Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 50 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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(Mett.-ungar. Laittareit-Zeitung. . Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes zverden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, das Abonnement umgehend zu erneuern und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration. Hanptlrantor A. Friedman«. Zum 2 5 j ä h r i g e n Jubiläum feiner f n lt t o r a (e it 2B i r f i a ni f e i t in Berlin. Obwohl wir der sicheren Ueberzeugnug leben, daß es den Intentionen des geehrten Jubilars, wie jedes besser denkenden Kollegen, keineswegs entspricht, den Merkstein seiner beruflichen 25jährigen Tätigkeit öffentlich ansgerichtet zu sehen, so fühlen wir uns diesmal hiezu umsomehr veranlaßt, indem wir mit der nachfolgenden Skizze keineswegs beabsichtigen, dem Herrn Kollegen Fried mann eine kantorale Rnhmeshalle zu errichten, sondern durch die künstlerische und soziale Würdigung desselben unseren heutigen, sogenannten jungen Ober- und Untertantoren, wie auch den Kantoratseleven einen didaktischen Bildnngsspiegel für ihre eigene kantorale Betätigung zu bieten. Daß wir hiezu gerade den Jnbeltag des Kollegen Friedmann benützen, wird uns der verehrte Jubilar sicherlich nicht übel deuten. Wer selbst vom Schicksale in noch zartem Knabenalter mit harter Faust hinansgeschlendert wurde in das Getriebe des rauschenden Lebens, der dürfte es begreifen, daß der Lebensweg A. Friedmanns von Schaki*) nach Berlin, mit den Etappen Kowno, Wilna und Bntoro**), keineswegs mit Rosen bestreut war, daß es vielmehr galt, tüchtig ansznschreilen und den Widerwärtigkeiten zu begegnen, um dem vorschwebenden Lebensideale stets näher zu kommen. Und wahrlich! ein wirklich seelisch bedeutsamer Impuls mußte es gewesen sein, der dem armen, unter den Meschorerin seines Vaters als Singerl wirkenden Knaben den Wanderstab in die Hand drückte. So kam er nach Kowno und fand dortselbst die Befriedigung, die in feiner Seele — sich selbst unbewußt — keimenden musikalischen und gesanglichen Wünsche msoferne erfüllt zu sehen, als es ihm ermöglicht wurde, bei dem hier schon nach modernem Muster eingerichteten Synagogenchore Kompositionen von Snlzer, Lewandowsky, Naumburg und Weintranb zu hören, ja sogar bei denselben mitznwirken. Allein die künstlerische Sehnsucht des noch jugendlichen Friedmann fand auch hier nicht sattsame Befriedigung, indem die Kindesseele es voraus ahnte, daß es noch etwas Höheres auf dem Gebiete der synagogengesanglichen Knnstbestrebnng als die seiner bisherigen Betätigung geben müsse, und wieder packte er sein Ränzel und zog nach Wilna. Hier, unter der Obhut sogenannter polnischer Meisterkantoren, sowie in der Atmosphäre bedeutsamer Gesang- und Mnsikbestrebnngen lebend, gelangte Friedmann erst recht zum Bewußtsein, daß sein gesamtes, bisher mit so unsagbar großen Opfern gewonnenes Gesang- und Mnsikmaterial eigentlich brüchig und lückenhaft sei; ein unbezwingbarer Drang nach möglichster Vervollkommnung, gewissermaßen ein in seinem Gemütsleben schlummernder Traum von tüchtiger, musikalischer Ausbildung zwang ihn sogar, seine in Bntoro errungene, günstige materielle P.^^on zu verlassen und nach Deutschland zu wandern. So fi^^Wwir ihn im Jahre 1878 als Zögling des Berliner LehEstimnm.^ nach dessen vierjährigem Besuche er zum Religionslehrer graduiert wurde. 1882 wurde Friedmann für das Berliner jüdische Kantorat bestellt und nach kaum zweijähriger Wirksamkeit schon avancierte er zum Hanptkantor dieser großen Gemeinde des Judentums. Doch auch dieser imposante Aufstieg im Amte genügte Friedmann nicht. Behufs weiterer mnsikalischer Ausbildung *) Schaki in Rußland, Geburtsort Friedmanns. **) In Pommern. besuchte er in seinen Mußestunden das Sternsche Konservatorium und im Jahre 1895 die Meisterschnle der königlichen Akademie der Künste, woselbst er sieh tüchtige Kenntnisse in Kontrapunkt und der Vokalkomposition aneignete. Im Jahre 190l veröffentlichte der deutsch-israelitische Gemeindebnnd das seinerzeit auch in diesen Blättern rühmend besprochene kantorale Werk „Schir lischlomo“, dessen Inhalt einen trefflichen Beitrag zur Geschichte des Synagogengesanges liefert und daher auch als Fortbildnngsmittel jüdischer Kantoratseleven in verschiedenen Anstalten bereits Eingang gefunden; auch ein zweites Werk Friedmanns ..Ueber den synagogalen Gesang" fand in Fachkreisen verdiente Anerkennung. Wir vermeinen nun, im Borangeschickten erschöpfend dargetan zu haben, daß der Jriedmannsche Lebensweg von Schaki bis Berlin nicht als gedankenloses Hinwandeln ans von Gönnern geebneten Wegen — wie es ja hie und da Vorkommen soll — vielmehr als ein im S eh weiße harter mit) drangvoller Arbeit errungener Aufstieg zur Höhe anznerkennen sei und auch nach dieser Richtung an dieser Stelle gekennzeichnet werden soll. Da wir nun. wie eingangs erwähnt, entgegen der Absicht unseres verehrten Freundes A. Friedmann ans der Schule gesprochen, so können wir nicht umhin, innere freundschaftlichen Empfindungen für den von uns alleil hochverehrten Kollegen in dem Wunsche anszndrücken, daß es ihm noch lange, lange Jahre gegönnt sein möge, als Zierde des jüdischen Kantorates, als edler, hingebungsvoller Mensch und Wohltäter zu wirken und zu schaffen zu seiner eigenen Genngtnnng, zum Segen seiner so großen Gemeinde und zum Heile der Menschen! Singer, Wien. KONKURS Die israelitische Kultusgemeinde in Piesling sucht für ihre Filial-Gemeinde in Zlabings einen Kanter, der zugleich Schächter und autorisierter Religionslehrer sein muss. Gebait K 1200 nebst freier Wohnung und Emolumenten. Bewerber, die österreichische Staatsbürger sein müssen, wollen ihre Offerte bis 15. Februar 1907 an den Vorstand der isr. Kultusgeraeinde in Piesling richten. Dr. Bix Kultus Vorstand. KONKURS. Beim Synagogen-Yereine „Beth Israel■* nach poinischjüdischem Ritus in Wien gelangt die Stelle eines Tenoristen ab 1. Februar 1907 zur Besetzung. Gehalt K 60 monatlich. Die mit Zeugnissen belegten Gesuche sind an das Sekretariat des obgenannten Vereines. Wien, II., Leopoldsgasse 29, zu senden Oer Vorstand. Eezitativs für Kantoren, dankbar, sowohl alt-traditionelle, als moderne versendet billigst, D. Eibenschütz, Chorleiter. Zuschriften erbeten unter Adresse Heinrich Fischer, Oberkautor, Wien, II., Kleine Stadtgutgasse 12. Aus dem Nachlasse des sei. Kantor 8. Ehre billig zu haben: Schir Hakawod von Jakob Bauer und Isidor Löwit Dudaim von 8. Sulzer, Schir Zion von 8. Sulzer, Mateh Aron von Ad. Grünzweig, Der praktische Vorbeter von Abraham Baer, Hamnazeach von M. Wodak, Musikalische Synagogen-Bibliothek von Jakob L. Weise in Warschau | und noch andere Bücher. Zuschriften an Frau Ehre, II., Scherzergasse 8, Th. 4-!;v.