Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 48 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3063316-3063364--04597-3071451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Wahrheit Seite 7. Nr. 48. die Angaben seiner Zeitgenossen über sein Aussehen, die wohl auf einen Juden passen können. Wie Fedele, auf noch andere Beweismittel gestützt, annimmt, war Gregor der Sohn Bertas, einer Tante Anaklets, die einen vornehmen Römer geheiratet hatte, also dessen Geschwisterkind. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 14. Dezember d. I., Predigt im Stadtnnd Leopoldstädter Tempel und Samstag, den 15. d. M. beim Morgengottesdienst im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Spe u d e n f ü r d i e O p f e r d e r I u d e n m a s s a k r e s in R u ß l a n d.) Die „I s r a e l i t i s ch e A ll i a nz zu W i en" erhielt weiters folgende Spenden: Wien: Moriz Edler v. K u f f n e r K 1000, Josef Berger K 10, Clara Guth K 10, Heinrich L. K 6, Josef Ptikil X 6, Älexandrine Kies K 5, Anonym K 2. Leipnik: Ingenieur S. Berger K 10. Nasice: Rabbiner Sam. Winter (Sammlungsergebnis) X 13290. Oswietiman: Wilhelm Haas Söhne K 10. Hiezu die bereits ausgewiesenen K 37.96163, zusammen bis inklusive 12. Dezember K 39.147 53. Weitere Spenden werden erbeten und gegen Bestätigung dankend entgegengenommen im Bureau der „Israel. Allianz", I., Weihburggasse 10, oder per Postsparkassenkonto Nr. 8152. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um \',8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. Anmeldungen von Vortrügen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann, Herrn Dr. I. Samuel y, I., Fischerstiege 6, adressieren. W o ch e n p r o g r a m m: Freitag, den 14. Dezember: Bibelvortrag- Herr Religionslehrer Leop. Weiß. Samstag, den 15. Dezember: Konzerte Sonntag, den 16. Dezember: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach. (Thema Vorbehalten.) Montag, den 17. Dezember: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens". Herr Prof. Dr. W. Jerusalem. Dienstag, den 18. Dezember: „Gerechtigkeit und Recht." Herr Dr. Oberländer. Mittwoch, den 19. Dezember: „Das Unbewußte im Alltagsleben." Herr Dr. E. S a d g e r. Donnerstag, den 20. Dezember: Romanfragmente : „Die Streber." Herr Schriftsteller Dr. H. Keller. Freitag, den 21. Dezember : Bibelvortrag. — Immer größer wird der Zuspruch, dessen sich diese Stätte der Erholung und Belehrung für die arme jüdische Bevölkerung erfreut. Gar häufig muß der Vortragssaal lange vor Beginn geschlossen werden, um den Andrang der Besucher abzuwehren. Bildet ja auch für manchen Lernbegierigen der in der Pause verabreichte Gratis-Tee das alleinige Abendessen! Es wächst aber auch mit jeder Woche die Zahl jener edlen Männer der Wiffenschaft und der Kunst, die sich und ihr Können gerne in den Dienst dieser ethisch-humanitären Institution stellen. — Allwöchentlich ist ein Vortragsabend der jüdischen Geschichte und der Freitag der Bibel gewidmet. In der abgelaufenen Woche fand Herr Rabbiner Dr. R o s e n m a n n des XXI. Bezirkes eine dankbare Zuhörerschaft, als er über „Moses Chaim Luzzato" sprach und einige seiner Dichtungen vortrug. Das Samstag-Konzert hatte Herr Professor S. S t o r ch mit feinem Kunstverständnis arrangiert. Seine Vorträge am Harmonium, ein Trio für Klavier, Violine und Harmonium, im Vereine mit Schülern seiner Anstalt und deren Einzelproduktionen fanden lebhaftesten Beifall. Das Mitglied der k. k. Hofoper. Herr Michael Striks, sang mit seiner vortrefflichen, reizvollen Tenorstimme Opernarien und Lieder mit großer Künstlerschaft und mußte sich immer wieder zu Zugaben bequemen. Allen Edeldenkenden, Besitzenden sei diese Institution dringend zur Förderung empfohlen. Wien. Der Gedenktag der Ringtheaterkatastrophe wurde Samstag den 8. Dezember im Tempel der Seitenstettengasse sowohl bei dem Nachmittagsals auch beim Abendgottesdienst begangen. Am Schluffe des Nachmittagsjugendgottesdienstes gedachte Religionsschulinspektor Professor Doktor Moriz K a n i tz mit tiefempfundenen, auf die zahlreich erschienenen Schüler sichtlich tief einwirkenden Worten des traurigen Schicksals der vielen damals ums Leben Gekommenen. Professor Kanitz erinnerte daran, wie unsägliches Leid durch das Unglück über die Stadt hereingebrochen und wie herzzereißend es war, als Kinder nach den Eltern, die Eltern nach den Kindern, Geschwister nach Geschwistern sich erkundigten und die Auskunft erhielten, daß die Vermißten sich nicht unter den agnoszierten Opfern befinden. Mit den Worten: „Das Angedenken der Dahingeschiedenen sei gesegnet" schloß Professor Kanitz seine Rede. Bei der Abendandacht verrichtete Kantor S ch i l l e r nach Beendigung des Gottesdienstes die vorgeschriebenen Kadisch-Gebete. Auch bei dieser Funktion war die Stimmung der Bethausbesucher eine sehr ernste, da mehrere Gemeindemitglieder anwesend waren, die bei dem Brande Familienmitglieder verloren hatten. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 20. Dezember 1906, präzise V28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. S. B e r n f e l d aus Charlottenburg-Berlin statt. Thema: „Jüdisches Kulturleben." Eintritt frei. Wien. Der Knstos an der Wiener Universitäts-Bibliothek, Herr Dr. S. Frankfurter, hielt am 6. d. M. im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines einen überaus interessanten Vortrag über „Die Wiener Judenstadt im Mittelalter und in der Neuzeit" und illustrierte denselben durch Vorführung von Skioptikonbildern. Das zahlreich versammelte Publikum folgte bis zum Schluffe in anhaltender Spannung dem ausführlichen, fast zweistündigen Vortrage. Der Vortragende erwähnte auch, daß ein Prachtwerk über den alten „Judenfriedhof" in der Roßau, zu dem alle Vorarbeiten getroffen sind, seitens der historischen Kommission der Wiener if r Kultusgemeinde bald dem Drucke übergeben werden dürfte. Wien. Der Ausschuß des Verbandes der isc. Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 5. Dezember d. I. unter dem Vorsitze' seines Obmannes, Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang, eine Sitzung ab. Den Hauptgegenstand derselben bildete die Revision des Lehrplanes für die Mittelschulen, wobei Herr Rabbiner Dr. David ein eingehendes Referat erstattete, woran sich eine gründliche Diskussion knüpfte, deren Fortsetzung in einer nächsten Ausschußsitzung folgen wird. Es wurde beschloffen, eine Deputation — bestehend aus dem Obmanue, den Professoren K a n i tz und Dr. Weiß — in das Ministerium für Kultus und Unterricht zu entsenden, um über den Stand der im Vorjahre überreichten Petition Informationen einzuholen und einige der in derselben enthaltenen Bitten und Wünsche nochmals nachdrücklichst einer geneigten Erfüllung zu empfehlen. Wien. (T Here sien-Kreuzer-Verein zur Unterstützung armer israelitischer Schulkinder.) Mittwoch, den 12. Dezember 1906, um 5 Uhr nachmittags, fand im Bereinshause: II., Untere Augartenstraße 35, die Verteilung von Winterkleidern an die Zöglinge des Vereines sowie die Besichtigung der Mädchen-Arbeitsschule und der Arbeitsräume des Knabenhortes statt. Wien. Sonntag, den 16. Dezember 1906. */,11 Uhr vormittags, findet die Eröffnung und Besichtigung des vom „Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeits-Berein" gegründeten Kaiserin- Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen- Heimes, II., Leopoldsgasse 15 (Eingang Malzgasse 7), statt. Wien. Die Chanukafeier der Zöglinge des israelitischen Blindeninstitutes (Hohe Warte) findet Sonntag, den 16. Dezember, um 4V, Uhr nachmittags statt. Wien. Der Primarius der chirurgischen Abteilung am israelitischen Spital. Dr. Otto Zuckerkand l, wurde zum außerordentlichen Professor der Chirurgie ernannt. Wien. (Konzert Don Fuchs.) Vergangenen Sonntag veranstaltete Herr Don Fuchs, I. Kantor am Stadttempel, im Saale Ehrbar ein Konzert und hatte hiezu ein Programm gewählt, um darzutun, daß er auf allen Gebieten des Kunstgesanges zuhause ist. Don Fuchs zeigte sich sowohl bei der Wiedergabe der großen Opernarien, wie aus Giordanos „Andrea Chsnier", Halovys „Jüdin". Puccmis „Tosca", Romanze aus Verdis „Aida", Gralserzählung aus „Lohengrin". Romanze aus Ponchiellis „Gioconda" und in den stürmisch verlangten Daraufgaben: „Selig sind, die Verfolgung leiden" aus „Evangelimann" und in der glänzend gesungenen „Stretta" aus dem „Troubadour", als ausgezeichneter dramatischer Sänger, wie auch in den Liedern von Schubert: „Wanderers Nachtlied", „Ihr Bild" „Der Atlas", sowie in Rubinsteins „Die Träne". Grünfelds „So hast du ganz und gar vergeffen", Suchers „Liebesglück" rc. als warmfühlender Interpret lyrischen Gesanges. Tosender und ehrlicher Beifall lohnte den Sänger für die glänzenden Darbietungen seines prächtigen und überäus wohlklingenden Tenors. Die vornehmste Gesellschaft hatte sich zu dem Konzerte eingesunden und können wir bei der Aufzählung der nun folgenden Namen selbstredend auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen. Es waren anwesend: Baron Albert Rothschild und Sohn, David Ritter v. G u t m a n n, Mathilde v. G u t m a n n. Baron Mayer, Familie Baron Gnttmann-Gelse, Hofrat O s e r, Prof. E h r m a n n, Kammersänger Gustav Walter, der seine Helle Freude für den Kollegen laut zum Ausdruck brachte, Dr. Gustav K o h n. Salo Cohn. Salo Landau, kais. Rat Wilhelm P o l l a k, kais. Rat Paul Lemberg er rc. rc. Besonders hervorzuheben ist, daß sowohl Baron Rothschild, als auch Herr David Ritter v. Gutmann, ehe Don Fuchs noch das Podium verließ, ihm in warmen Worten ihrer Freude über den Kunstgenuß und den schönen Erfolg Ausdruck gaben. — In liebenswürdigster Weise hat der bekannte und als feinsinniger Musiker allgemein geachtete Herr Richard P a h l e n die Begleitung übernommen und erfreute die Zuhörer auch als Solospieler durch die treffliche Wiedergabe von Schubert-Hellers „Forelle" und einer von ihm selbst stammenden Phantasie über Wagner-Motive. Lichtblau. Wien. «Verein zur Hebung der Gewerbe) Am Sonntag, den 9. Dezember fand im Festsaale des nied.-österr. Gewerbevereines eine Plenarversammlung dieses Vereines statt, in welcher der Schriftsteller Herr Jaques Jäger einen Bortrag: „lieber Land und Meer", die Auswanderung von Hamburg «ach Amerika, hielt. Schon lange vor Beginn des Vortrages war der große Saal von Zuhörern dicht gefüllt' und mußte auch der Vorsitzende, Herr Vize-Präsident Leopold G u t t m a n n, von einer speziellen Begrüßung der einzelnen Honorationen in Anbetracht der großen Zahl derselben Abstand nehmen Der Präsident des Vereines, Herr B r o d. der sich wegen eines leichten Unwohlseins auf Urlaub befindet, begrüßte schriftlich die Versammlung und den Vortragenden. Entschuldigt hatten sich unter anderem auch in liebenswürdigen Schreiben der Handelsminister Tr. Fort und Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Vor Beginn des Vortrages berichtete der Vize-Präsident Herr Leopold Guttmann in aller Kürze, daß die Vereinsleitung zu den vielen wirtschaftlichen Fragen, die gerade in letzter Zeit das vollste Interesse Aller erregten, ernste Stellung genommen hat und daß auch bezüglich des aktuellsten Temas „Dre Fleifchteuerung" in einer jüngst stattgehabten Vorstands-Sitzung der Beschluß gefaßt wurde, bei der Regierung in Form einer Eingabe vorstellig zu werden, diesem Uebelstande unverzüglich abzuhelfen. Nachdem dies die Versammlung beifällig zur Kenntnis genommen, ergriff Herr Schriftsteller Jaques Jäger das Wort zu seinem Vortrage, der ob seines interessanten und äußerst gediegenen Inhaltes das vollste Interesse aller Anwesenden erregte. Auch die Skioptikonbilder, welche die Direktion der Hamburg-Amerika Linie in uneigennützigster Weise zur Verfügung stellte, gefielen allerseits. Reicher Beifall der ganzen Versammlung