Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 43 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43. Die Wahrheit. Leite 5. Rabbiner Dr. A. K a m i n k a ...für Gebetbuch und hebräische Grammatik. Prof. Dr. Ludwig Singer .. .für Deutsch. Prof. Josef Baß...für Geographie und Geschichte. Supplent I. B o d a u s k y.für Naturgeschichte, Naturlehre, Mathematik. Supplent Karl E h r e n f e st.... für Turnen. Lehrer Rudolf Ko hu.für Kalligraphie. Gotthold Friedländer.für Gesang und Musik. Ueber Anregung aus Lehrerkr.eisen wird im Sinne des Antrages der Schulkommission beschlossen, einen Versuch mit der Vorführung von Bildern aus jüdischer Geschichte mittelst Skioptikon im Anschlüsse an den öffentlichen Religionsunterricht zu veranstalten. Der von Herrn Simon Edler v. Lämel, Wien, gegründeten Schule in Jerusalem, deren Kurator im Sinne des Stiftbriefes der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ist, wird für drei Jahre eine Subvention von K 2000 p. a. bewilligt. Die Erträgnisse des Dr. *0. S. Goldschmidt schen Legates gelangen an 19 Lehranstalten bezw. Wohltätigkeitsinstitute zur Verteilung. Weiters wird die Moriz Goldberger -Stiftung für Rabbinatskandidaten (1 Platz ä K 600) verliehen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um l/22 Uhr nachmittags geschlossen. * * * An sämtliche Blätter, welche die Interpellation des Abgeordneten Breiter veröffentlichten, ist seitens der Kultusgemeinde folgende Zuschrift gerichtet worden: Hochgeehrter Herr Redakteur! Ich erlaube mir die höflichste Bitte, der beifolgenden Richtigstellung seitens des Rabbiners Dr. David betreffend die in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 5. l. M. gestellte Interpellation Breiter in Ihrem weitverbreiteten Blatte gefälligst Raum geben zu wollen. Da ich bei der in Frage stehenden Predigt des Herrn Dr. David im Leopoldstädter-Tempel anwesend war, bin ich in der Lage, die beifolgende Richtigstellung zu bestätigen. Ich füge noch bei, daß bereits in der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 1. November 1906 eine diesbezügliche Interpellation an mich gerichtet und von mir sofort erschöpfend beantwortet wurde. In vorzüglicher Hochachtung der Präsident: Dr. Alfred Stern. Wien, 7. November 1906. Wollöbliche Redaktion! Mit Bezugnahme auf die in Ihrer Zeitung veröffentlichte Interpellation des Abgeordneten Breiter in der Sitzung des Reichsrates vom 5. d. M. betreffs einer von mir angeblich gegen die galizischen Juden gehaltenen Predigt, ersuche ich Sie im Interesse der Wahrheit um gefällige Aufnahme folgender tatsächlichen Berichtigung: 1. Es ist unwahr, daß ich eine Predigt gegen die galizischen Juden gehalten habe. 2. Es ist unwahr, daß ich unter Hinweis auf die Strafsache Nuchem Schapira die Wiener Kaufleute aufgefordert habe, mit den galizischen Juden alle Handelsbeziehungen abzubrechen. Wahr ist vielmehr, daß ich in meiner Predigt über das wahre Wesen der Religion gesprochen und dargetan habe, daß die Art von Frömmigkeit, die sich in der Beobachtung gewisser äußerer Formen und Observanzen betätigt, dabei aber gegen die Grundsätze des Rechtes uttd der Moral sich vergeht, vom Standpunkte der jüdischen Lehre, die vor Allem lautere Gesinnung und rechtschaffenen Wandel fordert, im höchsten Grade verwerflich und verabfcheuungswürdig ist. Unter Hinweis auf den Prozeß Nuchem Schapira, dessen Name ich übrigens ebensowenig, wie etwa einen seiner Mitangeklagten nannte, führte ich des weiteren aus, daß die in denselben zu Tage tretenden häßlichen Erscheinungen hauptsächlich in den traurigen wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen der armen jüdischen Bevölkerung in Galizien ihren Grund haben. Ich schloß darum meine Rede mit einem warmen Appell an alle edelgesinnten Glaubensgenossen, alle, auf die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der notleidenden Klassen der galizischen Juden gerichteten Bestrebungen aufs Eifrigste zu fördern. Wie also aus dieser summarischen Inhaltsangabe ersichtlich ist, habe ich in meiner Predigt, nicht g e g e n, sondern f ü r die galizischen Juden gesprochen und beruht darnach die Jnterpellation Breiter entweder auf einem Mißverständnisse, oder auf falscher Information. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. E. David Rabbiner der israel. Kultusgemeinde. Keiseeindrücke. ' Bon S. Binela. (Schluß.) Kunst und Geschichte lösen vorwiegend peinliche Jdeenverbindungen aus, darum noch weiter stromaufwärts gewandert, weg aus dem Weichbild der Stadt, an den Busen ländlichstiller Natur! Ich folge stundenlang dem Ufer des herrlichen Stromes und komme an Landhäusern und Billen vorüber. In der milden leichtbewegten Luft schweben Fäden des Altweibersommers, da stehe ich plötzlich vor den ausgegrabenen Ueberbleibseln der einstigen römisch-pannonischen militärischen Niederlassung Aquinkum. Merkwürdig! Ich kann meinem Schicksale nicht entgehen. Mit der Archäologie beginnt meine Qual anss neue.... Da stehe ich in der Arena, wo abwechselnd Gladiatoren und wilde Tiere miteinander kämpften und rings auf den Sitzen des Amphitheaters Raum für 3000 sich ergötzende Zuschauer. Mir fallen einige Verse Heines ans seiner Harzreise ein : Gras bedeckt jetzt den Turnierplatz, Wo gekämpft der stolze Mann. Der die Besten überwunden Und des Kampfes Preis gewann. Ach, den Sieger und Besiegten Hat besiegt des Todes Hand — Jener dürre Sensenritter Streckt uns alle in den Sand. Da sind die Reste der öffentlichen Bäder, zu denen das Wasser aus dem unfern gelegenen warmen Heilquellen herübergeleitet wurde. Noch bezeichnen viele erhalten gebliebene Pfeiler den Aquädukt, noch sieht man das Mosaikgetäfel des Frigidarium und Kaldarium, des Kalt- und Warmwasferranmes, noch stehen darin, um mit Homer zu sprechen, „schöngeglättete Wannen". Jsts nicht groteske Ironie, daß die Römer soviel Sorgfalt auf die Reinhaltung des Körpers verwendeten, den seelischen Schmutz aber fortzuspülen, gar keinen Versuch machten, Blutbäder anrichteten und sich daran weideten? Wie ein vergeßliche Alter uns immer wieder die alte Geschichte erzählt, so zeichnet sie jetzt Dinge in ihre Jahrbücher ein, die gealterte Klio, die sie schon vor Jahrtausenden mit ehernem Griffel eingeschrieben. Sinds nicht dieselben Bäder, als früher? Nur hießen sie früher römische, jetzt russische. Es fft dieselbe Bestialität, es sind dieselben Wüteriche, nur hieß mans früher Circenses, jetzt Pogrom. Doch hakt! Ich tue der Muse der Geschichte doch unrecht. So arg haben es die alten Heiden denn doch nicht getrieben. Aus dem Bade des gebildeten Römers entstieg kein Dampf, wie heute dem Dampfbad des rohen Russen. Wohl dampfte die römische Arena von vergossenem Menschenblute, aber ein so dichter Nebel konnte daraus nicht entstehen als bei den Massenmorden in Kiew, Odessa, Bjelostok und Siedlce. Wird sich der Nebel, der dem blut- und wutkiberauschten Kopfe des Russen entströmt, so stark zusammenballen, daß er ihn so einhüllt, daß der Ethnolog und Rasfenforscher künftiger Jahrtausende Mühe finden wird, ihn in Mischformen der Zukunft zu rekonstruieren? Ich glaube, ja! Ein Volk, welches von so raffinierter Grausamkeit erfaßt ist, muß vom Schauplatze abtreten, trotz seiner beträchtlichen Zahl, das lehrt das Beispiel der alten Römer, das läßt der jüngste Zusammenstoß mit Japan, dieser aufstrebenden Nation, zumindest ahnen. So saß ich denn