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Die Wahrheit · 1907-01-04 · Heft 1 (4.1.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1. Seite 9. Die Wahrheit Stimmung. Zum Schlüsse beantrage ich, dem geehrten Vorstande Las vollste Vertrauen auszusprechen. (Elnstimmig angenommen.) Hierauf sprachen Herr Jakob G o l d n e r und Herr Plaschkes zur Rabbinerfrage. Letzterer wegen seiner persönlichen Ausfälle gegen den Präsidenten der Kultusgemeinde vom Vorsitzenden unterbrochen und zur Sache gemahnt, erklärte, daß 2mr die persönliche Abneigung des Präsidenten gegen die Brigittenau die Ursache der Nichterledigung der Rabbinerfrage sei. Diesen Widerstand müsse nun der Vereinsvorstand durch ein möglichst energisches Vorgehen zu überwinden suchen. Kultusvorsteher Adoli Schrämet anerkannte die großen Verdienste des Vorstandes, der ein so herrliches Gotteshaus geschaffen habe und in musterhaft rationeller Weise das Vermögen verwalte. Er bat, von der Auflösung des Vereines Abstand zu nehmen, und versicherte, daß er dem Kultnsvorstande -über die Stimmung und die Wünsche des Bezirkes Bericht erstatten werde. Hoffentlich werde es gelingen, auch in der Rabbinersrage ein alle Teile befriedigendes Abkommen zu finden. Dr. Heinrich Schreiber verglich die Politik des Kultus- .vorstandes mit der Politik der ehemaligen liberalen Partei. Wie diese sich nur auf die City stützen zu müssen glaubte und allmälig den Boden in der Bevölkerung verlor, während der schöne Karl von den äußersten Bezirken aus die ganze Stadt eroberte, so glaube der gegenwärtige Vorstand, nur der Stadt und Leopoldstadt sicher sein zu müssen. Aber der Schwerpunkt des Wiener jüdischen Knltuslebens liege heutzutage nicht mehr in der inneren Stadt sondern in den breiten Massen der jüdischen Bevölkerung der äußeren Bezirke und diese müssen daher seitens des Kultusvorstandes, wenn dieser seine ihm gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben gehörig erfaßt, vollste Berücksichtigung sinden. Wenn dies nicht geschieht, so müsse man mit allen möglichen Mitteln gegen dieses Regime ankämpsen und eventuell auch an die Behörde das Ansuchen stellen, der Kultusgemeinde das Aussichtsrecht zu entziehen, gleichviel ob ein derartiger Schritt irgend einen praktischen Erfolg hätte oder nur als Demonstration aufgefaßt würde.- In lebhaften Farben entwirft hierauf der Redner, der sich zum Programm der bezirksweisen Abgrenzung bekennt, ein Bild der Selbstverwaltung der Brigittenau und findet mit seinen Ausführungen die lebhafteste Zustimmung der Versammlung. Herr Obmann Ellbogen spricht dem Delegirten des Kultusvorstandes den Dank des Vereinsvorstandes aus für die ehrende Anerkennung, welche er dem Brigittenauer Tempel- Vereine zu Teil werden ließ. Hierauf wendet er sich nochmals gegen den Vorschlag einzelner Redner, den Verein, der einen solch einzig dastehenden Aufschwung genommen hat und ein Vermögen von mehr als 130.000 Kronen besitzt, aufzulösen. Er hege die feste Ueberzeugnng, daß der Tempel, der mit dem Gut und Blut der Brigittenauer Iudenschaft erbaut wurde, bald einen Rabbiner erhalten werde. Wenn es notwendig sein sollte, werde er zum Kultusminister gehen, damit dieser ein Machtwort spreche und den Kultusvorstand auf Grund des Gesetzes veranlasse, einem solch großen Bezirke wie die Brigittenau einen Gemeinderabbiner zu gewähren. Zum Schlüsse forderte er die Vereinsmitglieder aus, dem Vorstande wie bisher treu zur Seite zu stehen, besonders aber den Tempelbesuch nicht zu vernachlässigen. Nunmehr schritt man zum'2. Punkte der Tagesordnung, zur Wahl von vier Vorstandsmitgliedern. Herr Obmann-Stellvertreter Dr. Ernst Rosenthal übernahm den Vorsitz und nominirte die Skrutatoreu. Es wurden 132 Stimmen abgegeben von denen Herr Jakob G o l d n e r mit 113, Herr Heinrich W ei n er mit 104, Herr David Spitz mit 95 Stimmen wiedergewählt und Herr Jakob K o h n mit 95, Herr Michael Reiter mit 74 Stimmen neugewählt wurden. Nachdem jedoch statt bloß vier Vorstandsmitgliedern deren fünf mit absoluter Majorität gewählt erscheinen und im Vereiusstatute für einen solch seltenen Fall keine Vorsorge getroffen ist, faßt die Wahlkommission den protokollarischen Beschluß, diesen Wahlakt, der kompetenten Behörde zur Entscheidung vorzulegen und das Resultat hierüber den Mitgliedern bekannt zu geben. Als Vertrauensmann erschien Herr S. Dub mit 34 Stimmen gewählt. verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 4. Jänner d. I., Predigt im Stadttempel. Wien. «Israelitische Kultusgemeinde.) Sonntag, den 6. Jänner d. I.. 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale. I., Seitenstettengasse 4. II. Stock, eine öffentliche Plenar-Sitznng des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde statt. Tagesordnung: Konstituierung des Kultusvorstandes: a) Wahl des Präsidenten, b) Wahl des ersten Vizepräsidenten, c) Wahl des zweiten Vizepräsidenten, d) Wahl von acht Mitgliedern des Bertreterkollegiums. e) Wahl der Mitglieder für die ständigen und für die Spezialkommissionen. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 10. Jänner 1907, präzise \'a8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max G r n n w a l d statt. Thema: „Zum Zentenarium des von Napoleon I. einberufenen großen Synhedrions." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Borträge: An Wochentagen um ' ,8 Uhr gbends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. W o ch e n p r o g r a m in : Freitag, den 4. Jänner: Bibelvortrag. Herr Dr. Arnold Frankfurter. Samstag, den 5. Jänner: „Wilhelm von Humboldt und seine Familie in ihren Beziehungen zum Judentum." Frau Regina Reißer ans Breslau. Sonntag, den 6. Jänner: „Die Auswanderung nach Nordamerika." Schriftsteller Jacques Jäger. Montag, den 7. Jänner: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." (VI.) Prof. Dr. W. Jerusalem. Dienstag, den 8. Jänner: „Erziehnngsstätten für das Vorschulalter." Direktor Mar Fischer. Mittwoch, den 9. Jänner: „Bilder aus der Volkswirtschaft." Herr Leopold S v i tz e r. Donnerstag, den 10. Jänner: Literarischer Abend. „Friedrich Schiller." Schriftsteller Dr. Leo Feld. Freitag, den 11. Jänner: Bibelvortrag. Samstag, den 12. Jänner: Konzert. Wien. Am 29. v. M. fand die 39. ordentliche Generalversammlung des israel. Humanitäts-Vereines für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun“ imFreitischlokale, RestaurantGold ne r, VI.Kollergerngasse 1, statt. Der Präsident, Herr Dr. Karl L öw y, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglider, ferner die Vertreter des „Frauen-Wohltärigkeits- Bereines", die Frauen Frieda Strauß, Fanny Fröhlich, Rosa Hummel, Josefine Engel, Rosa Tag licht, den Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t, Herrn Dr. Jakob Engel, den Präsidenten des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau und Obmann der Bezirkskommission, das Ehrenmitglied Dr. Bloch, und spricht sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß der Kultusvorstand nicht direkt durch eines seiner Mitglieder vertreten sei. Der Kultusvorstand scheine sich für die Entwicklung und die Vorgänge in den Bezirksvereinen gar nicht zu interessieren, obwohl diese doch einen sehr beträchtlichen Teil der Armenpflege besorgen. Nachdem das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung verifiziert worden war, erstattete per Präsident den Jahresbericht, der mit lebhafter Zustimmung ausgenommen wurde. Herr Dr. Engel begrüßte die Versammlung namens der Äultusgemeinde und des Tempelvereines, und erbittet sich vom Präsidenten eine Aufklärung über die Ziele der neugegrüudeten Frauensektion. Herr Dr. L ö w y erklärt, daß die von Herrn Tr. Engel befürchtete Rivalität gegen den Frauenverein ausgeschlossen sei und mit der Bildung der Frauenjektion nur die äußerst notwendige Vermehrung des Mitgliederstandes des Humanitäts-Vereines bezweckt sei. Die Notwendigkeit dieser Vermehrung geht auch aus dem Kassaberichte hervor, den der Kassaverwalter, Herr Hermann König, vortrug. Der Antrag der Revisoren ans Erteilung des Absolutoriums wird einstimmig angenommen und ebenso wird auf Antrag des Herrn Dr. Kahn dem Borstande für seine verdienstvolle Tätigkeit der herzlichste Dank ausgesprochen. Bei den zum Schlüsse der Versammlung vorgenommenen Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Joses B a r t a n, Salomon Lemberger, Dr. Carl L ö w y und Salnuel Weiß sowie die Revisoren Hermann L i e b e r m a it it und Ernst Schüller wiedergewählt. — Im Anschlüße an die Generalversammlung fand ein gemeinsames Abendessen statt, das einen sehr animierten Verlauf nahm. Wien. („I ü d i s ch e r S ch u l v e r e i n für den IX. Bezirk (6. Bereinsjahr) Grüne Torgasse 19 a.") Die Einschreibungen für den regelmäßigen Unterricht sowie für die Vorbereitung zur Lar Mizwah finden an Wochentagen von 10—12 Uhr Vormittags, und von 2—4 Uhr Nachmittags, an Sonntagen von 10—12 Uhr Borinitrags statt. Wien. Am 14. Dezember trat der nengewählte Rabbiner Jakob Hosfmann seine Wirksamkeit im Bethausvereine „Monteliore“ (II.. Taborstraße 38) an. Beim Eintritte in das Gotteshaus, das zahlreiche Ehrengäste vereinigte, wurde der Rabbiner mit einem vom Kantor S a l t e r exekutierten „Boruch haboh" empfangen, und hierauf im Namen des Vorstandes von Herrn Jakob Winter feierlichst begrüßt. Rabbiner Hosfmann dankte für den schönen Empfang und entwickelte in seiner dem Chanukafeste entsprechend auf dem Texte „Moaus zur jeschuossi“ ausgebauten und mit großem Beifalle aufgenommene Antrittsrede die Ausgaben eines Rabbiners im Sinne des konservativen Judentums.— Rabbiner Hosfmann wird von nun ab allsabbatlich um */.,12 Uhr biblische Vorträge (Lchiur) abhalten. Wien. Sonntag, den 6. Jänner, 4 Uhr nachmittags, findet im Bethause, I., Judengasse 12. „Machnke Hadath" eine Trauerfeier (Hesved) für den vor kurzem Heimgegangenen Oberrabbiner Schreiber statt. Wien. Fräulein Stefanie H e i m a n n, Tochter des Chordirigenten Herrn Julius H e i m a n n, hat sich'mit Herrn Karl Schnitzer, in Firma Löwy & Schnitzer, verlobt.

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