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Die Wahrheit · 1906-10-26 · Heft 41 (26.10.1906) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 41 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheil Nr. 41. Austerlitz und Durkan 568 Schützlinge untergebracht, die mit ansehnlichen Gewichtszunahmen und in erheblich gebessertem Gesundheitszustände zurückkehrten. Seine Bestrebungen mbezug auf die Vervollkommnung der hygienischen Einrichtungen in den Kolonien hat der Bereinsvorstand auch in diesem Jahre ersolgreichst fortgesetzt. Unterstützt wurde er in diesen Bemühungen durch die Firmen: S. Mestnitz & Sohn, Raudnitz, durch Spende eines Staübsaugapparates „Atom", Delphin Filteru n d Kunst steinfabrik durch Spende eines Filtrierapparates, The P c r o l i n Fabrikation P. B r i ck rc. rc. Die Schenkungen dieser Firmen haben ihren Zweck nicht nur erfüllt, sondern sich als ganz ausgezeichnete Produkte der heimischen Industrie erwiesen. Die Errichtung eines Seehospizes für jüdische Kinder, deren dringliche Notwendigkeit wir in einer der nächsten Nummern eingehender beleuchten werden, bildet gegenwärtig den Gegenstand ernster Beratungen des Vereinsvorstaudes. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Samstag, den 27. Oktober, präzise 8 Uhr abends, findet im Saale des Hotel Guth, EL, Stesaniestraße 14, eine Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag unseres Mitgliedes Herrn B. Buchwald: „Ueber den Bericht des Gewerbeförderungsdienstes ” des technologischen Gewerbemuseums" und damit verbundene Diskussion. 3. Freie Diskussion über die „Erhöhung der Post-, Telephon- und Telegravhen-Gebühreu". Dieselbe wird vom Reichsrats-Abgeordueten Herrn Dr. Julius Ofner und unserem VorstandSmitgliede Herrn Franz Frankl emgeleitet. 4. Anträge und Interpellationen. Wien. (Bevorstehende Auflösung des Brigitteuauer israel. Unterstützungs-Vereines.) Die Leitung des genannten Vereines versendet em Zirkular, in dem sie ihre Mitglieder zu einer am 29. d. M. stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung mit der Tagesordnung: „Auflösung deS Vereines" einberust, da dem Vereine nicht genügende Mittel zur Verfügung stehen, um die an ihn seitens der zahlreichen armen Bevölkerung gestellren Anforderungen zu erfüllen Es sei der Bereinsleitung daher unmöglich geworden, der großen Mission, Augenblick-Unterstützungen und Schutz vor Delogierung den bedrängten Glaubensgenosten zu bieten, auch nur teilweise gerecht zu werden. Der XX. Wr. Gemeindebezirk ist bekanntlich der Ansiedlungsrayon der armen und ärmsten jüd. Bewohner Wiens. Dieser Bezirk beherbergt mehr als 15.000 jüdische Seelen, von denen ein kleiner Bruchteil Gewerbetreibende in mehr oder minder geordneten Verhältnissen sind, während die große Maste ein Proletariat in des Wortes traurigster Bedeutung darstellt, das ohne festen Erwerb nur problematische Existenzen aufweist, die von der Hand in den Mund leben, wenn sie überhaupt etwas verdienen. Von den zahlreichen Arbeitsunfähigen, Greisen, Siechen, Witwen und Waisen, armen russischen Flüchtlingen rc., gar nicht zu reden. In diesem. Bezirke des jüdischen Mastenelends steht seit 11 Jahren bloß ein einziger Verein als Bollwerk der Armut gegenüber und dies ist der Brigitteuauer israel. Unterstützungs-Verein! Fürwahr eine große Aufgabe, die vielleicht auch gelöst werden könnte, wenn nicht eine schreckliche Indolenz unter den Mitgliedern selbst herrschen würde; wenn nicht die wenigen Besitzenden in diesem Bezirke sich völlig teilnahmslos diesem Vereine gegenüber verhalten würden und wenn die oberen Zehntausend sowie die berufenen großen Körperschaften sich nur einmal die Tatsache vor das Bewußtsein führen wollten, daß in der Brigittenau hunderte arme jüdische Familien, vom Schicksal verfolgte Menschen mit ihren Kindern am Hungertuche nagen. Es gibt zwei Wege, um den Ballast der Gesellschaft loszukriegen: In dem barbarischen Rußland besorgendies die sogenannten schwarzen Banden, in mehr zivilisierten Ländern wird die Äushungerungsmethode inauguriert, die auch gute Wirkung macht. „Nun ja, schwimme, wer schwimmen kann, wer zu plump ist, der gehe unrer." Deswegen werden sich ja unsere Millionäre, die das Leben allerdings bester zu erfaßen verstanden haben, keine grauen Haare wachsen lasten. Wozu denn auch das arme Pack, das die „bessern" und „anständigen" Menschen doch nur belästigt und ihnen Ungelegenheiten bereitet? Was nun den Verein als solchen anlangt, so muß hier ganz unverhohlen gesagt werden, daß es nicht angehe, die ganze Last auf eine einzelne Person zu wälzen. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer. Der Vereiysobmann Herr Adolf Schreiber ist, um ein neugeprägtes Wort zu gebrauchen, das große Schwungrad in diesem Vereine; er leistet allerdings ganz bedeutendes: den ganzen Tag auf den Füßen, sucht die Behausungen der Bittsteller auf, klopft an den Türen der Besitzenden. Ein Gerechter aber genügt auch nicht, um Sodom und Aurora vor dem Untergange zu bewahren, und noch weniger genügt eine einzelne Person, um die Not unter der Brigitteuauer jüdischen Bevölkerung selbst nur zu lindern. Da wüsten viele zusammenwirken, die guten Willens sind, das Herz auf dem rechten Fleck haben und wissen, daß wenn Kinder hungern, dies eine recht traurige und böse Sache ist. In diesem Sinne wünschen wir, möge die Generalversammlung am kommenden Montag ihre Beschlüße fasten. Nicht die Auflösung, sondern der Fortbestand des Vereines soll die Lösung sein. Eine Schar beherzter unabhängiger Mitglieder stelle sich mit frischer Kraft in den aktiven Dienst der Sache, es gilt einem guten Werke. Man muß nur ernstlich und energisch wollen, dann ist der Erfolg auch gesichert. N. Ch. Wien. Nach sechsjähriger verdienstvoller Tätigkeit als Bereinsobmann legte Herr Bernhard Ober diese Ehrenstelle im Bethaus- und Krankenunterstützungsveeein „Bne-Berith" bei der jüngsten General-Versammlung nieder, und an seiner Stelle wurde Herr Heinrich G a ß n e i, ebenfalls ein energischer und zielbewußter Mann, einstimmig gewählt. Hoffentlich gelingt es demselben, den Verein auf der bisherigen Höhe zu erhalten, bezw. durch Erbauung einer Synagoge sein Ansehen zu heben. Anläßlich der Hochzeit seiner Tochter Bertha mit Herrn Julius T a s k i r am vorigen Sonntag im Klucky-Tempel wurde Herrn Salomon Meller, Obmannstellvertreter unseres Vereines, durch Anwesenheit des Gesamtvorstandes bei der Trauung, wie auch durch Ueberreichung des Diplomes als Ehrenmitglied ausgezeichnet. Religiöse Gesinnung und solidarisches Zusammenhalten, wie auch die Hochachtung vorüber Thora und deren Vertretern sind die drei besten und festen Pfeiler für den Fortbestand dieses Vereines, wie überhaupt jeder jüdischen Vereinigung. Wien-Floridsdörf. (H e b r ä i s ck e F o r t b i l d u n g s k u r s e für Mittelschüler.) Behufs Erweiterung des Wissens unserer Mittelschüler in der heiligen Schrift sowie in der hebräischen Sprache hat unser Herr Bezirksrabbiner Dr. M. R o s e n m a n u eine besondere Abteilung an der hiesigen Talmud-Thora-Schule eröffnet. Diese Einrichtung findet viel Sympathien nn Kreise der Gemeiudemitglieder und dürfte dem Talmud- Thora-Bereine neue Gönner zusühren. Budtveis Am 6. Oktober ist Herr David B u l l a t y, Ehrenmitglied der hiesigen Kultusgemeinde im 82. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene wirkte durch viele Jahre als Synagogenoorsteher und Vorsteher der Kultusgemeinde und seine Verdienste um das Gemeindewohl, insbesondere aber um den Bau des hiesigen Tempels sichern ihm ein ehrenvolles und dauerndes Andenken. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 8. Oktober unter überaus zahlreicher Teilnahme statt. Rosenberg. Das Leichenbegängnis unseres Heimgegangenen Rabbiners Philipp Lederer gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung Roseubergs. Im Trauerzuge bemerkte man den katholischen Pfarrer und seinen Kooperator, beu Bürgermeister nebst Gemeindevertretung, die Lehrer der Schulen und sonstige Andächtige, die in tiefer Ergriffenheit der Trauerrede des neugewählten Rabbiners, Herrn I. Schulhof, lauschten. Um den Unvergeßlichen trauern tiefgebeugt die Witwe und zwei Söhne, der eine, der bestbekannte k. u. k. Stabsarzt Herr Dr. Julius Lederer, der andere, Assistent der Staatsbahnen. Möge Gott die schwergeprüfte Familie trösten und vor weiterem Leide bewahren! Möge der Geist des Verblichenen in seinen Söhnen und Angehörigen fortleben und des Vaters edles Bild auch sie stets ermutigen und erheben in des Lebens Kämpfen und Leiden! Der Entschlafene hat seinen Kindern das Beste hinterlassen: den guten Namen, dessen Träger sie nunmehr sind. Wir sind des gewiß, daß sie wie ihr Vater für ihren Glauben schaffen und durch ihr edles Wirken ihn überall ehren werden. Szenicz. Am Chol hamoed Sukkoth wurde Frau Fülöp M a y r a n, eine ausgezeichnete, biedere, mit vorzüglichen Eigenschaften begabre Frau, unter zahlreicher Beteiligung in Ehren zu Grabe getragen. Wegen des Halbfeiertages konnte der Herr Rabbiner keine Trauerrede halten. Bei der Beerdigung wurden von der trauernden Familie an alle Armen und Bedürftige der Stadt ohne Unterschied der Konfession größere edle Gaben verabreicht. Der Schwiegersohn der Verblichenen, Herr Nathan Grünwald aus Wien, blieb zu den Feiertagen hier und als er beim Besuche des Tempels zur Thora gerufen wurde, bedachte er alle hiesigen Wohltätigkeitsvereine mit bedeutenden Geldspenden. Gott tröste die trauernde Familie! Preffburg. Die Anstalt zur H e r a n b i l d u n g i s r. Krankenpfleger hat schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens einen R u s e in or b e ii. der ihr jedenfalls zur Ehre gereicht. Die von der Anstalt ausgebildeten Krankenpflegerinnen, welche bei Kranken ohne Unterschied der Konfession ihren Dienst machten, wurden auch außerhalb Preßburgs gesucht und waren zu jeder Zeit „vergriffen". Teilweise wegen Krankheit und auch wegen freiwilligen Austritt von Pflegerinnen sieht sich die Anstalt bemüssigt, ihr Pflegerinnenmaterial aufzufrischen. Es ist ein Konkurs auf drei Pflegerinnenstellen ausgeschrieben. Die Pflegerinnen werden im ersten Jahre theoretisch und praktisch ausgebildet. Während dieser Zeit bekommen sie nächst unentgeltlicher Verpflegung ein Honorar von 12 Kronen monatlich. Nach einem Jahre jedoch, wenn sie nach erfolgreicher Prüfung als Stammpflegerinnen lebenslänglich aufgenomnien werden, erhalten sie außer gänzlicher Verpflegung und Oberkleidung ein Jahresgehalt von 240 Kronen, welches von 3 zu 3 Jahren bis 600 Kronen steigt. Reflektantinnen, zwischen 20 - 40 Jahren, haben ihr Gesuch an die Direktion der Anstalt (isr. Krankenhaus) bis 25. November l. I. einzureichen. Dem Gesuche ist ein Gebrnts-, Sitten- und Schulzeugnis beizulegen. Die Stellen werden mit 1. Dezember l. I. besetzt. — Die Anstalt versendet an die jüdischen Gemeinden Zirkulare, damit dieselben ihr zur Krankenpflege geeignete Personen empfehlen und dieser — in unserer Monarchie einzigen — derartigen Anstalt Unterstützung angedeihen lasten. Rözsahegy. Der Präsident der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde Jakob Klein wurde jüngst zum Stadtrichter gewählt. Karlstadt. Sonntag, den 7. d. M., fand hier im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde eine zahlreich besuchte Versammlung behufs Gründung eines Tempel.chorvereines statt. Herr Advokat Dr. I. R e ine r begrüßte Herrn Kultusvorsteher Sanitätsrat Dr. Stern, sowie die erschienenen Damen und Herren mit herzlichen Worten und begründete die Wichtigkeit dieses Vereines. . Nach längerer Debatte wurde die provisorische Vereinsrepräsentanz gewählt, und zwar: Präsidentin: Frau Marie Reiner; Vizepräsidentin: Frau Therese Aschkenazy; Kassier: Herr Siegfried Kramer; Archivar und Schriftführer: Herr L. Blau; Technischer Leiter: Herr Oberkantor David' M e i s e l; Ausschußmitglieder : Die Fräuleins F i s ch l, I o s e f o v i L, Hochsinger, Deutsch, Hauptfeld. Die Mitgliedsbeiträge wurden mit X 6 und I X 4 jährlich festgesetzt.

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