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Die Wahrheit · 1907-02-01 · Heft 5 (1.2.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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*L 5 Die Wahrheit Lette 9. Orient in bezug auf Obst bekanntlich ein sehr ausgiebiges Land, wo man es sich leicht und billig beschaffen kann. Orangen, Datteln, Rosinen, Feigen, Nüsse, Granatäpfel u. s. w., was nur irgend ausgetrieben werden kann, in der verschiedensten Zubereitung frisch, trocken, gebraten, geröstet, wird aus einem großen Tablett auf die Tafel gebracht. Nun bekommt jedes Kind jeine „Bolsika", das sind schöne Säckchen aus Stoff oder Seide, mit Obst angefüllt, und es ist eine wahre Freude, diese fröhlichen Gesichtchen bei der Bescherung zu. beobachten, wie sie der Mutter wder Tante, dem Vater, Großvater oder Onkel hochbeglückt zujubeln und immer vom neuen verlangen. Und wenn der Inhalt einer Bolsika mit vielem Behagen verzehrt ist, werden die Säckchen tvieder unter allerlei Kurzweil nachgefüllt. Ost wiederholt sich dieser Vorgang selbst nach diesem Feste noch einen ganzen Monat lang bis zum größten Freudenfeste der Inden — dem Purim. Natürlich gewinnt man dadurch im Fluge die Gunst der .Kinder, die nun für Alles zu habeu sind, auch für ernste Unterhaltungen, ohne daß sie ermüden. Und kluge Eltern nützen diese Gelegenheit gründlich aus, führen das Kind in die Naturgeschichte ein, in das Wesen der Landwirtschaft, in die Tugenden der Sparsamkeit und Emsigkeit und nicht znletzt in die göttliche Ordnung und Harmonie in der großen und weiten Welt. Es ist dies ein erprobtes Erziehungsmittel; durch dergleichen Süßigkeiten werden die Kleinen weit mehr angezogen, als durch die vielen und selbst guten Noten im „Ausweis". Für das Gemüt des Kindes ist der Ernst der Schule viel zu kalt gegenüber dem warmen Hauch des häuslichen Unterrichts. So wird die Fantasie des Kindes rege gehalten, es vergißt all die Tändeleien und Dummheiten, Schlechtigkeiten und Bosheiten. Es wird mit einem Wort ein gutes Kind und einst ein nützliches Mitglied der Gesellschaft. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 1. Februar 1907, Predigt im Leopoldstädter Tempel und im Tempel, XV., Turnergasse 22. Wien. Anläßlich des 50jährigen Todestages des Herrn Leopold Ditmar K ö n i g s b e r g. des Stifters des nach ihm benannten Mädchen- -Erziehnngsinstitutes fand Mittwoch, den 30. Jänner, 3/45 Uhr abends, im Stadtempel ein feierliches Requiem statt, an welchem die Damen des iKuratorinms mit den Lehrerinnen und Zöglingen des Institutes, die Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n und Ritter v. G o l ds chmid t, die Kultusvorsteher Salo Cohn, kais. Rat Sachs, Dr. Hermann L ö w i, die Bethansvorsteher L e m b e r g c r und Winterbe r g. Rabbiner Dr. David, I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler, Inspektor Dr. L a n g f e l d e r u. v. A. teiluahmen. Nach Verrichtung des. gewöhnlichen Abendgebetes durch I. Kantor I. S ch i l l e r, stimmte Oberkantor Singer mit dem vom Chormeister Professor Sulzer dirigierten Chore unter Harmoniumbegleitnng das Sulzer'sche Requiem ^Loüirrr'rr sos" (Ps 49) an, das im Solo- und Chorsaße ausgezeichnet wiedergegeben, seine iveihevolle und erhebende Wirkung nicht verfehlte. .In der darauffolgenden Gedenkrede würdigte Oberrabbiner Dr. G ü d eni a n n die segensreiche Tat, mir welcher der Stifter durch Errichtung der erwähnten Mädchen-Erziehungsanstalt seinen Namen für alle Zeiten in der- Wiener Gemeinde verewigte. Mit Verrichtung des Kaddischgebetes und Absingen des „Lalai'cvissi" schloß die erhebende Gedenkfeier. Wien. (G e s e l l s ch a f t f ü r Sammlung und Konserp i e r u n g v o n K u n stu n d h i st o r i s ch e n D e n k m ä l e r n des .Judentums.) Montag, den 4. Februar 1907, präzise 7',z Uhr abends, findet im Festsaale der österreichischen Ingenieur- und Architekteuvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Gustav K a r p e l e s- Berlin: „Heine und das I u d e n t n m" statt. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 7. Februar 1907, präzise \'28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema : „Zum 25. Todestage Berthold Auerbachs." Eintritt frei. Wien. (Die j ü d i s ch e n Ki n d e r h 0 r t e.) Von Tag zu Tag avachsen die Sympathien, denen der im Vorjahre begründete „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kmder in Wien", dessen Sitz sich IX., Universitätsstraße 4, befindet, begegnet. In den drei Horten, welche der Verein bisher erhält, sind 170 arme jüdische Kinder untergebracht und schon für die nächste Zeit ist die Errichtung zweier weiterer Horte für 100 Schützlinge in Aussicht genommen. Die Vereinsleitung ist gezwungen und bemüht, an alle Besitzenden zu appellieren, damit ihr auch die nötige finanzielle Unterstützung zu teil wird. Eben hat sich ein Komitee konstituiert, das sich aus den vornehmsten Kreisen der Residenz rekrutiert und durch Veranstaltung eines „Heiteren Künstlerabend" großen Styles dem Vereine Geldmittel verschaffen will. Am 21. Februar werden die Sofiensäle dem erwähnten Zwecke dienstbar gemacht und nach den bisher getroffenen Vorbereitungen dürfte sich das Fest zu einem Clou der Saison gestalten. Ein erlesenes künstlerisches Programm, bestritten von den Lieblingen des Theater- und Konzertpublikums, mehrfache in Wien noch nicht zu Gehör gebrachte Darbietungen und schließlich während des Tanzes eine Kabaretvorstellung im kleinen Sofiensaale werden dem Publikum geboten werden. Mit der Versendung der Einladungen wird in den nächsten Tagen begonnen. Anfragen oder Vormerkungen für Logen und Sitze, die nach der Reihenfolge des Einlangens Erledigung finden, wolle man an das Vereinsbureau, IX,, Universitätsstraße 4, gelangen lassen. Wien. (Jüdische T 0 y n b e e - H a l l e, XX., Othmargaffe 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um *',8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. Woche »Programm: Samstag, den 2. Februar : Konzert. Sonntag, den 3. Februar: „Die Propheten als Erzieher." Rabbiner Dr. Mandl aus Neutitschem. Montag, den 4. Februar: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem. Dienstag, den 5. Februar: „Der erste Schritt vom Wege." Lehrer S. Kühner. Mittwoch, den 6. Februar: „lieber Kinderkrankheiten und deren Verhütung." Universitäts-Dozent Dr. I. Z a p p e r t. Doiiuerstag, den 7. Februar: „Ueber Alkohol — Abstinenz." Herr Karl Penrl. Freitag, den 8. Februar : Bibelvortrag. Religionslehrer L. W e i ß. Samstag, den 9. Februar : Kammermusik-Abend. Quartett Specht. — Samstag, den 26. Jänner d.J., fand ein vom Oberkantor B a s s e r mit Geschick arrangiertes Konzert in der Toynbee-Halle statt, das nicht allein die vorzüglichen Qualitäten des Oberkantor B a s s e r als Interpreten schwieriger Öpernpartien erkennen ließ, sondern auch den anderen 'Milwirkenden: Frl. Grad (Klavier), Frl. H 0 r 0 w i tz (Gesang) und dem Baritonisten Herrn Schwarz reichen Beifall brachte. — Am vorhergegangenen Konzertabende hatte Herr Oberkanror Gotthold F r i e d l ä n d e r, der über eine ebenso sympatylsche Vortragsweise als schöne Stimmittel verfügt, Proben reichen Könnens abgelegt. Wien. (Verein „F r a u e n h 0 r t".) Am Sonntag, den 27. Jänner 1907 fand die von zahlreichen Gönnern und Freunden besuchte 7. Generalversammlung des Frauenwohltätigkeitsvereines „Frauenhort" statt. In dem erschienenen Kreise bemerkte man nebst den Abgesandten aller übrigen Frauenwohltätigkeirs- und vieler anderer Vereine die Herren, Reichsratsabgeordneten Wrabetz, Gemeinderäre Allmeder und Tr. v. Dorn, Baunleister Donat Zifferer, Herrn Baurar Stmßny in Vertretung der Kultusgemeinde und viele Andere. Die verdienstvolle Präsidentin des Vereines, Frau Rosa Zifferer erstattete den Bericht über das abgelaufene Vereiiisjahr, laut welchem 31.000 X an Bedürftige verausgabt wurden, welche übergroße Belastung des Vereines ein erhebliches Defizit zur Folge hatte, indem trotz eifrigster Bemühung ches gesamten Vorstandes diese große Summe nicht vollständig aufgebracht werden konnte. Ein Anonymus, von der Schilderung des stets wachsenden Elends unter der armen Bevölkerung ergriffen, spendete spontan IM K zur Verminderung des Defizits, eine Haiidlnng die unter allgemeiner Akklamation der Versammlung bekanntgegeben wurde. Es wäre zn wünschen, daß auch weitere Kreise in ausgiebigem Maße die Bestrebungen dieses segenspendenden Vereines fördern würden, da derselbe die so schwierige Armenpflege in wirklich mustergiltiger Weise übt. Wien. („Jto".) Die Wiener Territorialisten veranstalten Mittwoch, den 6. Februar d. I., um 7l/* Uhr abends, im Saale des „Oesterr. Eisenbahn-Clubs", einen Vortragsabend. Herr Schriftsteller Jacques Jäger (Mitglied der „Geographischen Gesellschaft", Schriftführer des „Oest.-ung. Koloinalvereines") wird über „Auswanderung und Kolonis a t i 0 n" sprechen. Der Vortrag wird durch Ikioptikonbilder wirksam illustriert werden, und dürften insbesondere die Aufnahmen von Galveston und Texas besonderes Interesse finden. Die noch vorhandenen Eintrittskarren wolle man reklamieren bei: Herrn Dr. Dagobert Rybaczewski, 11., Stefaniestraße 14. Telephon Nr. 18457. Wien. (Wohltätigkeits-Akademie.) Sonntag, den 8. Februar, veranstaltet der Brigittenauer israelitische Wohllärigkeitsverein in den Sophiensälen zugunsten seiner Humanitären Zwecke seine diesjährige große Wohltätigkeits-Akademie mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Die Abende dieses rührigen Vereines, welche nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch in künstlerischer und gesellschaftlicher Beziehung zu den hervorragendsten und erfolgreichsten der Saison zählen, erfreuen sich einer von Jahr zu Jahr wachsenden Beliebtheit unter dem Publikum. Heuer verspricht diese Veranstaltung einen besonders großartigen Verlauf zu nehmen, wofür das auserlesene Programm bürgt. Mit Rücksicht auf den eminenten Wohltätigkeitszweck haben bisher ihre Mitwirkung auf-das bestimmteste zugesagt: die Damen Mila Barry, Mizzi G ü n t h e r. Jenny R e i n g r u b e r, die Herren Louis T r e u m a n n und Otto T r e ß l e r. Die Musik besorgt die bewährte Kapelle Johann Müller, unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters. Das Arrangement des Tanzes, dem die Jugend heuer in den prächtig dekorierten Räumen der Sophiensäle in weit ausgiebigerem Maße huldigen können wird, als in den Ronachersülen, die sich im Vorjahre als zu beschränkt erwiesen, hat Herr Professor Julius Singer übernommen. Die noch vorhandenen Karten, nach welchen eine sehr lebhafte Nachfrage herrscht, sind zum Preise von K 3.— in der Musikalienhandlung K n e p l e r, im Theaterkarten-Bureau Spitzer, bei der Präsidentin Emilie Weiß. XX., Klosterneuburgerstraße 13, und bei sämtlichen Borstandsdamen erhältlich. Wien. Der humanitäre Verein der Mattersdorfer in Wien, im Juni 1906 gegründet, hielt am Samstag, den 26. Jänner 1907, im Restaurant Pinkas, II., Lilienbrunngaffe 9, seine erste Generalversammlung ab. Es wurden gewählt: Präses: Dr. Ludwig Breuer, 1., Stefansplatz 11; Bizepräses: Julius Lettner; Schriftführer: Samuel Koppel; Schriftführer-Stellvertreter: Simon L ackenbacher; Kassier: Moriz L e i t n e r; Ausschüße: Ignaz Bauer, Hermann Groß, Richard

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