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Die Wahrheit · 1906-10-19 · Heft 40 (19.10.1906) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 40 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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OMr.-liiMi. Kantoren -Zeitung. Zum Artikel über 2"! fiEPa. Bon Ed. Birnbaum. Zu dem in Nr. 39 dieser Zeitschrift erschienenen Artikel: „R. Elia Wilna als synagogaler Reformer" gestatte ich mir, folgende Bemerkungen zu machen. Der betreffende Artikel ist eine sogenannte „Bearbeitung" des Aufsatzes von Dr. B. B e e r in der „Zeitung des Judentums", 1838 (Nr. 74/75), und wir wissen, was von solchen „Bearbeitungen" zu halten ist. Es ist keine freudige Aufgabe, das geistige Eigentum eines verstorbenen Gelehrten zu „retten", aber die Sache geht weiter: Wahrend dem Dr. Beer das Originalschriftchen m ntrya von 1832 mit seinen 250 Paragraphen Vorgelegen hat, muß ich dies von dem „Bearbeiter" bezweifeln. Für jenen waren die in den drei kleinen Abteilungen zur Auswahl gestellten Paragraphen (I. 26, 30, 31, 39, 41, 43, 44, 49, 50, 53, 55, 56, 67, 69. H. 116, 127 und 133, 132, 136, 158, 162, 193, 194, 224, 225, 229, 247. IH. 202, 203, 204, 205, 206, 207, 209, 213) aktuell, weil er den Artikel gelegentlich der Grundsteinlegung zur neuen Synagoge in Dresden (21. Juni 1838, die oben bezeichnete erste Nummer der „Ztg. des Judentums" trägt zufällig dasselbe Datum!) geschrieben und nur auf solche „Reformen" Rücksicht nahm, die damals für Dresden maßgebend werden sollten und mit Hilfe des neugewählten Rabbiners, Dr. Z. Frankel, auch durchdrangen.*) Darum sind in dem betreffenden Artikel manche Sätze durch Sperrdruck hervorgehoben. Der „Bearbeiter" aber hat einerseits den Schwerpunkt nach seinem individuellen Geschmack auf längst überwundene Dinge gelegt (es liegen fast 70 Jahre dazwischen!), indem er Sätze hervorhebt, die gar nicht hervorgehoben werden sollten, weil sie sich mit anderen Riten decken, andererseits Dinge übergeht, die gerade für die Leser einer „Kanto ren-Zeitung" mitteilenswert wären. Zum Schriftchen 2-, n®j?a sei erklärt, daß dasselbe nicht „die liturgischen Bestimmungen enthält, welche R. Elia Wilna für das von ihm besuchte Gotteshaus getroffen hat", sondern die Schrift berichtet, wie Dr. Beer richtiger sagt, über „die in seiner Synagoge eingeführte Liturgie", und zwar nach einer Niederschrift vom Vater des Herausgebers (ans dem Jahre 1817) und nach den Aussagen einiger anderer Schüler des Gaon (R. Saadia, R. Chajim Katz, R. Benjamm von Sklow, R. Chajim von Walosenic.).**) Seine Synagoge war, wie aus den späteren Editionen der Schrift hervorgeht, das — Beth Hamidrasch, für welches bekanntlich die Minhagim der „Schul" ganz irrevalent sind. Die Schrift ist viel verbreitet und kommentiert worden (selbst von Anhängern des chassidischen „Tanga", R. Schneor Salman, Verfassers des vorzüglichen Kompendiums -pir jr6w), es ist aber niemand eingefallen, sie als Reformschrift des Gaon zu deuten. (Ich erinnere auch an die Rommsche Ausgabe, Wilna 1887, mit neun Kommentaren, und an das liturgische Werkchen n*am nyp von Katzenelnbogen, Wilna 1871, welches aber eine andere Unordnung der Paragraphen aufweist und neben einem Kommentar zur yzv von R. Jonath. Eybenschütz, einen ganzen Kommentar zum Gebetbuch und vieles andere enthält. Vgl. hierzu Jellinek in der Zunz-Jubelschrift, S. 48.) Vom täglichen Gottesdieust heißt es nun im Original (§ 26): O'piOD -iKtr sbi -rran na*.:n tra x°rri narrV pr-a Pnnn :av bw i'w pn nban -in« *bi nban mp -nass was Beer folgendermaßen übersetzt: „§ 26. Der öffentliche Gottesdienst beginnt mit e>"2; weder vor, noch nach dem Morgengebete ist außer des täglichen Psalms (nr bv t*»p) irgend ein Psalm oder Bibelvers zu rezitieren." *) lieber die Grundsteinlegung siehe Emil Leh mann, Gesammelte Schriften. S. 189 u. 214. **) R. Elia Gaon selbst hatte seit 1760 nichts geschrieben. (I o st, Geschichte des Judentums und seiner Setten, 3, 249, Note.) Und in der ..Bearbeitung" lautet die Uebersetzung: „1. Der öffentliche Gottesdienst am Morgen beginnt mit V°2, weder vor, noch nach dem Morgengebei ist außer dem täglichen Psalm an barniara irgend ein Psalm oder Bibelvers zu rezitieren." Hätte der „Bearbeiter" das Originalwerkchen gesehen, er hätte (abgesehen von der wörtlichen Wiedergabe der Beerschen Uebersetzung) nicht nr bw nara für Bi' bw mw des Originals geschrieben!*) Damit die verehrten Kollegen beim Lesen dieser Zeilen nicht ganz leer ausgehen, lasse ich am Schluffe diejenigen Nummern des a-> ,-twa folgen, in welchen auf die Art und Weise der beim Gaon eingeführten Gesänge hingewiesen wird. dir. 163 (paa panp), Nr. 164 (ban by), Nr. 170 (msr naan “i'eh -Hirn), Nr. 175 (d-öjhm pr;a nib'ja ran), Nr. 193. (mar bps •Hin »mKann bi?sb .nwap dv ,Dnna *k), Nr. 195 (na-jai pnaa nns*m maw tava ,':p »n .mar bps Das nnyi), Nr. 207 (pM spia ->nrr V'np), Nr. 225 (man na'jas nao man nnrj tk) Nr. 227 (naaasi pnaa .pass -is’sa bp tara Pan by), Nr. 233 (mar bpi nana «^a» ins .nsntwii.pisnn -rnxn «nsm-ri rmxn). Aufruf! Das Hinmorden jüdischer Volksmassen scheint in Rußland nicht aufhören zu wollen. Immer wieder liest man, daß wehrlose Greise, unschuldige Kinder unter grausamen Qualen vernichtet werden, daß vertierte Menschen Leib und Leben jüdischer Mädchen und Frauen in verbrecherischer Gier zerstören. Weit und breit keine Hilfe! . ' Wohl sucht man der Not des Augenblickes zu steuern; es sollte jedoch mehr geschehen, als die Gabe des rasch verflüchtenden Mitleides zu bieten vermag. Wir wollen den verfolgten Juden eine dauernde Zuflucht gründen; wir wollen in Palästina an schon bestehende und gedeihlich arbeitende jüdische Kolonien neue Heimstätten für Ackerbauer und Gewerbetreibende angliedern, ein Streben, das uns mit den „Palästina-Kolonisationsvereinen" der ganzen Welt verbindet. Dort sollen unsere unglücklichen Stammesgenossen endlich nach blutiger Verfolgung, nach jahrtausendelanger Unrast, ein sicheres Heim, eine dauernde Heimat finden. Hier handelt es sich nicht um Zukunftsideen, nicht um Parteifragen. Hier gilt es rasche und dauernde Hilfe zu organisieren. Wir wenden uns daher an alle Edelgesinnten; wir ersuchen jeden, der noch einer Empfindung des Mitleides zugänglich ist, und unschuldige Menschenbrüder vom drohenden Untergänge retten will; wir flehen alle jene an, denen die Ehre unseres Stammes am Herzen liegt, treten Sie unserem „Jüdischen Kolonisationsvereine" bei! Beitrittserkärungenu. Geldsendungen**) erbitten wir uns an das Sekretariat, H/z, Gredlerstraße 9. Zentralkomitee des jüd. Kolonisationsvereines: Baurat Wilhelm S t i a ß n y. Emil Horner, Kais. Rat Leopold Sachs. Dr. Sigm. Zins, Licco Adutt. Dr.'Josef Bloch. Prof. Dr. S. Ehrmann. Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann. David Ritter von G u t t m a n n. Dr. Edmund K o h n. Baurat Oskar Marmore si Prof. Dr. Josef Pollak. Richard Rappaport. Ignaz Schiff. Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l. Heinrich (Jork) Steiner. Präsident Dr. Alfred Stern. Dr. Bsla T a u s s i g. Hofrat Siegmund Taussig. *) Auf das erwähnte Schriftchen'w habe ich in RahmerS Literaturblatt 1893, S. 74, Anm. 4, gelegentlich der Besprechung eines fynagogal-musikalischen Werkes hingewiesen, welche Stelle sich mit dem Wortlaut in -i fw?», § 175, deckt. Vgl. hierzu s"» zu 490, 9 und die Anm. 15 des R. Elia Gaon daselbst. **) Ein ordentliches Mitglied zahlt jährlich mindest K 5, ein immerwährendes Mitglied einmal für immer mindest L 250 und ein Stifter einmal für immer mindest X 2000.

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