Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ais Wahrheit Redaktion u. Sldmuiisixuioii: Wie», 11/, Novaragasse 27. S'flfVÖuu Nr. der Diiictercl ISSVS Inserate Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 35 Heller. Abonnementsn. Jnjeino»-. betrage sind in Wien zablvar und klagbar. nakhängtge Heiischnft für Mische Intere^err. Erscheint jeden Kr eilag. Ilolio: ,^0a8 Siegel Gottes ist Wahrheit!“ VernKsptsei»: jj iNunjialnig . . . ft 14 _ || Halbjährig ft 7 — ij jj Für Liiltnsbeuittte - ji!> jährig . . ft iv -!! Für ^Iiisliiiii).!>!! '«»„jlährig mtm f ]i iHubei oder i» >yc5. j! Ur 1. Wien, 4. Ianner i«w7 Zuhalt. Das galizische Judentum im Erwachen. - Jüdisches Pflegerinneuheim in Wien. — Tempelvereia für den XVI. und XVII. Bezirk in Wien. - Israelitischer Tempelverein Brigittenau. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Rose von Saron. — Pensionsversicherung der Privatbeamten. An unsere §eser l Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach Nutzen führt, sondern auch im eigenen Lager strenge Wache hält. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelaufenen Jahre an ihrem Programme, das Interesse für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Bevötkerungsschichtenzu wecken, festgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Gemeinde- und Verrinsteben mit matzvoller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Nutzen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Nbonnierung unseres Blattes zu fördern. __Die Weöaktion. Das galhische Judentum im Erwachen. Von Bezirksrabbiner De. M. Rosenmaun, Wien. „Deinen Freund und den Freund Deines Vaters Verlage nicht!" Sprüche. Im Judentum des Ostens siedet und brodelt es gewaltig; heftig stoßen die Geister auf einander, Vereine schießen allenthalben empor und neu entstandene Wochen-, ja Tagesblätter wiederspiegeln die tief in den Volksmassen herrschende Gärung: Der galizischeJnde istausseinemvielhundertjährigen todähnlichen Schlafe endlich e rw a ch t! Dieses Sichbesinnen auf das eigene Schicksal in Galizien mit feinem Produkte der Gegenwartsarbeit, wie diese Bewegung als Seitenstück zum palästinensischen Ideal genannt wird, müßte von jedermann, ob Zionist oder Nicht-! zionist, als Anfang zur Aenderung der dortigen tristen Wirt-! fchaftlichen Lage freudigst begrüßt werden, wenn nicht hie-! bei chimärenha.fte Schlagwörter und Jllu-I sionenmitunterliefen, die dazu angetan sind, | das galizische Judentum ans seiner bisherigen, wohl langsamen, aber steten Entwicklung in den Wirbelwind verderblicher Exper i m e n t e h i n e i n z u st 0 ß e n. Jede Gegenwartsarbeit in Galizien hätte zwei Ziele ins Auge zu fassen: nach i n n e n, den jüdischen Masten bei rigorosester Schonung der religiösen Gefühle den Eintritt in die europäische Kultur, die Voraussetzung zur Selbsthilfe des Individuums, zu erleichtern; nach außen, unter Rückfichinahme auf die realen Faktoren, sowie unter taktischer Ausnützung der überaus günstigen politischen Situation, dem Judentum, oder, besser gesagt, der jüdischen Intelligenz einen Platz am Tische des Landes zu gewinnen. Was aber in Galizien jetzt geschieht, ist das gerade Gegenteil hievon! Die Chimäre einer selbständigen „jüdisch-östlichen Kultur" — im Gegensätze zur allgemeinen westeuropäischen — von einigen Schwärmgeistern ausgebrütet, spukt m vielen Köpfen, und der Jargon, den das Judentum mit einer bösen Fee, G 0! u s genannt, gezeugt hatte, wird derart verhätschelt und gefeiert, derart als „Volkssprache" deklariert, daß man oft klagen hört über die jüdisch-akademische Jugend, die wohl öffentlich den Jargon propagiere, aber unter sich deutsch und polnisch spreche, nnd so gewissermaßen „Wasser predige und Wein trinke!" Wird einerseits durch diese versuchte Petrifizierung des Jargons der Eintritt des galizischen Judentums in die europäische Kultur erschwert, so wird andererseits durch das politische Treiben der Herren von der „Gegenwartsarbeit" die Lage desselben gefahrdrohend verschlimmert. Nichts Geringeres wird beabsichtigt, als das Verhältnis der Juden zu den Polen zu lösen! Die traditionelle Freundschaft der Polen zu den Juden bildete seit jeher einen Aktivposten im Kalkül der jüdischen Politiker, sowohl bezüglich Galiziens, als auch — mit Rücksicht auf das lawinenartige Anwachsen des Antisemitismus in Westösterreich — bezüglich Gesamtösterreichs. Diese Freundschaft hat nicht bloß ihre historische Erhärtung gefunden vom ersten Momente an, da die Pforten Polens sich gastfreundlich den verfolgten Juden öffneten, bis herab zur allerjüngften Gegenwart, da die Notabeln Russisch-Polens den Vorschlag der russi- , scheu Regierung, bei der Errichtung der.Selbstverwaltung in j Russisch-Polen die Anzahl der jüdischen Vertreter perzentuell zu beschränken, zurückwiesen, sowie bis zum Eintreten des. Polenklubs im österreichischen Abgeordnetenhaus für die bedrohte religiöse Institution der S ch e ch i t a h; sie beruht