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Die Wahrheit · 1906-10-19 · Heft 40 (19.10.1906) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 40 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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au. 40. Die Wahrheit. Seite b. bewegung ausgeschaltet hatte. Hiefür gebühre ihm die vollste Anerkennung. (Begeisterte und langanhaltende Rufe: „Eljen Weiß!") Direktor Szekely verlas sodann die Kandidatenliste, welche einstimmig angenommen wurde. Ueber Antrag des Dr. Groß und des Dr. Ha laß wurden dem Reichstags- Abgeordneten Dr. Wilhelm Vazsonyi und dem Direktor Franz Szekely für ihre Bemühungen um das Zustandekommen der Eintracht und des Friedens Dank und Anerkennung votiert. Ministerialrat Dr. B allai schloß sodann die Konferenz mit der Bitte zum Wahlakt je zahlreicher zu erscheinen. . Die außerordentliche Generalversammlung am 14. d. M. wurde von Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n noch in seiner Eigenschaft als Vizepräsident eröffnet. Der Vorsitzende bezeichnete die Tagesordnung der Versammlung und entsandte ein Skrntiniumskomitö, das aus folgenden Mitgliedern bestand, und zwar: Ministerialrat Dr. Ludwig Ballai, Dr. Wilhelm Fried, Michael Gold mann, Professor Dr. Jonas Baron, Dr. Armin Links, Ladislaus v. Fürst. Zunächst wurde die Wahl des Präsidenten mittelst geheimer Abstimmung vorgenommen. Es wurden 134 Stimmen abgegeben, s ä m m t l i ch für Dr. Philipp W e i n m a n n. Dieser ist demnach für die noch rückständige einjährige Dauer des Cyklus zum Präsidenten der Pester israelitischen Religionsgemeinde gewählt. Von einer Deputation eingeholt, wurde Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n bei seinem Eintritt in den Saal mit lebhaften Eljenrufen begrüßt. Dr. Ludwig Ballai teilte ihm das Resultat der Wahl in kurzer Rede-mit. Der neu gewühlte Präsident legte dann in Kürze sein Programm dar. Mit einem Gefühl der Beklemmung nehme er das Resultat der Wahl entgegen. Er habe Bedenken, ob er auch über jene persönlichen und intellektuellen Eigenschaften verfügt, welche ihn befähigen würden, das Amt des Präsidenten gebührend auszufüllen. Seine Bedenken werden noch dadurch gesteigert, daß für seine Person das Vertrauen und die Sympathie sich nicht mit jener Allgemeinheit geäußert haben, deren, der Präsident bedarf, um seinen Beruf mit Erfolg erfüllen zu können. Dennoch will er dem an ihn ergangenen Rufe nicht aus dem Wege gehen, weil er sich zu der Auffassung bekennt, daß ein jüdischer Mann, den seine Glaubensgenossen ans eine Stelle berufen, nicht zurückweichen darf. Er fühlt sich überdies angeeifert durch die Voraussetzung, daß man seiner Wirksamkeit mit wohlwollendem Interesse folgen werde und daß man ihm, wenn diese Tätigkeit der Billigung begegnet, auch Unterstützung leihen werde. So hofft er mit der Zeit das ungeteilte Vertrauen und die Sympathie der Mitglieder der Gemeinde zu gewinnen. Niemand wird die Angelegenheiten der Gemeinde mit mehr Sachlichkeit beurteilen, als er, Niemand wird ein strengerer Richter seiner Präsidentenwirksamkeit sein, als er selbst. In dem Augenblicke, da er sehen wird, daß diese Wirksamkeit, aus welchen Gründen immer, der Gemeinde nicht zum Wohle gereicht, wird er sich ohne Zögern zurückziehen. Er nimmt also das Amt des Präsidenten mit Freude an, weil er es als eine große Auszeichnung betrachtet, und auch mit Stolz, weil er der Nachfolger des Hofrates Sigmund Kohner, eines Mannes wird, der nahezu vierzehn Jahre an der Spitze der Gemeinde gestanden ist und durch sein erfolgreiches Wirken für immer seinen Namen der Geschichte dieser Gemeinde einverleibt hat. Der neue Präsident legt auf die Arbeit das Hauptgewicht. Wenn er die Angelegenheiten der Gemeinde überblickt, gewahrt er viele Aufgaben, die der Lösung harren. Die Mängel des Gottesdienstes, des Unterrichtswesens, der Armenpflege, der Verwaltung heischen dringliche Abhilfe, die vorhandenen Einrichtungen müssen entwickelt, neue müssen geschaffen werden. Er will keine Versprechungen machen, will jetzt auch die Aufgaben nicht bezeichnen, mit welchen er in naher Zukunft sich beschäftigen will, noch auch die Mittel und Wege, die ihm zweckdienlich scheinen. So viel erklärt er aber schon jetzt, daß er die Befriedigung der Anforderungen des Gottesdien st es für eine Aufgabe hält, welche schleunigst gelöst werden muß. Er teilt ferner mit, daß die im Kultus- und Unterrichtsministerium jüngst gepflogenen Verhandlungen begründete Hoffnung dafür bieten, daß die Frage der Mittelschulen der Gemeinde in Bälde zur Entscheidung kommt und daß der in der Verwaltung der Regierung befindliche F r e i st ä d t le rff ch e Fond für diesen Zweck in Anspruch wird genommen werden können. Er verspricht, daß er mit der ganzen Wärme seines Herzens den Interessen der Gemeinde dienen wolle, in jüdischem Geiste, in patriotischer Richtung. Nicht fremden Beispielen folgend, sondern mit gebührender Berücksichtigung unserer eigenartigen Verhältnisse, stets nach dem Fortschritte strebend, aber niemals von den grundlegenden Rechtsgebräuchen des Judentums abweichend. Er dankt schließlich noch einmal und erbittet sich die Unterstützung der Mitglieder der Gemeinde. Dieser Rede folgten ungeteilter Beifall und lebhafte Eljenrufe. Dr. Emanuel Rozsavölgh ierklürt im Aufträge seiner näheren Freunde der bestandenen Weiß Partei, daß nicht persönliche Antipathie sie in den Kampf geführt habe; sondern sie wollten das Programm jenes Mannes, des Hofrates Weiß, verwirklichen, der im Interesse des Friedens in der Religionsgemeinde seine Person und seinen Namen aus dem Kampfe ausgeschaltet habe. Mit Freude nimmt er es zur Kenntnis, daß der neugewählte Präsident einen Teil jenes Programms, für welches auch sie gekämpft, in sein Programm aufnehme, welches die Vertiefung des jüdischen Glaubeuslebens und die Schätzung der Religion sich zum Ziele gesteckt. Hierauf folgte die Wahl zweier Vorsteher und dreier Ausschußmitglieder. Gewählt wurden mit je 130 Stimmen zu Vorstehern Josef v. Hatvany-Deutsch und Dr. Wilhelm Grauer. Zu A u s s ch u ß m i l g l i e d e r n wurden gewühlt: Ludwig Banmgarteu, Ministerialrat Dr. Ludwig Ballai. Dr. Emanuel R 6 zsnvölgyi nnd Julius W i n t e r b e r g. Hierauf ersuchte Präsident Hofrat Dr. Wein m a n n die hiezu designierten Herren, sie mögen die neugewählten Vorsteher einholen und in die Versammlung geleiten. Beim Betreten des Saales wurden die Neugewählten mit brausenden Eljenrufen bewillkommt und allseitig beglückwünscht. Sie begaben sich auf die Estrade, woraus der Präsident Hofrat Dr. Philipp Weininann sie als seine Kollegen begrüßte. Erbeglückwünscht dieselben zu ihren neuen Würden und rühmt deren bisherige Verdienste. „Sie, Josef von Hatvany-Deutsch, haben sich große Verdienste um die Alliance Jsraölite und um die Unterstützung der unschuldig verfolgten russischen Juden erworben; und Sie, Dr. Wilhelm Grauerhaben sich bereits als Mitglied des großen Ausschusses, als Tempelvorsteher und tatkräftiges Gemeindemitglied der Ihnen jetzt zuteil gewordenen Auszeichnung verdient gemacht." So ungefähr lauteten die Begrüßungsworte des Präsidenten an die neugewählten Vorsteher. Josef von Hatvany-Deutsch dankte in warm empfundenen Worten für die Auszeichnung, und auch Dr. Wilhelm Grauer richtete eine schwungvolle Ansprache an den Präsidenten und an die Repräsentanz. Beide Reden übten nachhaltigen Eindruck. Die Repräsentanz brachte dem Präsidenten, den Vorstehern und Ausschußmitgliedern Ovationen. Damit schloß die General- Versammlung. Wir haben seinerzeit bereits den neuen Präsidenten Hofrat Dr. Philipp W e i n ma n n unseren Lesern vorgestellt und erklärt, daß wir ihn sowohl als Hofrat Berthold Weiß gleichmäßig würdig erachten, die Präsidentenwürde der großen Pester isr. Religionsgemeinde zu bekleiden. Wenn wir dennoch für die Wahl des letzteren eingetreten sind, so geschah dies nicht aus Animosität gegen den Einen oder aus Sympathie für den Andern — umschatteten dabei die Personenfrage gänzlich aus — sondern wir hatten einzig und allein das mustergiltige Programm des Hofrat Weiß vor Augen. Nun Hofrat Dr. Wein mann sich den Haupteil desselben zu eigen gemacht hat, sind wir mit dem Geschehenen vollkommen zufrieden. Josef von Hatvany-Deutsch, der Sohn des unvergeßlichen Bernhard Deutsch de H a t v a n, ist der würdige Sproß einer hochangesehenen jüdischen Familie, die in Ungarn hochgeachtet ist und unter den ungarischen Juden den ersten Platz behauptet. Er ist Großindustrieller und Gutsbesitzer und bekleidet auch in der Judenheit allererste Ehrenstellen. So gehört er dem Zentralkomitee der Alliance Jsraölite Universelle in Paris als langjähriges Mitglied an und ist auch der Präsident des Budapester Zweigkomitees dieses Weltvereines: er ist Präsident

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