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Die Wahrheit · 1906-11-30 · Heft 46 (30.11.1906) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 46 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Veite 14. Die Wahrheit Nr. 46. Propaganda zu machen und ihn überall als den wahren, von Gott gesandten Messias zu proklamieren. In einem für alle jüdischen Gemeinden des türkischen Reiches verfaßten Sendschreiben prophezeihte Nathan, daß Sabbatai Zebi dem Sultan die Krone , vom Haupte nehmen und sie sich aufsetzen werde, während jener ihm wie ein Sklave folgen werde. Durch diese und ähnliche Proklamationen wurde die rohe, ungebildete, dem Aberglauben huldigende Masse für Sabbatai gewonnen, lFortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 30. d. M., Predigt im Stadttempel und im Tempel XV., Turnergasse. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat den beiden Chefs der Fabriksfirma Lederer & Wolf, Herrn Gottlieb Lederer'und Herrn Julius Wolf in Anerkennung ihrer hervorragenden Tätigkeit auf industriellem Gebiete den Franz Josef-Orden verliehen. Diese allerhöchste Auszeichnung zweier, iu der ganzen Wiener Gesellschaft hochgeachteter und so viele humanitäre Bestrebungen fördernder Männer wird allgemein freudig ausgenommen. Wie«. Sonntag, den 25 d. M., 5 Uhr nachmittags, fand im Sitznngssaale der Wiener Knltusgemeinde die Einweihungsfeier der Bilbungsanstalr für jüdische Religionslehrer in Anwesenheit der Mitglieder des Kultusvorstandes, vieler Rabbinen und Gemeindemitglieder, sowie des Lehrkörpers und der Zöglinge der Anstalt statt. Nach Vortrag des Psalm 133 „Hinne ma tow" durch Oberkantor Singer, mit Chor- und Harmonium-Begleitung, verwies der Präsident Dr. Alfreo Stern in seiner Eröffnungsrede auf die Notwendigkeit dieser Anstalt und die Geschichte ihrer Entstehung. Oberrabbiner Dr. Güdemann beglückwünschte den Vorstand zu dieser bedeutungsvollen Schöpfung und sprach die Hoffnung aus. daß sie zum Wohle des Judentums gedeihen werde, und Rabbiner Dr. David erörterte, in Vertretung des Lehrkörpers. Zweck und Ziel der Anstalt, sowie die Ausgaben des Lehrkörpers und die Pflichten der Zöglinge. Mit Vortrag des Liedes „Es segne dich der Herr!" durch Obertantor G u t t m a n n und Absingung der Volkshymne schloß die erhebende Feier. Wie«. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um V*8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. Wochen Programm: Freitag, den 30. November: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Leop. Weiß. Samstag, den 1.' Dezember: Konzert. Sonntag, den 2. Dezember: Literarischer Abend. Herr Schriftsteller Artur Schnitzler. Montag, den 3. Dezember: „Oesterr. Geschichte. (HI.) Herr Dr. Georg Jerusalem. Dienstag, den 4. Dezember: Aus der jüdischen Geschichte: „Chaim Luzzatto". Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n. Mittwoch, den 5. Dezember: „Bilder aus der Volkswirtschaft." Herr Leopold Spitzer. Donnerstag, den 6. Dezember: „Die Erziehung des Kindes zum Gehorsam." Herr Lehrer Josef Weiß. Freitag, deu 7. Dezember : Bibelvortrag. Samstag, den 8. Dezember: Konzert. Wie«. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 6. Dezember 1906, präzise */«,8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Kustos Dr. S. Frankfurter statt. Thema: „Die Wiener Judenstadt im Mittelalter und in der Neuzeit mit besonderer Berücksichtigung der Friedhöfe und ihre Denkmäler." Mit Vorführung von 'Lichtbildern. Eintritt frei. Wie«. Wie uns mitgeteilt wird, ist Herr Dr. Heinrich Schreiber aus dem Zentral-Wahlkomitee für die diesjährigen Kultuswahlen ausgetreten und hat gleichzeitig sein Ehrenamt als Vizepräsident der österr. israel. Union niedergelegt. Wien. Unter ungewöhnlich großer Beteiligung der Berufsgenossen und Freunde wurde Dienstag, den 27. November der erste Vizepräsident der niederösterreichischen Advokatenkammer, Dr. Wilhelm Zucker, beerdigt. Die Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes war bereits vor 10 Uhr vormittags dicht gefüllt. Anwesend waren nebst den Verwandten und Freunden des Verstorbenen: Der Präsident der Advokatenkammer Dr. von Fei st mantel, der Vizepräsident Dr. v. Mayr, der Präsident der Notariatskammer Dr. Mayerhofer, der Präsident des Disziplinarrates der Advokatenkammer Dr. v. Koppler, die Ausschußmitglieder Dr. Stein, Dr. R u z i c k a, Dr. S t e g e r, Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner, Generalstabsmajor Schmidt, der Präsident der israelitischen Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n, dem Vorstandsmitglied Dr. Felix Katzau und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, die Regierungsräte Bayer, Tezner und von W i n t e r n i tz, Direktor M i k o s ch von der Creditanstalt, Präsident Mora witz, Generalrat Metzler, sowie die Direktoren Landes» berge r, Rosenberg und Schütz, ferner Sekretär Richter von der Anglobank, Präsident Hofrat v. Hausse und Direktor Kern von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, sowie Verwaltungsrat Zillich und Direktor H e r z l von der „Schodnica", Großindustrieller P e t s ch e k, Universitätsprofeffor Dr. Josef P o l l a k, die kaiserlichen Räte Otto Bondy und L i ch t e n st a d t, die Landesgerichtsräte Dr. Fluß und L ö w n e r, Direktor Heller vom Blindeninstitut, Industrieller R. Kahler, viele Advokaten, Vertreter der Redaktion der „Neuen Freien Preffe" und Abordnungen des Vereines von Kinderfreunden (Kinderasyl Zillingsdorf). Nach den Trauergesängen, die Oberkantor S i n g er intonirte, und der > Trauerrede des Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann trat Dr. Alfred , Stern, in deffen früherer Kanzlei der Verstorbene seine advokatorische Tätig- I keit begonnen hatte, an die Bahre und schilderte in ergreifenden Worten die hervorragenden Charaktereigenschaften und außerordentlichen Verdienste des Verblichenen. Der Präsident der Advokatenkammer Dr. v. Feistmantel hielt namens der Kammer den Nachruf. Er pries Dr. Zucker als einen der Besten und Edelsten des Standes. Abg. Dr. Ofner rief dem Verstorbenen namens der Berufskollegen den Scheidegruß zu und entwarf in ergreifenden Worten ein Bild von dessen Tätigkeit. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfs bund" (Obmann Armenrat Josef P o l l a k, in Firma Pollak & Neuron), welcher alljährlich eine größere Anzahl.hilfsbedürftiger Kinder mit Winterkleidern und Schuhen beteilt und viele Arme beschenkt, veranstaltet Sonntag, den 6. Jänner 1907, Uhr nachmittags, im Wiener Bürgertheater eine Wohltätigkeitsvorstellung, wobei das Stück „Kukuksei" von Direktor Fronz mit den besten Kunstkräften zur Aufführung gelangen wird. Das 3?. T. Publikum bereitet sich mit dem Besuche der Vorstellung nicht nur einen köstlichen Genuß, sondern verbindet damit gleichzeitig die Genugtuung für sich, em edles Werk, ein Mitwirken zur Linderung der Not getan zu haben, und verspricht sich der genannte Verein, im Hinblicke auf das zur Aufführung gelangende beliebte Stück, sowie auf die humanitären Tendenzen, gleich dem Vorjahre einen recht zahlreichen Zuspruch. Karten sind zu haben: Bei Obmann Josef Pollak, II., Circusgasse 42; Kassier Eman. Taub, II., Glockengasse 13; Schriftführer Tobias P ö ck, I., Salzgries 21; S. Goldfarb. II., Praterstraße 56; Max Kran: m, II., Taborstraße 57 : Cafe „O r i e n t", II» Praterstraße 66; Cafe P ö ch h a ck e r, II., Taborstraße 10 und bei allen Ausschußmitgliedern. Wie«. Herr Don Fuchs hat für sein Konzert, welches unter Mitwirkung des Richard P a h l e n. Sonntag, den 9. Dezember b. I., l/,8 Uhr abends, im Saale Ehrbar stattfinden wird, folgendes Programm gewählt: I. 1. G i o r d a n o. Improviso di Chenier aus der Oper „Andrea Chenier". 2. H a l e v y, Arie ans der Oper „Die Jüdin". 3. P u c c i n i. E lucevan le stelle aus der Oper „Tosca". 4. Klaviervortrag des Herrn P a h l e n. II. 1. Schubert: Wanderers Nachtlied. Ihr Bild. Der Atlas. 2. R u b i n st e i n : Die Träne. 3. Alfred G r ü n f e l d : So hast du ganz und gar vergessen. 4. Sucher: Liebesglück. III. Richard Pahlen: 1. Verdi: Romanza aus „Aida". 2. Wagner: Lohengrins Herkunft. 3. P o n ch i e l l i: Romanza aus der Oper „Gioconda" Cielo e mar. — Karten zu: 5, 3, 2, 1'50, 1 fl. bei K e h l e n d o r f e r, I., Krugerstraße 3. Berlin. (Sta tistikderjüdischen Gemeinden Dent schlau d s.) Das vom Verbände für Statistik der Inden begründete Bureau in Berlin-Halensee wird demnächst mit Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums eine umfassende Arbeit über die jüdischen Gemeinden in Deutschland herausgeben. Es werden darin auf Grund des Materials, welches das Bureau von den Gemeindevorständen erhalten hat, zum ersten Male zahlenmäßige Angaben für ganz Deutschland über Häufigkeit des Gottesdienstes, Benutzung von Orgel und Chorgesang, über die Kultusbeamten, die Besteuerungsverhältnisse, sowie über die Agglomeration der Juden gegeben werden. Man darf dem Erscheinen der Schrift mit Interesse entgegensehen. Frankfurt a. M. Freifrau Mathilde von Rothschild ist von Sr. Majestät dem Kaiser in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge der Wilhelm-Orden verliehen worden. Hamburg. (H a m b u r g - A m e r i k a - L i n i e.> Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach Newyork: Die' Postdampfer: Kaiserin Auguste Victoria 29./11., Blücher 1./12., Pennsylvania 8./12., Amerika 13./12., Batavia 22./12., Pretoria 29./12., Kaiserin Auguste Victoria 5./1. 1907, Blücher 12./1 1907, Schnellpostdampfer Deutschland 17./1. 1907. Nach Boston: Die Postdampfer: Silvia 29./11» Badenia 11./12. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Silvia 29./11., Badenia 11./12. Nach Philadelphia: Die Postdampfer: Barcelona 29./11., Armenia 9./12. Nach Westindien: Postdampfer Mecklenburg 1./12. Nach Mexiko: Die Postdampfer: Bavaria 29./11., Calabria 3./12., Martha Ruß ca. 5./12., Fürst Bismarck 14./12., St. Thomas 18./12. Nach Ostasien: Die Postdampfer: Saxonia 30./11., Slavonia 10./12., Scandia 20./12 , Brasilia 30./12. Nach Wladiwostok: Postdampfer Suevia 20./12. Arabisch-Persischer Dienst: Die Postdampfer: Sicilia 17./12., Savoia 17./1. 1907. Konstantinopel. Der Großrabbiner in Konstantinopel, dem bekanntlich in Sachen der Jerusalemer C h a ch a m b a s ch i - W a h l das Bestätigungsrecht zusteht, teilt mit, daß er bisher noch keine Entscheidung in dieser Frage getroffen habe. Er werde erst nach sorgfältigster Prüfung des Sachverhaltes seinen Beschluß fassen. Es ist sehr erfreulich, daß das Oberhaupt der türkischen Juden sich der Verantwortung bewußt ist, die er mit seiner Entscheidung in der Jerusalemer Wahlsache übernimmt. Wir hegen den Wunsch, daß die Angelegenheit auf Grund einer objektiven Untersuchung der Vorgänge, ihre gerechte Erledigung finde. Keinesfalls besteht für den Großrabbiner in KonstanEiopel ein Grund, sich in seinem Vorsatze durch Einschüchterungsversuche irgendwelcher Art erschüttern zu lassen. Newyork. Unter der Ueberschrift „Umwandlung einer christlichen Kirche zur Synagoge" berichtet die „Westliche Post": „Die Zentral-Presbyterianerkirche in St. Louis ist nach dreißigjährigem Gebrauch an die orthodox-jüdische Bnei Emunah-®enieinbe verkauft worden. Bei der Einweihungsfeier war die Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Tipheres Jisroel- und die Schaaris Lpliard-Gemeinde von St. Louis, sowie die Großloge des Progressive Order of the West waren mit ihren Bannern vertreten. Die Feier wurde vom Synagogenchor mit dem Gesang des 30. Psalms unter Leitung des Kantors S. A. F r i e dmann eröffnet, worauf in feierlicher Prozession die Thorarollen in das

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