Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 48 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4.. Die Wahrheit Nr. 48. Wenn man die sonderbaren Bündnisse auf oppositioneller Seite ins Äuge saßt, die vielen Zweideutigkeiten kennt, die da mitgespielt haben, wird man es begreiflich finden, daß die Schiffschule, die Hofbauerschule, die Montefioreschule und andere, die sonst den Kultuswahlen ziemlich gleichgiltig zusehen, diesmal in den Wahlkampf einrraten, ohne Agitation, jedoch mit der wirksamsten Waffe: dem Stimmzettel. Allein das Losungswort „Hie Polen, hie Westler", mußte die aufrichtigen Freunde unseres Stammes bewegen, ihre Stimmen abzugeben, um die Propagatoren dieser unjüdischen Zweiteilung zu Falle zu bringen. Mit welchem Erfolge hat der Ausfall der Wahlen gezeigt. W. Das Lichterfest Cljmtuhn von Dr. M. H. Friedländer. (Schluß.) Hören wir, wie Haman diese Befürchtung dem Könige gegenüber zum Ausdruck brachte, jescbnau am ecbod, hier lebt ein Volk, das nicht mehr wie ehedem ausschließlich im eigenen Lande wohnt, sondern rnetusor umefaurod ben boamim, mit allen Völkern deines Reiches in Berührung kommt, sich überall zu assimilieren vorgibt und daher dem Staate gefährlich werden kann, denn ^sdossbsrn schaunaus mikol boamim, ihre Religionsgesetze sind grundverschieden von den Gesetzen aller Völker. Während die Religionen der anderen Völker die Sklaverei begünstigen und als Mittel zur Erhaltung des Staates empfehlen, ist es die Religion Israels, die jede Art Sklaverei als Barbarismus und Tyrannei brandmarkt; ^eos dose bamelecb enom ausim, unsere Staatsgesetze aber verhöhnen und verspotten diese Juden, daher eine fernere Duldung des jüdischen Elementes für dich verhängnisvoll werden könnte. — Die Lehre des Judentums, das geistige, religiöse, ideale Israel muß total vernichtet werden. Wie Haman, ebenso hatte Antiochus Epiphanes, den man seiner Raserei wegen spottweise Epimanes, den Rasenden, nannte, sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Licht der Religion Israels zu erlöschen; nur gebrauchte er andere Mittel. Während er den Schwachgläubigen, den sogenannten Hellenisten, die sklavenmäßig um die Gunst ihrer Feinde buhlten, die sich überglücklich fühlten, in griechische Kreise kommen und mit den Griechen fraternisieren zu können, die ihre heiligsten Güter, für die ihre Väter mit ihrem Herzblute kämpften, bereitwilligst opferten, ihre Herkunft und Abstammung verleugnten, um sich nur die „Liebe" der unversöhnlichsten Judenfeinde erwerben zu können, Reichtümer und Schätze, Ehrenämter und Ehrenstellen in Aussicht stellte, um sie vollends dem Glauben der Väter abtrünnig zu machen, übte er Grausamkeiten der scheußlichsten Art gegen die Strenggläubigen aus. Er verbot ihnen bei Todesstrafe das Studium der Gotteslehre, das Vorlesen der Thora, die Abhaltung gottesdienstlicher Versammlungen, wie überhaupt die Beobachtung religiöser Vorschriften und Satzungen. Den heiligen Tempel in Jerusalem ließ er dem olympischen Zeus weihen und das Bild desselben auf den Altar stellen, um auf diese Weise das religiöse Israel vernichten zu können. Allein beide Tyrannen, Haman und Antiochus, haben in ihrer racheschnaubenden Wut vergessen, daß Israel, das berufen wurde, ein „Reich von Priestern" zu sein, und als Träger der reinen Gottesidee in der Geschichte zu figurieren, einen mächtigen Beschützer und Retter habe, der ihm unverwüstliche Lebenskraft verliehen und ewigen Bestand verheißen hatte. weaf gam saus bijbejausom beerez aujwebem. „Wenn sie, die Israeliten, auch im Lande ihrer Feinde weilen werden, werde ich sie doch nicht der Verachtung und Vernichtung preisgeben lassen" (3. M. 26), d. h., wie der Talmud (Megilla 11) erklärt: „Gott der Herr sagte, er werde Israel weder Haman noch den Griechen oder sonstigen Feinden ausliefern lassen." Und ging diese Verheißung nicht in Erfüllung? In Persien ließ er seinem Volke in Mordechai und Esther Retter entstehen, denen es gelang, den übermütigen Haman, der lange Zeit „der Herr von Susan" genannt wurde, zu stürzen und die Feinde des Lichtes der Religion Israels zu besiegen. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung wurde das Purimfest eingesetzt. Und worin bestand die Festfreude des Purim? Im Anzünden des Lichtes der Religion, lajebudim bojso auro. Die Jehudim durften wieder das Licht der Religion hell leuchten lassen, auro wesimcbo. Es herrschte daher Freude und Wonne in Israel. Zur Zeit des grausam Antiochus waren es wieder die Söhne des frommen Mathatias, die Makkabäer, die als gottgesandte Schutzengel, als Retter in der Not kamen, um Israel zu befreien, das bereits erloschene Licht der Religion wieder anzuzünden und hell leuchten zu lassen, und die Hellenisten, diese Verräter und Renegaten, die, um sich Ehrenstellen ergattern zu können, ihrem Volke, dem sie entstammten, furchtbare Wunden beigebracht, in die Schranken zu weisen. Diese herrlichen, gottbegeisterten Söhne des edlen Mathatias haben, gleich ihrem wackeren Vater, für den Glauben gekämpft, heldenmütig gekämpft und sowohl die inneren als äußeren Feinde besiegt. Zur Erinnerung an dieses ewig denkwürdige Ereignis wurde das Chanukafest, auch Lichterfest genannt, eingesetzt, baneraus balolu kaudesob bem. „Diese Chanukalichter, die wir anzünden, sind heilig und dürfen nicht profaniert werden, denn sie sollen uns an den Heldenmut der Makkabäer erinnern, die in einer Zeit, wo es so viele jüdische für Assimilation schwärmende Streber gab, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Judentum und seine heiligen Anstalten und Institutionen ausznliefern, unerschrocken für den Glauben der Väter kämpften, siegreich aus dem Kampfe hervorgingen und das Licht der Religion leuchten ließen." Mit Recht heißt .es im Talmud: barogil bener Gbanuka bawjm lau bonim talmide cbacbomim. Derjenige, der die wahre Bedeutung des Chanukafestes zu erfassen und zu würdigen versieht, wird zweifellos seine Kinder im Sinne und im Geiste des Hasmonäer erziehen, sie für die Thora begeistern und zu biedern, wackern Glaubenshelden heranbilden. Wahrlich wir würden mehr Heldenmut und weniger Hochmut, mehr ideales Leben und weniger törichtes Streben, mehr Entschlossenheit und weniger Zerflossenheit bei der Jugend unserer Zeit finden, wenn man sie frühzeitig religiös erziehen und zn Glaubenskämpfern, d. h. zu echten „Israeliten" — Jisroel — heranbilden möchte. Das Gastmalst des Grzvifchsfs Stablewsky. Zwei Gastmahle sind es besonders, die uns aus der Literatur des Altertums bekannt und erhalten blieben: dem Symposion von Plato, in welchem der erhabene Jdeengang dieses Philosophen sich zum höchsten Flug erhebt, steht die Schilderung eines Festessens aus der römischen Kaiserzeit entgegen. Zwei größere Gegensätze lassen sich gar nicht denken. Im Gastmahl des Plato, das der Dichter Agathon zur Feier des Sieges seiner Tragödie 416 v. Ehr. gab wird das Menü nicht einmal erwähnt, die gehaltvollen Reden des Sokrates, Alkibiades, des Aristophanes, des verzogenen Lieblings der Grazien, und anderer bilden den Kern, der Begriff der rein geistigen, der „platonischen" Liebe wird für alle Zeiten festgelegt, kurz das ganze Aroma der zu ihrer höchsten Blüte entfalteten hellenischen Kultur umgibt und berauscht uns. Das „Gastmahl des Trimalchio," von Petron verfaßt, dem arbiter elegantiarum am Hofe des Kaisers Nero, ungefähr 50 n. Ehr., enthüllt uns schon den erschreckenden Niedergang der antiken Kultur. Keine fünfhundert Jahre hat die ganze Herrlichkeit gedauert, und doch, kaum daß die Fäuluisgerüche durch wohlriechende Essenzen gemildert erscheinen. Umständlich wird erzählt, was und wie gegessen wird und was sich sonst dabei begibt, entzieht sich jeder Andeutung. In Platos Gastmahl Gespräche der besten Geister von hohem Knlturwert, hier ein freigewordener, zu Reichtum gekommener Sklave, der seinen Reichtum prahlerisch zur Schau trägt und Zoten im Munde führt. Was hat das. Gastmahl des Bischofs Stablewsky mit diesen Reminiszenzen zu tun? Eigentlich nichts. Ich will nur die Haupltypen des Gastmahls in großen Zügen Umrissen haben,