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Die Wahrheit · 1906-12-21 · Heft 49 (21.12.1906) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 49 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 49. Massen. Das von großer Sachlichkeit zeugende Referat fand ungeteilten Beifall. Redakteur Max Schachert („Nationalzeitung") verliest hierauf den Brief Z a n g w i l l s an die Wiener Territorialisten, dessen Inhalt begeisternden Applaus findet. Die Diskussion eröffnet Herr Richard Rappaport, der in sein pointierter Form drei Begriffe als die Grnndelemente der modernen Jndenfrage festlegt: Gegenwarlsarbeit, biblische Kultur in Palästina, Territorialismus, diese drei Begriffe vereint, sind die wirksamen Imponderabilien der Lösung, der einigen Bejahung der Indenfrage. Redner zollt dem Referenten für seine Ausführungen volles Lob, und sagt: . Jeder Jude muß der ,Jtw sympathisch .gegenüberstehen. Die Leitung liegt in den reinen Händen Zangwills und seitles Rates, denen man sich beugen muß." Dr. Alexander Mintz, der Vizepräsident der „Oesterreichisch-israelitischen Union", begrüßt die Ausführungen des Vorredners, und betont, daß seiner innersten Ueberzeugung nach der unvergeßbare Theodor Herzt, dessen Manen er hier rufen wolle, den heutigen Gegensatz zwischen Zionismus und Territorialismus nicht verstanden hätte, weil er ja in reinster Form — Territorialist war. Seine „Nachfahrer", die wohl das Aeußere, nie aber das „Jnnendenken" dieses seltenen Menschen erfaßt haben, meinen es anders. Nach einer glänzenden Kritik der nationalen Bewegung schließt Redner: „Zaugwill ist ein Mann mit großangelegter Natur, voll ehrlicher Begeisterung, mit uns und für uns zu arbeiten; es ist verbrecherisch, an dieser realen Bewegung mit hohen Idealen zu nörgeln, denn immer neue Wege müssen gefunden werden, um das jüdische Volk aus all der Schmach, aus diesem Elende zu führen." Diese mit Wärme vorgebrachten Ausführungen, noch unterstützt von der vollendeten Form der Rede, machten auf alle tiefen Eindruck. Nachdem die Resolution, welche die Gründung des Zentralverbandes der „Jto" für Wien und Oesterreich beantragt, unter Akklamation angenommeti war, wurden folgende Herren in das Komitee gewählt: Dr. Friedrich Mintz, Dr. Josef Zipser, Dr. Rybaczewsky, Dr. Wilhelm Klein. Ingenieur Löwenbein, Richard Rappaport, M. Schmidt, Weißberger, Zindwer. Es sprachen noch Herr N e b e n z a h l, der als Zionist den Worten des Herrn Rappaport die vollste Bedeutung beimißt und sich denselben anschließt. Die Lösung der sozial-ökonomischen Jndenfrage erblicke er heute im Territorialismus. In gehaltvoller Rede verweist Redakteur Kraus z aus einen großen Fehler des Zionismus, der die Bedeutung der orthodox-religiösen Elemente ganz verkannt habe, und begrüßt es mit Freude, daß Zangwill sich der weisen Erkenntnis nicht verschließe, daß es gerade jene sind, die den nationalen Gedanken bisnun gehütet haben. Unter lebhaftem Applaus beantragt Redner, das Komitee durch die Delegierten der orthodoxen Gruppen zu erweitern. Um 1 Uhr nachts schloß der Vorsitzende die Versammlung, ohne, infolge der vorgerückten Stunde, dem Referenten das Schlußwort erteilen zu können. Es war eine ernste, würdige Beratung, eine imposante Versammlung. Unter den Anwesenden waren die Mitglieder der „Theologia", der Präsident des Vereines ..Erez Israel", Herr Wolfshaut, die Vertreter verschiedener Korporationen. Ihr Fernbleiben hatten schriftlich entschuldigt: Gemeinderat Dr. Oskar Hein, dem es infolge der wichtigen Gemeinderats-Sitzung unmöglich war, zu erscheinen, der gleichzeitig seine vollste Sympathie und Zustimmung ausspricht. Kais. Rat Wilhelm Pollak entschuldigt sein Fernbleiben mit einer unaufschiebbaren Angelegenheit. Sekretär Fleischer, der..Oesterreichisch-israelitischen Union", ließ sich mündlich entschuldigen. Das Komitee sandte an Zangwill eine Begrüßungsdepesche. Adete Krody-Kinderspital. Budapest, im Dezember 1906. In der Schwesterresidenz, in dem einst so gemütlichen. Wien, ließ ein edler hochherziger Mann aus eigenen Mitteln, ein Waisenhaus erbauen, mib trotzdem, oder aber weil er eben Jude gewesen, übergab er dasselbe der Stadtgemeinde mit der humanen Weisung, daß in diesem Waiseuhause verwaiste Kinder ohne Unterschied der Konfession ausgenommen und erzogen. werden sollen. Das wäre nun soweit auch vollkommen in Ordnung, da der großmütige jüdische Stifter nicht ahnen konnte, daß das von jüdischem Gelde erbaute und erhaltene Waisenhaus durch das Regime L u e g e r's j u d e n r e i n werden wird. Und auch das hatte eine gute Seite, die Juden haben daraus die Lehre geschöpft, daß man derartige Stiftungen nur solchen Händen anvertrauen soll, die streng gewissenhaft den Willen des Stifters vollziehen werden. So war dies auch bei dem am 6. Jänner d. I. dahiügeschiedenen Magnatenhausmitgliede Sigmund B r o d y der Fall. Der edelherzige Mann stellte der Pester isr. Religionsgemeinde den namhaften Betrag von 560.000 Kronen zur Bergung mit der Bestimmung, daß dafür ein zum Andenken an seine unvergeßliche Gattin Adele B r d y geb. S t e r n, welche am 13. Jänner 1893 von hinnen geschieden ist, ein'Kinderspital erbaut werde, das für immerwährende Zeiten den Namen ..A d e l e B r o d y - K i n d e r s p i t a l" zu tragen habe. In demselben sollen — trotzdem es Eigentum der Jsraelitengemeinde bleibt und von derselben geleitet und erhalten wird — kranke Kinder ohne Unterschied der Konfession ausgenommen und gepflegt werden. Wir registriren mit Genugtuung, daß die Haupt- und Residenzstadt Budapest die Gründung dieses Spitals in munifizenter Weise unterstützt, indem sie zu diesem Zwecke den hiezu nötigen Grund im Ausmaße von 3200 Quadratklaftern und außerdem zur Erhaltung des Spitals eine Jahressnbveution von zehntausend Kronen votierte. Vor uns liegt der von der Pester Großgemeinde herausgegebene und vom dirigierenden Oberarzte Dr. Julius Groß in fachtüchtiger Weise meisterlich verfaßte Jahresbericht des ..Adele B ro d y - Ki n d e rs p i t a l s" für das Verwaltungsjahr 1905, welcher nicht weniger als 54 Quartseiten füllt, und mit dem wohlgetroffenen Kontrefei des verewigten Stifters geschmückt ist. Der Bericht beginnt mit den Trauerkundgebungen für den unsterblichen Sigmund B r o d y. Namens der Spitals- Kommission, gedachte der Präsident derselben Leopold Keppich in warmen Worten des Heimganges des edlen Stifters, worauf Direktor Dr. Julius Groß einen gedenkreichen Nachruf dem freisinnigen Menschenfreunde widmete, welcher letztwillig weitere 360.000 Kronen dem Spitale hinterlassen hat, so daß sich seine humane Stiftung nunmehr auf e i n e M i l l i o n K r o n e n beläuft.. Fragen wir nun: wie wird die Pester isr. Religionsgemeinde den Intentionen des Stifters gerecht? So antworten wir mit den in der Einleitung, demnach am. Beginne des Berichtes befindlichen Daten, wonach im Kinderspital vom 1. Jänner bis zum 31. Dezember 1905 im 9. Jahre des segensvollen Wirkens dieser erstrangigen Heilanstalt 17.608 Kinder ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben. Darunter waren 15.219 hiesige und 2389 aus der Provinz hieher gebrachte Kinder. Der Konfession nach gab es 5348 Israeliten (30%) und 12.260 Christen (70%). @o gehen die vielgeschmähten Juden vor! . . Das Aerztepersonal des Kinderspitals'besteht aus 3 Oberärzten, darunter sind 2 Universitätsdozenten, aus 3 ordinierenden Aerzten, darunter ist ein Universitätsdozent, einem Prosektor, einem Unterarzt und 6 Hilfsärzten, darunter eine Aerztin. Das Spital hat 117 Betten, von welchen jedoch blos 91 belegt waren. Zahlende Kranke gab es 570 (362 Israeliten und 309 Christen). In den Separatzimmer wurden 135 Kranke ausgenommen, darunter'waren 101 Zahlende (82 Israeliten und 19 Christen). Gratis verpflegt wurden 34 (20 Israeliten und 14 Christen). Aufnahme fanden Kinder unter einem Jahre bis zu. anafisaHSKmm

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