Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 49 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 49. XX. Bez. ungeheuer gesteigert hatte.. Frau Goldner gab dem Wunsche Ausdruck, es möge die Devise der Präsidentin: „Gott wird uns weiter Helsen" in Erfüllung gehen. Sodann ergriff Frau Kontrollorin Kalh. Kohn das Wort zum Kontroll-Berichte und beleuchtete in trefflicher Weise das Wirken des Vereines in allen Zweigen seiner altruistlschen Tätigkeit. Nun hielt Herr Rabbiner Dr. Grunwald einen überaus geistreichen Bortrag „Ueber die jüdische Frau", dem alle Zuhörer in atemloser Spannung folgten. Mit herzlichen Dankesworten an den Vortragenden schloß die Vorsitzende die festliche Versammlung. Wien. (Kinderbekleidungsfest des „N u d o l f s b u n d".) Zum siebzehntenmale hat dieser strebsame Verein unter der vortrefflichen Leitung seines wackeren Obmannes, Armenrat Josef P o l l a k, die Feier des Bekleidungssestes von 120 Kindern im großen Saale der landwirtschaftlichen Börse am Sonntag, nachmittags 5 Uhr, abgehalten. Lange vor Beginn füllte ein großes, distinguiertes Auditorium die weiten Räume. Bon offiziellen Persönlichkeiten waren mit ihren Damen erschienen: Der Obmann des Ortsschulrates Gemeinderat K l e b i n d e r und Ortsschulrat Dr. Weiß, die Armenräte Otto, H u s s e r l, K l e i n, Mensch, der Bezirksral P ö ch h a ck e r, die Ehrenmitglieder dieses Vereines Hofrat v. B o s s i n s k y, Oberkantor Bauer und Weiß, die Kunst war durch Direktor A m a n vom Carltheater vertreten, ferner die Vereine „Montefiore" durch die Vorstände Weiß und W e i n w u r m, „Selbsthilfe" durch Obmann F e l d b a u e r, „Fürsorge" durch die Herren R o b i t s e k und Sollender unter Führung des Obmannes Herrn Anton Kürth, „Armenvater" durch Herrn Jakob Heller. Der Einzug der Kinder fand unter dem von Herrn Willy L ö w i i am Harmonium trefflich exekutierten Präludium statt, worauf Herr Obmann P o l l a k die Ziele dieses Vereines kennzeichnete, und seine wirksame Ansprache mit einem Hoch auf den Kaiser schloß, in welches das Auditorium begeistert einstimmte. Tiefen Eindruck erzielte ein von I. Löwit komponierter und vom Chorpersonale des isr. sepbardischen Tempels vorzüglich gesungener Festchor, dessen Solo Oberkantor Bauer mit herrlicher Stimme sang, worauf Gemeinderat Klebinder in anerkennenden Worten den „Rndolfsbund" ehrte und auf sein musterziltiges Streben hinwies. Ihm folgte Prof. Nascher, der die Geschichte des Vereines entrollte und die Lichter der Chanuka in Verbindung brachte mit dem Geiste der Humanität, dem Erbstück der Makkabäer. Als er schloß: „Noch ist Judas Licht nicht erloschen", lohnte reicher Beifall den trefflichen Redner. Nach der vorzüglichen Schlußrede des Obmann-Stellvertreters Dr. B r o d y rauschte aus die rührenden Dankesworte zweier Kinder ein herrlicher Choral durch die Räume, und mit der, wie alljährlich, von Herrn und Frau Casätier Krämer beigegestellten Ausspeisung der Kinder war das schöne Fest zu Ende. Wien. Im „Jüdischen M u s e u m" sind neu ausgestellt: Konkurrenzen von Bildhauern um das Freiherrlich von RothschildscheKünstlerstipendium; ferner das Modell des Grabmales für den Oberrabbiner Leopold Löw s. A. in Szegedin, in Alabaster ausgesührt und von seiner Tochter, Frau Fleischer in Wien, dem jüdischen Museum gespendet. Wien. Der im H. Bezirk in den weitesten Kreisen bekannte Lederhäudler Herr Salomon. B a u e r, feiert am 26. d. M. mit seiner Gattin Frau Marie Bauer, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien-Floridsdorf. Sonntag den 16. d. M. hat wie alljährlich die vom hiesigen Frauen-Wohltätigkeits-Berein veranstaltete Chanukafeier stattgefunden. Dieser Verein, der seit langen Jahren unter der bewährten Leitung wohltätiger Damen steht und durch die Unterstützung der zahlreichen Mitglieder in der Lage ist, vielseitig Gutes zu leisten, hat auch in diesem Jahre 44 Kinder vollständig bekleidet. Der Feier wohnten bei der Vorstand der Kultusgemeinde Herr.Edmund Grünwald, Vizepräses Herr Max K r u m a u, Obmann der Chewra-Kadischa Herr G. Dukes, Kultusrat Herr Moriz Schwarz, Ausschuß Dr. Kuß, Dr. Herzl, ferner die Vorstandsdamen Frau Dr. Laura Bloch Wien, Ehrenpräsidentin Frau Henriette G r ü n w a l d, Präsidentin Frau Rabbiner Babette Rosen m a n n, Vizepräsidentin Fran Dr. König. Frau Ernestine Dukes, Frau Gisella Stein, Frau Dr. Kuß. Frau Antonie Blatt, u. v. A. Die Feier wurde durch das Ma-Tauwo-Gebet vom 1. Kantor R o s e n b e r g samt Chor eingeleitet. Nachdem die Chanukalichter angezündet waren, bestieg Herr Bezirks-Rabbiner Dr. R o s e n m a n n die Kanzel und hielt eine der Feier entsprechende Predigt, schilderte die Mildtätigkeit der von echt jüdischem Geiste beseelten Freunde und Förderer, wie die selbstlose Hingebung der Borstandsdamen für den Zweck der guten Sache. Mit einem Gebete für das fernere Gedeihen dieses edlen Vereines schloß der treffliche Redner seine Predigt. Nachdem 3 Mädchen paffende, vom Herrn Religions-Lehrer I. L ö w eingeübte Gedichte vorgetragen, schloß diese solenne Feier mit dem Absingen der Volkshymne. Nach dem Gottesdienste wurden die beteilten Kinder zur Vereinspräsidentin Frau Henriette G r ü n w a l d zu einer Jause geladen. Graz. Der seit über 30 Jahren allgemein beliebte und verehrte Lehrer und Schulleiter der israel. Kultusgemeinde, Herr Anton Ungar, wurde, anläßlich seiner 40 jährigen Lehrtätigkeit, mit der Medaille für 40 jährige treue Dienste ausgezeichnet. Herr Ungar ist ein sehr begabter Pädagoge und ein pflichttreuer Beamter der Gemeinde, weshalb er sich in allen Kreisen besonderer Beliebtheit erfreut. Austerlitz. Für unsere Kultusgemeinde wurde Herr Stern l Schüler Oberkantor Bauer) als Kantor gewählt, und wird derselbe bereits am 1. Jänner sein Amt antreten. Dux. Auf Veranlaffung unseres rührigeu Tempelvorstehers Herrn Moritz Freud, der auch Mitglied der Repräsentanz der israel. Kultusgemeinde Teplitz-Schönau und Obmann des hiesigen jüdischen Volksvereines „Zion" ist, fand am Sonntag, den 9. d. M. in den Saallokalitäten des Stadt-Hotels eine solenne M a.kkab ä er s e i er mit ausgezeichnetem Programm statt. Außer dem Prolog und der sehr gediegenen Festrede, wurden dem zahlreich erschienenen Publikum noch vorzügliche Gesangs¬ und humoristische Vorträge in Fülle geboten, Hiebei zeichneten sich besonders aus: die Herren Opernsänger Flaschner vom Stadttheatcr Teplitz und Ferdinand Heller aus Bilm. Auch die gebotenen Rezitationen wirkten anregend und einige vom hiesigen Tempelchor gesungene zionistische Lieder, wie: „Die Ceder", „die Hoffnung" rc, fanden allgemeinen Beifall. Zionistische Vereinsvertretungen und Gäste waren erschienen aus Teplitz-Schönau, Brünn, Komotau, Karlsbad und Bilm. Diese Feier, die als erste Veranstaltung des hiesigen Vereines, in allen Teilen eine gelungene war, schloß mit einem animierten Tanzkränzchen ab. Sonntag, den 16. d. M. fand jauch zum erstenmale hier) eine erhebende Chanukafe ier im hellerleuchteten Tempel statt. 'Der geräumige Tempel war gut besucht niid man gewann den Eindruck, daß man sich hier denn auch schon für die jüdische Sache zu interessieren beginnt. Nach dem Absingen des matovu von Seite des Tempelchors, hielt Herr Religionslehrer M. Mandl eine feierliche Ansprache an die Schuljugend, welch' letztere sehr hübsche auf das Chanukafest bezughabende Dichtungen abwechselnd zum Vortrag brachte. ■ Die Feier wirkte besonders erhebend und fand allgemeinen Beifall. Nach dem Entzünden der Menora sang der Chor unter wirkungsvoller Assistenz der Bürgerschülerinnen ein deutsches Lied und zuletzt das „moaus zur Jeschuossi" in exakter Weise. Mit dem Maariogebet schloß diese wahrhaft jüdische Veranstaltung, für deren Zustandekommen Herrn M. Mandl ungeteilte Anerkennung zuteil wurde. Budapest. Wie alljährlich, so fanden auch heuer in den jüdischen Gotteshäusern, Humanitätsveremen und Jngendverbänden solenne Channkafeierlichkeiten statt, die mit dem Festgottesdienste am ersten Abend im glänzend beleuchteten Tempel in der Tabakgasse ihren Anfang nahmen. Oberkantor Professor Adolf Lazarus zündete hier das Weihelicht an, zelebrierte den Abendgottesdienst und Rabbiner Dr. Simon H e v e s i hielt eine begeisternde Rede, in der er der unsterblichen Makkabäer-Heldenfamilie gedachte, welche die Grundlage des schönen Festes bilden. Am Chonuka- Sabbat besorgte in eben diesem Gotteshause Oberrabdiner Dr. Samuel Kohn die Kanzelrede. Die Rombach-Synagoge hatte ebenfalls ihre Chanukafeierlichkeiteu. Hier versah Obcrkantor Israel Tkats die kantoralen Funktionen und Rabbiner Dr. Julius Fischer hielt eine formvollendete Kanzelrede. Ferner war im Orthodoxen-Tempel im Orczyschen Hause Festgottesdienst. Oberkanter H a r t m a n n fungierte bei dem liturgischen Teil der Feier, und Oberrabbiner Koppel Reich, einer der besten, vielleicht sogar »der beste Redner der ungarländischen Orthodoxen, hielt einen mehr als einstündigen Kanzelvortrag von geradezu zündender Wirkung. Im Tempel des Budapester Talmud-Vereines besorgte Vereinsrabbiner Michael Herschkovits die Festpredigt. Am Ausgange des Sabbats fand in der Mensa der isr. Hörer an der Budapester Universität eine Chanukafeier statt, bei welcher Rabbiner Dr. Simon H e v e s i die Festrede hielt. Seminarprofessor Dr. Wilhelm Bacher feierte, mit dem Makkabäerbecher in der Hand, die glanzvolle Bedeutung des erhabenen und unvergleichlichen Chanukafestes, worauf Universitätsprofessor Dr. Max Schächter mit glänzender Rednergabe eine Ansprache an die akademischen Bürger richtete. Etwas später arrangierte der zionistische Verein „M a k k a b e a", eine Vereinigung isr. Universitätshörer, im Prachtsaale des Theresienstädter Kasinos eine Chanukafeier. Leiter derselben waren Dr. Armin B o k o r und Musikprofessor Ferdinand Singer. Nach dem Absingen des „Som limkom arözim“ hielt der Präsident der „Makkabea", Böla Weiler, die Eröffnungsrede. . Hierauf folgte ein gelungenes Konzert. Den Glanzpunkt der schönen Feier, welcher gegen 800 Damen und Herren anwohnten, bildete die Festrede des Ofner Öberrabbiners Dr. Arnold K i s s, welche eine volle Stunde dauerte und in ihren zahlreichen glänzenden Kraftstellen das Auditorium geradezu elektrisierte. Erst um 10*/z Uhr konnte Dr. K i s s die Weihelichter zünden. Mit dem Absingen des „H a t i k v o h" endete die wirklich imposante Feier. Die Jugend gab sich sodann dem Tanzvergnügen hin. Auch das isr. Tanbstummeninstitut hatte Samstag, um 5 Uhr nachmittags, seine Chanukafeier. wobei ein Zögling die Ansprache, verständlich für die Anwesenden, an die versammelten Taubstummen richtete. Die Feier war etwas zu früh angesetzt, weshalb nur wenige erschienen sind. Sonntag hatte der ungarisch-israelitische Handwerks- und Ackerbau- Verein seine Chanukafeier, Professor K u t t n a verrichtete dos Minchagebet und zündete die Weihelichter, worauf Rabbiner Dr. Simon H e v e s i die Festrede hielt. Der Vereinspräsident, Hofrat Dr. Armin Neumann, hielt dann eine Ansprache an die anwesenden Damen und Herren, sowie an die Vereinsschützlinge, worauf ein Handwerker im Nomen aller Vereinszöglinge den edlen Gönnern dieses so segensreich wirkenden Vereines dankte. Neun angehende Meister erhielten aus der Markus und Babette P o l l a k- Stistung Unterstützungen in der Gesamthöhe von K 3000, und ein Ziseleur, der es in seiner Kunst schon ziemlich weit gebracht, erhielt aus der Cäcilie Singer- Stiftung K 900. Das Damenkomitee, mit Frau Jakob F ü r st de Maroth an der Spitze, besorgte für die besseren Zöglinge passende und nützliche Geschenke, die bei der Feier zur Verteilung gelangten. Einige Stunden später fand die Chanukafeier im isr. Knabenwaisenhause statt. Hier verrichtete Oberkantor Lazarus das Abendgebet und Rabbiner Dr. Simon H e v e s i besorgte die Festrede. Die Orgel spielte und den Chor dirigierte der Regenschori der Rombach-Synagoge Ferdinand Singer, dessen Komposition „Gott wohnt im Licht" ungemein gefallen hat. Opernsänger D 6 w i sang die Solis und entzückte mit seinem seelenvollen Gesänge die Anwesenden. FD. H. Spitzer.