Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite 7. Veserve per K 5000 in Anspruch genommen werden muß. Der Antrag wird angenommen. Dem Bethausvereine „Machsike-Hadath" wird die Bewilligung für das ständige Bethans desselben bis .Ende 1908 erteilt. Gleichzeitig wird der vorgelegte Statutenentwurf mit dem präsidialiter vorgenommeuen Aenderungen genehmigt. Dem ^jüdischen Bildungs- und Unterstütznngsverein „Schomre-Hadath" und dem Krankenvereine „Eines Wescholom" werden die angesuchten Bewilligungen zur Errichtung und Erhaltung ständiger Bethäuser mangels der erforderlichen statutarischen Voraussetzungen nicht erteilt. Kultusvorsteher S. Steiner stellt im Hinblicke auf ein Zirkularschreiben des Vorstandes des Tempelvereines für den X. Bezirk an das Präsidium eine Anfrage betreffend die in einer Versammlung vom 16. Jänner 1907 beschlossene Auflösung dieses Vereines. Der Präsident erwidert, daß er über alle Einzelheiten der gestellten Anfrage in einer nächsten Plenarsitzung einen umfassenden Bericht erstatten und daß auch das Vertreterkollegium diesbezüglich Anträge vorlegen werde. — Vorläufig bemerke er im allgemeinen, daß im Frühjahre 1906 Mißhelligkeiten .zwischen dem Tempelverein und einem im selben Bezirke gebildeten orthodoxen Bethansvereine „Ansche-Emes" entstanden und diesfällige Ausgleichversuche erfolglos geblieben seien. — Dem orthodoxen Vereine „Ansche-Emes" sei, als er im Jahre 1902 um die Bewilligung zur Errichtung eines ständigen Bethauses! einschritt, dieselbe mir Plenarbeschlnß vom 28. September 1902 verweigert worden, weil der Tempelverein für den X. Bezirk in der Errichtung eines zweiten Bethauses im selben Gemeindebezirke eine Gefährdung seiner Existenz sah. — Der Vorstand des Tempelvereines hat damals und seither wiederholt die Beseitigung jener Formen des Gottesdienstes, durch welche die Strenggläubigen sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefunden haben, auf das bestimmteste zugesagt, und es seien dagegen, um nur den religiösen Frieden im Bezirke herzustellen, j mancherlei Gewährungen zu Gunsten des Tempelvereines erfolgt, j — Der Vorstand des Tempelvereines habe aber Jahre hindurch! seine wiederholten Versprechungen nicht erfüllt; vielmehr habe > er ohne Wissen des Knltnsvolstandes es zugelassen und be-' günstigt, daß der Verein „Ansche-Emes" ein ständiges Bethaus erhalte. Es fei nämlich der Vorstand des Tempelvereines identisch mit dem Vorstände eines im selben Bezirke bestehenden Schulvereines und es habe dieser Schulverein seine Lokalitäten gegen einen Jahreszins dem Vereine „Ansche-Emes" für sein ständiges Bethaus vermietet. Von alledem hatte der Knltusvorstand keine Kenntnis, fodaß er alljährlich nur zu den hohen Feiertagen dem „Ansche- Emes-Vereine" über dessen Einschreiten z e i t w e i l i g e Betversammlungen gestattete. Erst als im Frühjahre 1906 der Verein „Ansche-Emes" das bisherige Lokale verließ, ein neues mietete und dies behufs Erlangung der Genehmigung dem Kultusvorstande anzeigte, sei dieser zur Kenntnis jener Vorgänge gelangt. Im Sommer 1906 sei nun der Tempelverein von neuem mit der Bitte um Untersagung des „Anjche-Emes-"Bethauses hervorgetreten und habe hierin auch die Unterstützung der Bezirkslommission gefunden. — Der Tempelverein habe von neuem behauptet, daß seine Existenz durch das Bethans „Ansche-Emes" gefährdet sei, und daß er, wenn dieses nicht untersagt werde, den Verein austösen und den -Tempel dem Kultusvorstande zur Verfügung stellen werde. Wiederholte Versuche zur Beilegung von Differenzen unter .Zuziehung der beiderseitigen Vereinsvorstände blieben fruchtlos; der Versuch bei der Bezirkskommission, welche sich mit aller Entschiedenheit aus die Seite des Tempelvereines stellte, die Einvernehmung auch des Vereines „Ansche-Emes" und sonach eine beiderseitige Aussprache zu veranlassen, hatte keinen Erfolg gehabt. Die Bezirkskommission unter dem Einflüsse des Tempel- Dereines stehend, verweigerte es entschieden mit den Vorstehern des „Ansche-Emes'-Vereines in regen Verkehr zu treten. So war zu Ende Oktober 1906 der Stand der Sache, worüber Lem Kultusvorstande die Entscheidung Vorbehalten blieb. Am 23. November 1906 richtete der Vorstand des Tempelvereines ein Schreiben an den Kultusvorstand, worin er ohne jegliche Beziehung auf seine Differenzen mit dem „Ansche-Emes"- Vereine und auf die hierüber gepflogenen Verhandlungen erklärt, daß der im Jänner 1907 eine Generalversammlung einberufen und derselben den Antrag aus Auflösung des Vereines vorlegen werde. Es war dem Vorstande des Vereines und dessen Wortführern, den Herren Seligmann und Straßberg, wohl bekannt, daß damals und bis halben Dezember die Wahlen in den Kultusvorstaud stattfandeu, daß sodann ein Wahlprotest eingebracht, daß hierüber nach eingehenden Erhebungen in öffentlicher Sitzung des Kultusvorstandes referiert wurde, daß ferner Ende Dezember, gleichfalls in öffentlicher Sitzung des Kultusvorstandes, das Budget für das Jahr 1907 festgestellt wurde, daß sodann und zwar wieder in öffentlicher Sitzung am 6. Jänner 1907 die Neukonstituierung des Vorstandes erfolgte. Es war ferner den genannten Herren wohlbekannt, daß all dies und dazu noch eine Fülle der laufenden und dringendsten Angelegenheiten die volle Kraft und Zeit des Kultusvorftandes in Anspruch nahmen, und daß überhaupt von der Neu-Organisierung des Kultusvorstaudes, welcher zu einem Vierteile aus neuen Mitgliedern besteht. Angelegenheiten voo größerem Belange nicht zur Beschlußfassung kommen konnten. Es ist dies alles auch den Herren Seligmann. Straßberg u. a. in präsidio gesagt worden und es stellte sich aus den vielerlei Besprechungen endlich heraus, daß die Differenzen mit dem „Ansche-Emes"-Vereine als Motiv der Auflösung des Tempelvereines früher nur vorgeschützt waren, daß die Herren Vorsteher des Tempeloereiues aus irgend welchen Gründen nicht weiter mittuu wollten und daß sie nun statt — wie es ihre Pflicht geboten hätte — die Vereinsmitglieder zur Wahl eines neuen Vorstandes zu berufen, es vorzogen, den von ihnen gegründeten Verein zur Auflösung zii bringen und den Knltusvorstand vor eine vermeintliche Zwangslage zu stellen. Um den statutenmäßigen Bedingungen der Auflösung zu entsprechen, gingen sie sogar soweit, gedruckte Briefe v o rzubereiten, mit welchen den Bereinsmitgliedern ihr Austritt aus dem Vereine bescheinigt, auf solche Weise die Zahl der Vereinsmitglieder reduziert und so die für den Auflösungsbeschluß erforderliche Minimalzahl der Teilnehmer an der die . Auflösung beschließenden Vereinsversammlung herabgedrückt wurde. I lieber die Vorgänge bei der Generalversammlung liegen die Berichte der Delegierten des Knllnsvorstandes, des Herrn Vize-Präsidenten Dr. Gustav K o h n und des Herrn Vorstehers kais. Rat K a u d e r s vor. Hierüber, sowie über den zum Tempelball geleisteten Kapitalsbetrag der Kultusgemeinde, über das ferner seinerzeit gewährte zinsfreie Darlehen, über die auf! Jahre hinaus bewilligte Stundung der stipulierten Darlehens- I rückzahlungsraten, über die jährlichen Subventionen und sonstigen [ Benefizien, sowie über den Etat des Tempelvereines wird Ihnen! in der nächsten Sitzung ein eingehendes Referat erstattet, und; werden auch die sämtlichen Zuschriften und Protokolle, auf j welchen sich mein obiger summarischer Bericht beruft, verlesen > werden. Ich ersuche Sie, diesen vorläufigen summarischen Bericht zur Keuntnis zu nehmen. Im Anschlüsse an den Bericht des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern erwähnt Herr Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn in Kürze die Vorgänge bei der Generalversammlung und bemerkt, daß er sich infolge eines gegen Schluß der Sitzung durch den Vereinspräsidenten hervorgerufenen Zwischenfalles veranlaßt sah. noch vor erfolgter Abstimmung die Versammlung zu verlassen. Mit Rücksicht darauf, daß viele Vereinsmitglieder sich gleichfalls vor Abstimmung aus dem Saale entfernten, i glaube er, daß die zu derselben erforderliche statutenmäßig festgesetzte Zahl von Mitgliedern bei der Schlnßabstimmung nicht anwesend war. Den erwähnten Zwischenfall, sowie die übrigen J Vorgänge bei der Generalversammlung wird der von ihm in > der nächsten Sitzung zu erstattende Bericht ausführlich behandeln. Das Vertreterkollegium wird sohin ersucht nach Beratung dieser Angelegenheit dem Plenum Anträge zu stellen.