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Die Wahrheit · 1906-11-02 · Heft 42 (2.11.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 42 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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dir. 42. Seite 7. Die Wahrheit sondern ziehen die Berechnung der Gelder vor." Die weiteren Geschicke dieses Abraham sind nicht bekannt. Ungefähr zweiundzwanzig Schriften soll er verfaßt haben. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag abends, den 2 November 1906, Predigt im Stadt- Tempel. Wien. Gegenüber den offenbar auf eine bedauerliche Verwechslung beruhenden Mitteilungen der „Welt" und „Allg. Ztg. d. Indent." über das Ableben des allverehrten Herrn Lektor F r i e d m a n n in Wien, sei hiemit, gewiß zur Freude der weitesten Leserkreise, konstatiert, daß sich der greise Gelehrte der vollsten körperlichen und geistigen Rüstigkeit erfreut und ihm hoffentlich vom Allmächrigen noch ein langes Leben und Wirken beschiedeu ist. Wien. (Israelitische Allianz zu Wien.) In der gestern unter Vorsitz des Herrn David Ritter von Guttmann abgehaltenen Plenarsitzung der „Israelitischen Allianz zu Wien" wurde vom Präsidium berichtet, daß während der verstossenen Monate ans den gemeinsamen Mitteln der Hilfsorganisationen nach B j e l o st o k 77.000 Rubel (zirka X 183.000*, nach Siedlce 60.000 Rubel (zirka X 150.000) gesandt wurden. — In derselben Sitzung wurden aus den eigenen Mitteln der Wiener „Allianz" zugunsten der durch die Judenverfolgungen in große Not geratenen Wohltätigkeitsanstalten in Wilna. Kowno und Minsk 2600 Rubel (zirka X 6500), der Edler v. Lämel-Schule in Jerusalem für drei Jahre eine Subvention von X 3000 jährlich und einer Reihe von Kultusgemeinden und Mlnjan-Vereiuen zur Erhaltung des jüdischen Religionsunterrichtes an den betreffenden Orten Subventionen bewilligt. Wien. (Spenden sürdieOpferderJudenmassakres in Rußland.) Die „Israelitische Allianz zu Wien" erhielt weiters folgende Spenden: Wien: Hermann E l t b o g e n X 50, Ungenannt sein wollender Wohltäter (durch Herrn Emil Engl) X 36-50, B. A. (für Siedlce und Bjelostok) X 10, Sammlungsergebnis Alfred Meißner X 10, Isidor Llchtenstern X 10, Josef Oder X 6, im Betsaale des israelitischen Blinden-Jnstitutes an den hohen Festtagen: Jakob Schnabel X 50, Karl F l a n d r a k X 10, Wilhelm Kronstein X 10, Leopold Scharf X 20, Louis Z e r n e r X 10; im Betsaale der Kinderbewahranstalt: Moriz B e r l X 100, S. Guttmann X 10, Zacharias K o h n X 10, Adolf K e l l e r m a u n X 10, Sigmund Singer X 10, Dr. Anton Steiner X 10, Adolf Bauer X 6, Theodor Glaser X 5, Isidor Rosenberg X 5: Lipto Ujvar: Dr. Arthur Roth, Advokat, K 10; Napagedl: Joses G o l d st e r n (Tempelspende) X 5; Nen-Raußnitz: Richard L o e w X 5, Emil M a n d l X 5, Bertha K l e i n X 5, Hermann L a m p l X 6; W s e t i n : Vorstand der Chewra Kadischa (Maskirspende) X 10; hiezu die bereits ansgewiesenen X 34.305-57, zusammen bis 29. Oktober X 34.746-67. Weitere Spenden werden erbeten und im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", I., Weihburggasse 10, zwischen 9 und 1 Uhr vormittags einzeln bestätigt, oder per Postsparkassenkonto Nr. 8152. Wien. (Jüdische Kinderhorte.) Unter der Patronanz des israel. Humanitäsvereines „Eintracht" B'nai B'rith in Wien ist in diesem Frühjahre ein „B e r e i n z u r Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" begründet worden, der dazu berufen ist, eine fühlbare Lücke in der Reihe jener Institutionen auszufüllen, die der traditionelle jüdische Wohltätigkeitssinn geschaffen. In solchen Bezirken Wiens, in denen die ärmste Bevölkerung das Hauptkontingent der Einwohnerschaft bildet, werden Horte errichtet, die jene Schulkinder aufnehmen, welche sonst tagsüber auf die Straße angewiesen wären, in der Erziehung vernachlässigt und herabgekommen durch mangelhafte Nahrung, zu Schädlingen der Gesellschaft ausreifen würden. In schulfreier Zeit sollen diese Kinder der Aermsten in den Horten des Vereines beaufsichtigt und zweckmäßig beschäftigt, an Leib und Seele günstig beeinflußt, zu ordentlichen Menschen und zu guten Juden erzogen werden. Mit der Eröffnung dreier solcher Horte hat der Verein nach mehrmonatlichen Vorarbeiten in dieser Woche seine Wirksamkeit begonnen. In der Brigittenau, Othmargasse 46, im ärmsten Judenoiertel Wiens, wurde Sonntag, den 28. Oktober d. I. ein Knabenhvrt für 60 Schützlinge, und im XIV. Bezirke, Herklotzgasse 21, am Donnerstag, den 1. November d. I., ein Knaben- und ein Mädchenhort mit je 50 Schützlingen der Bezirke XII—XV feierlich eröffnet. Nach Maßgabe der verfügbaren Mittel sollen auch in den anderen Bezirken Wiens solche Horte eingerichtet werden. Im Hortlokale XX., Othmargasse 46, hatten sich am Sonntag nebst dem Bereinsvorstande, dem Lehrpersonale, den Schützlingen und deren Eltern zahlreiche Ehrengäste eingefunden. So waren erschienen: Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann mit den Gemeinderabbinern Herren Dr. David, Dr. Bauer und Dr. L. Reich, ferner als Vertreter des Knltusvorstandes Herr Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, Religionsschnlinspekror Professor M. Kanitz, der Präsident des Vereines „Eintracht" Herr Ernst Simon, Vertreter des israel. Humanitätsvereines „Wien" u. v. A. In der Begrüßungsrede führte Der Bereins-Bizepräsident, Herr Dr. I. Samuely, Zweck und Ziele dieser Institution aus und richtete an die Festgäste den den dringlichen Appell, nacb besten Kräften die gute Sache zu fördern. Der Schluß der Festrede klang in ein dreifaches Hoch auf den Monarchen aus, worauf die Hortzöglinge die Bolkshymne sangen. Herr Kultusvorsteher Herrmaun Eltbogen sprach namens des Bezirkes „Brigittenau" der Vereinsleitung Dank und Anerkennung aus. Namens des Lehrpersonales versprach der Hortleiter Lehrer I. Rosenbeck die hingebungsvollste Tätigkeit cm Interesse der schönen Aufgabe, die dasselbe zu erfüllen habe. In schwungvoller Rede würdigte nun der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr Dr. Markus Spitzer, die Bedeutung der Institution als humanitäre und ethische Schöpfung und die Tatkraft der Männer die ihr vorstehen. Mit den Worten des dieswöchentlichen Thoraabschnittes „Werde ein Segen" schloß der Redner seine Ausführungen, in welchen er die weitgehendste moralische und materielle Förderung von Seite des Kultusvorstandes in Aussicht stellte. Der Vereinspräsident richtete an die Eltern der Schützlinge die Mahnung, auch zu Hause den erziehlichen Bestrebungen des Hortes nachzuhelfen. Damit harte die schlichte und doch erhebende Feier ihren Abschluß gefunden. — An die Besitzenden sei die dringende Bitte gerichtet, in Entsprechung ihrer sozialen Pflicht diese schöne Institution durch Mitgliedsbeiträge und Spenden zu fördern. Der Sitz des „Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" befindet sich in Wien, I., Universitätsstcaße 4. Beirrittserklärungen und Geldbeträge wolle man an den Kassier, Herrn Emil Gottl. Tanßik, IX., Althanplatz 4, adressieren. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX.. Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: An Wochentagen um l',8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. W o ch e n v r o g r a;:i m : Sonntag, den 4. Nooemver d. I. (Eröffnungsabend) : Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, „Rabbi Mvir von Rothenburg". Montag, den 5. November: Professor Dr. Wilhelm Jerusalem: „Die Erziehung der Tanbbiinden". Dienstag, den 6. November: Elternabend, eingeleiter von Frl. Malvine F r i e d m a n n. Mittwoch, den 7. November: Univ.-Prof. Dr. Josef Pollak, „Ueber Darvinismus". Donnerstag, den 8. November: Dr. I. Samueln, „Mendelsohns Einfluß auf die Juden^E>n.inziparion". Freitag, den 9. November: Religionslehrer H. L ö w - B o g e l, Bibelvorrrag. Samstag, den 10. November : Konzert. Sonntag, den 11. November: Literarischer Abend. — Anmeldungen von Bortragen wolle man an den Obmann des Vereines, Herrn Dr. I. Samuely, Wien, I.. Fischerstiege 6, adressieren. Wien. (B e t h-H a mi dras ch.) Samstag, den 3. November 1906, 7 Uhr abends findet im Vereinslokale, II., Ferdinandsstraße 23 eine Feier ans Anlaß des neueröffneten Beth-Hamidrasch statt. Tagesordnung: Festvortrag, gehalten vom Präsidenten, Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Dieser Verein hielt am 27. d. M. eine zahlreich besuchte Plenar-Bersammlung unter dem Vorsitze des Präsidenten B r o d im Hotel Gnth ab. Derselben wohnte in Vertretung des k. k Handels-Ministeriums i Gewerbeförderungs-Dlenst) Herr Ober-Inspektor Zin bürg bei, der auch in die Debatte eingriff. Nachdem Herr B. B n ch w a l d seinen angekündigten Vortrag „über den B e r i ch t d e s G e w e r b e f ö r d e r u n g s- Dienstes" unter Beifall gehalten, an welcher sich eine lebhafte Diskussion anschloß, eröffnete Vorstands-Mitglied Fabrikant Frankl die Diskussion „über die Erhöhung der Post-, Telefon- und Telegrafen-Ge- « bühren". Herr Reichsrats-Abgeordneter D r. I u l i u s O f n e r, der von der Versammlung ob seiner Stellungnahme zu dieser Verordnung mit Beifallsrufen begrüßt wurde, entwickelte seine Anschauung, die Regierung könne diese Erhöhungen nur auf p a r l a m e n t a r i s ch e in Wege rechtmäßig durchfühlen, in geradezu geistreicher und hochinteressanter Weise. Die Debatte führte zu folgendem P r o t e st e an das k. k. Handels- Ministerium: „Die heutige Plenar-Bersammlung des Vereines zur Hebung der s Gewerbe, welcher Angehörige aller Branchen und auch Vertreter des! Handelsstandes anwohnten, protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die j von der Regierung in Aussicht gestellte, keineswegs begründete ErHöhung der Po st-, Telefon - und Telegrafen-Gebühren, welche gewiß geeignet wäre, alle produzierenden Stünde erheblich zu belasten. Sie protestiert auch gegen den Versuch einer Erhöhung ohne Mitwirkung des Reichsrates. Die Besucher dieser Versammlung machen es sich zur Pflicht, in ihren Kreisen mit aller Energie gegen die vorhandene Erhöhung zu agitieren." Ueberdies überreicht der Verein eine Petition an den Reichsrat, welche Herr Abgeordneter Dr. Julius Ofner selbst zu überreichen sich erbötig stellte. Um Mitternacht schloß der Präsident die animierte Plenar- Bersammlung. Wien. (B r i g i tt en a u e r israel. Unterstützungs- V e r e i n.) Die außerordentliche Generalversammlung dieses Vereines mit der Tagesordnung: „Auflösung" hat Montag, den 29. Oktober in Philipp Haars Restauration. XX., Treustraße, 8 Uhr abends stattgefunden. Archer den spärlich erschienenen Mitgliedern waren die Herren: Kultusvorsteher Herrmann E l t b o g e n in seiner Eigenschaft als Ehrenmitglied, Heinrich Weiner, Obmann des Kinderbekleidungsverentes „Die Brüder", Dr. Heinrich Schreiber und med. Dr. Redlich anwesend. Der Bereinsobmann Herr Adolf Schreib er eröffnete die Versammlung, die Erschienenen herzlichst begrüßend und führt«' mit sichtlicher Erregung aus, daß angesichts der allgemeinen Teilnahmslosigkeit kein anderer Ausweg aus diesem Dilemma übrig bleibe, als die Auflösung dieses seit 11 Jahren in der Brigittenau bestehenden und eminent Humanitär wirkenden Vereines. Hierauf hielt dessen Sohn, Dr. Heinrich Schreiber, Vize- Präsident der österr.-israel. Union, einen Vortrag über Armenpflege im allgemeinen und mußte derselbe der besseren Erkenntnis Ausdruck geben, daß nach dieser Hinsicht nicht die Zentralisation sondern die Dezentralisierung anstrebenswert sei. Es entspann sich sodann eine lebhafte und leidenschaftlich geführte Debatte wobei alle Ausführungen in dem Wunsche, kulminierten, den Verein fortbestehen zu lassen und die Bcigittenauer armen Glaubensgenoffen nicht auch diese Zufluchtsstätte zu rauben. Insbesondere I kalmierend auf die erregten Gemüter wirkten die Worte des Herrn Kultusvorstehers Eltbogen und so beschloß denn der wackere und aufopferungsvolle Gesammtvorstand - nachdem der Antrag auf Auflösung des Vereines von der Generalversammlung abgelehnt wurde — die Bereinsge-

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