Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 1 mit der allergrößten Loyalität vorgebrachten Wünschen bezüglich; Berücksichtigung der Vereinsfunktionäre bei Leichenbegängnissen von Vereins- und Vezirksangehörigen erhob sich diesmal unter Arfftimmung der Versammlung eine energisch vertretene Forderung, die gewissermaßen die charakteristische Note der Generalversammlung bildete und bei dem Ansehen und der Bedeutung des Mariahilfer Tempelvereines die vollste Beachtung und Würdigung seitens des Kulmsvorstandes verdient. Im Nachstehenden der Bericht: Präsident Dr. Jakob Engel eröffnet die 33. ordentliche Generalversammlung, deren statutengemäße Einberufung und Tagung er konstatiert und begrüßt zunächst den Delegierten der Kullnsgemeinde, Herrn Kultusvorsteher Dr. Hermann Lö w y, sowie den Kuliusvorsteher Herrn S. Steiner, indem er beide Herren anläßlich ihrer Neuwahl in den Kultusvorstand beglückwünscht, weiters Herrn Rabbiner Dr. T a g l i ch t, Herrn Oberkantor Dün mann. die Delegierten des Frauenvereines Frau Dr. Engel und Frau Dr. T a g l i ch t, die Vertreter des Vereines „Nachlat Jeschurun“, Herrn Dr. Carl Lö W y und Dr. Land au, und die Vertreter der Presse. Nach Verlesung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung durch den Schriftführer Hermann L i e b e r in a n n erstattet der Präsident Dr. Jakob Engel nachfolgenden Jahresbericht : „Sehr geehrte Versammlung! Es ist für mich ein weihevoller Moment, indem ich durch das Vertrauen meiner verehrten Kollegen an diese Stelle berufen, vor Sie hintrete, um den Bericht des Vorstandes für das abgelaufene Vereinsjahr zu erstatten. Es ist natürlich, daß meine Gedanken vor allem bei dem weilen, der vor mir dieses Amt mit geradezu unvergleichlicher Würde ausgesüllt hat und der alle Eigenschaften besessen, die ihn in hohem Maße zu diesem hohen Amte prädestinierten. Ich habe bei meinem Amtsantritte gelobt, auf den Wegen, welche der edle Verklärte uns seit einer langen Reihe von Jahren vorgezeichnet, und die ich fast durch zwei Dezennien an seiner Seite zu wandeln das Glück hatte, fortzufahren, in seinem Sinne und Geiste mit meinen schwachen Kräften für das Wohl unseres uns allen teuren Vereines zu wirken. So wie ich im abgelaufenen Jahre hiebei die wertvolle Unterstützung meiner lieben Kollegen im Vorstande gesunden habe, so hoffe ich auch auf die Ihre und ich bitte Sie, uns Ihr freundliches Wohlwollen, das. Sie jederzeit unserem Vereine erwiesen haben, auch in der neuen Aera, die ratsächlich die alte ist, zu erhalten, im Interesse des Gemeinwohles und zum Nutzen und Frommen unserer Glaubensgenossen." Nach Mitteilung über den fast unverändert gebliebenen Stand der Mitglieder und eingehender Motivierung der Ablehnung der im Vorjahre von Herrn Joses B a r k a n gegebenen Anregung aus Schaffung einer neuen Kategorie von Vereinsförderern, die nnr etwa die Hälfte des Mitgliedsbeitrages zu zahlen hätten, gedenkt der Bericht der im letzten Jahre Heimgegangenen mit folgenden Worten: „Wir haben leider auch in diesem Jahre vier Mitglieder durch den Tod verloren. Es sind dies: Herr Ferdinand Spitzer, ein langjähriges Mitglied unseres Vereines; Herr Josef L a m b e r g e r, welcher sein reges Interesse für den Verein alljährlich durch eine munisizente Spende dokumentierte; Herr kais. Rat Leop. Trebitsch, der als hervorragender Industrieller nicht minder denn als edelmütiger Wohltäter eine Zierde unseres Vereines gewesen, und endlich ein Mitglied, das seit Bestand unseres Vereines, also seit 32 Jahren dem Mitgliederstande angehörte: Frau Karoline Winkler. Mit diesem Namen wird die Erinnerung an ihren uns unvergeßlichen Gatten, Herrn Michael Winkler, wachgerufen, der an der Wiege unseres Vereines gestanden und bis an sein Ende mit allen Fasern seines Herzens, mit seiner rastlosen Arbeitskraft zum Wohle des Vereines in dessen Vorstande gewirkt hat. Seine warmherzige Teilnahme siir das Gedeihen des Vereines hat sich auch seiner edlen Frau mitgeteilt, und solange sie konnte, war sie eine ständige Besucherin unseres Tempels, dem sie nach ihren letzten Willen eine Legatspende von 200 K hinterlaffen. Wahren das Andenken an unsere teuer» Toten durch Erheben von den Sitzen." Der Bericht konstatiert weiters den Umfang der Geschäftstätigkeit des Vereines, die Zahl der stattgefnndeuen Trauungen und außerordentlichen Gottesdienste, die glänzend verlaufene Mädchenkonfirmation, das außerordentlich günstige Ergebnis der Betsitzverwertung und referiert dgnn über die Spenden. „Die Spenden an Sabbat- und Feiertagen", so heißt es im Berichte, haben ein etwas geringeres Erträgnis als im Vorjahre ergeben, hingegen haben wir auch im abgelausenen Jahre mehrere Legats- Spenden zu verzeichnen: in erster Linie die letztwillige Zuwendung von 500 K durch unseren allzufrüh verstorbenen Präsidenten Max Fleischer für eine Jahrzeit-Stiftung; ferner kam das Legat per 2000 K unseres schon vor einigen Jahren verblichenen Mitgliedes, Philipp Neumann. durch das Entgegenkommen der Herren Joses und Julius Neumann, nunmehr definitiv in unseren Besitz unseres Vereines; weiters eine Jahrzeitwidmung von 300 K der Frau Dr. Lotte H e r z m a n n und die schon ermähnte Legatsspeude der Frau Karoline Winkler per 200 K. Wir folgen einem traditionellen Brauche, wenn wir allen unseren edelmütigen Spendern auch an dieser Stelle unseren tiefgefühltesten Dank für diese Förderung unserer Vereinsinteressen zum Ausdruck bringen. In der letzten Generalversammlung wurde eine Zuschrift des Kultus-Vorstandes zur Verlesung gebracht, in welcher die von uns schon wiederholt urgierte Regelung der Funktionsverhältnisse bei den Leichenbegängnissen für die nächste Zeit zugesagt wurde. Wir freuen uns, Ihnen heute eine Zuschrift der Kultusgemeinde zur Kenntnis bringen zu können, in welcher von Seite der Knltusgemeinde die Berechtigung unserer Funktionäre bei Leichenbegängnissen von Bewohnern der Bezirke Mariahilf und Neubau mitzuwirken, prinzipiell anerkannt wird und diesbezügliche Normen festgesetzt wurden. Der Vorstand hat diesen wichtigen prinzipiellen Beschluß mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und Schritte eingeleitet, damit dieses wichtige Benefizinm auch tatsächlich unseren Funktionären zustatten komme. Wir wollen, wie wir dies bereits getan haben, auch in unserem Jahresberichte dem Vorstande der Kultusgemeinde für dieses Entgegenkommen unseren Dank zum Ausdruck bringen. Durch das Entgegenkommen der verehrlichen Kultusgemeinde ist es uns auch im abgelausenen Jahre möglich geworden, einen der letzten Wünsche unseres verewigten Führers, Max Fleischer, der ihm außerordentlich am Herzen gelegen, zu verwirklichen, nämlich der Errichtung eines Fleischer-Museums in unserem Hause, Hirschengasse 22. Es ist dies eine reichhaltige Sammlung von Aquarellen und sonstigen Darstellungen seiner seit Dezennien geschaffenen Meisterwerke der Baukunst, sowie Erinnerungsgaben persönlicher Natur, Ehrungen und Anerkennungs-Adressen, die ihm im Lause seines dem Wohle der Menschheit und dem öffentlichen Interesse gewidmeten Lebens zugekommen sind, und die in ihrer Gesamtheit ein anschauliches Bild seines arbeitsreichen Lebens bieten. Leider konnten wir der interessanten Sammlung nur einen bescheidenen Raum zuweisen, doch sind wir überzeugt, daß sie auch in diesem Rahmen viele Besucher erhalten wird. Der Vorstand hat die Besuchsstunden dieser Sammlung allsamstäglrch von ^lO—11 Uhr bis auf Weiteres festgesetzt und laden wir unsere verehrten Mitglieder zu diesem Besuche freundlich ein." Der Bericht erwähnt hierauf mehrerer freudiger Anlässe in und außerhalb des Vereines besonders des 60. Geburtstages des ehemaligen Vorstandsmitgliedes kais. Rat Ruzicka, dem an dieser Stelle für all die Liebe und Treue, welche er durch mehr .als 2 Dezennien den Interessen des Vereines widmete, tiefgefühlter Dank ausgedrückt wird. Nachdem noch des Hinscheidens des Vizepräsidenten der Knltusgemeinde kais. Rat Moriz Hirsch und der Gattin des Vereinsmitgliedes Max Fleischner gedacht wird, der aus diesem Anlasse dem Vereine eine munisizente Spende zukpmmen ließ, schließt der Bericht mit folgenden Worten: Verehrte Versammlung! Vor wenigen Wochen haben die heurigen Wahlen in den Kultusvorstand stattgesunden und diente auch dieses Lokal als Wahlort für die 9. Sektion. Diese Wahlen gingen speziell in unserem Bezirke unter einer außerordentlich I lebhaften, noch nie dagewesenen Beteiligung der Bewohner | unserer Bezirke vor sich, und wir begrüßen dies als ein Zeichen