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Die Wahrheit · 1907-01-25 · Heft 4 (25.1.1907) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 4 Von Galvestone führen nicht weniger als sechs Bahnlinien zu den allerbesten Punkten; die Dampfer nach Galvestone werden von Bremen aus gehen. Nach Bremen können die russischen Auswanderer von russischen Häfen in einer ununterbrochenen Fahrt gelangen, ohne sich den Anstrengungen und Widerwärtigkeiten einer Landreise durch Deutschland aussetzen zu müssen. Später werden wir auch in der Lage sein, es so einzurichten, daß Dampfer direkt von Rußland nach Galvestone verkehren. Vorläufig müssen wir uns darauf beschränken, die Möglichkeit einer koscheren Verpflegung ans den nach Galvestone verkehrenden Dampfern zu schaffen, wie dies auf den Schiffen der Fall ist, die nach New-Iork verkehren. Und wir sind auch bereit, unter denjenigen Auswanderern, die die Absicht haben, nach Amerika zu gehen, Partien, bestehend aus Männern, Frauen und Kindern, auszusuchen, die gewillt sind, sich von uns nach Galvestone und dem Westen dirigieren zu lassen. Solche Auswanderer, die in New-Dork Freunde und Verwandte haben, deren Führung sie sich überlassen kännen, brauchen uns nicht. Denen sagen wir: „Gehet nach New-Aork, Gottes Segen mit Euch und möge nur New-Iork noch lange ein offenes Tor für Euch bleiben." Wir sprechen bloß zu denjenigen, für denen es keinen brennenden Grund gibt, lieber in die eine amerikanische Stadt zu gehen, als in die andere und die bereit sind, im großen Westen ihr Glück zu versuchen und den Boden auch für die anderen vorzubereiten. Sie dürfen nicht glauben, daß wir etwa den Vorschlag machen, den Leuten die Reise nach Galvestone zu bezahlen oder ihnen dort Arbeit zuzusichern. Dies könnte höchstens zur Folge haben, daß die ganze Partie wieder zurückgefchickt würde. Die amerikanischen Gesetze verbieten, daß den Einwanderern die Reise von anderen bezahlt werde. Amerika mit seinen „Labour-Unions" verbietet, den Einwanderern im voraus Arbeit zu sichern. Unser eigener Oskar Strauß wäre als Arbeitsminister gezwungen, sie zurückzuschicken, was er auch laut einem heute von ihm eingelangten Kabeltelegramme gerechterweise tun müßte, wenn diese absurden Gerüchte mit Galvestone aus Wahrheit beruhen würden. Aber ein Emigrant kennt ja die Gefahren denen er sich aussetzt. Ein Mann, der ein Land verläßt, um in ein anderes zu ziehen, nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, und muß darauf vorbereitet sein, selbst.eineBeschäftigung zu finden. Alles jedock, was in legaler oder humaner Form geschehen kann, wird sicherlich von uns getan werden. Alle bezüglich der für die Operationen unseres neuen Departements notwendigen Fonds veröffentlichten Berichte, sind unzutreffend. 10.000 Pmnd kommen aus jener unerschöpflichen Wohltätigkeitsquelle von der Firma, deren Chef Lord Rothschild ist. Weitere 10.000 Pfund kommen von der nicht minder stark in Anspruch genommenen Firma, dem Hause des Baron Edmund de Rotschild in Paris. Und von einer Quelle, die ungenannt bleiben will und bezüglich welcher so viele falsche Behauptungen in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, kommen 100.000 Pfund. So groß auch diese Summen sind, sind sie noch immer im Vergleiche zu der Größe unseres Tätigkeitsgebietes zu klein. Aber wir können damit den Anfang machen. Ich hege auch nicht die Befürchtung, daß wir durch den Erhalt dieser Summen die Chancen der Finanzierung des Jto-Landes selbst verringern. Denken Sie doch daran, daß wir bis jetzt noch keinen Appell an die große Masse unserer Anhänger in der ganzen Welt gerichtet haben, es widerstrebte uns stets von der Oeffentlichteit die Finanzierung eines Territoriums in der Luft zu verlangeu, und wir werden natürlich jetzt so lange warten, bis unsere Geographische Kommission die Ueberzeugung gewonnen haben wird, daß für unsere Aussichten eine solide Grundlage besteht. Unter den unzähligen russischen Parteien gibt es eine, deren 'Name mir wenigstens gefällt. Es ist dies die Partei der Realpolitiker. Das ist es was wir Territorialisten in Judäa zu sein ambitionieren: die Partei der Realpolitiker. Die Jto wurde für das jüdische Volk geschaffen und nicht das jüdische Volk für die Jto. Ans der Wiener Knltnsgemeinde. (Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 20. Jänner 1907 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern.) . Vor Uebergang zur Tagesordnung berichtet der Präsident, daß Sr. kais. Hoheit dem Herrn Erzherzog Rainer, diesem edelsten, humansten Prinzen, dem Nestor unseres Kaiserhauses, anläßlich seines 80. Geburtstages eine Glückwunschadresse des Kultusvorstandes überreicht wurde. Hierüber ist folgendes Telegramm eingelaufen: „Herrn Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Kultusgemeinde Wien. Seine kaiserl. und königl. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Rainer danken wärmftens für freundliche Gratulation anläßlich höchstseines Geburtstages und schönen Adresse. Der Obersthofmeister Ro send erg." Im Einlaufe befinden sich: An Spenden für den Bau der Talmud Thora-Schule von Gebrüder Gutmann X 25.000, Hans Reitzes X 10.000, Baron Gustav Springer X 4000, Karl v. Auspitz X 3000, Michel Benies K 2000, Moriz Edler v. Kuffuer X 1000, Wilhelm Kuffner X 1000. Präsident Dr. Alfred Stern zur Verteilung an Arme sein Präsenzhonorar von der Pollak von Rudinschen Stiftung im Betrage von X 200. Dr. Alfred Berger als. Sammeispende für die Brigittenauer Schulküche, u. zw. von: Emil Weichsel X 10, H. Ernst X 4, Steindler & Hahn, Bürmoos X 11, Redakteur S. Löwy X 5, Dr. Knebel, Triest X 5, A. A., Wien X 10, R. S. & H. S., Jägerndorf X 6, kais. Rat L. Sachs X 60, kais. Rat I. Weil X 10, Jakob und Louise Klein, Kranzablösung für weil. Anton Klein X 10, Frl. Grete, Poldi, Mizzi, Ella Freiwillig X 10, Julie Groag X 6, Emma Wölker X 5, Katharina Duschnitz X 5, Deborah Rattinger, Brünn X 6, A. Prager, Budapest X 10. zusammen X 178. M. Schlesinger & Co., Budapest, „für die Brigittenauer Schulküche X 100. Moriz Edler von Kuffner anläßlich des Sterbegedächtnistages seiner sel. Mutter Frau Rosalie Edle v. Kuffner für Arme der Bezirke XVI—XVII X 160. ,,S. M." in Triest für arme Kinder der Brigittenau X 10. Leopold Perl für die Insassen der Versorgungsanstalt X 10. „S. R.", Reichenberg, für die Briglttenauer Schulküche X 10. Max Lenkes für die Brigittenauer Schulküche X 5. M. Freund für die russischen Juden X 2. Dankschreiben des Kultusvorstandes der orth. isr. Kultusgemeinde in Preßburg für die bekundete Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Ablebens Sr. Ehrwürden des Oberrabbiners Herrn Bernhard Schreiber. Dankschreiben des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde Lemberg für die kundgegebene Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens des sel. Herrn Salomon Bub er. Im Sinne der Geschäftsordnung werden, nachdem die Wahlen in die ständigen Kommissionen bereits in der vorigen Plenarsitzung erfolgt sind, nunmehr die Wahlen in die Spezialkommissionen und Komitees vorgenommen. Es werden folgende Komitees bestellt: 1. Mikwah-Komitee, 2. Komitee für den Bau eines Tempels und eines Administrationsgebäudes, 3. Historische Kommission, 4. Bibliotheks-Kommission, 5. Komitee für die Aufnahme in die israel. Versorgungsanstalt, 6. Bau-Komitee, 7. Buch-Revisions-Komitee, 8. Komitee für die Revision der Statuten und der Geschäftsordnung. — Ferner werden berufen: Delegierte des Kultusvorstandes und deren Stellvertreter für die Schätzungskommission, Delegierte für die Armenanstalt und Komitees für die diversen Stiftungen. Der Antrag des Herrn Dr. Steiner zur ständigen Beratung der Wohltätigkeits-Angelegenheiten eine Kommission einzuberufeu, wird an das Vertreterkollegium zur Vorberatung und demnächstigen Berichterstattung geleitet. Im Sinne des Regulativs für die neuerrichtete Religionslehrer-Bildungsanstalt beantragt die Schulkommission entsprechend den Vorschlägen des Lehrkörpers und des Kuratoriums, 11 würdigen und unbemittelten Schülern vorläufig für das Schuljahr 1906/7 Stipendien im Gesamtbeträge von L 2210 zu bewilligen. Gemäß dem Regulativ für die Anstalt haben solche Schüler, welche seitens der Kultusgemeinde mit Stipendien bedacht werden, die Verpflichtung, sich nach Absolvierung ihrer Studien für eine mindestens fünfjährige Dauer dem Religionsunterrichte an Wiener Volks- und Bürgerschulen zu widmen. Der Antrag der Schulkommission wird angenommen. Periodische Unterstützungen: Das Vertreterkollegium beantragt an 397 Parteien monatliche, bezw. vierteljährige Unterstützungen im Gesamtbeträge von K 55224 zu bewilligen, womit eine Ueberschreitung der Budgetpost per X 52000 verbunden ist und sonach mit dem Betrage von L 3224 die budgetierte

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