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Die Wahrheit · 1906-11-23 · Heft 45 (23.11.1906) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 45 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45. Die Wahrheit. Seite 5. Herausgeber der „Neuen Zeitung" es nicht für seine Pflicht hätte betrachten müssen, zuerst bei Dr. David anzufragen, ob er jene Aufforderung an die jüdischen Kaufleute gerichtet und den Satz des Jeremias gebraucht hat; wir wollen endlich auch an Dr. Sträuchen nicht die Frage richten, ob ein gewissenhafter jüdischer Abgeordneter die auf diese Zeitungsnotiz gestützte Interpellation Breiter unterschreiben durfte, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen — von all dem sei hier und heute abgesehen. Allein festgehalten muß werden, daß die ganze abscheuliche Bewegung gegen Dr. David nicht drwch die tatsächlich von ihm gehaltene Rede, sondern durch die ihm fälschlich in den Mund gelegten Worte von bestimmter Seite in nichtswürdiger Weise angeregt worden ist. “paya b'ii “jbn ab und ->pV ip “jim nwn ab. Diese beiden Sätze unserer heiligen Thora scheinen jenen, die die falschen Beschuldigungen aufgestellt und verbreitet haben, unbekannte Dörfer zu sein. Deshalb muß dieses Vorgehen, direkt unwahre Mitteilungen über die Predigt zu verbreiten und dadurch den „von den besten und edelsten Intentionen erfüllten Redner" zu diskreditieren, als die Quelle des ganzen Rummels nachdrücklich verworfen werden. Die ganze Affaire ist ein trauriges Symptom für die Zustände unserer Gemeinde, und es wäre wol im Interesse der Gesundung dieser Zustände gelegen, die Sache usque ad finem zu verfolgen, insbesondere die direkten und indirekten Urheber festzustellen. Daß unseren verehrten Herren Nationalisten und Zionisten der Rummel nur die willkommene Gelegenheit bot, an diesem Strohfeuer, das sie künstlich angefacht hatten, ihr nationales Süpplein zu kochen, war ja sofort auch dem Mindereingeweihten klar. Auch Baurat Marmorek wußte das ganz gut, denn wie uns glaubwürdig mitgeteilt wird, äußerte er sich nach der Interpellation in diesem Sinne und meinte, es wäre unvorsichtig gewesen, vor den bevorstehenden Wahlen eine solche Predigt zu halten, wäre die Predigt nach vier Wochen gehalten worden, wäre dagegen nichts zu sagen. Dennoch aber hielt er es mit dieser Ansicht für. vereinbar, dem Rabbiner Dr. David durch eine öffentlich kundgegebene Aeußerung eine Rüge zu erteilen und von ihm zu sagen, er verstehe es, am Unrechten Ort das Unrechte Wort zu sagen — GraccM de seditione querentes! Qbwol es uns - widerstrebt, uns hier mit den neuesten Blüten unserer jüdischen Journalistik, die in Ton und Haltung bei den radikalnationalen Blättern in die Schule gegangen sind, zu beschäftigen, sei doch auch hier auf zwei Tatsachen hingewiesen: In der Nr. 9 vom 2. November meldet die „Neue Zeitung" „auf Grund von mehreren Seiten übereinstimmender Berichte" jene obengekennzeichnete unwahre Nachricht über den Inhalt der Predigt, und in Nr. 10 vom 9. November heißt es: „Der Bericht in der vorigen Nummer unseres Blattes beruhte auf den übereinstimmenden Mitteilungen mehrerer Berichterstatter. Diese waren wohl hinsichtlich der Aeußerungen über die abzubrechenden Handelsbeziehungen und das Unheil, das aus dem Norden kommt, in irgend einer Weise irregeführt, denn wir konstatieren gerne, daß viele Zeugen der Predigt, die später zu mir kamen, speziell diese Aeußerungen nicht bestätigten." Dennoch wird wieder geschürt auf Grund von Eindrücken, die andere von der Predigt gehabt haben wollen. Den Wählern aber, auf deren Captivierung es hier vor allem abgesehen war, möge diese Affaire zur Mahnung dienen. Sie werden sich hoffentlich nicht durch leeren Wortschwall betören lassen, sondern zur Erkenntnis gelangen, daß in die Gemeindstube vor allem charakterfeste Männer gehören, die sich nicht wie Strohhalme bei jedem Winde, auch nicht vor der aura popularis beugen, und mit dem Stimmzettel in der Hand die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen. Industrie-Syndikat für Palästina. Das vorbereitende Komitee zur Gründung eines „P a l ästi n a-Jn d ustrie- S y n d i k a ts" ersucht uns um Veröffentlichung nachstehender Beitritts-Einladung: „Euer Hochwohlgeboren erlauben wir uns hiedurch die Mitteilung zu machen, daß das Unterzeichnete Komitee die Gründung eines Industrie-Syndikats für Palästina und die Nachbarländer vorbereitet unter der Firma: „Palästin a-Jndustrie- Syndikat G. m. b. H." Zweck: Das Syndikat bezweckt die Vorbereitung, Einführung und Finanzierung von industriellen und anderen wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina und den Nachbarländern. Arbeitsplan: Es wird sowohl aus eigener Initiative versuchen, jüdische Kapitalisten zu chancenreich erscheinenden Unternehmungen heranzuziehen, als auch im Aufträge und für Rechnung Dritter die nötigen Vorarbeiten zur Gründung von Unternehmungen leisten. Seine Tätigkeit wird demnach bestehen in: 1. Feststellung der wirtschaftlichen Verhältnisse und geschäftlichen Chancen durch Einholung von fachmännischen Gutachten. 2. Erwerbung von Konzessionen und Terrains sowie Abschluß von Optionsverträgen. 3. Ausarbeitung von Projekten, Kosten- und Rentabilitätsanschlägen. 4. Finanzierung der zu gründenden Unternehmungen. Das Syndikat wird sich seine Auslagen und Spesen unter Aufschlag eines entsprechenden Gewinnes teils in bar, teils in Anteilen der neuen Unternehmungen zurückerstatten lassen. Eine weitere finanzielle Unterstützung der neu gegründeten Unternehmungen soll nur ausnahmsweise und dann nur gegen genügende Sicherheiten gewährt werden. Projekte: Das Syndikat wird zunächst nur solche Projekte bearbeiten, deren schnelle Verwirklichung wahrscheinlich ist. Es liegen uns schon Angebote verschiedener Fachleute vor, die in den betreffenden Unternehmungen Mitarbeiten und sich an ihnen auch mit eigenem Kapital beteiligen wollen. Kapital: Das Grundkapital des Syndikats ist vorläufig , auf Mark 100.060 (Hunderttausend), in Stammanteilen von mindestens Mark 1.000 (Tausend) festgesetzt. Zirka fünfzigtaufend Mark sind bisher schon gezeichnet*), auch hat die Anglo Palestine Co. durch ihre Filialen in Palästina und Syrien uns ihre bereitwillige Unterstützung zugesagt. I Der Sitz der Gesellschaft wird Berlin sein; als ehren- > amtliche Geschäftsführer sind zwei erfahrene Kaufleute in angesehener sozialer Stellung in Aussicht genommen, während als Vertreter des Syndikats in Palästina ein mit langjähriger kaufmännischer Praxis ausgerüsteter Nationalökonom, der gleichzeitig Jurist ist, ausersehen ist, Als Bankstellen notieren wir die Jüdische K o l on i o n a l b ank, London, sowie die Bankfirma A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59. Beitritts-Anmeldungen wolle man an den Endesunterzeichneten senden. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, das Reüssieren derartiger Syndikate in überseeischen Ländern zu verfolgen. Im Orient haben besonders belgische und französische Syndikate sehr bedeutende Unternehmungen (Hafenbauten, Eisenbahnen, Versorgung von Städten mit Licht und Wasser, Fabriken rc.) auf diese Weise in die Wege geleitet. Wir sind überzeugt, daß ähnliche Bestrebungen in unserer Interessensphäre Palästina bei vorsichtiger Geschäftsführung gleichfalls Erfolg haben werden. Wir hoffen, daß auch Euer Wohlgeboren die Gelegenheil nicht versäumen werden, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das geeignet erscheint, jüdische Interessen in Palästina aufs wesentlichste zu fördern und daneben nicht unerhebliche geschäftliche Chancen bietet. Zu weiteren Auskünften sowie zur Ueberseudung der Programme des Syndikats ist die Kommission zur Erforschung Palästinas, Berlin N. 15, Uhlandstraße 175, gerne bereit. Mit ausgezeichneter Hochachtung im Aufträge des vorbereitenden Komitees des „Palästina-Industrie-Syndikats G. m. b. H." gez. Prof. Tr. O. Marburg Vorsitzender der Palästitla-Kommission Berlin W. 15, Uhlandstraße 175. I * ' In Ergänzung der vorstehenden Beitrittseinladung wollen : wir die geehrten Leier unseres Blattes darauf aufmerksam machen,; *) In der Stadt Irkutsk in Sibirien sind ca. 10 Anteile ge- 1 zeichnet worden.

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