein Restaurant einer elenden Judengasse nach dem Theater. Da wird man bis zwei Uhr nachts die edelste Unterhaltung in ganz New Jork finden, da wird man sprechen hören von Tolstoi und Spencer, von Kunst und der höchsten Literatur, von glänzenden gesellschaftlichen Idealen, von einer schönen steckenlosen Welt, die noch kommen soll. Hier strömen Dichter, Schauspieler, Schriftsteller, Denker bei russischem Tee ihre Seelen aus. Hier ist die Apotheose der Boheme. Danach hätte Israel Z a n g w i l l gar nicht unrecht, wenn er dem «New Jork Herald" zufolge sagt: Die, jüdischen Massen, die jetzt nach Amerika strömen, bilden den zivilisiertesten Bestandteil der ganzen Einwanderung. Nicht nur repräsentieren sie eine alte und hochmoralische Kultur, sondern ihre Vertrautheit mit hebräischer und „jiddischer" Literatur stellt sie auf eine weit höhere- Stufe literarischer Bildung als das Gros der Einwanderer. Die russischen Juden besonders sind eines solchen Idealismus fähig, daß er fast ihr Unglück ist in der praktischen Welt. Und gerade eines solchen idealistischen Elements bedarf das heutige Amerika. Was aber die bürgerlichen Tugenden betrifft, so sagt der bekannte Schriftsteller Bnrton I. Hendrick in einem eingehenden Aufsatz in M. Chures Magazin: Die jüdischen Einwanderer gehören zu den besten Bürgern der Vereinigten Staaten und sind in ganz hervorragendem Maße befähigt, amerikanische Bürger zu werden. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 15. Februar, Predigt im Leopold- ‘ städter Tempel und im Tempel, XV., Turnergasse 22. Wie«. (Vortragszy klus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 21. Februar, präzise l/*8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieurnnd Architekten-Bereines, I-, Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Direktors Dr. Heinrich B r o d y aus Prag statt. Thema: „Der Gaon ans Fajjum." Eintritt frei. Wien. (Schule z.ur Ausb ilduug j üd isch er Krankenpflegerinnen.) Die bereits seit längerer Zeit geplante Errichtung eines jüdischen Pstegerinnenhennes wird demnächst zur Ausführung gelangen. .. Ein neu zu gründender Verein soll die Verwaltung dieses Heimes, sowie; die Geldbeschaffung übernehmen, wobei von Seiten der Wiener Israel. .Kultusgemeinde eine Subvention zu erwarten steht. Die unter Aufsicht einer bereits engagierten Oberin stehenden Schülerinnen werden im Spital der israel. Knltusgemeinde -ihren Unterricht -erhalten - und nach erlangter - Ausbildung W diesem Spitale und m der Privatpflege ihre Tätigkeit j finden. .Die Auswahl unter den sich, zu - diesen Stellungen meldenden Bewerberinnen«Muß naturgemäß eine ziemlich sttveng'e^semüoD biestt) sie den ansgebildeten und ' tüchtigen Pflegerinnen-! eine dauernde Versorgung. Die vorbereitenden Arbeiten liegen in Händen-derMereinignng -„Eintracht^, .IX., Uinversitätsstraße 4. -..),V'?r'/v;“.;„• : Wien. Die Chewra Kadischa veranstaltet im Leopvldflädter Tempel, Tempelgosse. Mittwoch. 20. Februar, 7 Uhr abends)sein-Requiem nach den im Jahre 1906 verstorbenen Mitgliedern.?-?? .?? > ' ' -???>!??!> Wien. Der Vorstand des ^Vereines für Krankenpflege und Uiiterstützüng handlnngsangehöriger Israeliten" veranstaltet Donnerstag, den -21i Februar, abends 7 Uhr, int Gemeindetempel). I., ' Seitenstettengässe, die statutengeinäße jährliche Gedächtnisfeier für die'verstorbenen-Vereins- Mitglieder. — Die Generalversammlung des Vereines findet am selben Tage, xjß Uhr abends, im Sitzungssaale der Kultusgemellide statt. Wien. Sonntag, den -10.. Februarhalb 11: Khrvor.m., fand in den Räumen der „Bnei-Brith/:.'Ä-.' Bez:/'Universitätsftraße 4, die Generalversammlung des Vereines „Jü d i sch.e Toynbeehall e" und anschließend daran die des „V er e i.n e s z ur Err i ch tu n g u n d Erh a lt ung v 0 n H ör teuf ü r schulpflichtige Kinde r" statt: Der vom Obmann beider Vereine Dr. I. Samuel y erstattete Tätigkeitsbericht fand allgemeine Zustimmung und auch seitens des-? anwesenden Vertreters der Kultusgemeinde, Herrn kaif., Rat I. W e i l, wurde den Vereinsleitungen vollste Anerkennung gezollt und ihren im schönsten Wortsinne gemeinnützigen Zielen möglichste Förderung zugesagt. Mit Rücksicht auf. die wirklich, ausgezeichneten und bedeutenden Erfolge dieser beiden Vereine auf dem Gebiete der jüdischen Volkserziehung und Jugendfürsorge wäre es sehr zu wünschen, daß besonders unsere reichen Glaubensgenossen in Wien dieselben in viel ausgiebigerem Mäße als bisher .bedenken.?)-.?..-- ■'..'■?■ Wien. Auf diverse Anfragen aus Leserkreisen, warum die Funktionäre des Tempels im VIII. Bez., Neudeggergasse, bei der Trauung Wertheimstein-Rothf'child nicht fungierten, diene zur Kenntnis, daß der Vorstand des " Tempel- Vereines Josefstadt den Tempel an die Brautpartei vermietet hat, trotzdem letztere im vorhinein ausdrücklich erklärt hatte, daß für die Trauung keiner der Tempelfunktionäre, weder Rabbiner noch Kantor, Chor oder Tempeldiener, in Aussicht genommen sei. Diese Preisgebung der eigenen Funktionäre -seitens 'des Tempelvorstandes, kann nicht scharf genug getadelt werden, und die nachher gemachten Versuche, die gewissermaßen 'auch in einer Zwangslage befindlichen Funktionäre des Stadttempels zur Abgabe eines Teiles der Funktion an die Vereinsfunktiouäre zu veranlassen, waren höchst deplaziert und beweisen nur, daß der Vorstand sich des an seinen Funktionären begangenen Unrechtes vollkommen bewußt war. Um die Wiederkehr solcher, allerdings auch das Gefühl der Kollegialität stark beeinträchtigenden.Vorkommnisse zu verhüten, wäre es wohl angezeigt, daß sämtliche Rabbiner und Kantoren Wiens sich gegenseitig verpflichteten, eine Funktion in einem anderen Tempel ohne Einwilligung des zuständigen Funktionärs nicht vorzunehmen, nnd von dieser Verpflichtung sollten weder der Oberrabbiner noch einer der Oberkautoren der Wiener Kultusgemeinde ausgenommen sein. Im Zusammenhänge damit wäre auch von der Kultusgemeinde' die Frage der Zuteilung der Leichenfunktionen an die Bezirksfunktionäre endgültig zu regeln, und wenn einzelnen Funktionären der Knltusgemeinde diesbezüglich von früher her vertragsmäßig gewisse Rechte zustehen, dann sollen sie eben, natürlich gegen entsprechende Entschädigung für den Entgang an Einkommen, zum Rücktritt von diesen Rechten veranlaßt werden. Für die Dauer' ist der gegenwärtige Zustand, wo in jedem einzelnen Falle ein das Ansehen der betreffenden Funktionäre stark schädigender Kompetenzstreil entsteht, nicht haltbar. ' Wien (Jü d is ch e T 0 y nb e e - Hü ll e, XX:, Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen.? 'Beginn der Vorträge: An Wochentagen um '/z8 Uhr abends, Samstag, Sonn--und Feiertage 7. Uhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle, mail an den Obmann Dr. I. Samuely, I,. Flscherstiege6, gelangen lasten. W 0 ch enpro g ramm: Freitag,den 15/Februar:Bibelvorträg. Religwilslehrer 'Joses P i ck. Samstag, den 19. Februar? Konzert.- -Sonntag, den 17. Februar: „Wie die Eisenbahn entstand." Oder-Rehident St rach. Montag, den 18. Februar: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." Prof. Dr. W. Jerusalem. Dienstag, den 19. Februar? Literarischer Abend. Redakteur Siegfried:F l-e is che r. :,Mittwoch,1 den 20. Februar: „Ein - soziologischer Spaziergang durch die Bibel." Doktor Gnttman.n. - Donnerstag/ den .21.7,Februar...„Reminiszenzen, aus