Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 48 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite-8. .. .. . .Die. Wahrheit Nr. 47. belohnte den Vortragenden für seine glänzenden Ausführungen und kann der Verein zur Hebung' der Gewerbe .stolz darauf sein, Herrn Jaques Jäger für seinen Vorstand gewonnen zu haben. Indem der Vorsitzende, Herr Vize-Präsident Leopold Guttmann Herrn Jaques Jäger den Dank des Vorstandes und aller Anwesenden znm Ausdrucke brachte, schloß er die äußerst interessante Versammlung. Wien. Der Theologische Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien veranstaltet Dienstag, den 18. Dezember l. I., im großen Festsaale des Hotel „Zentral" (II., Taborstraße 8) seine diesjährige Chanukafeier. Ihre gefällige Mitwirkung haben zugesagt u. A.: Herr Oberkantor Bela. Guttmann, Herr I. Kantor Mathyasz Mathyasz, Herr Dr. Leo Asche r, Komponist, Herr S. Z i m b l e r, Konzertmeister. Wien. (Ch a n u k a f e i e r.) Die Talmud-Thora-Vereine-Volksschule (II., Malzgasse 16) II., Zwerggasse 4, begeht ihre diesjährige Chanukafeier am 16. Dezember, um 4 Uhr nachmittags, wegen des Neubaues ihrer Schule im Bethause, II., F u g b a ch g a s s e 7, 1. Stock. Freunde, Gönner und Förderer dieser von echt jüdischem Geiste beseelten Unterrichtsanstalt werden auf diesem Wege um recht zahlreiches Erscheinen gebeten, da besondere Einladungen nicht ausgesandt wurden. Wien. (Leopold st ädter Bethaus verein „Montef i o r e".) Die feierliche Installation unseres neugewählten Rabbiners, Herrn Jakob Hoffmann, findet am 14. Dezember l. I., 4 Uhr nachmittags, in unserem Bethause, II., Taborstraße Nr. 38, statt. Die Antrittsrede wird Herr Rabbtner Hoffmann am 15. Dezember l. I., 10 Uhr vormittags (Scbabbos Cbanuka) abhalten. Wien. (Kurfreiplätze und Kurbeiträge für Arme!) Der unter dem Protektorate Sr. Ehrw. Herrn Lektor M. Friedmann stehende „Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger" mit dem Sitze in Wien, 2. Bezirk, Josefinengasie 7, appellirt in Anbetracht der immer steigenden Anforderungen der 'armen Kranken an die Humanität und bittet durch zahlreichen Beitritt sein Wirken zu fördern. Der genannte Verein, dessen Aufgabe es ist, armen Kurbedürftigen Freiplätze in Kurorten zu verschaffen oder Kurbeiträge zu gewähren, hat im Jahre 1906, dem zweiten Jahre seines Bestandes, verhältnismäßig viel geleistet. So wurde einer Anzahl von armen Kranken Kurfreiplätze in Karlsbad verschafft und vielen Kurbeiträge bewilligt. Leider reichen die Mittel des Vereines nicht aus, um allen an denselben gestellten Anforderungen zu entsprechen. Es konnten die Gesuche einer größeren Anzahl von würdigen und armen Kurbedürftigcn nicht erledigt werden. Der Vereinsvorstand sieht sich daher genötigt, an alle Menschenfreunde die innigste Bitte zu richten, durch Spenden, Legate und Beitritt die humanitären Tendenzen des Vereines zu fördern. Beitrittserklärungen und Spenden wolle man an den Verein Wien, 2. Bezirk, Josefinengaffe Nr. 7 oder an Postsparkaffen-Konto Nr. 84 270 richten. Wie«. Samstag den 8. d. M. veranstaltete der „Neue Freundschaftsbund" im Ballsaale des Bayrischen Hofes ein Kinderbekleidungsfest. Dieser Verein, der seit Jahren unter der bewährten Leitung des in weiteren Kreisen sehr geschätzten Obmannes, Herrn Julius W o t i z, steht, der von den Vorstandsmitgliedern Herren Julius Neuhauser, Julius Weiß, Karl Karpel, Neuhaus, Steiner, Emil Lustig und Scho or kräftigst unterstützt wird, hat heuer 55 jüdische Schulkinder, Mädchen und Knaben mit sehr hübschen und dauerhaften Kleidern vollständig equipiert. Nach der Kinderbekleidung fand ein von einem zahlreichen distinguirten Publikum besuchter Vortragsabend statt, wobei besonders die Familie Neuhauser durch Inszenierung und Aufführung des Schwankes „Der liebe Onkel" sich als eine wahre Künstlerfamilie präsentierte. Auch durch die Aufführung des Balletreigens durch 14 Mädchen, den Herr Neuhauser mit den Kindern einstudiert hatte, wurde allen Anwesenden ein wahrhafter Genuß bereitet. Auch die Ballett-Evolutionen, einstudiert und arrangiert durch Tanzlehrer Herrn Max Hauser, fanden lebhaften Beifall. Der zweite Teil des Abends galt dem Tanze bei den Klängen einer Musikkapelle. Wieu-Floridsdorf. Samstag, den 16. d. M., nachmittags Va4 Uhr, findet im Tempel der isr. Kultusgemeinde, Schindlergasse 4, ein Chanuka-Festgottesdienst statt. Die Festpredigt wird Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann abhalten. Nach dem Gottesdienste werden sämtliche armen Kinder seitens des Frauen-Wohltätigkeitsvereines . mit Winterkleidern beschenkt. Ne««kirchen. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr I. L e w i t i n (Schüler des Oberkantor Bauer), welcher an den vergangenen hohen Feiertagen großen Beifall mit seinen Vorträgen hatte, als Kantor gewählt und hat derselbe sein Amt bereits angetreten. Bielitz. (Israel. H a n d w e r k e r v e r e i n.) Gestern nachmittags fand im Festsaale der Kultusgemeinde unter zahlreicher Beteiligung auch aus den Kreisen der Nichtmitglieder die Generalversammlung des israel. Handwerkervereines verbunden mit der Beschenkung von zwanzig armen Lehrlingen mit Schuhen und warmer Winterkleidung statt. Eröffnet wurde die Feier mit einer herzlichen Ansprache des Vereinsobmannes, Herrn K e st e l, an die zu beteilenden Lehrlinge, in der er dieselben in warmen, väterlich liebevollen Worten zur Dankbarkeit gegen ihre Wohltäter, zu Fleiß und Gehorsam gegen ihre Lehrherren sowie zu wahrer und inniger Gottesfurcht ermahnte. Die Ansprache machte nicht nur auf die Lehrlinge, in deren Namen einer, namens Feiler, dem Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung für den Vorstand, besonders für Herrn Kestel, schlicht und einfach Ausdruck gab, sondern auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Der Vorsitzende begrüßt hierauf die Erschienenen, besonders Herrn Oberrabbiner Steiner, Kultusvorstand P o l l a k, und gedenkt dann in warmen Worten der im Laufe des vergangenen Bereinsjahres verstorbenen Mitglieder, der Herren Baurat Korn, Dr. Reich, Kraus, Guttmann, Löwy, Brandstetter und der Frau Dub, deren Andenkerr - von den Versammelten durch Erheben von den Sitzen geehrt wird/ Ausdem hierauf von Herrn Kestel zum Vortrage gebrachten Rechenschaftsberichte ist folgendes zu entnehmen: Die Zahl der Mitglieder beträgt 155, von denen 30 auf Biala entfallen. Zwanzig, den verschiedensten Gewerben angehörige Lehrlinge genießen die Fürsorge des Vereines. Die Einnahmen betrugen 969 K 95 h, die Ausgaben 903 K 45 h, so daß' das Ge» bahrungsjahr mit einem Saldovortrag von 66 K: 50 b abschließt. Die Bekleidung und Beschuhung der Lehrlinge erforderte einen Betrag von 450 K 85 h. Im Anschlüsse tut dssn beifällig aufgenommenen Jahresbericht ergreift Herr Kultusvorstand P o l I a I das Wort. Er verweist darauf, daß die große Zahl der Erschienenen das Interesse dartue, welches man allenthalben dem Handwerkervereine entgegenbringe. Er würdigt das stille, anspruchslose Wirken sowie die segensreiche'Tätigkeit des Vereines, der mit dem heurigen Jahre auf einen 25jährigen, nur dem Wohle und Fürsorge für die armen Lehrlinge gewidmeten Bestand zurückblicken könne. Wenn der Verein mit den ihm zu Gebote stehenden, verhältnismäßig geringen Mitteln seine Aufgabe in so glänzender Weise lösen könne, so sei dies wohl in erster Linie der ruhigen zielbewußten Arbeit des Vorstandes, besonders aber des Herrn Kestel zu danken. Er dankt diesem namens der ganzen Kultusgemeinde für seine Tätigkeit und wünscht, daß dieser dem Vereine noch viele Jahre erhalten bleibe. Der starke Beifall, der diesen Worten folgte, bewies, daß Herr P o l l a k.nur. den Gedanken aller An- 'wefinden treffend Ausdruck verliehen habe. Da sich niemand mehr zum Worte meldete, nahm Herr R o s e n b a u m die Verteilung der Geschenke vor. Dieselben bestanden, je nach Bedarf, für den einen in einer kompletten Winterbekleidung, für den andern in einzelnen Kleidungsstücken, für die meisten nebstbei in einem Paar fester, dauerhafter Schuhe. Das freudig .leuchtende Antlitz jedes einzelnen, das kurze,' aber aufrichtig gemeinte „Danke" ist wohl für den Verein Lohnes genug, ein Lohn, der sich zwar nicht in klingende Münze umsetzen läßt, wohl aber das Herz des Gebers mit dem Gefühle edler Befriedigung über eine gute Tat erfüllt. Wir können nur wünschen, daß der Verein überall die kräftigste Unterstützung und Förderung seiner segensreichen Tätigkeit erfahren möge. Hamburg, den 5. Dezember 1906. (H a m b u r g - A m e r i k a- Linie.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach New York: Die Postdampfer: Pennsylvania 8./12., Amerika 13./12., Batavia 22./12., Pretoria 29./12., Bösnia 5./1. 1907, Kaiserin Auguste Victoria 8./1. 1907, ' Blücher 12./1. 1907, Schnellpostdampfer Deutschland 17./1. 1907, die Pvstdampfer: Patricia 19./1. 1907, Amerika 26./1.1907, Graf Waldersee 2./2.1907. Nach.Boston: Die Postdampfer: Badenia 12./12.. Bethania 24./12. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Badenia 12./12., Bethania 24./12. Nach Philadelphia: Die Postdampfer: Armenia 15./12., Acilia 24./12- Nach Westindien: Die Postdampfer: Galicia 8./12., Mecklenburg 12./12., Calabria 16./12., Sicilia 24./12., Schwarzburg 27./12. Nach Mexico: Die Postdampfer: Fürst Bismarck 14./12., St. Thomas 18./12., Dania 29./12. Nach Ostasien: Die Postdampfer: Hellas 10./12., Slavonia 20./12., Scandia 20./12., Brasilia 30./12. Nach Wladiwostok: Postdampfer Suevia 20./12. Arabisch-Persischer Dienst: Die Postdampfer: Assyria 17./12., Savoch17^/1^1907^^^^___ Feuilleton. Pie Wose von Saron. Novelle von Babette Fred-Prag. (Fortsetzung.) Ihr Leben, oder eigentlich ihre Beschäftigung zerfiel in drei Teile. Den Vormittag bis ungefähr 2 Uhr mittags verbrachte sie mit ihren Einkäufen zur Hauswirtschaft, und für die ziemlich komplizirte Küche, ihre Zimmerherren gleichzeitig bei ihr zu Kost waren. Dann auch widmete sie sich der Erziehung ihrer Kinder. Während der Zeit aber, wo dieselben in der Schule, auf einem Spaziergange waren, oder nachdem sie zu Bette gegangen waren, da begann das eigentliche Tagewerk der einsamen Frau. Da setzte sie sich an ihren Schreibtisch und die Feder flog über das Papier dahin, um die Gedankenfülle, welche in ihrem Kopf entstanden war, festzuhalten. So entstanden in immer kürzeren Pausen die mannigfachsten Erzählungen, die sie dann an verschiedene belletristische Journale schickte. Am Anfänge, als sie sich zum Schreiben entschlossen hatte, wußte sie nicht, woran sich zu wagen, welches Thema zu behandeln. Da aber traten all ihre traurigen Schicksale und Erlebnisse vor ihr geistiges Auge und riefen ihr'ermutigend zu: „Was sinnst Du so lange? Mich wähle, mich! Bin ich nicht interessant, biu ich nicht tragisch genug? Mich schildere der nackten Wahrheit gemäß, und Du hast eine interessante, Aussehen erregende Skizze fertig." „Nein, mich verewige auf dem Papiere!“ rief ihr ein anderes Erlebnis zu, „ich bin ja noch interessanter, noch merkwürdiger. Mich wähle zu Deinem ersten Versuche, ich bürge Dir für einen vollen Erfolg!"