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Die Wahrheit · 1906-12-28 · Heft 50 (28.12.1906) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 50 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 50. zu kämpfen. Nach Absingung der „Hatikwah" wurde die imposante Feier | geschloffen. Samstag, den 5. Jänner 1907, findet um halb 8 Uhr abends im Bereinslokale, XX., Brigittenanerlände 22, ein hebräischer Vortrag und Sonntag, den 6. Jänner 1907, um 7 Uhr abends, ein deutscher Bortrag statt. Nefereuten und Themen Vorbehalten. Gäste willkommen. Fünfkircheu. In New-Iork ist der von seiner Wiener Wirksamkeit als Oberkanwr der ehemaligen Fünshauser Kultusgemeinde in weiteren kantoralen Kreisen bekannte Kantor Hermann Goldstein gestorben. Der Verblichene war gleich seinem hier als Regenschori wirkenden Bruder Isidor G o l d st e i u ein ausgezeichneter Musiker und hat viele synagogale und profane Kompositionen hiuterlassen. Rakouitz. Ein glänzendes, in allen seinen Teilen gelungenes und den Teilnehmern desselben ewig unvergeßliches Fest war die Feier des am 16. d. M. stattgefundenen 40jährigen Amtsjubiläums des verehrten und beliebten Lehrers und Kanrors unserer Gemeinde, Herrn David K o h n. Alles hatte Festeskleider angetan und es entwickelte sich den ganzen Tag über ein förmlicher Wetteifer m den Ovationen, die man dem Jubilar darbrachte. Schon am Vormittag erschien der Kultusvorsteher mit dem Rabbiner in der Wohnung des Jubilars und geleiteten ihn in das Schullokale, wo die Schüler und Schülerinnen der Volks- und Bürgerschulen, die Studenten der Staats-Oberrealschulc nebst vielen Gästen versammelt waren. Da trat der Volksschüler Franz Brock, die Bürgerschülerin Rosa Popper und der Quintaner Arnold Engel hervor und brachten bei Ueberreickmng von Blumenspenden und Liebesgaben in vorzüglich vorgetrageneu Ansprachen den Dank und die Glückwünsche der gesamten Schuljugend zum Ausdrucke. Tief gerührt dankte dann der Jubilar den Kindern allen, indem er den Wunsch aussprach, daß Gott sie ihren Eltern erhalten möge, damit sie heranwachsen zu würdigen und brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft. Später erschienen Deputationen des Kultusvorstandes. der Beerdigungsbrüderschaft, des Frauenvereines und der gewesenen Schüler beim Jubilar. Im Namen aller hob der Herr Kultusvorsteher Leop. T a u s s i g in seiner warm empfundenen Ansprache die Verdienste des Jubilars während seiner 40jährigen Tätigkeit in der Gemeinde hervor und überreichte mit den herzlichsten Glückwünschen zum Zeichen der Anerkennuug und Verehrung ein Diplom und eine ansehnliche Ehrengabe. Ties bewegt dankte der Gefeierte für die ihm erwiesenen. Ehren, die er aber nicht für sich allein in Anspruch nehme, sondern der Gemeinde, die ihm immer Vertrauen, Liebe und Zuneigung entgegenbrachte, gehöre der Löwenanteil seines heutigen Ehrentages. Den Glanzpunkt der Feier bildete der am Nachmittag in der Synagoge stattgesundene Festgottesdienst, zu welchem eine so große Anzahl von Gästen erschienen war, daß die Räume des Gotteshauses sie nicht zu fasien vermochten Nach einem Einleitnngschorale bestieg der Rabbiner, Herr Dr. Brunne r, die Kanzel und schilderte in schwungvollen Worten das ersprießliche Wirken des Jubilars als Lehrer wie als Kantor, so wie auch seine verdienstvolle Tätigkeit außerhalb der Gemeinde, besonders im lsr. Landeslehrerverein in Böhmen, dessen Mitbegründer und langjähriger Obmann er war. Nach Beendigung dieser äußerst gediegenen Festrede führten der Kultus- und Synagogenvorsteher den Jubilar zum Betpult, wohin sich auch der Bezirkshauptmann Herr Pablasko und der Bezirksschulinspektor Herr V y s ko c 11 begaben. Ein höchst erhebender und äußerst feierlicher Moment war es, als hierauf der Bezirkshauptmann nach einer warmen Ansprache und mit den herzlichsten Segenswünschen dem Jubilar die Ehrenmedaille für 40jährige treue Dienste an die Brust heftete und der Bezirksschulinspektor ihm mit den besten Glückwünschen das Verleihungsdekret überreichte. In wenigen, aber tiefempfundenen Worten dankte daun der Jubilar den beiden Staatsbeamten für ihr persönliches Erscheinen, das ihn geehrt und erfreut hat, und bat zugleich den Bezirkshauptmann, er möge den wärmsten und ergebensten Dank des Jubilars an die Stufen des Allerhöchsten Thrones und an Seine Exzellenz den Statthalter gelangen! lasten. Mit der Absingung der Volkshymne schloß der feierliche Festgottesdienst. Am Abende versammelte ein Festbankett eine große Anzahl der Gemeindemirglieder und ihre Frauen, ferner viele gewesene Schüler und Schülerinnen um den Jubilar, seine Familie und viele seiner Verwandten. Auch bei dieser Gelegenheit wurde dem Gefeierten in zahlreichen Trinksprüchen die Liebe und Wertschätzung seiner Gemeinde kundgegeben. Herr Kultusvorsteher Leopold T a u s s i g pries ihn als Helfer und Ratgeber der jüdischen Witwen und Waisen des ganzen Bezirkes, Herr Fabrikant Julius P e r u tz als tüchtigen Pädagogen und Kantor, der Vorsteher der Chewra Kadischa. Herr Bernard Brock, ließ den Jubilar hochleben als 30jährigen Vorstandsmitglied, als verdienstvollen Schriftführer, als Reorganisator des Vereines, als erstes und bisher einziges Ehrenmitglied desselben und Herr Emil Brock toastierte auf den Geehrten als Sekretär des Frauenvereines und eifrigen Förderer der Interessen desselben. Der Jubilar dankte dann in einer längeren Tischrede dem Kultusvorstande, der Beerdiguugsbrüderschaft, dem Frauenvereiue und dem Komitee der gewesenen Schüler-und allen und jedem der Anwesenden wie Abwesenden für die großen ihm heute erwiesenen Ehren und schloß mit einem Hoch auf seine hochgeschätzte Gemeinde, ihre Männer und Frauen, ihre Greise und Kinder.! Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Jubilar nicht allein von Vereinen, wie vom isr. Landeslehrervereine in Böhmen, vom österr.-ungar. Kantoren-Vereine, von seinen Kollegen, gewefeuen Schülern und Schülerinnen Ehrenkundgebungen und Beglückwünschungen aller Art telegraphisch nnd schriftlich zukamen, sondern er wurde auch von den! andersgläubigen Bewohnern der Stadt, vom'Bürgermeister, von Professoren! und Lehrern, kurz von allen Schichten der Bevölkerung mündlich oder : | schriftlich beglückwünscht. Möge es dem Jubilar gegönnt sein, in'voller geistiger und körperlicher Fxische wie bisher in seinen beiden Berufen zu wirken, getragen von der Achtung und Verehrung seiuer Gemeinde, der Dankbarkeit uud'Liebe seiner zahlreichen Schüler. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Z. 11780 ex 1906 Wien, 24. Dezember 1906. Kundmachung. Bei der auf Grund des Statutes der israelitischen Kultusgemeiude in Wien am 2., 9. und 11. Dezember 1906 stattgehabten Wahlen in den Kultusvorstand wurden nachbenannte Herren gewählt: I. Von der Gesamtheit der Wähler : a) für eine sechsjährige Mandatsdauer: Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichts-Advokat, I., Judenplatz 8 Emanuel HofFmann, Brauhaus-Kassier, XVIII., Karl Ludwigstr. 27 Dr. Gustav Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat, IX., Halmgasse 25 Dr Josef Pollak, k. k. Universitätsprofessor, I. Aunagasse 9 Adolf Schramek, Kaufmann, II., Novaragasse 21 Leopold Simon, k. k. Kommerzialrat, Kaufmann. I., Freisingergasse 1 Dr. Maximilian Steiner. General- Repräsentant von Vers.-Gesellsch., I., Graben 16 Dr. Alfred Stern, em. Hof- und Gerichtsadvokat, II., Uiit. Donaustr. 27. b) für eine vierjährige Mandat sdauer: Leopold Langer, kais. Kat, Bankier, I., Kärntnerring 1; c) für eine zweijährige .Mandat sdauer: Max Frank, Handelsgesellschafter, IX.. Berggasse 19 Dr. Hermann Löwi, prakt. Arzt, II., Novaragasse 20 Samuel Steiner, Bauunternehmer, VII., Burggasse 72. II. Von den höherbesteuerten Mitgliedern: für eine sechsjährige Mandatsdauer: Moritz B. Eissler, Holzhändler, I., Keichsratsstrasse 19 Dr. Leopold Kohn, Hot- und Gerichtsadvokat, I., Gonzagagasse 12 Dr. Arthur Kuranda, Hof- und Gerichtsadvokat, I., Lugeck 3 Bernhard Pollack, kais. Kat. Privatier, I., Keichsratsstrasse 3. Diese Wahlen wurden gemäss § 17, al. 3, der Wahlordnung in der öffentlichen Plenarsitzung am 23. Dezember 1906 vom Vorstande anerkannt. Dr. Theodor Liehen, Der Präsident: Erster Sekretär. Dl*. Alfred Stern. Aufruf! Noch nie war der Ruf nach Hilfe berechtigter als diesmal. Eine ungeheure Armut starrt uns entgegen, wir sollen helfen und können es nicht. Verzweifelte Väter ringen mit der Not, können für ihre Kinder kaum die Nahrung erwerbeu und Obdachlosigkeit droht einzutreten. Nicht schrecklich genug können wir das große Elend schildern, mit dem unser Bezirk, der Bezirk der Enterbten des Glücks, heimgesucht wird. Wer das nicht mitansieht, der hat keinen Begriff von Armut, und mitten in dieser steht unser Verein da, dem Sturme der unzähligen Bittsteller preisgegeben, mit seinen schwachen Kräften soll er die Hungrigen speisen, sie vor Obdachlosigkeit schützen. Dieser großen Aufgabe wäre er nicht gewachsen, wenn nicht edle Wohltäter mithelfen würden, diese heilige Mission zu erfüllen, und aus diesem Grunde wenden wir uns an Euer Hochwohlgeboren mit der ergebenen Bitte, Ihr Scherflein zu diesem guten Zwecke beizutragen, und Sie werden die Befriedigung darin finden, eine große Wohltat ausgeübt zu haben. Für den Vorstand des Brigittenauer israelitischen Unter st ützungs - Vereines: Adolf Schreiber, XX., Klosterneuburgerstraße 19, Obmann. Hermann E l t b o g e n, Obmann des Tempel-Vereines. Joses Wünsch, Armenrat. Spenden können an Herrn Adolf Schreiber, Obmann, eingesendet werden. Die Beträge werden in den jüdischen Blättern veröffentlicht. Keschäftsnoliz. Verlosungsverlust. Im Monat Jänner finden die Ziehungen der Kredit-, Donau-Regulierungs-, II. Boden- und Salzburger Lose sowie! mehrere andere Lose und Obligationen statt, deren Verlosung mit dem kleinsten Treffer, bezw. Nominalbeträge, bedeutende Verluste verursacht. Die Versicherung gegen diese Verluste übernehmen die Zentral-Depositenkasse und Wechselstube des Wiener Bankvereines sowie dessen Filialen in Prag, Graz, Brünn, Aussig an der Elbe, Budapest. Lemberg, Czernowitz,! Bi elitz-Biala, Klagenfurt, Pilsen, Konstantinopel, Karlsbad, Teplitz, die! Exvosituren und Zweiganstalten in den Wiener Bezirken. Näheres im § Inserat" der genannten Wechselstube.

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