Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 40 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 40. Die Wahrheü Seite 9. dienst einzuführen. Als Anerkennung dieser Tätigkeit und zur Ehrung des Kantors und Chores wurde am Simchas-Thora im Sitzungssaals der hiesigen Gemeinde eine Feier veranstaltet, bei welcher eine Jause für das Chorpersonal bereitet und Geschenke verteilt wurden. Die Eröffnungsrede hielt Oberkantor R a b i u o w i c z, woraus Landesrabbiner-Stellvertreter Herr Dr. S. F u n k, der Präsident der Kultusgemeinde Herr Dr.I. W e iß, die beiden Tempelvorsteher Herren S. Bauer und I. Z e i ß l, ferner der Chordirigent Herr I. Mayer, Volksschullehrer, dann die ersten Kräfte des Chores, die Herren Stekelmacher und Polak die Leistungen des Kantors und Chores gebührend würdigten. Nachdem noch mehrere Kompositionen von Kantor und Chor ausgeführt wurden, dankte Oberkantor Rabinowicz in hebräischer Sprache für die ihm zuteil gewordene Anerkennung. Mit Absingung der Simchas-Thora-Hymne schloß die schöne Feier. Brody. Am 21. d. M. begeht die israelitische Volksschule in Brody das Fest des 40-jährigen Dienstjubiläums ihres Direktors Dr. Leopold Herzet, emerittierten Professors am dortigen Obergymnasium. Szvkesfehervür. Voll aufrichtigen Bedauerns bringen wir die erschütternde Trauerkunde ücm dem leider allzufrüh erfolgten Ableben des Direktors Dr. Max Falud i, welcher auf der Mittagshöhe seiner erfolgreichen Lehrtätigkeit, im Alter von kaum 56 Jahren dahingeschieden ist. Wie die knorrige Eiche durch den aus den höheren Regionen jäh herniederzuckenden Blitz getroffen, vernichtet zu Boden sinkt, so trat auch bei Falud i der Tod jählings ein und zerstörte rasch und plötzlich ein schönes und segenvolles, der Wissenschaft und der Jugenderziehung gewidmetes und geweihtes Leben. In F a l u d i beweint und beklagt schwer und tief die trauernde Witwe, geborne Josesine Groß, den heißgeliebten Gatten, mit dem sie 16 Jahre in glücklichster Ehe gelebt, die hiesige Jsraelitengemeinde ihr hervorragendes Mitglied, der städtische Lehrkörper sein illustres Oberhaupt, die Stadt Szskesfehervär einen ihrer populärsten und gelehrtesten Bürger. Dr. F a l u d i wurde im Jahre 1851 in Baja geboren : Sein Vater Kolomau B e r n d o r f e r. ein ausgezeichneter Pädagoge, war der Begründer der Stuhlweißenburger Handelsschule und bestimmre seinen Sohn Max für den Lehrerberuf. F a l u d i besuchte die Schulen in Baja und maturierte in Szökesfehsrvär. Dann unterrichtete er als Privatlehrer, legte die Prüfung als Mittelschulprofessor ab und besuchte die Budapester Universität, woselbst er zum Doktor promoviert wurde. 1871 begann seine öffentliche Lehrtätigkeit an der hiesigen höheren Handelsschule, 1884 wurde er Direktor derselben und 1896 feierte er sein 25jähriges Jubiläum, bei welcher Gelegenheit der kön. ungar. Unterrichtsmimster an den Jubilar ein hochehrendes Anerkennungsschreiben richtete. Als Pädagoge.erwarb sich, Dr. F.aludi im ganzen Laude einen hochgeachteten Namen, und das mit vollstem Rechte, denn sein Verdienst ist es. daß die bescheidene Handels- | schule zu einer gut geleiteten höheren Handelsschule nmgestaltet wurde, die Minister Trsfort sogar znm Range einer Akademie erhob. Unter den vielen ausgegebenen Traueranzeigen wollen wir bloß eine Stelle aus der vom Lehrerkollegium gefertigten Parte hier wiedergeben. Sie lautet: „Die unvergänglichen Verdienste, welche der Verewigte sich um das Gedeihen unserer Anstalt, die ihm ihr Aufblühen verdankt, erworben, sowie sein liebevolles Kollegialitätsgefühl, wie nicht minder seine väterliche Liebe der studierenden Jugend gegenüber, haben ein unvergängliches Gedenken eingegraben in die Herzen seiner Vorgesetzten, seiner Professoren-Kollegen und seiner dankbaren Schüler!". Der dem Ritus entsprechende schmucklose Sarg war über und über mit Kränzen bedeckt, deren Kranzschleifen die innigsten Widmungen zeigten. Die Hörer seiner Anstalt schrieben die vielsagenden Worte: „Vater warst Du uns — Deine dankbaren Schüler." Zur Leichenfeier, dieso imposant war, wie sie unsere Stadt noch nie gesehen, hatten sich Tausende eingefunden. Alle Kreise und Bekenntnisse waren vertreten und der Sarg mußte auf den Komitatsplatz gebracht werden, allwo die Funeralien stattsanden. Unter den Trauergästen waren besonders stark die Mittelschulen vertreten, so das katholische Obergymnasium, die staatliche Oberrealschule, deren sämtliche Zöglinge unter Führung ihres gesamten Professorenkörpers und unter Vorantragung der Trauerfahne erschienen waren. Die Hörer der höheren Handelsschule hatten Trauerschärpen um den Leib geschlungen. Oberrabbiner Tr. Jakob Steinherz hielt eine gehaltvolle Trauerrede, in welcher er die hohen Verdienste, die der Seligentschlafene sich um das Schulwesen unserer Stadt in so reichem Maße erworben, würdigte und ihn als Gelehrten, Bürger, Menschen und Inden pries. In allen Lagen seines Lebens blieb er treu seinem Berufe, lebte er treu seiner Pflicht, war er ein guter Mensch und ein Mann in des Wortes edelster Bedeutung. Aller Augen füllten sich mit Tränen bei den ergreifenden Worten des Oberrabbincrs. Nach einem tiefempfundenen Gebete nahmen die Professoren der höheren Handelsschule die Bahre auf ihre Schultern und trugen sie abwechselnd mit den Hörern dieser Anstalt bis znm Schulgebäude, dessen Tor schwarz drapiert war und von dessen Giebel herab eine mächtige Trauerfahne wehte. Hier augelangt, machte der kolossale Trauerzug Halt, die Bahre wurde abgestellt und der Professor der höheren Handelsschule Johann P e f nahm ergreifenden Abschied von dem geliebten, allverehrtkn Direktor, dem besten Freunde und dem hingebenden Vater seiner Zöglinge. Professor Psk würdigte in seiner Rede die nie schwindenden Verdienste, die der Heimgegangene sich im heiligen Dienste des Unterrichtes als Professor, als Direktor und als Veranstalter zahlreicher Studienreisen nach dem Auslande erworben. Hierauf Würde der Sarg auf dem bereitstehenden Galaleichenwagen gehoben und der riesige Trauerzug bewegte sich der Koffuthgaffe, der Nüdorgoffe, dem Marktplätze und der Lovasbersnyerstraße entlang nach dem israelitischen Hotenselde, woselbst am offenen Grabe Oberrabbiner Dr. Jakob Steinherz für das Seelenheil des Verklärten ein Gebet verrichtete. Nun ergriff der Hörer der höheren Handelsschule Stefan S z o k o l y das Wort, um namens seiner Schülerkollegen schmerzlichen Abschied zu nehmen von dem vielteuren Toten. Damit war die Trauerseier zu Ende. Dr. Max F a l u d i hat dem jüdischen Namen vor aller Welr Ehre gemacht, und die hiesige Chewra Kadischa hat auch in Würdigung dessen dem Verewigten ein Ehrengrab überlaffen. Möge das Bewußtsein lreuersüllter Pflicht sein frühes Grab umschweben, aus daß er daselbst in Frieden ruhe! Dr. Hermann. Köln. Das Aktionskomitee der zionistischen Weltorganisation hat beschlossen, in Palästina eine große Waisenanstalt zu errichten, die für ruffische Judenkinder bestimmt sein soll, die in den letzten Prvgromen ihre Eltern beraubt worden sind. Die angestellten Erhebungen haben ergeben, daß sich noch eine beträchtliche Anzahl solcher Waisen in Rußland finde, deren Angehörige nicht mehr in der Lage sind, die Erziehung der Kinder zu übernehmen. Das Aktionskomitee hac die Vorarbeiten zur Ausführung seines Planes bereits begonnen und hat auch die anderen großen jüdischen Korporationen eingeladeu, sich an dem Werke zu beteiligen. Der Staatssekretär der Bereinigten Staaten von Nordamerika, Mr. Elhu R o o t, hat aus seiner jüngsten Reise nach Südamerika eine Abordnung der argentinischen Zionisten in Buenos Aires empfangen, die ihm eine Willkommadresse überreichten. Mr. Root antwortete dem Führer der Deputation, dem Mitgliede des Aktionskomitees, Herrn Aron B e ch t folgendes: „Ich danke Ihnen von Herzen für ihre freundliche Begrüßung und schütze mich glücklich Zeuge zu sein der warmen Gefühle, die das jüdische Volk gegenüber den Bereinigten Staaten hegt. Das amerikanische Volk wird immer mit Freuden bereit sein, dem jüdischen Volke überall in der Welt zu helfen. Ich bin aber überzeugt, daß die letzte Hilfe immer nur von der jüdischen Nation selbst Herkommen kann, wenn es ihr gelingen wird, ihre alte Heimat in Palästina wieder zu erlangen." Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: D. A b e s s i u i a, von Neworleans kommend. 14. Oktober 5 Uhr morgens auf der Elbe. D. A l b a n o, nach Newyork und Newport News, 14. Oktober 3 Uhr 40 Min. morgens Cuxhaven vassieri. D. Ambria, ans der Ausreise nach Ostasien, 14. Oktober 2 Uhr 45 Min. nachmittags Cuxhaven passiert. D. Amerika, nach Newyork. 13. Oktober 7 Uhr 50 Min. morgens Lizard passiert. D. B a r c e l o n a, nach Philadelphia, 14. Oktober 10 Uhr 45 Min. morgens *Zizard passiert. D. B a t a v i a, 13 Oktober 3 Uhr nachmittags von Newyork direkt nach Hamburg. D. B e t h a n i a von Baltimore kommend, 13. Oktober 6 Uhr 50 Min. nachmittags auf der Elbe. D. Blücher, von Newyork kommend. 14. Oktober 6 Uhr morgens auf der Elbe. D. Calabria, 13. Oktober m Colon. D. C h r i st i a n i a, 13. Oktober in Antwerpen. §). D a e i a, 14. Oktober morgens in Tientsin. D. Eg er, nach Mexiko, 13. Oktober 6 Uhr morgens von Antwerpen. D. Frisia, 14. Oktober in Montevideo. D. Fürst Bismarck, nach Havana und Mexiko, 15. Oktober 5 Uhr morgens Cuxhaven passiert. D. G r a s W a l d e r s e e, nach Newyork, 15. Oktober 7 Uhr 15 Min. morgens Prawle Point passiert. D. H a b s b u r g, 15. Oktober morgens von Iokahama. D. H a m b u r g, von Newyork nach Neapel und Genua, 14. Oktober 10 Uhr morgens von Gibraltar. D. H i s p a n i a, nach Mexiko, 13. Oktober in Pasages. D. H o e r d e, 13. Oktober in Narvik. D. N u b i a, von Newyork nach Ostasien, 13. Oktober von Algier. D. Pisa, von Newyork kommend, 13. Oktober 10 Uhr 35 Min. morgens auf der Elbe- D. Prinz Oskar, 13. Oktober 10 Uhr morgens in Buenos Aires- D. Prinz Adalbert, von Newyork nach Genua, 13. Oktober 8 Uhr abends in Neapel. D. S a v o i a, nach Persien, 14. Oktober in Port Sudan. D Schwarzburg, nach Westindien, 14. Oktober 6 Uhr nachmittags in Havre. D. S c o t i a, nach Westindien. 13. Oktober 12 Uhr 25 Mm. mittags Cuxhaven passiert. D. S e n e g a m b i a, aus der Heimreise von Ostasien, 14. Oktober 8 Uhr morgens von Foochow. D. S e v l l l a, nach dem La Plata, 14. Oktober 6 Uhr morgens Cuxhaven passiert. D. St. Jan, von Kopenhagen kommend, 15. Oktober 7 Uhr morgens Holtenau passiert. D. Teutonia, 13. Oktober nachmittags in Kobe. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdamprern finden statt' Nach Newyork: Die Postdamvser: Armema 20./10, Kaiserin Auguste Victoria 25./10., Pennsylvania 27./10.. Batavia 3./11.. Amerika 8./11., Patricia 10./11., Pretoria 17-/11. Nach Boston: Die Postdampfer: Bethania 23./10., Bosnia 3./11. Nach Baltimore: Die Postdamvser: Bethania 23./10. Bosnia 3./11. Nach Philadelphia: Die Postdampfer : Pisa 20./10., Acilia 30./10. Nach W e st i n d i e n : Die Postdampfer : Cheruskia 24./10., Bolivia 27./10. Nach Mexiko: Postdamvser Sardinia 29./10. Nach Neworleans: Postdampfer Naffovia 27./10. Nach Ostasien: Die Postdamvser: Hohenstaufen 20./10., Christiania 25./10., Alesia 30./10. Arabisch-Persischer D i e n st: Postdampser Canadia 14./11. Moderne Kochrezepte. Die Kochkunst besindet sich heute in einer stürmischen Entwicklung, hervorgerusen durch das Eindringen von Ceres-Speisefett in die Küche. Jede Hausfrau hat dabei ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Damit diese allgemein bekannt werden, haben die Nährmittelwerke ..Ceres" eine Preiskonkurrenz für moderne Kochrezepte ausgeschrieben. Jede Hausfrau kann die ihr geläustgen Speisen mii Ceres-Speisefett bereiten und dann ihre Rezepte einschicken. Es sind Preise bis zu 15.000 Kronen ansgesetzt. Adresse: Ceres-Preiskonkurrenz, Wien, XVII., Hauptstraße 67.