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Die Wahrheit · 1906-11-16 · Heft 44 (16.11.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 44 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Lichen Gemeinde-Instituten des Kontinents — entgegen und jeder verläßt befriedigt diese Räume, in denen Licht und Luft uns den Aufenthalt auch zueinem angenehmen machen. Daß es in bisfer großen Bibliothek an Seltenheiten nicht fehlt — wir erwähnen z. B. die vom Vorsteher Herrn Salo K o h n infolge Anregung des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann gespendete Halberstamm-Bibliothek — dürfte vielen bekannt sein. Mögen nur viele Wissensdurstige aus diesem geistigen Brunnen stets schöpfen und sich von der Bedeutung und Größe unserer alten Literatur, zur Ehre und zum Segen fürs Judentum, überzeugen! N. A. Wie» Freitag, den 9. d. M., beging der Kustos der Wiener Universitätsbibliothek, Herr Dr. S. Frankfurter, seinen 50. Geburtstag im enLsten Familienkreise. Wien. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat an den Komponisten Herrn Ignaz Brüll anläßlich seines 60. Geburtstages folgendes Gratulationsschreiben gerichtet: „Es ist ein aufrichtiges und herzliches Bedürfnis, das den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien und das in seiner Mitte wirkende Kuratorium der freiherrlich Rothschildschen Künstlerstlftung veranlaßt, Euer Hochwohlgeboren zum 60. Geburtstage zu beglückwünschen. Seit vielen Jahren bietet sich dem Vorstande und dem Kuratorium Gelegenheit, die ungewöhnliche, selbstlose Hingebung zu beobachten, mit der Euer Hochwohlgeboren trotz der hohen Inanspruchnahme, deren Ihr unvergängliches Schaffen bedarf, die künstlerischen Bestrebungen des Judentums auf dem Gebiete der Musik fördern, mit welchem Eifer Sie, hochgeehrter Meister, sich unter anderem auch mit der mühevollen Prüfung der Leistungen jener jungen Künstler befassen, die sich um unsere Musikerstiftungen bewerben. Wenn wir in Dankbarkeit dieser, unserer gesamten Glaubensqenoffenschaft zu Ehr und Nutzen dienenden Tätigkeit gedenken, uns in Erinnerung bringen, mit welch gewinnender, liebenswürdiger Weise Euer Hochwohlgeboren Ihres Amtes walten, dann drängt sich uns der innige Wunsch auf, den wir Ihnen heute zurufen: Möge der Allmächtige Sie bis zur äußersten Grenze menschlichen Lebens in Zufriedenheit und Vollkraft erhalten, zum Stolze Ihrer Angehörigen und Freunde, zum Nutzen und zur Ehre Ihrer Glaubensgenossen." Wien. Dienstag, den 13. d. M., ist der Chefredakteur des „Fremdenblatt", Hofrat Dr. Marcell Ritter v. F r y d m a n n, einer der vornehmsten und bedeutendsten, durch wissenschaftliche Tiefe ausgezeichneten Publizisten, nach längerem Leiden im 60. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand unter ungemein zahlreicher Beteiligung Donnerstag, den 15. d. M., statt. Wien. Freitag, den 16. d. M., feiert der ob seines Wohltätigkeitssinnes in weitesten Kreisen geschätzte Herr Michael N e u r a th, Chef der der gleichnamigen Metallfirma, mit seiner Gattin L e o n t i n e geb. Reiß im engsten Familienkreise das Fest der goldenen Hochzeit. Wien. Der Verein „I s r. K i n d e r b e w a h r a n st a l t", II., Schiffamtsgasse 15, versendet soeben seinen diesjährigen Bericht, welcher gleichzeitig der dreiundsechzigste ist seiner im Jahre 1643 gegründeten Äinderbewahranstalt, der zweite seiner Filiale im XX. Bezirke, Klosterneuburgerstraße 14, und der achtunddreißigste seiner mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, die mit einem Bildungskurfe für Kinderpflegerinnen verbunden ist. Wir entnehmen diesen Berichten nachstehende Mitteilungen. Zum erstenmal seit den 63 Jahren seines Bestandes trat der Verein auf Grund der im Vorjahre geänderten Statuten vor die Oeffentlichkeit und erstattete seinen Mitgliedern einen umfassenden Tätigkeitsbericht in der am 11. März abgehaltenen Hauptversammlung, welcher als Vertreter der Kultusgemeinde Herr Adolf Schrämet, als Vertreter des Ortsschulrates Herr Josef Fuchs, Rabbiner Dr. David, Inspektor Professor K a n i tz u. v. A. beiwohnten. Die Hauptsorge des Vereines im abgelaufenen Jahre galt der Durchführung der Einverleibung der Brigittenauer Anstalt und deren Ausgestaltung nach dem Muster seiner Hauptanstalt. Die vermehrten Ausgaben, welche diese Erweiterung der Vereinstätigkeit zur Folge hatten, erforderten auch eine umfassende Agitation zur Hereinbringung der nötigen Mittel, und die finanziellen Berichte zeigen, daß auch für dieses Jahr das Auslangen gemnden werden konnte, dank der Opferwilligkeit der Glaubensgenossen und dank erheblicher Subventionen, deren Gewährung gleichzeitig eine Anerkennung des wohltätigen Wirkens des Vereines in sich schloß. Wir erwähnen hier die Subventionen der isr. Kultusgemeinde, der Ersten Oesterr. Sparkaffa, des Bezirksrates Leopoldstadt, des Brigittenauer Fraueu-Wohltätigkeits-Vereines und endlich die Subvention des Wiener Gemeinderates. Besonderer Dank wird vonseiten des Vorstandes allen Faktoren gezollt, welche die Tätigkeit des Vereines und das erziehlich-humanitäre Wirken seiner Anstalten unterstützten, den Mitgliedern und Spendern, dem Bethausvorstande der Kinderbewahranstalt unter Führung der Herren S. B r o d und Dr. A. Steiner, dem Prediger im Bethaus der K'nderbewahranstalt Herrn Wilhelm Breuer, dem Mädchen-llnterstützungsvereine für die Zuweisung von Schülerinnen, der Baron Hirsch-Stiftung für die Gewährung von Stipendien an arme Schülerinnen, den Jnspektionsärzten Dr. Z a p p e r t und Dr. Redlich, endlich den Leitern und Lehrkräften der Anstalten. Am 7. Dezember 1905 fand in der Hauptanstalt, am 12. d. M. in der Filiale eine würdige Chanukafeier statt. Die Bildungskurse erzielten bei der unter Vorsitz des Herrn k. k. Landesschulinspektors Dr. Rieger am 28. Juni 1906 abgehaltenen Befähigungsprüfung außerordentlich günstige Resultate, und zum Schluffe wird die Tatsache erwähnt, daß im abgelaufenen Jahre wiederum zwei Schwestern des Klosters vom Orden des heil. Franz von Assisi an der Hauvtanstalt hospitierten. In der Hauptanstalt waren 320, in der Filiale 135 Kinder eingeschrieben. Kostrationen wurden insgesamt 26.670 verabfolgt. Die Netto-Ausgaben beliefen sich auf die ansehnliche Summe von X 33.328. An den Bildungskursen wurden 22 Schülerinnen ausgebildet und 74 Erzieherinnenposten an arme Mädchen vermittelt. Die Vereinsleitung besteht aus zehn Damen und zwei Herren unter der Führung der rührigen und umsichtigen Präsidentin Frau Sara v. Stern, der Frau Hofrat Elise G o m p e r z als Bizepräsidentin zur Seite steht. Die Kaffaverwaltung besorgt, wie seit Jahren, in der aufopferndsten Weise Frau Pauline K a u d e r. Die Leitung der Hauptanstalt ruht seit nun zehn Jahren in den Händen des Direktors Max Fischer und seiner Gattin, die Leitung der Brigittenauer Filiale ist der früheren Inhaberin Frau Julie Max anvertraut. An der Hauptanstalt wirken vier Kindergärtnerinnen und eine Wärterin, an der Filiale eine Kindergärtnerin und eine Wärterin. Der Lehrkörper der Bildungskurse besteht aus neun Lehrkräften unter der Leitung des Direktors Fischer. Der Bericht schließt mit dem Danke an alle jene, welche den Verein in seiner Tätigkeit unterstützten, aber auch mit der innigen Bitte an alle, die an dem Wohle der Kinder und an der Heranbildung des weiblichen Geschlechtes für den Erziehungsberuf Anteil nehmen, in den Kreis seiner Gönner einzutreten. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.) Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern der österr.-ungar. Monarchie um Aufnahme an den Verein wenden, und die bedeutenden Auslagen, welche die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von über 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu dem Beschlüße genötigt, die Aufnahme von Knaben während der Monate Dezember und Jänner zu sistieren. Wien. (H a n d a r b e i t s a u s st e l l u n g.) Dem „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" hat sich auch heuer aus den besten Gesellschaftskreisen eine Gruppe freiwilliger Helferinnen gestellt, welche vereint mit dem Vorstand, den Sommer zur Herstellung geschmackvoller, origineller und moderner Handarbeiten benützten. Dem eminent humanitären Verein gewidmet, gelangen diese Geaenstände vom 15.— 22. November d. I. im Bureau des Vereines, IX., Türkenstraße 17, I. Stock, zur Ausstellung und werden zu festgesetzten Preisen abgegeben. Es ist zu hoffen, daß dem edlen Zwecke aus dieser allgemein zugänglichen Exposition ein erheblicher Reinertrag zufließen wird. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um ' ,8 Uhr abends. Samstag, Sonn-und Feiertage 7 Uhr abends. W o ch e n p r a g r a m m: Freitag, den 16. November: Bibclvorrraq. Herr Religionslehrer Leopold W e i ß. Samstag, den 17. November : Konzert. Sonntag, den 18 November: „Bilder aus dem Rechtsleben." Herr Redakteur Siegfried Fleischer. Montag, den 19. November: „Oesterreichische Geschichte." (II.) Herr Dr. Edmund Jerusalem. Dienstag, den20. November: Naturwissenschaftlicher Zyklus. (I.) Herr Dr. H. Müller. Mittwoch, den 21. November: „Die Aufgaben der Frau in der Volkswirtschaft." Herr Leopold Spitzer. Donnerstag, den 22. November: „Sport und Judentum." Herr Direktor Ernst Lemberger. Freitag, den 23. November: Bibelvortrag. Samstag, den 24. November: Konzert. — Die diesjährige Vvrtragssaison wurde am 4. November mit den höchst interessanten Ausführungen des Herrn Rabbiners Dr. Feuchtwang über „Rabbi Möir von Rothenburg" eröffnet. Um das Gelingen des ersten Konzertes, das am 10. d. M. stattfand, machten sich Frau Schmitz (Klavier) und Frau Raja Barber -Walberg (Gesang) sehr verdient und ernteten stürmischen Beifall für ihre meisterhaften Darbietungen. Wie«. Sonntag, den 18. November, 4 Uhr nachmittags, findet im Bethause „Mikdosch m’at“, II., Kleine Schiffgaffe 8. aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes des Bethausvereines ein Gründungsfest verbunden mit der feierlichen Einweihung einer .“Hin 120 statt. Die Festrede wird Herr Rabbiner Dr. Julius Max Bach halten und die kantorale Funktion Herr Oberkantor M. S ch o r r samt Chor versehen. Wien. Fallen seh ich Zweig auf Zweig! So möchte man unwillkürlich in die Klageworte des Dichterfürsten ausbrechen, wenn man den Sensenmann so viel edle Reiser vom alten Stamme des Wiener Ur- Judentums fällen sieht. Vorigen Donnerstag hatten wir die traurige Pflicht, einen hervorragenden Mann dieser alten'Garde, den Seniorchef der alten und tiefreligiösen Familie Bing zu Grabe getragen. Der Heimgegangene Samuel Bing erreichte ein Alter von 69 Jahren, und wenn vor alten Zeiten Diogenes mit seiner Laterne am Hellen Tage Menschen suchte, so kann man jetzt in der Schönlaternschul während der dichten religiösen Finsternis noch edle und wahrhaft fromme Männer finden, ganz anders geartet, als in den anderen Synagogen die Tempelsucher zuweilen als fanatische Schwärmer und Finsterlinge sich zeigen. Dieser milde, tolerante Geist der Schönlaternschul war auch in der Person des Verewigten verkörpert und die große Beteiligung bei der Beerdigung gab beredtes Zeugnis von der hohen Achtung, die der Verblichene bei Lebzeiten allseitig genoß. Der berechtigten Trauer um den edlen Tobten, der in seinen Werken fortlebt, gab Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann an der Bahre aus dem Herzen kommenden Ausdruck und die erhebende liturgische Funktion versah Herr Obertantor Singer. In der Zeremonienhalle sprachen noch Herr Josef I e l l i n e k namens des Krankenvereines für „Krankenpflege und Unterstützung Handelsangehöriger Israeliten" und für die Wiener „B'nai B'rith" Herr Professor Josef P o l l a k. Mögen die Hinterbliebenen im Geiste des edlen Verklärten weiterwirken und so das Andenken des Gerechten zum Segen sühren Wien-Floridsdorf Emen unserer Besten haben wir letzten Freitag zu Grabe getragen. Herr phil. Dr. Leopold Grünwald. der viele Jahre als Präses der damals neukrererten Kultusgemeinde Floridsdorf tätig war und bis zur letzten Stunde die Obmannschaft des hiesigen Talmud-Thora-Vereiues bekleidete, ist im Alter von 67 Jahren in ein besseres Jenseits abberufen worden. Ein Mann, eine Zierde seines Standes, ein Mann der Gelehrsamkeit, ein Muster von Sanftmut, ein nachahmungs-

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