Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Die Wahrheit Nr. 5. Hess e I, Em. Hönigsberg, Dr. Armin K o h u, Sigmund L ö w y, David Neufeld, Heinrich Pollak, Michael Pollak, Moriz Rosenberger, Moriz Schneider, Jakob S t e i n h o f; Revisoren: Jakob Pinkas Eugen Zöllner. Das Vergnügungskomitee des Vereines veranstaltet am 24. Februar d. I. im Prachtsaale des Hotel „Bayrischer Hos" eine Wohltätigkeits-Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen, welches einen umso größeren Erfolg verspricht, als bedeutende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt haben. Wien. (Brieflicher Stenographie-Unterricht.) Die Leitung des österreichischen Stenotachygiaphen-Bundes erlaubt sich die Leser dieses geschätzten Blattes auf ihr Stenographiesystem (Eng-Schnellschrift) aufmerksam zu machen, welches sich neben der Kürze und leichten Erlernbarkeit (10—12 Unterrichtsstunden) auch dadurch auszeichnet, daß es die Rechtschreibung vollständig berücksichtigt. Brieflichen Unterricht erteilt gegen Erlag von K 2 — (in Marken) das Unterrichts-Burcau für Stenotachygraphie. Leiter: Bürgerschuldirektor I. Neffe, Wien, Y., Embelgasse 48. — Prospekt gratis. St. Pölten. In der am 26. Jänner d. I. stattgefundenen Generalversammlung des „Jüdischen Literatur-Vereines" wurden die Herren Rabbiner Dr. B a ch-Wien, Dr. Feuchtwang- Wien, Dr. Schächter- St. Pölten einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ferner wurden für das Jahr 1907 in das Präsidium wiederbezw. neugewählt: Rabbiner Schächter, Kultusvorsteher Siegfried Schwarz, Hermann Kraus, Hans Herzog, Isidor Reiß, Samuel Mandl, Edmund Hahn, Frl. Vally Reiß und Karl A l l i n a. Olmütz. Soeben gelangt ein Bericht über die Entwicklung der Olmützer isr. Kultusgemeinde in der Verwaltungsperiode 1905 und 1906, welcher von dem Präsidenten, Herrn Dr. I. Eben, erstattet wurde, zur Versendung. Aus diesem Berichte ist vor allem eine besonders starke Zunahme der Zahl der Steuerträger zu entnehmen, was wir aus folgenden Zeilen, die am Schlüsse des Berichtes stehen, ersehen können: 2000 Seelen zählt heute unsere aus kleinen Anfängen hervorgegangene Gemeinde. Sie umfaßt 550 kräftige Steuerträger, und seit der kurzen Zeit ihres Bestandes — der kaum anderthalb Jahrzehnte zählt — erzählen uns 42 edle, humanitäre Stiftungen mit einem Fände von K 62.000 von dem echt jüdischen Geiste, der Alle beseelt. Ebenso lobend wird im Berichte die feierliche Würde des Gottesdienstes erwähnt und allen Beamten der Gemeinde Anerkennung ausgesprochen, wobei noch zu bemerken wäre, daß die Knltusgemeinde daran geht, eine allgemeine Gehaltserhöhung ihrer Beamten in kurzer Zeit durchzuführen. London Die Klagen über die unkorrekte Handhabung der A l i e n Bill wollen nicht verstummen. Fortgesetzt werden Ankömmlinge zurückgewiesen, deren Aufnahme ganz offensichtig dem Gesetze entsprechen würde, nur weil die Beamten sich nicht die Mühe nehmen, gündliche Erkundigungen einzuziehen oder weil es in Ermanglung sprachkundigen Personals nicht möglich ist, sich mit den oft eingeschüchterten Einwanderern bis zur völligen Klarheit zu verständigen. In der nächsten Zeit werden diese Beschwerden sich zweifellos zu einer parlamentarischen Interpellation verdichten, und es ist dann zu hoffen, daß präzisere und wohlwollendere Instruktionen erteilt werden. Einer Abänderung eines Gesetzes selbst würde leider der Wille des Oberhauses entgegenstehen, das dafür sicherlich nicht zu haben ist. — In der letzten Sitzung des Board of Deputies wurde die immer mehr erstarkende Sonntagsruhe-Bewegung besprochen, die hauptsächlich von einer unter Leitung des Erzbischofs' von Canterbury stehenden Gesellschaft ausgeht und immer weitere Kreise zieht. Obgleich man in England das ehrliche Bestreben hat, die Interessen der den Sabbat beobachtenden Juden zu wahren, kann es doch nicht ausbleiben, daß Konflikte zwischen diesen Jnteresien und den Wünschen der radikalen Sonntagsfteunde sich herausbilden. Namentlich in gewissen Bezirken des Bast Buck, in denen die jüdischen Einwohner die Mehrheit bilden und dadurch die christliche Konkurrenz weiter zur Sonntagsarbeit zwingen würden, wenn man ihnen den Sonntag auch künftig freigibt, wird es ohne herben Zusammenstoß zwischen den Sonntagsfreunden und den Vertretern der jüdischen Händler nicht abgehen. Ein Glück ist, daß die p a r l a m e nt a r i s ch e n Vertreter der Sonntagsruhe-Idee Gerechtigkeitsgefühl genug besitzen, um von vornherein die Beschwerung der jüdischen Bevölkerung mit einem doppelten Ruhetag zu perhorreszieren. Als günstiges Moment fällt auch in die Wagschale, daß bei einer in dem Stadtteil Betlmal Green veranstalteten Enquete sich 448 Gewerbetreibende, darunter 323 Nichtjuden, sich absolut gegen jede Beschränkung der Sonntagsarbeit ausgesprochen haben. Immerhin erfordert die Lage Wachsamkeit, Vorsicht und Energie. Are Kose von Saron. Novelle von Babette Fred-Prag. (Fortsetzung.) Noch diesen Worten nahm der Fremde sein Manuskript in die eine Hand, in die andere seinen Hut und wollte sich enipfehlen. Dies lag aber nicht in der Absicht des Verlegers. „Gemach, mein Freund, was wollen Sie denn eigentlich von mir haben, das ich Ihnen verweigerte?" „Den Namen, Herr!" „Den kann, den darf ich nicht verraten." „Also warten Sie, ich mache Ihnen einen Vorschlag," sagte Binder, indem er das Packet mit seinem Manuskripte, auf das der Verleger begehrliche Blicke richtete, wieder auf den Tisch legte. „Ich teile nicht Ihre Ansicht, daß ich mich auf falscher Fährte befinde, wenn ich die Verfasserin der <2aronsrose mit ihrem wahren Namen Frau Hanna Brauer nenne." Trotzdem Binder bei Nennung dieses Namens den Buchhändler mit seinem durchdringenden Blicke fixierte, bemerkte er doch nicht, daß derselbe mil einer Wimper gezuckt hätte. Sommer hatte sich offenbar in seiner Gewalt. Ohne durch diese scheinbare Gleichgiltigkeit irregeleitet zu werden, sprach der Fremde weiter: „Bitte, schaffen Sie mir Gelegenheit, die Dame, die Verfasserin dieses Romanes, wie zufällig zu sprechen." „Auch das darf ich nicht. „Was in drei Teufels Namen dürfen Sie denn?" „Was diese Dame betrifft, nichts, absolut nichts." „Ein letztes Wort noch, Herr Sommer: Diese Dame besucht Sie doch sicherlich hie und da in Geschäftsangelegenheiten Lassen Sie mich dasselbe vorher wissen, wenn sie dieselbe erwarten, und ich werde, in einem anstoßenden Raume verborgen^ sie ansehen. Ist sie es nicht, so werde ich mich unbemerkt entfernen und mich nicht um sie bekümmern, da es mir in diesem Falle ganz gleichgiltig ist, ob sie Frau Kappel oder Frau Tschappel heißt. Sollte sie es aber dennoch sein, so will ich wie zufällig ins Zimmer treten und Sie stellen mich als Weltreisenden, wenn Sie gerade wollen, als Schriftsteller vor, ohne jedoch zu erwähnen, daß auch sie von dem Fache ist. Verstehen Sie mich?" Der Verleger kraute sich hinter den Ohren. „Ich bin da wirklich in eine Klemme geraten. Einerseits Ihre Vorschläge,, wo ich Ihnen denn doch so gerne zu Gefallen wäre, andererseits das strenge Verbot der Dame und mein ihr gegebenes- Versprechen." „Welches doch nicht verletzt wird, wenn Sie mir zu Gefallen sind, Herr Sommer!" „Die Sache ist zu romanhaft." „Ist denn nicht das ganze Leben wie ein Roman? Oder vielmehr ein wirklich guter Roman ein Stück Leben? Die kühnste Phantasie eines Romanschreibers holt ihre Stoffe nicht ganz aus der Luft. Ein Körnchen Wahrheit ist immer dabei^ Etwas Erlebtes, Gehörtes, Geträumtes. Die wertvolle Perle bildet sich auch oft nur aus einem unscheinbaren Sandkorn, woran sich so langsam der kostbare Stoff ansetzt, so lange, bis das herrliche Juwel in seiner ganzen Pracht gebildet wird. Auch das Gebilde der Phantasie bestehet oftmals aus einem unscheinbaren Kerne, einer kleinen unbedeutenden Tatsache, einem für einen gewöhnlichen Menschen unbeachtet vorübergehenden Erlebnis. Um diesen oft einzigen Kern, der nur für gottbegnadete Dichterblicke sichtbar ist, sammeln sich dann die kühnsten, herrlichsten Gedanken an. So entstehen Meisterwerke der Dichtkunst; so mag auch die Rose von Saron entstanden sein. Also zum letzten Male frage ich: Wird meine Idee verwirklicht, Verehrtester, trotz ihrer Aehnlichkeit mit einem Romansujet?" „Wenn ich mich auf Ihre Verschwiegenheit verlassen kann." „So wie auf Ihre eigene," fiel Binder ein, „und das will, by God! viel sagen." „So kommen Sie morgen um 4 Uhr nachmittags hierher, ich will die Dame unter einem geschäftlichen Vorwände hierher bitten lassen." Auf Einladung des Buchhändlers erschien Hanna anderen Tages in seinem Bureau. Sommer erzählte ihr, daß sich ein Uebersetzer gemeldet habe, der von ihr die Erlaubnis erwerben will, die Rose von Saron ins Englische zu übersetzen. (Fortsetzung folgt.) 15.000 Kronen bar für unsere Hausfranen werden von den „Ceres"-Werken für Koch-, Back- und Bratrezepte ausgeschrieben. Aber sie sind nicht nur ausgeschrieben, sondern sie werden auch tatsächlich ausgezahlt» Die Namen und Adressen der Prämiierten werden seinerzeit durch die Zeitungen bekannt gemacht werden. Wie wir hören, sind auch aus unserer Gegend zahlreiche Rezepte eingelaufen, über deren Erfolg wir seinerzeit berichten werden. Die näheren Bedingungen sind bei jedem besseren Kaufmann zu bekommen. — Man versuche, alle Mehlspeisen mit „Ceres" Speise-Fett herzustellen. Krapfen mit „Ceres" Speise-Fett zubereitet, sind wohlschmeckender und leichter verdaulich als alle anderen. csEBtmaxssm