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Die Wahrheit · 1906-11-30 · Heft 46 (30.11.1906) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 46 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 46. Kanöiöatenlifle: Mt sechsjähriger Funktionsdauer (weißer Stimmzettel) : Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichtsadvokat, I., Judenplatz 8. Emanuel Hoffmann, Brauhauskassier, XVHI., Karl Ludwigstraße 27. Dr. Gustav Kohu, Hof- und Gerichtsadvokat, IX., Hahngasse 25. Dr. Josef Pollak, Universitätsprofessor, I., Annagasse 1. Adolf «chramek, Kaufmann, II., Novaragasse 21. Kommerzialrat Leopold Simon, Kaufmann, I., Freisingergasse 1. Dr. Maximil. Steiner, Generalrepräsentant, I., Graben 16. Dr. Alfred Ster», an. Hof- und Gerichtsadvokat, II., Untere Donaustraße 27. Mt vierjähriger Funktionsdauer (grüner Stimmzettel): Kais. Rat Leopold Langer, Bankier, I., Kärntnerring 1. Mt zweijähriger Funktionsdauer (blauer Stimmzettel): Max Frank, Handelsgesellschafter, IX., Berggasse 19. Dr. Hermann Löwi, prakt. Arzt, II., Novaragasse 20. Samuel Steiner, Bauunternehmer, VII., Burggasse 72. Wähler und Glaubensgenossen! Ihr werdet sonach dringend gebeten, bei der Wahl zuverlässig zu erscheinen, die drei Stimmzetttel in Gemäßheit der voranstehenden Liste auszufülleu und am Wahltage Sonntag, den 2. Dezember zwischen 9 und 2 Uhr in dem aus der Legitimationskarte bezeichneten Orte Euer Wahlrecht auszuüben. Wien, 24. November 1906. Mit glaubensbrüderlichem Gruße: Das Zentral-Wahlkomitee: Dr. Hermann Fialla Dr. Leopold Lohn Siegfried Fleischer Vizepräsident. Präsident. Schriftführer. Hermann Beck, Gottlieb Bettelheim, Dr. I. S. Bloch, S. Brod, Kommerzialrat Eduard Doctor, Dr. Leo Ehrentheil, Julius Granichstädten, Direktor Alexander Hecht, S. Heit, Adolf Hofmann, Jacob Jeiteles, Osias Juer Jacob Kann, Ignaz Klein, Anton Koretz, kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, Jacob März, Siegmund Mayer, Samuel Mohr, Heinrich Neufeld, Dr. Jacob Ornstein, Wilh. Pappenheim, Moritz Pick, Jacob Ripper, Dr. Ernst Rosenthal, Regierungsrat Dr. Julius Schlag, Karl Seligmann, Salomon Simon, Samuel Steiner (Thonwarenfabrikant, Bellariastraße), kaiserl. Rat Ignaz Wilhelm, Albert Winterberg, Dr. Jos. Winternitz, Julius Wolf, Douat Zifferer. Programm des Maikomitees. 1. Wir halten daran fest, daß Integrität des Charakters, lebendige Glaubenstreue, reges Stammesbewußtsein, gereifte Erfahrung, umfassende Intelligenz und wahrhaft jüdisches Gemeiugefühl diejenigen Männer auszeichnen müsse, welche durch unsere Wahl zu dem ehrenvollen Amte der Leitung und Verwaltung unseres großen Gemeinwesens berufen werden. Wir verlangen und erwarten von diesen Führern und Anwälten der Gemeinde mit Wohlwollen gepaarte und von Engherzigkeit freie Tatkraft innerhalb ihres engeren Pstichtenkreises, doch auch mannhaftes und unerschrockenes Eintreten überall dort, wo Unrecht und Verfolgung im eigenen Lande und zumal die drangsalvollen, unmenschlichen Schrecknisse, welche unseren Volksgenossen und Glaubensbrüdern anderwärts bereitet werden, Abwehr und werktätige Hilfe uns als heilige Pflicht empfinden lassen. 2. Unverwandt das hohe Ziel im Auge haltend, daß in absehbarer Zeit kraft rechtlicher Ausgestaltung der Gesetze über die jüdischen Kultusgemeinden in Oesterreich eine legale Zusammenfassung und Vertretung der gesamten österreichischen Judenheit geschaffen werde, erachten wir es für ratsam, an der dermaligen Verfassung unserer Gemeinde zunächst keinerlei Aenderung anzustreben, insofern eine solche nicht durch deren territoriale Ausdehnung oder durch Anschluß neuer Mitgliedergruppen notwendig einzutreten hätte. Wir lehnen daher auch den von anderer Seite propagierten Gedanken an die Einführung eines allgemeinen Wahlrechtes innerhalb der Kultusgemeinde als zweckwidrig, als einen solchen ab, der noch niemals und nirgends, soweit die geschichtliche Erinnerung reicht, in jüdischen Gemeinden Eingang gefunden hat und somit auch mit unserer Volksüberlieferung in Widerspruch steht, und welcher überdies mangels einer indirekten Besteuerung in der Knltusgemeinde zu deren wirtschaftlichem Niedergange zu führen geeignet wäre. Im Interesse der ungestörten Weiterentwicklung unserer Gemeinde drängen wir derzeit auch nicht auf die Einführung des obligatorischen Steuerminimums von zehn Kronen, indem wir vermeinen, daß zunächst die infolge unseres Verlangens eingeführte, das Wahlrecht begründende fakultative Steuerleistung von zehn Kronen dem Zwecke der Verbreiterung und Demokratisierung des Wahlrechtes zu entsprechen vermag, wenn und sobald nur die berufenen Volkskreise von dieser Berechtigung ausgiebigen Gebrauch zu machen Willens sind, — was jedoch bisher nur in durchaus unzulänglichem Maße geschehen ist.

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