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Die Wahrheit · 1906-11-30 · Heft 46 (30.11.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 46 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vh\ 46. Die Wahrheit Lette 9. ihm zur Ehre gereiche. Redner kommt nochmals auf Eltbogen; zu sprechen, bittet um dessen Unterstützung und erwähnt, daß er sich selbst für die Wiederwahl dieses verdienstvollen Mannes einsetzen werde, der allerdings ein Hecht im Karpfenteiche war — die Herren Kollegen werden schon entschuldigen, aber ein l Karpfen sei auch kein schlechter Fisch. Es sei übrigens ganz! eigentümlich, daß seitens des Wahlkomitees gerade die Männer der Opposition von der Kandidatenliste eliminiert und auf diese Weise mit einem Federstrich leichtfertig aus der Kultusstube verbannt werden. Gegenüber der in einer Versammlung gefallenen Behauptung, daß sich die Kultusvorstände um ein Mandat bewerben, damit sie sich politisch ansleben können, was ihnen anderweitig > nicht möglich sei, verweist kais. Rat Pollak aus die großen! Korporationen, denen er angehört und wo er überall nicht nur i für die allgemeinen, sondern auch für die jüdischen Interessen j eintritt. Schließlich führt er Beschwerde über den Umstand, daß! beim Begräbnis des Kultusvorstandes Gottlieb Tanßig, der! unter großen Opfern die ehemalige Kultnsgemeinde Fünshaus i vor dem Konkurse rettete, der anwesende Präsident nicht das! Wort ergriffen und auch Niemanden dazu delegiert habe. Dies alles, persönliche Verhältnisse, Aussichtslosigkeit der organisa-! torischen Pläne, hätten Redner die Abschiedsgedanken eingegeben! und er bitte nur, ihm ein freundliches Andenken zu bewahren.! (Beifall.) Kandidat Max Frank: Im Hinblick auf die große Anzahl von Rednern, die für heute zum Worte gemeldet sind, halte ich es nicht für zweckmäßig, Ihre Zeit allzulange in Anspruch zu nehmen, sondern will mich damit begnügen, Sie in kurzen Zügen mit den Absichten bekanntzumachen, die ich zu verwirklichen trachten will, falls mir die hohe Ehre zuteil werden sollte, in den Knltusvorstand unserer Stadt gewählt zu werden. Zunächst möchte ich darauf Hinweisen, daß ich mich in allererster Linie den Humanitären Bestrebungen unserer Gemeinde zu widmen beabsichtige, umsomehr als ich durch mein mehrjähriges Wirken in Instituten, welche sich ausschließlich mit unseren leidenden Stammesgenossen befassen, wohlannehmen darf, daß ich gerade da am richtigen Platze sein dürfte und Ersprießliches zu leisten imstande sein werde. Um aber in humanitärer Beziehung etwas leisten zu können, ist es in der Hauptsache wichtig, daß die nötigen Geldmittel vorhanden und verfügbar seien. Deshalb will ich mich mit besonderem Eifer der Finanzwirtschaft der Kultnsgemeinde zuwenden und ich glaube, sagen zu dürfen, daß meine vieljährige Tätigkeit als Kaufmann einen Erfolg in dieser Beziehung mindestens wahrscheinlich macht. Gewiß ist es richtig, daß man das Gleichgewicht eines Gemeindehaushaltes am leichtesten durch Erhöhung der Einnahmen herstellt, und ich werde auch, soweit ich darauf werde Einfluß nehmen können, daraus hinarbeiten, daß die Einnahmen steigend seien. Aber ich sehe eine viel wichtigere Aufgabe darin, daß ich mich mehr auf die Reduzierung der Ausgaben verlege, denn ich glaube sicher, daß in dieser Beziehung zwar schon viel geleistet wurde, daß aber da noch immer ein ungeheures Feld zur Betätigung und zum Wohle der Gemeinde für einen ernsten Arbeiter offen ist. Was die Besteuerung anbelangt, so glaube ich, daß man mit aller Energie darauf hinarbeiten müßte, den Maßstab für die Steuerbemeffung in der Fatiernng an die staatliche Steuerbehörde, beziehungsweise in deren Bemessung zu suchen. Heute erscheint dies aus manchen Gründen, die ich nicht erst anführen will, undurchführbar zu sein, aber was ist nicht schon Alles als unmöglich erschienen, was später möglich war. Sollte es mir beschieden sein, in dieser Beziehung einen Erfolg zu erzielen, so glaube ich damit nns Allen einen wertvollen Dienst geleistet zu haben, zumindest wird die Klage verstummen müssen, daß die Reichen relativ zu wenig, die Minderbemittelten relativ zu viel zahlen müssen. Daß ich mich lebhaft mit der. Frage der Jugenderziehung beschäftigen will, ist selbstverständlich, denn in dieser Beziehung -ist noch, viel zu tun. Es ist gar kein Zweifel, daß man der Erhaltung des Judentums den größten Dienst leistet, wenn man den Religionsunterricht auf eine richtige Basis stellt. Auf welche Art dies geschehen wird, dies, meineHerren, hierauszuführen, erlaubt mir die knappe Zeit nicht, und ich muß mich damit begnügen, Ihnen zu sagen, daß ich intensiv in dieser so überaus wichtigen und im Interesse von uns allen gelegenen Sache zu arbeiten beabsichtige. Unser Spital und Versorgungshaus sind zwei musterhafte Institutionen, an denen wohl auch der schärfste Gegner nichts zu tadeln haben wird, allein bei der fortwährend steigenden Anzahl von leider meist gänzlich unbemittelten Juden, die in unsere Stadt strömen, genügen sie nicht und die Frage der Erweiterung des Spitales wird wohl früher akut werden, als es für die Finanzen unserer Gemeinde nützlich ist. Auch die Errichtung des schon lange geplanten Kinderspitales, welches einem direkt brennenden Bedürfnisse entsprechen würde, erscheint mir so überaus wichtig, daß ich alles daran setzen will, nicht um die endliche Errichtung zu ermöglichen, denn solange kein Geld dazu da ist, wäre dies ja nicht möglich, aber um den Bau eines jüdischen Kinderspitales wenigstens in eine absehbare Periode zu stellen. Wenn ich zum Schluffe noch mit einigen Worten das Armenwesen streifen will, über welches schon so viel und so oft gesprochen wurde, so bitte ich zu entschuldigen, daß auch ich Ihre Zeit damit in Anspruch nehme, aber ich halte es für nötig, auch meinerseits zu versichern, daß die Art. wie gegenwärtig nicht nur in Wien, sondern in der ganzen Monarchie die Armenbeteilnng gehandhabt wird, allen modernen Anschauungen widerspricht. Meine Herren, über kurz oder lang muß da Wandel geschaffen werden, und das Armenwesen muß in moderne Bahnen gelenkt werden. Ob dies nun nach dem viel besprochenen und schließlich auch bewährten Elberfelder System oder aus andere Art geschieht, dies meine Herren will ich hier nicht ausführen und will es einem späteren Zeitpunkte überlassen, meine Ideen darüber zu entwickeln. In jedem Falle steht fest, es darf nicht Vorkommen, daß ein Jude in Wien Hunger leidet, man muß es mit allen Mitteln zu vermeiden suchen, daß er friert oder gar obdachlos ist. Und nun habe ich Ihnen meine Grundsätze und Absichten entwickelt und es erübrigt mir noch. Sie, meine Herren, zu bitten, mir bei der Wahl Ihr Vertrauen zu schenken, dessen würdig zu zeigen ich mich stets bestreben werde. (Lebhafter Beifall.) Kandidat kaiserl. Rat Leopold Langer erklärt, wenn ihm die Ehre zuteil werden sollte, in den Knltusvorstand entsendet zu werden, werde er mit all seinen Kräften bemüht sein, dem Wohle der Gemeinde zu dienen. (Lebhafter Beifall.) Kandidat Prof. Dr. Josef Pollak: So sehr ich auch die hohe Ehre zu schätzen weiß, Mitglied des Vorstandes der ersten und größten Judengemeinde Oesterreichs zu sein, muß ich mir doch sagen, daß mein Ehrgeiz als Mann der Wissenschaft auf einer anderen Seite liegt. Wenn ich mich doch entschlossen habe, zu kandidieren, so geschah es aus dem Grunde, weil eine Vereinigung von Männern, die sich die hohe Aufgabe gestellt haben, das geistige und ethische Niveau der Juden zu heben, mir nahegelegt haben, aus meiner bisherigen Reserve herauszutreten und meine Kraft in ihrem Sinne in den Dienst der Gemeinde zu stellen. So peinlich es mir auch ist, mich mit meiner Persönlichkeit zu beschäftigen, und wiewohl ich durch meine Berufstätigkeit genügend bekannt zu sein glaube, muß ich doch einiges notwendigerweise Vorbringen. Ich betone vor allem, daß ich nicht nur stets als guter Jude gefühlt habe, sondern auch stets mein Judentum bekenne. Dies war in anderen Zeitläuften wohl selbstverständlich, heutzutage gehört aber gerade in meinem Stande ein gewisser Mut dazu. Ich will aber auch im Vorstände die Ansicht vertreten, daß derselbe in allen das Judentum betreffenden Fragen energisch Stellung nehme. Mein bisheriges Wirken in der jüdischen Toynbeehalle und im galizischen Hilfsverein, welches nicht ohne Erfolg war, dürfte vielen

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