Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3063367-3063370--04660-3071518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit Nr. 3. Euere Kaiserliche und Königliche Hoheit! Bewegten Herzens feiert heute die Bevölkerung Wiens das Achzigste Geburtsfest Euerer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit. Dankerfüllt gegen den Schöpfer, der in Euerer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit die Verkörperung strenger Pflichterfüllung, unbeugsamen Rechtgesühles, dabei ein leuchtendes Beispiel an Herzensgüte und Mildtätigkeit erstehen ließ. Beseelt von den gleichen Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit, schließen sich dieser hehren Feier die Bekenner des mosaischen Gottesglaubens, als deren Dolmetsch, die ehrfurchtsvoll gefertigte fromme Vereinigung des IV. und V. Wiener Bezirkes berufen erscheint, mir ganzem Herzen an, indem sie sich am heutigen Abende am Eingänge des Sabbath-Ruhetages zum Gebete versammeln. um vom Herren der Heerscharen zu erflehen, daß er Euere Kaiserliche und Königliche Hoheit in ungebeugter Kraft, verschont von Krankheit und Leid erhalte bis an die äußerste Grenze irdischen Daseins, zum Wohle des Vaterlandes und seiner patriotischen Bewohner und zum Heile Aller, welche ohne Unterschied des Standes und Glaubens, zu Euerer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit als Hort des Rechtes und der Gerechtigkeit vertrauensvoll emporblicken. In tiefster Ehrerbietung: Der Israelitische Tempelverein für Wieden und Margarethen, Wien. Der Obmann: Adolf Hofmann. Der Obmannstellverlreter: kaiserl. Rat Adolf Lichtblau. Der Schriftführer: Franz Frankl. Wien. 11. Jänner 1907. Wie». (I ü d i s che Toynbee -Halle, XX., Othmargasie 46.) Wochen Programm: Samstag, den 19. Jänner: Konzert. (Schuhmann- Feier.) Arrangement: Frau Raja Barber- Waldberg und Frau Schmitz. Sonntag, den 20. Jänner: „Die Philosophie des Erfinders." Ingenieur E. L ö w y, des k. k. Patentamtes. Montag, den 21. Jänner: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." (VH.) Professor Dr. W. Jerusalem. Dienstag, den 22. Jänner: „Die Entwicklung und Bedeutung des Bankwesens." Herr Oskar Fischer. Mittwoch, den 23. Jänner: „Die ansteckenden Kinderkrankheiten und ihre Verhütung." (I.) Dozent Dr. I. Z a p p e r t. Donnerstag, den 24. Jänner: „Erziehungsstätten für das Vorschulalter." (II. > Direktor Max F i s ch e r. Freitag, den 25. Jänner: Bibelvortrag. Lehrer Josef P i ck. Samstag, den 26. Jänner: Konzert. Arrangement: Oberkantor Bass er. Wie». «Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Sonntag, den 20. Jänner, findet im Festsaale der Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgafie 11, präcise 7 Uhr abends, eine Plenarversammlung des Vereines mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erster Bericht des Präsidenten „über die Kaiser Jubiläums- Ausstellung 1908". 2. Vortrag des Hof- und Gerichts-Advokaten Dr. Friedrich E l b o g e n : „Gerichtssaalbilder. 3. „Gewerbe. Wirtschaft und Leben in meiner Tropenheimat." (Mit 60 Skioptikonbildern.) Von Fräulein Hilda Sykora. Damen und Gäste willkommen! Wie». (Verein zur unentgeltlichen Verpflegu n g Brust leidender aufdem Lande.) Zur unentgeltlichen Verpflegung in RoLnau (Mähren) werden mittellose Brustleidende ausgenommen, bei denen begründete Aussicht auf Heilung oder Besserung besteht. Kranke, welche das Bett nicht verlaßen können, dauernd Fiebernde und Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, sind von der Aufnahme ausgeschlofien. Nach Wien Zuständige oder daselbst Wohnhafte werden vornehmlich berücksichtigt i§ 1 der Vereinsstatuten). Gesuche um Aufnahme sind vom 15. Februar bis längstens 15. April 1907 beim Vereine (XVIII., Gürtel 97) einzubringen, dieselben müflen mit dem Mittellosigkeit»- und einem ärztlichen Zeugnisse belegt sein. Verspätet einlangende Gesuche werden nicht berück si ch t i g t. Gesuchsformularien sind in der Kanzlei des Rothschild-Spitales, XVIII., Gürtel 97, und im Bereinsbureau, I., Neuthorgasse 20, erhältlich. Alle Aufnahmswerber, die ihre entsprechend belegten Gesuche rechtzeitig eingebracht haben, werden zu der im Laufe des Monats April stattfindenden vereinsärztlichen Untersuchung vorgeladen und erhalten nach dieser im Falle der Aufnahme bis längstens 20. Mai 1907 den Aufnahmsschein. Die Bereinspfleglinge genießen freie Fahrt, sowie während der Dauer der Kurperiode freie Wohnung, Verköstigung, ärztliche Behandlung, Medikamente, Jnhalattonen, Bäder, Liegekuren und sonstige Kurmittel. Die Kursaison ist in zwei Perioden eingeteilt: die erste währt von Anfang Juni bis Mitte Juli, die zweite von Mitte Juli bis Ende August. Wünsche um Zuerkennung einer bestimmten Kurperiode werden tunlichst berücksichtigt. Wie». Sonntag, den 3. Februar 1907, veranstaltet der „Brigittenauer israelitische Frauen-Wohltätigkeit sv e r e i n", desien Abende nicht nur in Bezug auf das Reinerträgnis, sondern auch in künstlerischer und gesellschaftlicher Hinsicht zu den glänzendsten der Saison zählen, zugunsten seiner humanitären Zwecke seine diesjährige Wohltätigkeits-Akademie mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Die Vereinsleitung mußte heuer die Sophiensäle mieten, da sich die Räume des Etablissements Ronacher für die große Menge der Gäste zu klein erwiesen hatten. Mit Rücksicht auf den eminent wohltätigen Zweck hat bereits eine Reihe hervorragender Künstler ihre gefällige Mitwirkung bestimmt zugesagt. Nach den noch vorhandenen Karten herrscht lebhafte Nachfrage und sind dieselben zum Preise von K 3.— bei der Präsidentin, Frau Emilie Weiß, XX., Klosterneuburgerstraße 13, sowie bei sämtlichen Vorstandsdamen erhältlich. Z Baden. Aus Anlaß des 80. Geburtstages Sr. kaiserl. und königl. Hohett Herrn Erzherzog Rainer richtete der Vorstand der israelitischeu Kultusgemeinde Baden an Höchstdenselben folgenden Glückwunsch: „Die tiefergebenste israelitische Kultusgemeinde Baden erlaubt sich Euerer kaiserlichen Hoheit zum 80. Geburtstage ehrerbietigst die untertänigsten Glückwünsche dgrzubringen. Wir flehen zum Allmächtigen, daß Eure kaiserliche Hoheit, stets als Vorbild fürstlicher Tugenden und Beschützer der Kunst und Wiffenschaften, tief verehrt von allen Völkern und Konfessionen, sich noch viele Jahre dieses Tages in ungetrübter Frische und Gesundheit erfreuen mögen. Der Kultusvorstand." Hierauf langte vom Oberhofmeisteramte die telegraphische Antwort huldvollst herab: „Se. kaiserl. und königl. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog R a i n e r danken wärmstens für freundliche Gratulation anläßlich Höchstseines Geburtstages. Der Oberhofmeister: Rosenberg." St. Pölten. (I ü d i s ch e r L i t e r a t u r v e r e i n.) Am 13. Jänner sprach Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang aus Wien im hellerleuchteten, bis aus das letzte Plätzchen mit einem distinguierten Publikum gefüllten Schießstattsaale unter stürmischem Beifalle über „Rabbi Meir von Rothenburg". Begrüßungsansprachen hielten die Herren: Vereins- Präsident Rabbiner Dr.' Schächter und Kultusvorsteher Siegfried Schwarz. Nach der Rezension des Vortrages durch Herrn Dr. Schächter hielt Herr Dr. Feuchtwang eine zündende Ansprache über das herzliche Verhältnis zwischen Gemeinde und Rabbiner in St. Pölten. Am Schlüsse sprach auch der Herr Rabbiner aus Krems, der zum ersten Male in unserem Literaturvereine als Gast anwesend war. Eiwanowitz. Am 26. Dezember 1906 fand die feierliche Enthüllung des Bildes nach dem seligen, langjährigen, verdienstvollen Kultusvorsteher, Herrn Alois L o e b l, im israel. Gemeindehause zu Eiwanowitz statt. Der Kultus vorsteh er, Herr Jakob Spitz, hielt eine längere Ansprache, in welcher er die seltene Begabung des Verstorbenen hervorhob und dessen Verdienste pries. Wenn es auch im Rate Gottes beschlossen war, daß er an den Beratungen nicht mehr teilnehmen sollte, möge er aus der Position des Bildes auf uns herabblicken und sein Andenken möge in demselben uns stets richtunggebend sein; weiters gedachte er des seligen Herrn Adolf S m e t a n a, des langjährigen Stellvertreters, der demselben bei allen zum Wohle der Gemeinde dienenden Zwecken treu zur Seitestand. Hierauf trug Herr Oberkantor H e i I p e r n einen stimmungsvollen Trauergesang vor. Von dem Gemeindehause begab sich die gesamte anwesende Gemeinde in den Tempel, wo ein Trauergottesdienst unter Mitwirkung des vom Oberkantor H e i l p e r n wohl eingeschulten Chores stattfand, wobei Herr Bezirksrabbiner L. E i ß l e r das Gebet für das Seelenheil des Verewigten verrichtete. Die nächsten Leidtragenden dankten unter Tränen dem Vorsteher und den Funktionären und wird diese erhebende Feier in steter Erinnerung bleiben. Lemberg. Auf Initiative der jüdischen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Galiziens fand kürzlich im Lemberger Rathaussaale eine Versammlung, behufs Schaffung einer politischen Organisation, statt, an der mehrere hundert hervorragende Juden aus ganz Galizien Teilnahmen. Ueber den Verlaus dieser Versammlung liegt folgender Bericht vor: Landtagsabgeordneter Dr. L ö we n st e i-n, welcher die Versammlung namens der jüdischen Landtagsabgeordneten begrüßte, verwies in seiner Ansprache darauf, daß sich die jüdische Bevölkerung Galiziens angesichts der bevorstehenden Einführung des allgemeinen Wahlrechtes an einem bedeutungsvollen Wendepunkte ihrer Entwicklung befinde und daß es jetzt für die Juden an der Zeit wäre, sich zu organisieren, sich den übermächtigen Wogen der sozialen Strömung entgegenzustellen und die Forderung aus eine Ausgleichung ihrer Rechte und ihrer Pflichten durchzusetzen. Die politischen Jntereffen der Judenschaft Galiziens erheischen ihre Organisation, da die der jüdischen Bevölkerung prinzipiell zuerkannte volle Gleichberechtigung bisher faktisch nicht durchgeführt erscheint. Auch ihre ökonomischen Interessen bedürfen einer organisierten Abwehr jener Bestrebungen, welche auf Kosten der wirtschaftlichen Existenz der Judenschaft die ökonomische Stärkung anderer Gesellschaftsgruppen bezwecken. Hierauf ergriff der Präsident der Lemberger Handelskammer Samuel v. H o r o w i tz, der zum Vorsitzenden der Versammlung mit Akklamation gewählt wurde, das Wort, um ebenfalls zu betonen, daß die Juden sich nunmehr vereinigen, hinsichtlich ihrer politischen Haltung eine Verständigung untereinander anbahnen und eine Organisation schaffen müssen, deren Aufgabe es sein soll, mit den leitenden, politischen Kreisen des Landes in Fühlung zu tteten und unter Wahrung der Interessen des Landes Galizien für die speziellen Interessen der Juden einzutteten. Landtagsabgeordneter Dr. F r u ch t m a n n besprach die Verhältnisse der Juden in Galizien. Reichsratsabgeordneter Dr. K o l i s ch e r trat in sehr energischer Weise gegen gewisse Schlagworte der zionistischen Partei auf, welche hinsichtlich der Existenzfrage der Judenschaft eine ganz unpraktische Auffassung bekunde. Durch Isolierung würden die Juden im künftigen Reichsrate, auch wenn sie ein ansehnlicheres Häuflein bilden würden, schwerlich etwas für sich errreichen. An der weiteren Debatte nahmen Gemeinderat Dr. A s ch k e n a s e, der Bürgermeister der Stadt Stanislau Dr. N i m h i n, der Bürgermeister von Buczacz, Bernhard , Stern, die Advokaten Dr. Nußbrecher, Dr. B o r a l und Dr. D i a m a n d, Gemeinderat F e l d st e i n, der Bürgermeister von' Skalat, :> Dr. Ehrlich und Herr Robinsohn aus Przemysl teil. In seinem; Schlußworte mahnte Abg. Dr. L ö w e n st e i n zur Eintracht und erörterte,, neuerdings die zu erwartende gleichmäßige Behandlung der Juden. Ein-, stimmig wurde nachstehende Resolution des Abg. Dr. F r u ch t m a n n angenommen: „Die jüdische Volksversammlung beschließt, eine jüdische' Landesorganisation zur Wahrung der politischen Rechte und wirtschaftlichen Jntereffen der jüdischen Bevölkerung des Landes zu schaffen, in der^ Ueberzeugung, daß mit dieser Aktion, am erfolgreichsten den allgemeinen galizischen und nationalpolnischen Interessen gedient sein wird. Die Versammlung wählt zu diesem Behuse ein Exekutivkomitee mit dem Sitze in Lemberg und nominiert in den Provinzstädten die Delegierten, welche im Einvernehmen mit dem Exekutivkomitee sich mit der Organisierung der Lokalwahlkomitees befassen werden. Das Exekutivkomitee wird aufgefordert, das Aktionsprogramm sestzustellen, die Postulate der galizischen Judenschaft zu formulieren, energisch sich für die Verwirklichung dieser Postulate einzusetzen und zu diesem Zwecke bei den staatlichen und autonomen Behörden , sowie auch bei den öffentlichen Vereinigungen des Landes «die geeigneten Schritte zu unternehmen."