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Die Wahrheit · 1906-11-02 · Heft 42 (2.11.1906) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 42 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Die Wahrheil 'Jcr. 42. Lene 4. nach der Tradition auf dieser Stelle hinabgestürzt worden und den Märtyrertod gestorben sein soll. Jedoch von einem Bischof solchen Namens wußte kein Lexikon was zu. vermeldensovstl ich ihrer auch nachschlug. Sogar das „Lexikon für das katholische Deutschland" schweigt sich über den heiligen Mann gründlich aus. O wie sind doch diese Magyaren so denkmalsüchtig! Einer Gestalt, die der Sage und Mythe angehört, errichten sie eine Kolossalstatue und dem stets anonym gebliebenen Verfasser der ersten Geschichte Ungarns, aus der Zeit des Königs Bela gleichfalls eines. Es ist dies ein Fall, der nicht seinesgleichen hat. Was würde man wohl dazu sagen, wenn mau in Deutschland den unbekannten Verfasser der „Nibelungen- Not" durch ein Denkmal ehrte? Wo standen und stehen hingegen die Standbilder unserer Heroen, wo das des Moses'? Nun Michel Angeto hat ihn gemeißelt, doch es bedarf keines in die Augen springenden Hilfsmittel der Erinnerung; seine Spur wird nicht in Aeonen nntergehen, denn verpönen auch unsere Religion und unsere Bräuche die bildliche Darstellung, so ist unser jahrtausend altes Schrifttum doch ein Denkmal aere perennius, dauernder als Erz. (Schluß folgt.) Ungeteiltes Judentum. Motto: Ist denn kein Balsam in Gilead, oder gibt es keinen Arzt daselbst? Warum ist denn daun nicht gelungen die Heilung meines Volksstammes? Jer. 8, 22. Anlaß zu diesen Betrachtungen gaben die höchst bedauerlichen -Vorgänge bei der jüngsten Union-Versammlung im Restaurant Guth, wo die junge Generation der Zionisten in großer Majorität vertreten war und ihre momentane Macht mißbrauchte, so daß dem Vorsitzenden, Herrn Dr. H. Schreiber, bei aller Toleranz nichts übrig blieb, als die Versammlung wegen der turbulenten und renitenten Elemente einfach aufzulösen, wodurch einzelne zur Rede vorgemerkte Herren ihr Wort verloren, ja beinahe sprachlos dastanden. Und eine solche ungehaltene Rede möge hier in extenso Raum finden: Einer der Redner sprach von einem unheilbaren Judentum, ohne die Krankheit zu schildern, an der es laboriert, und doch kann ohne richtige Diagnose keine zutreffende Prognose gestellt werden. Meines Erachtens dürfte die Heilung Israels leicht geftmden werden, wenn man diesem ominösen Worte, das die Todeserklärung Israels involviert, den bescheidenen Buchstaben ..t" einschaltet; denn gerade in der Spaltung des jüdischen Volkes in Parteien lag zu allen Zeiten der Keim und Kern seines Verderbens. Und wie es zur Zeit der Zerstörung Jerusalems der Fall war, wo die Zeloten einem R. Iochanan ben Sakkai die Zusammenkunft mit Vespasian zu erschweren suchten, so geschieht es auch heute durch die systematisch geschürte und genährte Uneinigkeit, und die Folge dieser Zerrüttung und Zerrissenheit ist die Schwächung des Gesamt-Organismus, dem die besten Kräfte entzogen werden. -rwx nnx w'x -5212V2 Wir allesamt sind Söhne eines Mannes, wir müssen also Männer und keine Memmen sein, ferner müssen wir ein unteilbares Ganzes bilden, dann kann keilt äußerer Feind uns drohend ttahen, wenn er sieht, daß wir nach innen einig sind; hingegen wird die Gefahr erhöht, wenn zu dem fremden Angreifer der eigene Bruder sich gesellt. Sogar der heidnische Erz-Antisemit Bileam rühmt diese jüdische Nationaltugend der Solidarität durch die Harmonie des Familienlebens und empfiehlt und konstatiert eine gewisse Isolierung Israels, yaar -mb oy jn Um seine Eigenart zu bewahren und zu erhalten, ist bis zu einem gewissen Grade die Abgeschlossenheit und der Separatismus zu billigen, jedoch darf diese Angst vor der A s s i m i l a t i 0 n, bis zum Popanz gesteigert, nicht so weit gehen, daß wir auch die' guten Sitten und Seiten anderer Völker der Umgebung nicht nachahmen dürfen. Es genügt, wenn wir ihre Schattenseiten uns ferne halteu, doch biblischer als die Bibel müssen wir auch nicht sein, welche sofort im 2. Abschnitte des 1. B. M. den Rat erteilt, daß I a p h e t, oder griechische Bildung und Kultur, in dein Ztzlte Sems wohnen ntöge. Sv hat ein R. Juda Hann aßt bifc Kenntnis der griechischen Spräche sich angeöigNkt und war der Lehrer des Kaisers Antoninüs Pitts, auch dem großen Mäinibnides schadete durchaus nicht die Beschäftigung mit der aristotelischen Philosophie, Philo in Alexandrien befaßte sich mit dem System Platos, und Mendelssohn vertrat in seinen Schriften die Leibnitz-Wolfsche Schule. Nur vor Exzessen, gleich denen Elischa 6en Äbujas, wird itn Talmud gewarnt, und scheint es mir eine Demolistration am Unrechten Platze zu sein, wemi ein Führer der Nationalisten sich das Pseudonym „Acher" beilegl, zugleich aber das rein nationale Prinzip verbreitend — ohne Rücksicht auf die religiöse Gesinnung. Ebenso muß man auch dagegen freilich protestieren, wenn der Referent Dr. Alexander Mintzfrüher ein Jünger und Anhänger Herzls, sich als Darwinianer aufspielt, ohne zu erklären, daß auch dieser Naturforscher sich dagegen - wehrte, für einen Atheisten gehalten zu werden. Wenn dieser gewandte und gewiegte Redner, wie auch Sekretär Fleischer gegen den ultra-nationalen Standpunkt des Herrn Adolf Stand der Assimilation einzelne Konzessionen machten, so kann man dies nur billigen; ebenso ist es unbegreiflich, daß die Galiziauer in Harnisch geraten, wenn man die Tatsache erwähntdaß ihr Kultur-Niveau nicht auf gleicher Stufe stehe mit den andern, beispielsweise des deutschen Juden. Dies ist ja auch nicht ihre eigene Schuld,, sondern die ihres Milieu; denn jedes Land hat die ihm entsprechenden Juden. Darum also sei kein Streit und keine Feindschaft: urtix "nx "MX P irjp rpm iru x: bx —n. Ans der „Oesterreichisch - Israelitischen Union." Die bevorstehenden Kultuswahlen erhöhen die ohnehin schon hochstehende Spannung zwischen den einzelnen jüdischpolitischen Parteien in Wien und so nahm denn die am 26. Oktober im großen Saale des „Hotel Guth" stattgehabte öffentliche Versammlung der „österreichisch.-Jsraelitischen Union", deren Veranstaltungen übrigens schon seit einiger Zeit aufgehört haben Vereinsversammlungen zu sein, sondern sich zum Rendezvousplatz der jugendlichen zionistischen Elemente ansbilden, einen sehr erregten und stürmischen Verlauf. Wir möchten nicht gerne mißverstanden werden. Wir bedauern es keineswegs - daß die jüdische Jugend, namentlich der intelligente Teil derselben reges Interesse den Gemeindesragen und jüdischen Fragen entgegenbringt, aber das soll nicht dahin ausarteu, daß durch ihre Teilnahme an Versammlungen der Terrorismus in dieselben einzieht und die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird. Von dieser Erwägung sollten die Führer der zionistischen Partei sich leiten lassen und in dem Sinne auch kalmierend auf ihre Anhänger einwirken. Der Versammlung, wohnten u. A. bei: Reichsratsabgeordneler Dr. Strauch er, die Kultnsvorsteher Eltbogen, S. Landau, kais. Rat W. Pollak und kais. Rat. Leop. Sachs, Gemeinderat Dr. Oskar Hein und der gewesene zionistische Abgeordnetenkandidat in Brody-Zloczow, Herr Adolf Stand aus Lemberg. Im nachstehenden der Bericht: Nach Eröffnung der Versammlung durch den Präsidenten Sigmund Mayer erstattete Sekretär Fleischer einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des R e ch ts s ch u tz b u r e a u s der „Union" während der Sommermonate, welche mit lebhaftem Beifalle ausgenommen wurde. Sodann referierte Herr Alexander Mintz über das Thema: „Die gegenwärtigepolitische Lage des Judentums". „Im politischen Parteileben des Judentums, so führte der Redner aus, lassen sich heute drei große Gruppen feststellen:! die sogenannten Assimilanten, die Nationalisten und die Zionisten. Zu diesen gesellen sich nun' die Territorialsten, oder schlechtweg Jtoisten genannt. Er behandelte nun eingehend die Entwicklungsgeschichte dieser politischen Parteien in Rußland, Rumänien, Deutschland und andern Ländern und kam nach Erörterung der Lage der Juden in Oesterreich zu folgenden Schlüssen:

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