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Die Wahrheit · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit. Seite 5. teils als Mußaphteils als Mincha-Andacht statt, und derselbe erfreut sich einer großen Frequenz. Mit dieser Einrichtung ist der Name des damaligen Vorstehers und Landesschulrates des Herrn Emanuel Baum garten aufs innigste verknüpft, da er im Kultusvorstande die gleichzeitige Einführung in allen Bezirken und für die Jugend beiderlei Geschlechtes sich zur Aufgabe machte und auch den gesamten Vorstand, in diesem besonders die Herren Dr. Kur an da, Dr. Ko mpert und kais. Rat Arminio K o h n, für die seither segensreich wirkende Institution gewann. Nach Wiener Muster finden heute in fast allen größeren jüdischen Gemeinden Europas Jugendgottesdienste statt, die den Religionsunterricht in der Schule wesentlich ergänzen. Der 25. Gründungsgedenktag des Wiener Gemeinde-Jugendgottesdienstes, der sich der besonderen Fürsorge unseres Kultus- Vorstandes erfreut, wurde am vergangenen Sabbats in allen Bezirken würdig begangen und die Jugend aufgemuntert, nach wie vor, mit Lust und Liebe regelmäßig das Gotteshaus aufzusuchen und das gründliche Erlernen unserer altehrwürdigen Gebetssprache und unserer heiligen Bücher in der Ursprache sich zur ersten Aufgabe zu machen. A. Tempel Merem für Mieden- Margarethen. Die 33. Generalversammlung des isr. Tempel-Vereines für Wieden-Margareten in Wien fand am 10. Februar unter zahlreicher Beteiligung feiner Mitglieder in der Kanzlei des kais. Rates Lichtblau 5. Bez., Wienstraße 12, statt. Obmann Adolf H o f m a n n begrüßte den Vertreter der isr. Kultusgemeinde, Herr kais. Rat Kauders und die Abordnungen mehrerer Tempel-Vereine. Er teilte mit, daß zur Stunde, in welcher die Generalversammlung abgehalten wird, eines der besten und treuesten Mitglieder des Vereines, Herr Fabrikant Jakob Simon, zu Grabe getragen werde, welchen der Tod ferne von der Heimat, in Paris ereilte, von wo er nach Wien überführt und nun heute beerdigt werde. Die Versammlung vernimmt tiefbewegt diese Mitteilung und beschließt, der Trauer um den Verstorbenen auch im Protokolle Ausdruck zu geben. Der Jahres- und Kassenbericht wird verlesen und genehmigt. Obmann Hofmann beklagt es, daß namentlich in der letztstattgehabten öffentlichen Sitzung des Vorstandes der Kultusgemeinde geringes Wohlwollen seitens einzelner Kultusvorsteher gegenüber den Tempel-Vereinen bekundet wurde, ein Umstand, der keineswegs geeignet sei, jene guten Beziehungen zu pflegen, welche die Tempel-Vereine beanspruchen müssen, weil sie einen Teil der Lasten der Kultusgemeinde: die Pflege und Erhaltung des geregelten Gottesdienstes in jenen Bezirken, in welchen keine Gemeindetempel bestehen, freiwillig übernommen haben. Der gewiß bedauerliche Konflikt der Kultusgemeinde mit dem Tempel-Vereine im 10.- Bezirke darf die Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde nicht zu Ausfällen gegen die Tempel- Vereine im allgemeinen veranlassen, zumal die Ursachen welche den genannten Tempel-Verein zu den von ihm eingeleiteten Schritten veranlaßten, ihre volle Berechtigung hatten, wenn auch' diese Schritte selbst, in der Form einer Auflösung des Vereines, n ich t gebilligt werden können. Insbesondere könne er die Ansicht des Kultusvorstandes, größte Sparsamkeit in der Erhaltung der Vereins-Tempel walten zu lassen, wenigstens bezüglich der Funktionäre nicht gelten lassen. Der Hauptzweck der Tempel, die Glaubensgenossen, insbesondere die Mütter und die Jugend zum fleißigen Besuche des Gotteshauses zu veranlassen, kann nur durch befähigte, sangeskundige Kantoren, wohlgeschulten Chor und durch redebegabte, geistig hochstehende Prediger erreicht werden. Darin zu sparen, wäre eine ganz verfehlte Sache; in allen übrigen Zweigen der Tempelverwaltung werde ohnehin jede nicht unbedingt notwendige Ausgabe vermieden. Kultusvorsteher kais. Rat. Kau der s mahnt mit herzlichen Worten zur Einigkeit und fordert die Mitglieder der Bezirkskömmission .auf, den Konflikt im 10. Bezirke zu beheben. Kais. Rat Lichtblau erklärt sich als Obmann dieser Kommission hiezu gerne bereit, doch seien die Mitglieder dieser Kommission bis heute von der Kultusgemeinde noch nicht ernannt, trotzdem die von der Wählerschaft zu wählenden Mitglieder der Bezirkskommission schon vor drei Monaten gewählt wurden. Redner ersucht den Vertreter der Kultusgemeinde, dahin zu wirken, daß die Liste der ernannten Bezirkskommissionsmitglieder ehestens bekanntgegeben werde, und mißbilligt es, daß nicht jeder einzelne Bezirk seine Bezirkskommission besitze, welche die Interessen und Bedürfnisse ihres Bezirkes wahrnehmen und vertreten könnte. Über Antrag des gesamten Vorstandes wird Obmann Adolf H o fmaun, welcher mit dem Tage der heutigen Generalversammlung durch volle 25 Jahre dem Vorstande des Tempel- Vereines und die letzten sechs Jahre als Obmann angehört, zum Ehrenmitgliede, dem dritten seit dem Bestände des Vereines, einstimmig ernannt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen in den Vorstand wurden die Herren Ignatz Fischer, Jakob H e r l i n g e r, Arnold Selka, Dr. Emil Bernhard Singer und Ignatz T a n s s i k wieder und die Herren Dr. Emil K o h n und Rudolf L i ch t e n st e i n neu in den Vorstand berufen. Obmann Hofinanu teilte zum Schlüsse mit, daß der Abschluß des Kaufvertrages über den zum neuen Tempel erforderlichen Baugrund voraussichtlich in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Amerikanischer Krief. Wie lange Amerika wohl noch es besser haben wird als der alte Kontinent mit seinen Burgen und Schlössern? Der berühmte amerikanische Humorist Mark Twain geißelt in einem ..Magazin"-Artikel die auch minder hervorragenden Personen oft aufgefalleue Sucht der Amerikaner, ihre Töchter und Millionen betitelten Taugenichtsen an den Hals zu werfen, ihre snobische Exklusivität, sobald sie es zu etwas gebracht haben, und andere Lächerlichkeiten, die sie mit europäischen Narren gemein haben, welchen letzteren wenigstens die Gewohnheit zur Entschuldigung dienen kann. Die schlimmste und gefährlichste amerikanische Unart aber ist der Rassenha ß, der ihnen am allerwenigsten hätte zugetraut werden sollen. Dieser Rassenhaß bedroht das Land mit den größten Gefahren. Augenblicklich hat er ihnen den Konflikt mit Japan eingetragen, der zeitweise ein so böses Aussehen gewonnen hat, daß man allen Ernstes von der Möglichkeit eines Krieges mit Japan sprach, eines Krieges, der, wie er auch enden mochte, den Amerikanern nur Schaden, kaum erwähnenswerten neuen Nutzen bringen konnte. Wenn China erst einmal erwacht, wird es sich die amerikanische Behandlung oder vielmehr Mißhandlung der chinesischen Einwanderer sicherlich auch nicht gefallen lassen. Daß die den Negern entgegengebrachte Verachtung hüben wie drüben die schlimmsten Verbrechen verschuldet, den Amerikanern die schwierigsten Probleme aufgebürdet hat, ja sogar das Land mit einem furchtbaren Bürgerkrieg bedroht, ist jedermann bekannt. Im Vergleich mit den von diesen vom Rassenhaß verschuldeten Gefahren spielt der amerikanische Antisemitismus, der seit der Einwanderung der russischen und rumänischen Juden beachtenswert geworden ist, immer noch eine ganz unbedeutende Rolle. Aber schädlich wirkt auch er schon jetzt, und sogar das allehrwürdige Boston, das amerikanische Athen, das so gern geistig vornehm tut, hat darunter empfindlich zu leiden. Hier haben nämlich die konservativen Iankees einen großen Einfluß, und die Folge davon ist, daß Boston immer mehr zurückgeht. Der Mayor Fitzgerald, der die Stadt, deren Haupt er ist, doch kennen muß, macht ausdrücklich die Abgeschlossenheit der puri-- tanischen Bostoner gegenüber allen fremden Elementen für diesen Rückgang verantwortlich. „Sehen Sie sich," sagte er zu einem Gewährsmann des „Bostoner Herald", „die Namen auf den Firmenschildern an. Was sehen Sie? Ueberall die Namen aus England eingewanderter Familien. Engherzig nnd hartnäckig ersticken diese alten Familien die enthusiastische Seele der jungen Iren. Dem Geschäftseiser der Juden kommen sie mit Kälte ent-

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