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Die Wahrheit · 1907-01-04 · Heft 1 (4.1.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheu. Lette v. Auch einige Städte der Monarchie wie z. B. Prag und! Preßburg, haben solche Institute ins Leben gerufen. Angesichts solcher Bestrebungen und durchdrungen von der vorhandenen Notwendigkeit, hat sich der Kultusvorstand schon vor Jahren veranlaßt gesehen, der Gründung eines solchen Institutes näher zu treten, ungeachtet der großen ‘ Schwierigkeiten, welche der Ausführung dieser Absicht entgegensteheu, und der großen finanziellen Opfer, welche die Gründung eines solchen Institutes erfordert. Hiebei schwebte dem Vorstande als zu erstrebendes Ziel nicht bloß eine durchgreifende Verbesserung der Pstege im Spitale der Kultusgemeiude und die Heranbildung von in jeder Beziehung geeigneten jüdischen Pstegerinnen für den Privatkrankendienst vor, sondern auch die Schaffung eines neuen, lohnenden Erwerbszweiges für jüdische Frauen und Mädchen. In weiterer Folge sollen dann die herangebildeten Krankenpflegerinnen im Sinne der Distriktskraukeupflege armen jüdischen Kranken zur Wartung im Hanse zugewiesen werden. Referent gibt eine übersichtliche Darstellung der Entwicklung dieser Angelegenheit. In der Plenarsitzung vom 28. September 1898 wurde über Antrag des Herrn Vertreter Baurat Theodor Ritter von G o! d s ch m i d t der Beschluß gefaßt, ein Institut für jüdische Krankenpflegerinnen im Anschlüsse an das Spital der .Kultusgemeinde zu errichten und dasselbe nach der verewigten Kaiserin Elisabeth zu benennen. Die zahlreichen Besprechungen, welche in dieser Angelegenheit im Schoße des Kultusvorstandes stattfandeu, führten zu dem Ergebnisse, daß mit Rücksicht auf vorhandene Schwierigkeiten zu jenem Zeitpunkte an die Aktivierung dieses Institutes nicht geschritten werden könne. Die hauptsächlichste Schwierigkeit bestand darin, daß das Spital der israelitischen Kultusgemeinde damals noch mcht vollständig ausgebaut, j bezw. der im Bau begriffene chirurgisch-gynäkologische Pavillon noch | nicht vollendet war. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich aus dem! Mangel an geeignetem Materiale und schließlich hinderten Gründe j finanzieller Natur das Jnslebentreten des Institutes. Die gej pflogenen Beratungen wurden deshalb unterbrochen und auf einen! späteren Zeitpunkt vertagt. In der Zwischenzeit hat die Frage der Er-! richtung dieses Institutes durch 2 hochherzige Zuwendungen eine! bedeutsame Förderung erfahren. Herr Philipp Frankl widmete dem Zwecke ein Kapital, welches sich derzeit auf ca. K 25.000 beläuft. Des weiteren verfügte Herr Baron Albert Rothschild, daß aus dem für wohltätige Zwecke bestimmten Nachlasse des verewigten Nathaniel Freiherr von R o 1 s ch i l d ein Betrag von L 100.000 für die Errichtung eines Krankenpflegerinnen-? Institutes verwendet werde. Diese Zuwendungen, |owie der in! der Zwischenzeit erfolgte vollständige Ausbau des Spitales,! veranlaßte den Vorstand sich neuerdings mit dieser Frage zu! befassen. In den diesfälligen Besprechungen wurde der Grund-! satz aufgestellt, daß, wenn möglich, die Errichtung und Verwaltung j des Institutes eine eigener Verein und nicht die Kultusgemeinde,! welche durch ihre verschiedenen Humanitären Anstalten, sowie durch! die allgemeine Verwaltung in administrativer Hinsicht ohnehin sehr ■ belastet ist, in die Hand nehmen sollte. Selbstverständlich müßte der; Kultusgemeinde mit Rücksicht daraus, daß die Pflegerinnenschule! im Anschlüsse au das Spital der Kultusgemeinde gedacht ist, ein > Einfluß auf die Verwaltung gewahrt werden, ebenso wie es! selbstverständlich ist, daß auch bei Uebertragung der Gründung j an einen Verein die Kultusgemeinde nicht unbedeutende mate-; vielte Beiträge zu leisten haben würde. Der Humanitätsverein! „Eintracht" (SB’nai Brith) hat sich nun bereit erklärt, die ■ Gründung des Institutes in Angriff zu nehmen, und hat zu! diesem Zwecke ein vortrefflich ausgearbeitetes Expose dem Kultus-; Vorstände vorgelegt.Dieses bildet die Grundlage für die zwischen dem! Kultusvorstande einerseits, den Vertretern des Vereines „Ein- > tracht" (B'nai B^rith) und der Leitung des Spitales anderer-! seits gepflogenen, wiederholten und eingehenden Verhandlungen.! Durch dieselben erfolgte insbesondere auch eine Einigung zwischen ' dem Vereine „Eintracht" und der Spitalsleitung, welch letztere hauptsächlich auf die Heranbildung eines geeigneten Pflege-! personales für das Spital Gewicht legte, während dem Vereine : vor allem die Heranbildung von Privatpflegerinnen als anzustrebendes Ziel vorschwebte. Auf Grund dieser Beratungen, die fast ein ganzes Jahr in Anspruch nahmen, stellt der Referent namens des Vertreterkollegiums seine Anträge, welche im wesentlichen folgendes beinhalten: Das Institut, welches den Namen ..K a i s e r i n Eli s a b et h Institut für jüdische Krankenpflegerinnen" zu führen hat, bezweckt die Heranbildung von Pflegerinnen für den Dienst im Spitale der Kultusgemeinde und zur Privatkrankenpflege. Die Ausbildung der Schülerinnen erfolgt im Spitale der israel. Kultusgemeinde und dauert 1 Jahr. Die Schülerinnen haben sich zu verpflichten, nach Ablauf dieses Lehrjahres weitere 3 Jahre im Verbände des Institutes zu verbleiben, hievon 2 Jahre der Krankenpflege un Spitale der Kultusgemeinde und 1 Jahr der Prwackrankenpflege zu widmen. Während dieses einen Jahres haben die Schülerinnen durch Dienstleistungen in Kinderspitülern rc. ihre Ausbildung zu ergänzen. Die Pflegerinnen erhalten nebst einem mit den Dienstjahreu steigenden Monatsgehaltes, freie Wohnung und Verpflegung im Pflegerinnenheime und erlangen unter gewissen Modalitäten im Falle eintretender Berufsunfähigkeit, beziehungsweise nach Ablauf einer bestimmten Dienstzeit, Anspruch auf eine Pension. Die Errichtung des Institutes erfolgt durch einen vom Vereine „Eintracht" zu diesem Behufezn gründenden Verein, in dessen Vorstand der Vorstand der Kultusgemeinde und die ärztlicheLeitung des Spitales vertreten sein wird. Die Kultusgemeinde leistet für die ersten 3 Jahre die sich auf Grund des anfgestellten approximativen Kostenvorauschlages als erforderlich darstellende Subvention unter Heranziehung der Zinsen der für die Zwecke eines Pflegerinnen-Jnstitutes bei der Kultusgemeinde erliegenden Spenden von ca. X 125.000. Weiters übernimmt die Kultusgemeinde die Ausbildung der Schülerinnen und die sukzessive, dauernde Bestellung von Pflegerinnen für den Wartedienst im Spitale. wodurch das Budget des Spitales allerdings in erheblichem Maße erhöht werden wird. Die Verpflichtungen der Kultusgemeinde beziehen sich auf den Zeitraum von 3 Jahren und wird die Frage der weiteren Subventionierung, sowie iiberhaupt die weitere Stellungnahme der Kultusgemeinde zu dieser Angelegenheit von der Entwicklung des Institutes abhängig sein. Ueber dieser Antrag entwickelt sich eine eingehende Debatte, an welcher sich die Herren kais. Rat Sachs, Prof. E h r m a n n. Baurat von G o l d s ch m i d t, Wilhelm Kufsne r. Oberfinanzrat Dr. Rappaport. Dr. Breuer, Baurat Marmorek. kais. Rat Weil, Salo Landau, der Präsident Dr. Alfred Stern und der Referent Dr. Gustav K o h n beteiligen. Letzterer betonte nochmals die ganz besonders hohen Kosten, welche die Gründung des Institutes der Kultusgemeinde verursachen werden. Im Verlaufe der Debatte wird seitens einzelner Redner insbesondere hervorgehoben, daß es sich bei der Gründung eines Krankenpflegerinnen-Jnstitutes in Wien angesichts der auch noch dermalen bestehenden großen Schwierigkeiten nur um einen allerdings Erfolg versprechenden Versuch handeln könne und daß es hauptsächlich von der Stellungnahme der Wiener jüdischen Bevölkerung abhängeu werde, ob das in so hohem Grade wünschenswerte Ziel erreicht werden wird. Die Anträge des Vertreterkollegiums werden sohin genehmigt. Tempelverein für den VI. und VII. Kezirk In Wien. Die Generalversammlungen des Mariahilfer Tempelvereines. dessen vornehme Leitung, dessen musterhafte Verwaltung, dessen Anspruchslosigkeit an den Gemeindesäckel und dessen Opferwilligkeit für die lokalen Kultusbedürfnisse und die Interessen des gesamten Wiener Judentums seit jeher allgemein bekannt und anerkannt ist, boten auch bei Darlegung des Verhältnisses zur Kultusgemeinde stets ein Bild schönster Harmonie. In der letzten Generalversammlung jedoch, die am 27. Dezember 1906 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Jakob Engel statlfand, wurde die Haltung des Kultusvorstandes gegenüber dem Tempelvereine durch ein Vereinsmitglied, Herrn Dr. Carl L ö w y, einer scharfen Kritik unterzogen und aus "den in den Vorjahren

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