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Die Wahrheit · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Seite 5. Nr. 2 Die Wahrheit. gegeben werden. Als gewählt erscheint Dr. Alfred Stern mit 27 Stimmen. Präsident Dr. Alfred Stern: „Meine sehr geehrten Herren! Ich fühle mich verpflichtet, Ihnen für die Wiederwahl meinen herzlichsten Dank zu sagen. Es ist selbstverständlich, daß ich mich sehr gerne den Aufgaben dieses Ehrenamtes, das ich als höchste Würde, als die höchste Auszeichnung, welche mir zuteil werden konnte, betrachte, wieder unterziehe. Es ist mir zunächst Bedürfnis, Sie, meine Hochverehrten, nunmehr als neugewählter Präsident zu begrüßen, diejenigen Herren, welche bisher dem Vorstande angehörten, die Kollegen, welche durch Wiederwahl wieder berufen wurden, und insbesondere diejenigen Herren, welche neu in den Kultusvorstand eingetreten sind. Unsere Körperschaft hat durch die Wahl der neuen Herren, die eine Fülle von Talent, Wissen und Kenntnissen auf verschiedenen Gebieten mitbringen, eine wesentliche Bereicherung erfahren, und gebe ich mich der Hoffnung hin, daß die neuen Kollegen sich gewiß gerne den vielen und großen Arbeiten unterziehen werden, die unser harren. Es wird unsere und im wesentlichen meine Aufgabe sein, sie zu diesen Arbeiten heranzuziehen, und ich spreche die Bitte aus. daß auch die ueugewählten Herren, dem an sie ergehenden Rufe Folge leisten mögen. Meine Herren! Die Richtung, welche ich im Kultusvorstande und überhaupt in der Gemeinde verfolge, meine Lebensführung, meine Auffassungsweise ist Ihnen bekannt. Ich erkläre, wie ich es schon öfters getan habe,, daß ich der sogenannten konservativen Richtung angehöre, daß ich bei aller Anerkennung alles dessen, was Fortschritt heißt, in einer Herabminderung der Kenntnisse einen Fortschritt nicht zu erblicken vermag. Namentlich eine Kenntnis, die unsere Bibel und ihres Urtextes, welche Kenntnis und Erkenntnis einstmals als ungeheurer Fortschritt der ganzen Menschheit gepriesen wurde, ist es gerade, wodurch wir uns jene Selbständigkeit der Auffassung, des Charakters und der Lebensführung verschafft haben, die uns immer in unserer religiösen Haltung und sonst überhaupt den richtigen Weg zeigt. Wir haben das eben vergangene Jahr mit zwei bedeutsamen Gründungen beschlossen, mit der Gründung der Religionslehrer-Bildungsaustalt und des israel. Pflegerinnen-Jnstitutes. Durch diese Gründungen ist im großen und ganzen die Richtung gekennzeichnet, welche die Tätigkeit des Kultnsvorstandes einzuschlagen hat: Heranbildung und Pflege des religiösen Geistes der Jugend im Sinne der von unseren Vätern überkommenen Traditionen und Uebung der Wohltätigkeit, letztere allerdings in jenem bescheidenen Maße, das den Mitteln der Gemeinde entspricht. Wir müssen es uns zur Aufgabe machen, jene religiöse Duldung, die wir — in höherem ethischen Sinne — für uns in Anspruch nehmen, auch innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft gegenüber den verschiedenen Richtungen in derselben zu betätigen. Wir müssen nach dieser Richtung hin berechtigten Wünschen, welchen wahre religiöse Ueberzeugung zugrunde liegt, Rechnung tragen, andrerseits aber Bestrebungen, welche die Religion nur als Deckmantel benützen, energisch entgenzutreten. Nehmen Sie nochmals meinen herzlichsten Dank für die auf mich gefallene Wahl entgegen." Als I. Vizepräsident wird hierauf Landesschulrat Dr. Gustav Kohn mit 29 von 30 abgegebenen Stimmen gewählt. Derselbe dankt für das ihm durch die Wahl bewiesene Vertrauen und erklärt, daß er in derselben Richtung, die er bisher im Kultusvorstande eingeschlagen, an der Seite des Präsidenten wirken wolle. Bei der Wahl des H. Vizepräsidenten wurden 80 Stimmen abgegeben und erscheint Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt mit 21 Stimmen als gewählt. Vier Stimmzettel waren leer, fünf Stimmen entfielen auf Dr. Felix K a tz a u. ~ Baurat Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t: „Meine Herren! Ich bin Ihnen herzlich dankbar für das Vertrauen, das Sie mir durch die Wahl zum II. Vizepräsidenten bekundet haben. Dieser Dank gilt naturgemäß jenen Herren, welche so gütig waren, mir ihre Stimmen zu geben, und ich verbinde damit den Wunsch und die Hoffnung, daß es mir durch meine Tätigkeit in meinem neuen Wirkungskreise gelingen möge, auch die anderen Herren davon zu überzeugen, daß ich der mir durch die Wahl erwiesenen Ehre nicht unwürdig bin. Wenn ich auf meine bisherige Tätigkeit im Kultusvorstande zurückblicke und einzelne Phasen derselben hervorhebe, so geschieht es nicht deshalb, um mich zu rühmen, sondern zu dem Zwecke, um jenen Herren, welche dieselbe nicht beachtet haben, vielleicht die Ueberzeugung zu verschaffen, daß ich jederzeit die Pflichten meines Amtes ernst genommen habe. An dem Zustandekommen mancher Schöpfungen des Kultusvorstandes habe ich nicht unwesentlichen Anteil genommen. Ich verweise auf das jüngst ins Leben gerufene jüdische Pflegeriunen-Jnstttut, bezüglich dessen ich in Gemeinschaft mit meinem Kollegen Dr. Steiner vor Jahren die Initiative ergriffen habe. Ebenso habe ich. gleichfalls in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Steine r, den Wöchnerinnenverband ins Leben gerufen, welcher heute eine unbestritten erfolgreiche, ausgezeichnet wirkende, gut organisierte Jnstitutivtt geworden ist. Auch in Bezug auf die innere Verwaltung habe ich einiges geleistet. So führte ich z. B. im Jahre 1897 die erste Systemisierung des Kultusgemeinde-Personales durch; ich habe als Erster ein systematisches Budget-Schema in der Form, wie es heute noch vorliegt, aufgestellt; auch in meiner Eigenschaft als Obmann der Friedhofkvmmission habe ich mehrfache organisatorische Verbesserungen eingeführt. In diesem Sinne werde ich auch weiterhin auf Grundlage des Programmes, welches der Herr Präsident dargelegt hat. in Gemeinschaft mit meinen hochverehrten Gönnern und Freunden, Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn, zum Wohle unserer Gemeinde zu wirken bestrebt sein. Ich bitte um Ihr Vertrauen!" Ins Vertreterkollegium wurden gewählt die Herren: Dr. Alfred Berger. Salo Cohn. Dr. Felix K a tz a u, Doktor- Leopold Kohn, Wilhelm K u f f n e r, kais. Rat Bernhard Pollack, Oberfinanzrat Dr. Benjamin RappaPort, Doktor- Maximilian Steiner. Ueber Antrag des kais. Rat Jonas Weil werden die Wahlen in die Kommissionen per Akklamation nach dem Vorschläge des Präsidiums vorgenommen. In der auf die öffentliche Sitzung folgenden vertraulichen Sitzung wurden die Jonas Königswarterffche Stiftung, die M. L. Biedermannsche Waisenstiftung, das Moriz Freiherr von Königswartersche Stipendium für einen Arzt im Spitale der Kultusgemeinde und die ausgeschriebenen Stellen je eines Sekundararztes der chirurgischen und gynäkologischen Abteilung des Spitales nach den Vorschlägen der betreffenden Kuratorien, respektive der Spitalsdirektion, verliehen, und die Gewährung von Subventionen an verschiedene Bethaus- und humanitäre Vereine im Sinne des Vertreterkollegiums nachträglich genehmigt. Weiters werden an Stelle des verstorbenen Dr. Wilhelm Zucker und des in den Vorstand berufenen Dr. Leopold Kohn zu Obmännern der Schiedsgerichte die Herren Notar Dr. Julius B e r m a n n und Dr. Albert Kuh ernannt. Kelhaiis-Uerem »m lX. Heprke. Erweiterung der Autonomie der einzelnen Bezirke, bezirksweise Durchführung der Kultuswahlen, Berücksichtigung der Funktionäre der Vereinstempel bei den Leichenfunktionen in den betreffenden Bezirken, das sind die Wünsche, die jetzt fast in allen Bezirken laut werden und so auch in der am 5. d. M. stattgehabten Generalversammlung des Tempelvereines ,.C h e w r a Beth-Hatfilah" im IX. Bezirke zum Ausdruck gelangten. Im Nachstehenden der Bericht: Der Obmann des Vereines, Herr G. Bettelheim, konstatiert die Beschlußfähigkeit der Versammlung, begrüßt den Delegierten des Kultusvorstandes. Herrn Baurat Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, den Präsidenten des Vereines zur Hebung des Gewerbes in Wien, Herrn S. B r o d, sowie alle Erschienenen. Nach Verlesung und Verifizierung des Protokolles der letzten Generalversammlung vom 3. März 1906 verliest er folgenden Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr: „Sehr geehrte Generalversammlung! Das abgelaufene 40. Vereinsjahr, über welches Ihnen zu berichten wir heute die Ehre haben, unterscheidet sich in nur geringem Maße von dev

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