Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. , Die Wahrheit . Nr. 2. 13. Jänner: „Heiteres ans der ärztlichen Praxis." Dr. Wilhelm Stecke l. Montag, den 14. Jänner: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." Pros. Dr. Wilhelm I e r n s a l e m. Dienstag, den 15. Jänner: „Erziehungsstatten für das Vorschulalter." II. „Ihre Erziehungsmittel." Direktor Max Fischer. Mittwoch, den 16. Jänner: „Chemie des täglichen Lebens." III. Ghem. Georg Jerusalem. Donnerstag, den 17. Jänner: Literarischer Abend. „Die Juden von Barnow: Dr. I. S a m u e l y. Freitag, den 18. Jänner: Bibelvortrag. Samstag, den 19. Jänner: Konzert. Schuhmann-Feier.) — Mittwoch, den 26. Dezember v. I., fand ein von dem Violinvirtuosen Herrn Buchbinder im Vereine mit den Herren W e ch s b e r g (Viola) und Deutsch (Klavier) veranstaltetes Konzert statt. Sowohl die Solovorträge als auch die Kammermusikstücke der Mitwirkenden zeugten von großer Technik und feinem künstlerischem Verständnis. Der Bassist Salo Lemberger erntete für den ganz vorzüglichen Bortrag heiterer Opernarien und Lieder stürmischen Beifall. Desten Begleitung am Klavier hatte Frl. Blau-Lemberger übernommen und sich in lobenswertester Weise dieser Aufgabe entledigt. — Samstag, den 5. Jänner d. I.. erschien die Schriftstellerin Frau Regine Ne iß er aus Breslau am Vortragstische und sprach über „Wilhelm v. Humboldt und dessen Familie in ihren Beziehungen zum Judentume". Die Dankeskundgebungen des aufmerksamen Auditoriums für die schönen und trefflichen Ausführungen der Dame wollten fast kein Ende nehmen und es kann dieser Abend als einer der glänzendsten der Toynbee-Halle bezeichnet merdeu. Wien. Der Verein „Esperanza". veranstaltet Samstag, den 19. Jänner im Hotel de France einen Vortragsabend mit anschließender Akademie. Die Programmrede hält Herr Dr. I. S ch a l i t. Zur Akademie haben ihr Mitwirken in liebenswürdigster Weise zugesagt: Don Fuchs (Lieder und Arien), Fräulein Paquie Nachmann und die Herren. Licco Haim und Erich Glas. Wien. Sonntag, den 13. d. M., 4 Uhr nachmittags, findet im Bethause „Monteftore", IL, Taborstraße 38, eine „Hesped" für den jüngst verstorbenen Oberrabbiner Schreiber statt. Igln«. In der am 1. Jänner l. I. abgehaltenen konstituierenden Sitzung der am 23. Dezember 1906 vollzogenen Neuwahl der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde-Vertretung wurde der bisherige Kultus Vorstand mit Stilnmeneinbelligkeit wiedergewahlt, und zwar: Zum Vorsteher: Herr kaiserl. Rat Adolf Lieblich; zum Vorsteher-Stellvertreter: Herr Simon F e l d m a n n; zu Beiräten : die Herren Jonas Heim, Adalbert P o k o r n y, Wilhelm O e st r e i ch e r, Ignaz K o h n. Zu Ausschuß-Mitgliedern wurden teils einstimmig, teils mit überwiegender Majorität gewählt : die Herren Karl Bondi, Josef G r ü n s e l d, kaiserl. Rat Gustav Hel-lmann, Dr. Eduard Kraus. Hermann Pollack, Dr. Rudolf Schwarz, Jakob Sommer,' Karl Stransky, David Suchy, Landesgerichrsrat Albert Lieber, Heinrich Weißen st ein, Max Wurmsohn. Ferner wurden einstimmig, wiedcrgewählt: zu Tempelvorstehern: die Herren Max W u r m s o h n und Heinrich W e i ß e n st e i n; zu Tempelvorsteher-Stellvertretern : die Herren Ignaz K 0 h n und David Suchy. —m— Budapest. Der neue Schulvvrsteher Dr. Wilhelm Grauer bringt nicht nur tüchtige Fachkenntnis mit, sondern bekundet ein ernstes und aufrichtiges Bestreben, den Unterricht in den Schulen der Pester israel. Religionsgemeinde, sowie den Religionsunterricht und den damit verbundenen Jugendgottesdienst inimer mehr zu verbessern und zu erweitern. Ihm zur Seite stehen die Schulstuhlmitglieder und das Rabbinat, sowie der Schulinspektor. An den ersten Sitzungen der Schulstühle nahm auch Dr. Grauer teil, hielt in denselben gehaltvolle Ansprachen und erbat sich deren Unterstützung. Der erste unter seinem Regime erschienene Bericht über das Unterrichtswesen ist soeben ausgegeben worden. Derselbe verdankt der gewandten Feder des Schulinspektors Dr. Bernhard M u n k ü c s i sein Entstehen und enthält das übersichtliche Programm des gesamten Unterrichtswesens der Pester israel. Religionsgemeinde für das Schuljahr 1906/7. Der Raum unseres Blattes gestattet uns nicht ins Detail einzugehen und müffen wir uns daher mit dem Wichtigsten begnügen. Das 140 Seiten umfassende Werk enthält ausführliche, das Lehrerpersonal und den Unterrichtsplan betreffende Angaben und führt zum Schluffe folgende statistische Daten an: Im heurigen Schuljahre erhielten Unterricht in sämmtlichen, in den Wirkungskreis der Religionsgemeinde gehörigen Unterrichtsanstalten 15.388 Knaben, 12.150 Mädchen, zusammen 27.538 (um 281 mehr als im verflossenen Schuljahre). Die Zahl der Unterrichtsstunden beträgt auf dem Gebiete des Unterrichtswesens der Religionsgemeinde 2367; auf dem Gebiete des externen Religionsunterrichtes 220. Zum Schluffe enthält das Buch die Namensliste des Schulstuhles der Religionsgemeinde, welcher außer dem leiteudeu Ausschüße 527 Mitglieder zählt.•;S. Die Uose vsn Saron. Novelle von Babette Fred-Prag. (Fortsetzung.) Endlich mar es ihr gelungen, vor den weisen Lehrer zu gelangen und ihm ihre Bitte vorzutragen. Er, der den Grundsatz ausstellte: das Schweigen ist ein Zaum um die Weisheit, ließ sich in seiner unendlichen Herzensgute herab, zu dem heldenmütigen Mädchen Worte des Trostes und der.Anerkennung zu sprechen. Sein Versprechen, alles aufzubieten, um die Eltern des Mädchens zu vereinen, hatte der Rabbi in Kürze erfüllt, und der tapfere Krieger, der Kampfgenosse Bar Kochbas, wurde wieder, ein zärtlicher Gatte,, ein liebevoller Väter. Im Uebermaße ihres Glückes suchte die Rose von Saron abermals ihren Wohltäter auf, um. ihm ihren Dank für seine Vermittlung auszusprechen. Aber sie war nicht unbeobachtet geblieben; , die Söldner des Kaisers wären' ihr nachgeschlichen, und hatten sie im Kreise der Getreuen, welche zu Füßen Rabbi Äkibas saßen, und seinen Lehren lauschten, mit diesen allen gefangen genommen. So starb das Heldenmädchen zu gleicher Zeit mit dem von ihr so hochverehrten Rabbi Akiba den Märtyrertod. Dies ungefähr war der Inhalt des großen, drei Bände füllenden Romanes. Der Wahlspruch der Verfasserin, daß alles was vom Herzen kömmt, auch zum Herzen gehen müsse, hat sich in diesem Falle betätigt. Dieser Roman hat eine solche Verbreitung ge-- funden, daß binnen verhältnismäßig kurzer Zeit eine zweite Auflage veranstaltet wurde und er ihr Geld und Ehre in Hülle und Fülle eintrug. Dieser Umstand machte es notwendig, wenigstens ihren. Kindern gegenüber, ihr Inkognito abzulegen; denn sie waren über den Ursprung der ergiebigen Geldquelle stutzig geworden. „Mama, meine goldene Herzensmama! wie stolz bin ich darauf, eine solche Mutter zu besitzen," rief Klara ein überdasandere mal, als sie von der stillen, unermüdlichen Arbeit erfuhr, durch welche es Hanna geglückt ist, sich und ihren Kindern eine behagliche Lebensweise und einen kleinen Wohlstand zu verschaffen^ „Wenn das der arme Papa erlebt hätte!" fügte sie wehmütig hinzu. „Ich glaube nicht, daß ich in diesem Falle den Versuch zum Schreiben gemacht hätte. Papa hätte auf andere Weise für unsere Bedürfnisse gesorgt, auch hätte er mich nicht schreiben lassen, aus Furcht, daß ich durch Ueberanstrengung meiner Gesundheit schaden könnte." „Oder Onkel Doktor," fiel. Karl ein, „wenn der das er-- . lebt hätte." „Mein letzter unbestrittener Erfolg hätte ihn sehr gefreut, denn unter uns gesagt, er hatte niemals viel von meinem Talente gehalten, hatte sich viele Mühe gegeben, mich von dieser dornenvollen Laufbahn, wie er es ausdrückte, abzulenken, auf welcher er mir nichts als Enttäuschung in Aussicht stellte. Die gelehrten Herren, uNd wären sie noch so liberal und nachsichtig, kommen den schriftstellernden Frauen immer mit einem gewissen Argwohn und Mißtrauen entgegen. Es mag ihnen schon viel des Stümperhaften, von Frauen geschrieben, unter die Hände gekommen sein, aber gewöhnlich werfen sie uns alle in eine Schale, ohne sich die Mühe zu nehmen, den Weizen von der Spreu zu sondern. So benahm sich auch der gute Onkel mir gegenüber. Doch ließ ich mich durch seine abmahnenden Worte nicht abschrecken, und unter dem Deckmantel eines undurchdringlichen, sorgsam gehüteten Pseudonyms trotzte ich der Gefahr — mich lächerlich zu machen." „ „Wie, der Onkel wußte davon, daß Du geschrieben hast, Mama?" „Ich mußte ihm nach einiger Zeit verraten, daß ich seiner Abmachung ungeachtet, es tat, nachdem er in seiner unendlichen Fürsorge für uns ausgerechnet hatte, daß ich von dem Verdienste, den ich von meinem Zimmervermieten habe, unmöglich einen ganzen Hausstand bestreiten könnte. Er wollte mir daher, wenigstens für die beiden Ferialmonate, wo auch dieser karge Verdienst wegblieb, mit einem Darlehen, wie er es nannte, ich wieder Almosen, aushelfen. Diesen großmütigen Antrag abzulehnen, mußte ich doch einen Grund angeben, und da blieb nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu bekennen." „Und wurde der gute Onkel durch Deinen Erfolg eines -Besseren belehrt?" (Fortsetzung folgt.) Keschästsnotiz. 10.000 Kronen beträgt der Haupttreffer der Großen 50 Heller-Lotterie. Wir machen unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß die Ziehung unwiderruflich am 17. Jänner 1907 stattfindet und empfehlen angelegentlichst, dieses patriotische und humanitäre Unternehmen durch Ankauf eines Loses zum Preise von nur 50 Heller zu unterstützen.