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Die Wahrheit · 1907-01-04 · Heft 1 (4.1.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit Seite 7. Des wiedererwachten Interesses für die jüdische Sache. Es ist felbstverständlich, daß mir in unserer Anhänglichkeit und in unserem Vertrauen zum Vorstande der Israelischen Kultus- Gemeinde, der tatsächlich eine Auslese unserer besten Männer ist, in Treue verharren und nach, wie vor unsere Kraft einletzen wollen für die Größe und das Ansehen unserer großen Gemeinde, der wir ja als ein integrierender Bestandteil angeboren, und bitten wir den hier anwesenden Vertreter des Kaltusvorstandes, von diesen Gefühlen in der nächsten Plenarsitzung dem Knltusvorstande Kenntnis zu geben. Sie aber, meine verehrten Milglieder, bitten wir, unserem Vereine auch weiterhin Ihr wohlwollendes, freundliches Interesse zu erhalten." (Lebhafter Beifall.) Zum Jahresberichte ergreift Dr. Carl L ö w y das Wort und erbittet sich vom Präsidenten Ausklärung über das Datum der im Jahresberichte erwähnten Zuschrift des Kultusvorstaudes. Nachdem der Vorsitzende mitgeteilt, daß diese Zuschrift vom April dieses Jahres, datiert sei, dankt Redner vor allem dem Präsidenten und dem Vereiusvorstande für die musterhafte und. -korrekte Gebahrung und will dann in die Erörterung der Frage eingehen, warum bei den letzten Wahlen in den Knltusvorstand der VI. und VII. Bezirk im speziellen und überhaupt die Tempelvereine im allgemeinen nicht die gebührende Berücksichtigung gefunden haben. Nach einer taktvollen Bemerkung des Vorsitzenden, daß er diese Frage aus der Diskussion über den Jahresbericht ansgeschaltet wissen möchte, repliziert Dr. L ö w y, daß diese Erscheinung einen Schluß ziehen lasse aus die Richtung, die in der Knltnsgemeinde herrsche, und wendet sich dann der Besprechung der erwähnten Zuschrift des Knltnsvorstandes zu, dessen Zusagen mit den hierauf folgenden Tatsachen nicht in Einklang zu bringen seien. Die Zuschrift sei im April erftoffen, aber in mehrereil seither eingetretenen Fällen sind die Vereinsfunktionäre wieder übergangen worden. Darin erblicke er eine Mißachtung des Vereines seitens der Knltnsgemeinde, die ersterer sich nicht gefallen lassen dürfe. Die Knltnsgemeinde habe vergesset!, ihr Wort zu halten, und der Bereinsvorstand müsse in einer Form, die keine Ausnahme und keine Deutung znläßt, sich Garantien gegen die Wiederkehr solcher Vorfälle verschaffen. Nach einer durch den Vorsitzenden und den Kultusvorsteher Steiner gegebenen Aufklärung über die gerügten Vorfälle spricht Redner die Erwartung aus, daß die anwesenden Vertreter der Kultnsvorstande über die vorgebrachten Gravemina dem Knltnsgemeinde Bericht erstatten werden und dann eine baldige unzweideutige Regelung dieser Angelegenheit erfolgen werde. Herr Josef B a r k a n erklärt, daß er sich für die Ablehnung seiner Anregung betreffs der Schaffung einer neuen Kategorie von Bereinsförderern damit rächen wolle, daß er dem Vereine neue, wirkliche Mitglieder znsühren und bereits heute solche anmelden werde. Dem Anträge des Vorredners müsse er sich vollkommen anschließen und auch dafür eintreten, daß bei der Zuwendung von Leichenfunktionen keinerlei Protektionswirtschaft geduldet werde. Kaiser!. Rat Friedrich Po llak möchte die Wirkung der durch Herrn Dr. Carl L ö w y vorgebrachten Beschwerden nicht durch eine weitgehende Debatte verpuffen lassen ltub bittet aus diesem Grunde, die Diskussion über diesen Punkt abzuschließen. Hierauf detailliert Redner den vorliegenden Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1906 und kommt zu dem Resultate, daß bei der steigenden Tendenz der Ausgaben es der größten Anstrengungen bedürfe, um das mühsam Erworbene zu erhalten. Um dies zu erreichen, appelliert er an die Freunde und Förderer des Vereines und wünscht, daß sein Appell nicht nur von den Anwesenden, deren Opferwilligkeit ja genügend bekannt sei, sondern auch von den Fernstehenden gehört werde. Zum Schlüsse dankt er seinem alten Freunde, dem Revisor Herrn StoWasser, für seine langjährige Mühewaltung und bittet um Genehmigung des Rechnungsabschlusses. Kultusvorsteher Dr. Hermann Lö w y dankt dem Vorsitzenden für die freundliche Begrüßung der Vertreter der Kultusgemeinde. Es gereiche ihm zu besondererer Ehre, dieser Versammlung beigewohnt zu haben, und er beglückwünsche den Verein zu einem solch ausgezeichneten Präsidenten, aber auch letzteren zu einem solch wackeren Vorstande und solch opferwilligen Mitgliedern. Die Devise dieses Vereines sei der Friede und in dem Frieden liege die Stärke. Die von Herrn Dr. Carl Löwy vorgebrachten Beschwerden werde er dem Knltusvorstande zur Kenntnis bringen und sich dafür einsetzen, daß die Wünsche des Vereines möglichste Berücksichtigung finden. Hierauf erstattet Revisor, Herr L. S t r a s s e r, den Bericht der Revisoren, und beantragt das Absolntorinm, welches einstimmig genehmigt wird. Als Revisoren per 1907 werden nominiert, die Herren: Ignaz Reschovsky und Leopold S l o w a s s e r und als Ersatz-Revisoren die Herren: Dr. Carl L ö w y und Josef B a r k a n. Der Minimal-Mitgliedsbeitrag wird mit X 12 per Jahr festgesetzt. Zum 5. Punkt der Tagesordnung schlägt der Vorstand eine Statutenänderung des Inhaltes vor, daß falls im Laufe des Vereinsjahres ein Vorstandsmitglied ausscheidet, der Vorstand das Recht haben soll, ein Bereinsmitglied in den Vorstand für den Rest des Vereinsjahres zu kooptieren. Nach kurzer Debatte wird diese Statutenänderung mit allen gegen 1 Stimme angenommen. Für die hierauf stattfindenden Neuwahlen kandidieren: der Präsident Dr. I. Engel für sich und für den am Erscheinen verhinderten k. k. Commerzialrat Max Eisenberger, der in einem Schreiben seine neuerliche Kandidatur anmeldet, ferner kais. Rat Friedrich Pollak, dessen Ausführungen mit großem Beifall ausgenommen wurden, und Herr Ernst Schulte r. Sämtliche Kandidaten lverden nahezu einstimmig wiedergewählt. Nach Verkündigung des Wahlresulrates wird die Versammlung miteinem Schlußworte des Präsidenten geschlossen. * Mit einer intimen Feier, an welcher infolge des beschränkten Raumes nur ein kleiner Kreis von Verehrern des verewigten Meisters, der Präsident und Vorstand, sowie der Rabbiner und Oberkantor des Tempelvereines, die Vertreterinnen des Frauenvereines, Delegierte der Humanitätsvereine des Bezirkes, die Witwe Fleischers und dessen beide Mitarbeiter, die Architekten Miedet und Holzapfel, teilnehmen konnten, wurde das im Tempelhofe befindliche „Fleischer-Museum" Sonntag, den 30. Jänner, ^12 Uhr vormittags, eröffnet. Als die Gäste versammelt waren, hielt Herr Sekretär B on dy folgende Ansprache: . „Hochgeehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In tiefer Ergriffenheit und mit hoher Befriedigung begrüße ich den Moment, in welchem der letzte, sehnlichste Wunsch unseres teueren verklärten Führers, Meisters Max Fleischer. Verwirklichung gefunden, das Fleischer-Museum seiner Bestimmung übergeben wird. Ich danke dem löblichen Vorstande des Tempel-Vereines für die pietätvolle Erfüllung dieses Vermächtnisses, ich danke Ihnen, Herr Präsident, daß Sie mich mit der Aufgabe der Einrichtung dieser Sammlung betraut haben. Ihr zu dienen, war mir nicht bloße Pflichterfüllung, sie war mir eine aufrichtige Herzenssache! Nun ist das Werk vollendet, das noch spätesten Geschlechtern Zeugnis geben soll von dem rühmenswerthen unermüdlichen Wirken einer vornehmen Künstlernatur, Zeugnis geben von der berechtigten, allgemeinen Wertschätzung und Verehrung, die ein edler Mensch genossen, ein Monument der Liebe und Dankbarkeit, ihm zum Ruhme, gewiß aber auch unserem Tempel-Vereine zur Ehre! Es sei mir noch gestattet, mit Worten herzlichsten Dankes der hervorragenden Verdienste zu gedenken, die sich mein verehrter Freund, Herr Architekt Johann Miedet und dessen Adlatus Herr Andreas Holzapfel, bei der Gestaltung und Einrichtung dieser Sammlung erworben haben; sie haben damit neuerdings ihre kindliche Pietät gegen ihren großen Lehrer und Meister erwiesen. Und nun bitte ich Sie, die Fleischer-Sammlung in die treue Obhut der Vereines zu übernehmen." Präsident Dr. Jakob Engel übernahm das teuere Vermächtnis des verewigten Führers in die Obhut des Vereines und versicherte, dasselbe im Sinne und Geiste desselben zu bewahren und zu verwalten. Nachdem noch Rabbiner Dr. T a g l i ch t in pietätvollem Gedenken das Wesen und Wirken des ausgezeichneten Künstlers und Menschen Max Fleischer mit treffenden Worten geschildert hatte, erfolgte die Besichtigung der reichhaltigen Sammlung, zu deren einzelnen, besonders bemerkenswerten Objekten Herr Sekretär B o n d y interessante Erläuterungen gab. Israel. Tempelverein Ärigittenan. Unter, erregten und leidenschaftlichen Debatten, die die Stimmung im Bezirke getreu Wiedergaben, ist die Generalversammlung des Tempelvereines in der Brigittenau, die' am 27. Dezember im „Cafö Körner" stattfand, verlaufen. Dieselbe wurde präzise 8 Uhr abends eröffnet und endete erst in vorgerückter Abendstunde. Im Nachstehenden der Bericht: Nach Konstatierung der Beschlußfähigkeit der Versammlung, an welcher 132 Mitglieder teilnahmen, begrüßt der Vorsitzende,

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